Von seekranken Dinosauriern: AIDA und TUI Cruises 1



Weiße Flotten, frische Seeluft, eine Brise Schweröl und eine Prise Profit

Man möchte es kaum für möglich halten. Habe ich doch nicht nur den Beginn der neuen Jahres verschlafen, sondern auch eine Preisverleihung. Und das, obwohl ich liebend gerne solchen Ereignissen beiwohne. Nicht immer, schließlich werde ich in den seltensten Fällen dazu eingeladen. Aber ich freue ich mich mittlerweile auch schon an den kleinen Dingen des Lebens und so betrachte ich eben neidvoll aus der Ferne, was mir aus der Nähe verwehrt wird.

Ferne. Zufälligerweise gerade zur rechten Zeit das richtige Stichwort. Weckt Assoziationen an Reiselust, an das im Begriff schon enthaltene Fernweh und dementsprechend Der NABU verleiht Deutschlands peinlichsten Umweltpreis “Dinosaurier des Jahres” in diesem Jahr an die Kreuzfahrtunternehmen AIDA und TUI Cruises.an Urlaub. Jetzt bin ich zwar nicht der Typus Mensch, welcher eine gemächlichen Kreuzfahrt viel abgewinnen kann. So auf dem Hauptdeck vor sich hindümpeln, von Luv nach Lee wanken, mittschiffs überlegen, ob Backbord nach links oder rechts zu steuern bedeutet und steuerbordseitig nicht wissen, ob ich mich nun gerade dies- oder jenseits von mittschiffs befinde. Immer schwingt unterschwellig die Angst mit, ob vielleicht ein Leck am Heck auf oder unter Deck meinem seefahrenden Leben voller Humbug, Lug und Trug auf irgendeinem Zwischendeck am Bug ein unwillkommenden Ende bereitet. So habe ich also bisher, sehe ich einmal von den beiden Ufern des Nils ab, diese Möglichkeit des Reisens aus meinem eroberungswütigen Dasein ausgeschlossen.

Was haben diese träge schaukelnden und auf dem virtuellen Meer vor sich hin schippernden Sätze nun mit seekranken Dinosauriern zu schaffen, welche ihren von längst vergangenen Meteoriteneinschlägen dahingerafften Mageninhalt in die stürmische See zu kotzen? Ich hatte im vergangenen Jahr, Sie wissen, ich verschlief den letzten Teil desselben in meiner Koje namens Schlafzimmer in den Armen von Orpheus mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit wie eigentlich jedes Jahr um diese seltsame Uhrzeit, um dann frisch gestärkt am ersten Tag des neuen Jahres mit welcher Jahreszahl auch immer am frühmorgendlichen Argonautenzug feinstaubbelasteter Pulverdampfreste verschossener und in den Lüften verglühter Silvesterraketen teilzunehmen.

Machen wir es jetzt kurz und steuern irgendeine Meerenge an, um endlich das verbale Ruder herumzureissen. Letztes Jahr bekam RWE-Kapitän, um im kreuzfahrenden Jargon zu bleiben, Jürgen Großmann stellvertretend für sein Unternehmen den vom NABU verliehenen „Dinosaurier des Jahres“ verliehen. “Aus reinem Machtkalkül und Profitstreben wird an einer Risikotechnologie festgehalten und gleichzeitig der notwendige Aus- und Umbau einer umweltfreundlichen Energieversorgung in Deutschland ausgebremst.”, wie ich unter „Dinosaurier des Jahres: Menschliche Fossilien“ schrieb.

Diesen peinlichsten Umweltpreis, wir könnten jetzt auch von einer „message in a bottle“ sprechen, haben sich nach Meinung des Naturschutzbundes 2011 die Verantwortlichen von AIDA und TUI Cruises redlich verdient.

Stellvertretend für die gesamte Hochseeschifffahrt verleiht der NABU den „Dinosaurier des Jahres 2011“ an Michael Thamm, Präsident AIDA Cruises, und Richard J. Vogel, Vorsitzender TUI Cruises. „Sie sind die Speerspitze der überaus lukrativen deutschen Kreuzschifffahrt. Sie dekorieren ihre Schiffe mit schönen Schlagworten wie Wohlfühlen, Fahrtwind und Seeluft – aber aus den Schornsteinen ihrer Luxusliner kommen enorme Mengen giftiger Schadstoffe. Von wegen Seeluft und Traumschiff! Für Küsten- und Hafenbewohner und die Umwelt sind sie der reinste Albtraum“, betont der NABU-Präsident. Tatsächlich ließen sich die bedrohlichen Emissionen eines Schiffs sehr leicht durch die Umstellung von Schweröl auf schwefelarmen Schiffsdiesel und eine geringere Fahrtgeschwindigkeit verbessern: „So lassen sich Schwefeldioxid und Feinstaub um bis zu 90 Prozent reduzieren, und der Ausstoß von klimaschädlichen Rußpartikeln verringert sich um mehr als 40 Prozent“, erläutert Dietmar Oeliger, Leiter der NABU-Verkehrspolitik. (Von wegen Traumschiff! NABU vergibt „Dinosaurier des Jahres“ 2011 an Chefs von AIDA und TUI Cruises).

Eine 2,6 Kilogramm schwere und aus Zinn gegossene Riesenechse als Sinnbild für Umweltschutz, der keiner ist. Der NABU zeichnet mit diesem Preis „Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus, die sich sowohl durch herausragende Einzelleistungen als auch durch die Summe ihres Gesamtwerkes in Sachen Umweltschutz als besonders antiquiert erwiesen haben.“ Es darf erbrochen werden.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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