Fakt ist: Klimaskeptiker wollen Fakten 1



Argumentative Widerlegung klimaskeptischer Borniertheit

Ich war wieder einmal in eine Diskussion verstrickt. Mit jedem weiteren Satz, welcher meinen Gesprächspartner von mir und ich von ihm zu hören bekam, entfernten wir uns naturgemäß aufgrund der konträren Grundhaltung mehr und mehr voneinander weg. Nicht zum ersten und sicherlich auch nicht zum letzten Male wird mir dieses widerfahren. Und trotzdem ärgere ich mich immer noch. Selbst retrospektiv, während ich diese Zeilen schreibe. Nicht einmal in erster Linie über meinen verbalen Antipoden bezüglich des Klimawandels, sondern vielmehr über mich selbst. Denn meine Überzeugungsarbeit war einfach nicht die beste. Gelinde gesagt und geschrieben war meine vertretene Position an diesem Tage unter aller Sau. Ich hatte auf gewisse verbale Erstschläge meines Kontrahenten, um ein etwas martialisches Wort zu verwenden, weder die notwendigen Gegenargumente noch die Schlagfertigkeit parat, welche es rückwirkend gesehen durchaus gegeben hätte, um mit schlüssiger Argumentation die Haltung und die Scheinargumente sinnvoll zu entkräften.

Natürlich habe ich dies, zuhause im stillen Kämmerlein und grollend grimmig die wortreichen Wunden leckend, auf einen schlechten Tag geschoben. Ich war einfach nicht gut KlimaFakten.de ist ein Projekt der European Climate Foundation. Die European Climate Foundation wurde 2008 als gemeinsame Initiative mehrerer internationaler Stiftungen gegründet.drauf, meine Gedanken waren woanders, ich hatte zu viel andere Dinge im Kopf. Kennen wir alle. Doch so simpel ist es leider nicht. So leicht kann und darf ich es mir dabei einfach nicht machen. Wenn schon wortreich (natürlich nicht nur mit Worten) gegen den Klimawandel anfechten, dann muss dieses Vorhaben Struktur und Sinnhaftigkeit mit dementsprechenden Inhalten haben. In diesem Falle war es die aufgestellte Behauptung meines klimaskeptischen Freundes, der es trotz aller Differenzen auch bleiben wird, dass die gemessene Klimaerwärmung mit dem Rekordwert von 1998 stetig zurückgehe und damit Besserung hinsichtlich der Ererwärmung in Sicht sei. Bumm, jetzt musste ich erst einmal nachdenken. Doch ich sage es gleich: Mehr kam dabei nicht heraus! Zumindest nichts Aussagekräftiges, was zur Verbesserung meiner Sicht der Dinge beigetragen hätte. Ich war voll aufgelaufen und dümpelte sozusagen auf einer Sandbank vor mich hin. Dass Wasser abgegraben und ich saß im Trockenen.

Natürlich ließ mir dieses Gespräch keine Ruhe. Schließlich bin ich der Überzeugung, dass sich der Klimawandel hauptsächlich auf anthropogene Verhaltensweisen zurückführen lässt. Also auf menschliches Tun und Handeln. Weiß ich auch, weil ich oft genug selbst mit meinem Alter ego und hautpsächlich auch mit anderen darüber philosophiere, diskutiere und sich letztendlich fast immer gemeinsame Positionen finden lassen, welche dieses bestätigen. Doch genau an diesem Tage hatte ich mit einem sogenannten Beweis klimaskeptischer Kriegsführung, bleiben wir immer noch im martialischen Grenzbereich, zu kämpfen, welcher mein ansonsten gut durchdachtes Konzept völlig durcheinander brachte. Also muss ich mich erneut vorbereiten. Nicht nur für zukünftige Gespräche mit Klimaskeptikerinnen und erklärten Klimawandelgegnern, sondern vor allem, um auch plausible Argumentationsketten und Gedankengänge für mich selbst bereitzuhalten, weshalb ich denn überhaupt diese Position beziehe. Für eine Überzeugung einzutreten und diese auch vorbehaltlos zu verfechten, ist eine Sache. Doch diese auch argumentativ schlüssig zu begründen, um die damit einhergehende subjektive Überzeugung mit entsprechend plausibler und vor allem wissenschaftlicher Erklärungen in einen objektiv logischen Zusammenhang zu überführen, ist schon ein kleines bisschen schwieriger.

Über den Artikel „Wider die Rosinenpickerei der Klimaskeptiker„, in der Süddeutschen von Stefan Rahmstorf und einen Gastkommentar von Fritz Vahrenholt, Vorstandsvorsitzender der RWE-Tochter RWE Innogy „Wir rutschen Hals über Kopf in die Ökodiktatur„, in welchem er die Behauptung aufstellt

Dabei mehren sich ohnehin die Zeichen, dass das Antriebsmoment für die „Große Transformation“ erlahmen wird, da die Klimaerwärmung seit 12 Jahren zum Stillstand gekommen ist und sich die wissenschaftlichen Stimmen (außerhalb des WGBU und des Potsdam-Institutes) mehren, dass wir vor einer langjährigen Abkühlungsphase des Klimas stehen.

hat mich dann das Internet leise schaukelnd auf eine wirklich informative Plattform namens klimafakten.de getrieben. Dass dort nicht nur Antworten zu eben dieser doch sehr folgenreichen Aussage „Die globale Erwärmung stoppte 1998“ mit entsprechenden Antworten, warum es eben nicht so ist, gegeben werden, sondern auch weitmehr klimaskeptische Hypothesen widerlegt werden, macht die Seite umso schmackhafter (für mich). Ich bin der Überzeugung, nur wer sich umfassend über die mittlerweile doch mehr und mehr ins Leere gehenden Behauptungen solcher Stimmen aus dem Umfeld der erklärten GegnerInnen informiert, welche den anthropolgischen Klimawandel als hausgemachte Hysterie abtun möchten, hat einerseits auch die chance, sich Gehör zu verschaffen und nicht mundtot an klimaskeptischen Gestaden zu versanden respektive Schiffbruch zu erleiden.

Doch scheinbar bin ich nicht die/der einzige Mensch, welcher in solch komplizierte Diskussionen verstrickt ist. Unter „Klima der Gerechtigkeit: Besuch von vorgestern“ finden sich überraschende Parallelen.

Ein elegant gekleideter Herr betrachtete aufmerksam unsere Poster und fragte dann mit poshem britischen Akzent was es denn mit „Climate Equity“ auf sich habe. Diese Frage hatte ich schon öfter gehört und erzählte ihm etwas von „effort and burden sharing“. Er gab sich über alles etwas erstaunt. Dann fragte er, welche „burdens“ ich denn meine. Na ja, sagte ich, eben die Lasten, die vor allem die Entwicklungsländer zu tragen hätten, die vom Klimawandel besonders betroffen seien. Die Frage kam mir schon etwas komisch vor. Dann sagte er: „There are no impacts by climate change. Carbon dioxide doesn’t do any harm. There will only be a maximum temperature rise of one degree.” Vor mir stand also ein Hardcore-Klimaskeptiker. Auf meine Nachfrage sagte er mir, dass er für das “Committee for a Constructive Tomorrow” hier sei. Das CFACT, wie sich das Committee abkürzt, bekam lange Zeit Geld von Exxon und Chevron und ist der Ansicht, dass die Diskussionen um die Bekämpfung des Klimawandels reine Hysterie seien. Dem bekannten Klimaskeptiker Fred Singer wird von CFACT gerne als Redner und mit Publikationen eine Plattform geboten. Dessen Pamphlete lagen auch auf dem Stand der Organisation in Durban aus.

Nun, dass führende Klimaskeptiker wie Fred Singer oder der nicht minder überzeugte Steve McIntyre weiterhin für ihre nicht sehr weitsichtige uneinsichtige Sicht der Negation anthropogischen Einflusses auf die Klimaerwärmung einsetzen und diese auch vehement vertreten, ist einerseits zwar unverständlich, aber andererseits eben Fakt. Doch wenn Christopher Monkton, so der Name des elegant gekleideten Herrn und „Besuchs von vorgestern„, dann wie folgt verabschiedet werden, halte ich dieses auch nicht für den richtigen Weg. „Herrn Monkton habe ich mitgeteilt, dass ich nicht weiter mit ihm reden werde. Mit seinem Vorwurf, dass das ziemlich einseitig sei, kann ich leben.

Genau diese fehlende Argumentation, welche mich über mich selbst ärgernd und verärgert im stillen Kämmerlein zurückließ, hat mich vielleicht wieder einen Menschen gekostet, um nun zum dritten Male mit martialischen Worten zu schreiben, welchen ich durch schlüssige Fakten von der Notwendigkeit der Bekämpfung des Klimawandels hätte überzeugen können. So, und nun muss ich mich noch etwas vor meinem eigenen Spiegel der Eitelkeiten stellen. Nicht, um mein Äußeres zu prüfen, sondern um an meinen rhetorischen Fähigkeiten zu feilen. Für mich der einzig vernünftige Weg, um möglicherweise noch die eine oder den anderen KlimaskeptikerIn, welche glücklicherweise jedoch ebenso weniger werden wie unglücklicherweise die polaren Eisflächen. Wer letztendlich das Rennen gewinnen wird, die erklärten GegnerInnen des Klimawandels oder die eisfreien Flächen an den Polarkappen, wage ich im Moment zwar nicht prognostizieren. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.          


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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