Bio Natur - Der Weblog

31.1.2012

Antrag auf Beobachtung beim Bundesamt für Verfassungsschutz

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 08:37


Mehr Gerechtigkeit und Überwachung für alle BürgerInnen!

Antrag auf Beobachtung beim Bundesamt für Verfassungsschutz.Es ist ein ausgemachter und wohl auch hausgemachter Skandal, der sicherlich viele gesetzestreue Menschen betrifft, welche so unerkannt und unbekannt durch die ungeschütze Gegend fleuchen und kreuchen. Ich schwafle und schwadroniere hier über die Manipulationsmöglichkeiten durch die Medien, vergesse aber vor lauter Selbstmitleid, dass es unzählige Menschen gibt, denen es noch viel schlechter geht und die unter unvorstellbaren Identitätsverlusten leiden müssen, welche nicht einmal durch Fingerprint und Gesichtfelderkennung, Videoüberwachung und Datenvorratsspeicherung kompensiert werden können. Gutbürgerliche und Schlechtbürgerliche, welche seit Jahren unter unvorstellbaren Repressalien leiden müssen, ohne Hoffnung auf Besserung der prekären Gesetzeslage und Aussicht auf ein vollständiges Datenprofil. Denn was sich hier für ein diskriminierendes Verhalten von Seiten des Staates abspielt, ist schlicht und einfach geschrieben unverschämt.

Was ich hier anprangern muss, überschreitet bei weitem die Grenzen des Zumutbaren und darf von jedem halbwegs durchleuchtungswilligen Menschen, der sowieso nichts zu verbergen hat, so nicht hingenommen werden. Da wird sogar Franz Kafka (den brauchen Sie übrigens nicht mehr zu überwachen, der ist schon tot!) zum unscheinbaren Volksverhetzer, dem noch nachträglich “Der Process” gemacht werden sollte:

Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.

Ohne dass er etwas Böses getan hätte. So ein Schwachsinn! Der Mensch ist von Grund auf böse, hinterlistig und gemein. Oder noch schlimmer. Und deshalb hat er ein verbrieftes Recht auf verfassungsrechtlichen Schutz. Stellen Sie sich nur einmal folgende Situation vor. Sie werden von Ihren guten Freunden eines Tages völlig unvermittelt gefragt: “Was hast Du eigentlich am 11. April 1957 gemacht?” Und Sie Kretin? Stehen vollkommen ratlos und nichtswissend vor Ihrem Gegenüber, zucken hilflos mit den Gesichtsmuskeln und dann noch viel hilfloser mit den Schultern und das einzige, was Sie mühsam unter zusammengepressten Lippen und verzweifelt händeringend leise hervorbringend von sich geben, ist: “Äh, keine Ahnung!” Na, klingelt’ endlich? Wer solch eine Reaktion zeigt, muss etwas zu verheimlichen haben.

Können diese Augen lügen?
können sie auch gucken?
Würden wir Euch betrügen
ohne zu zucken!
Die Welt ist schlecht, hinterhältig und gemein.
Wollt Ihr die Wahrheit hören?
Nein!

Hat “Fettes Brot” gesungen. Die könnten eigentlich noch überwacht werden, wenn noch Platz im Speicher wäre, denn die Bandmitglieder leben alle noch. Glaube ich zumindest.

Wieder einmal wird die sogenannte Mittelschicht vollständig vom Verfassungschutz geprellt, missachtet, durch Nichtbeachtung und ungeteilte Unaufmerksamkeit bestraft und ins linke Abseits gestellt. Zumindest 27 Abgeordnete der Linkspartei in Deutschland haben die Gewissheit, am Programm für Beobachtung teilnehmen zu dürfen. Das Schlimme und der eigentliche Skandal daran: Sie müssen nicht einmal etwas dafür bezahlen, sondern bekommen diesen Rundum-Service vom Deutschen Bundesamt für Verfassungsschutz völlig kostenlos. Gratis, für lau, ohne auch nur einen Cent dafür zu bezahlen. Eine politische Kaste sondergleichen, die wieder einmal durch Gier und Egoismus vom Allerfeinsten auffällt. Das kann es wirklich nicht sein! Hier wird dem Grundsatz der staatlich verordneten Gleichbehandlung und der vaterländisch fürsorgepflichtigen Gleichschaltungsprinzip in solchen Maßen widersprochen, dass jetzt das Maß voll ist. Randvoll bis zum linken Rand und noch einen Tropfen mehr, der in einer perfiden Art sondergleichen in einem unbewachten Augenblick davongelaufen ist und das Weite gesucht hat, ohne sich ordnungsgemäß beim Verfassungsschutz abzumelden, sondern klammheimlich davongetropft ist.

Einige wenige Privilegierte bekommen hier einen Sonderstatus zugesprochen, welcher der Mehrheit der Bevölkerung verwehrt bleibt. Glaube ich zumindest, kann aber auch ganz anders sein. Fakt ist und bleibt aber. Ungerechtigkeit muss durch entsprechende gewaltfreie Mittel bekämpft werden und möglichst schnell aus dem unbeobachteten toten Winkel geschafft werden.    

Deshalb sagt Paul Boegle: “Wehrt Euch!” Wehret den Anfängen und rollt das dicke Ende am besten gleich von hinten auf, ohne den lästigen Umweg über das hässliche Paul Boegle hat das dringende Bedürfnis nach besserer Überwachung und Beobachtung. Das ausgefüllte Formular und den Antrag auf Beobachtung beim Bundesamt für Verfassungsschutz habe ich schon ausgefüllt.Mittelmaß und den unscheinbaren Mittelstandsmenschen zu gehen. Dank der taz, welche mir unter “Hallo Verfassungsschutz - Überwacht uns auch!” die linke Herzkammer, den linken Lungenflügel, die linke Niere, die linke Arteria pulmonalis und das linke, etwas zu grün geratene Auge geöffnet hat, möchte ich deshalb alle verantwortungslosen BürgerInnen aufrufen, diese Ungerechtigkeit jetzt und hoffentlich für alle Zeiten aus der unüberwachten Welt zu schaffen.

Es ist ein Skandal! Der Verfassungsschutz überwacht 27 Abgeordnete der Linkspartei. Warum nur die? Warum nicht mich? Das fragte Tabea Rößner, die medienpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, in einem offenen Brief an den Verfassungsschutz.

Und das können Sie auch. Die taz hat für Sie bereits ein Formular vorbereitet. Mit 14 guten Gründen zum Ankreuzen. Laden Sie sich einfach das PDF zum Selbstausfüllen runter und dann schnell an den Verfassungsschutz geschickt. Die freuen sich schon.

Das im Artikel der taz angesprochene PDF-Formular können Sie selbstverständlich bei Klick auf eines der beiden Bilder völlig unkompliziert herunterladen und nach eigenem Gutdünken ausfüllen. Die IP-Adresse brauchen Sie dabei nicht angeben, die wird höchstwahrscheinlich schon beim Download von den freundlichen MitarbeiterInnen ausgelesen. (Nicht jene von der taz).

So, ich denke, mit diesem verfassten Artikel kann ich getrost meine Einreichung des Antrags auf Überwachung beim Verfassungsschutz vergessen und bedanke mich schon einmal vorab für die freundliche Aufnahme in die Kundenkartei. Doch es gibt noch genug zu tun! Also packen Sie es an und werden auch Sie Mitglied in einer täglich wachsenden Gemeinschaft. Oder wollen Sie einsam und verlassen und von Vater Staat und Mutter Land geächtet am linken Rand der Gesellschaft vor sich hin vegetieren? Na also!

Deshalb: Mehr Vater Liebe Leute und Mutter Schutz von oben für die da unten. Vorsicht! Dieser Beitrag könnte ein paar satirische Bits und Bytes enthalten.

30.1.2012

Wir manipulieren, um zu manipulieren

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 03:30


Wir machen uns ein reales Bild durch glaubwürdige Bilder

How the media can manipulate our viewpoint. Ein Bild kann viele Dinge erzählen. Es kommt immer nur auf den richtigen Bildausschnitt und die gewähte Perspektie an. Der Manipulation durch die Medien sind durch heutige Bildbearbeitungs-Software fast keine Grenzen gesetzt.Ich hatte Ihnen unter “How the media can manipulate our viewpoint” beschrieben, wie ich mir ein Foto so zurechtlegte, dass es die von mir gewünschten Zwecke und Ziele, nämlich anschaulich unter “Ein Foto erzählt eine Geschichte” den dort (von mir fingierten) Inhalt glaubwürdig zu unterstreichen. Ebenfalls hatte ich geschrieben, dass Sie das linke Foto möglicherweise im Zusammenhang mit manipulativer Berichterstattung durch die Medien welcher Art auch immer schon einmal gesehen haben. Und auch in diesem zweiten Fall bin ich einen Schritt weitergegangen, denn ich war mit dem Foto einfach nicht rundum zufrieden. Zufrieden in dem Sinne, dass es für meinen Artikel “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte” noch den gewissen Feinschliff benötigte.

Ich habe mich dabei bestimmter Techniken bedient, wie sie tagtäglich von Medien, der Werbeindustrie oder sicherlich auch BloggerInnen wie mir verwendet werden. Ich habe durch die Wahl eines für meine Intention geeigneten Bildausschnittes Zensur sowie durch nachträgliche Retuschen am How media can manipulate our overview oder die Manipulation durch unkritische Informationsaufnahme. Wie sogenannte unwiderlegbare Bildbeweise gewünschte Informationen verbreiten und glaubhaft untermauern.Bildmaterial Manipulation betrieben. Ich habe bewußt die Wirklichkeit verfälscht. Und ich habe diesen Vorgang ein weiteres Mal unter “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte” wiederholt. Allerdings gibt es im “Original” einen entscheidenden Fehler, welcher bei genauerer Betrachtung auffällt. Denn wer genau hinsieht, wird die rechte Hand des Soldaten auf seinem Oberschenkel ruhend erkennen. Doch das Gewehr, welches über die rechte Schulter hinweg auf die Schläfe des “Kriegsgefangenen” zielt, wird ebenfalls von einer rechten Hand gehalten. Schlecht möglich und deshalb für mich verbesserungswürdig.

Also habe ich den Bildausschnitt nach links vergrößert, umfür meine LeserInnen auch wirklich nichts im Geheimen zu lassen, sondern darauf zu verweisen, dass hier ein dritter Soldat anwesend ist. Ich habe ja nichts zu verheimlichen, wäre noch schöner. Allerdings war mir die ganze Szenerie dann noch etwas zu menschlich. Die Hand, welche von rechts kommend den Kopf des Gequälten stützt, ist mir dann doch zu menschlich. Unbedarfte BetrachterInnen könnten doch tatsächlich auf die Idee kommen, dass hier Milde am waltenden Werke ist, was aber so gar nicht erwünscht wäre. Wir wollen ja über die Greuel ähnlich denen im (realen) Guantanamo berichten und nicht von Menschenwürde daherschwafeln. Also muss die stützende Hand weg! Die entstandene Lücke? Kein Problem, der Haarschnitt war sowieso nicht gerade vorteilhaft, also lassen wir die Haare eben wachsen und deuten darüberhinaus noch den Haaransatz über dem Unterarm an. Noch perfekter wäre es allerdings gewesen, wenn ich die Haare auch rechts des Gewehrlaufes eingefügt hätte. Denn so fällt es einem kritischen Menschen auf, dass irgendetwas nicht passt. Habe ich aber nicht getan, um Ihnen zu zeigen, dass es oftmals auf jedes noch so kleine Detail ankommt, um auch die letzte Unstimmigkeit zu beseitigen. Doch trotz Makel hat die Umgestaltung zwei Vorteile. Erstens wird der Blick sofort auf den Lauf der Waffe und deren Druckpunkt auf der Schläfe gerichtet und zweitens haben wir die Gewissheit, dass zwischenmenschliches Verhalten durch Berührung endgültig unter den blickdichten Tisch fällt. 

Wieder stand also ein bestimmter Inhalt im Vordergrund, den ich durch ein Foto unterstreichen wollte, um dem Gelesenen mehr Gewicht zu verleihen. Noch einmal habe ich die Wichtigkeit der Aussagen durch die nachträgliche Bearbeitung von Bildmaterial so zurechtgebogen. Natürlich ohne den geringsten Hinweis auf die eigenmächtigen Änderungen, schließlich möchte ich den LeserInnen nur das zeigen, was zu zeigen aus meiner Sicht erwünscht ist. Manipulieren, um zu manipulieren. Die Wahrheit? Ja selbstverständlich, nur eben ein bisschen geschönt und auf die Sprünge geholfen. Hier ein Strich weniger, dort ein paar Pixel hinzugefügt. Die Haare wachsen innerhalb von Sekunden, ein fehlender Daumen wird dank entsprechender Kenntnisse zum retuschierten Anhängsel. Daumen hoch und mit Haut und Haaren medial verspeist. Und zum Dessert gibt es die Überzeugung: “Oh Gott, das muss ich sofort auf Facebook posten und per Tweed in Umlauf bringen. So kannte ich die ganze Geschichte Wir manipulieren, um zu manipulieren. How the media can manipulate our viewpoint. Was es bedeutet, wenn wir uns allzu leichfertig und gutgläubig auf mediale Berichterstattung verlassen und ohne Kritik Gelesenes und Gezeigtes hinterfragen.ja noch gar nicht. Gut, dass man sich auf die Medien und gute Berichterstattung verlassen kann!”  

Und weshalb? Weil es halt alle tun? Weil es ein Kavaliersdelikt ist? Weil es anders einfach nicht geht? Oder vielleicht, weil die Wirklichkeit dadurch noch einen Daumenbreit realer wird, ohne dass uns gleich die Haare zu Berge stehen? Weil bestimmte Details ja sowieso nicht so wichtig sind, dass wir sie zeigen müssen? Damit wir uns endlich auf das Wesentliche konzentrieren können? Doch genau hier liegt das Problem. Wer bestimmt, was wesentlich und wichtig ist? Es sind jene Medien, in diesem Fall ich als Blogger, welche die Wahrheitsfindung steuern wollen und uns weismachen möchten, dass ein Bild mehr erzählt als tausend schöne Worte.

Doch wie sieht diese von mir subjektiv gesehene Wahrheit und Realität, wenn denn Wahrheit überhaupt messbar ist und Realität sich objektiv und allgemeingültig nacherzählen lässt, wirklich aus? Was, wenn weder die erste noch die zweite Geschichte so geschehen sind und es eine dritte (oder möglicherweise noch mehr) Wirklichkeit gibt, die ich Ihnen aus welchen Gründen auch immer vorenthalten habe. Was, wenn ich die gewählte Perspektive des Fotos und damit auch das den Text begleitende Bilddokument so angepasst hätte, dass ich Ihnen genau das mitgeteilt habe, was mitzuteilen mir aus meiner Sicht wichtig war? Ich habe mich auf ein unwiderlegbares Beweismittel berufen. Schließlich bildet doch ein Foto eine Momentaufnahme der Wirklichkeit dar und lässt sich dementsprechend nur schwerlich wegleugnen. Rufen wir uns also noch einmal die beiden Fotos in Erinnerung und verbinden diese Informationen mit jenen des Textes.

Als die Bilder nicht nur laufen, sondern auch sprechen lernten

Ein weiteres wirklich eindrückliches Beispiel bietet der folgende Kurzfilm “Eine Wahrheit drei Perspektiven“, den Sie bei Klick auf den Link oder das Schaubild erreichen. Es handelt sich dabei um eine alte Werbeanzeige, welche die britische Zeitung “The Guardian” lanciert hatte. Zumindest habe ich es so gelesen, was auch wiederum bedeutet, dass Werbefilm von “The Guardian”. Eine Wahrheit drei Perspektiven. Die Wirklichkeit aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen und gestaltet.ich eine Information ungeprüft übernommen habe. Doch für den Zweck soll es genügen, schließlich will ich Ihnen damit anschaulich machen, was es für uns alle bedeuten kann, aus der täglichen Informationsflut jene Dinge zu filtern oder eben nicht zu hinterfragen, welche möglicherweise für die Belange jener von Nutzen sind, welche diese Medieninhalte veröffentlichen und uns Wahrheiten vorgaukeln möchten, welche aus dem Zusammenhang gerissen und perspektivisch für die eigenen Zwecke umgeformt eine völlig neue Sicht der Dinge ergeben.

Die Wirklichkeit aus verschiedenen Blickwinkeln sehen und sogar gestalten. Dass ich als Blogger diese Techniken und Stilmittel wohl ebenso einsetze, teils unbewußt, teils beabsichtigt, um meine eigene Meinung zu vertreten und diese eine ganz persönliche Sicht der Dinge nach außen zu tragen, kann, darf und will ich erst gar nicht bestreiten. Bestimmte und für den eigenen Zweck dienliche Inhalte aus einem Ganzen herauszureißen, diese dann in das eigene geschriebene Wort einzubauen, um diesen “fremden” Worten dadurch zu einer vollkommen neuen Aussagekraft und dem eigenen Wort mehr Gewicht zu verleihen und zu verhelfen, auch ich kann ab und zu dieser Versuchung nicht widerstehen. Es genügt oftmals schon der Umstand, dass ich mir einen zum jeweiligen Thema passenden Text durchlese, danach aber nur jene Passagen, welche mir selbst als zweckdienlich erscheinen, mit in die persönlichen Artikel einfließen lasse. Copy and paste als lockende Versuchung, durch Manipulation persönliche Vorteile oder Glaubwürdigkeit zu verbreitet, wird in Zeiten der Reizüberflutung und ständiger Erweiterung und permanenter Erreichbarkeit der verschiedensten Medien unser Bild von der Wirklichkeit noch oft vor die Zerreißprobe stellen. Manipulatives Verhalten wurde sicherlich nicht nur Herrn Guttenberg zum Verhängnis, sondern begleitet auch uns Tag für Tag auf der Suche nach Informationen, Hintergrundwissen und dem Drang nach Aufklärung und dieser einen, alles entscheidenden Wahrheit.

Ich hatte vor beinahe zwei Jahren schon einmal eine ähnliche Aktion gestartet. Unter “Extraterrestrisches Leben entdeckt” begann ich, dem unscheinbaren Stern “Gliese 581″ außerirdisches Leben einzuhauchen. In einer ebenfalls mehrteiligen Artikelserie, beginnend mit “1. Teil: Das Internet - wahr, gelogen oder wahrgelogen?” wollte ich danach der Frage nachgehen, weshalb wir unbewiesenen Gerüchten oftmals soviel Wahrheit zukommen lassen oder, um nun mit jener Erkenntnis von Friedrich Nietzsche zu schließen, welche ich in meinem damaligen Schlussartikel “6.Teil: Homo cyberspace - die Gefahr Internet” aus seinem Werk “Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne” schon einmal zitiert hatte:

Der Mensch selbst aber hat einen unbesiegbaren Hang, sich täuschen zu lassen, und ist wie bezaubert vor Glück, wenn der Rhapsode ihm epische Märchen wie wahr erzählt oder der Schauspieler im Schauspiel den König noch königlicher agiert, als ihn die Wirklichkeit zeigt.  

28.1.2012

How the media can manipulate our viewpoint

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 20:46


Wie die Medien unsere Wahrnehmung steuern können

How the media can manipulate our viewpoint. Passende Bilddokumente aus dem Zusammenhang reißen und in den gewünschten Kontext einbinden.

Nachdem ich kurzfristig meine Blogressourcen für andere, recht seltsame Dinge okkupiert hatte, geht es heute wieder im bereits begonnenen Rhythmus zum  Thema medialer Steuerung durch den Einsatz von Fotos weiter. Sollten Sie allerdings die beiden folgenden Beiträge noch nicht gelesen haben, würde ich Sie nun bitten, dies zum Verständnis der folgenden Ausführungen nachzuholen.

Ein Foto erzählt eine Geschichte” und “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte“. Zwei kurze Abhandlungen zu ein und demselben Thema. Erzählt und vor allem hinterlegt mit jeweils einem Foto, welches uns den Inhalt des Gesagten oder in diesem Falle geschriebenen Text noch eindrücklicher näherbringen soll und die Aussagekraft und damit bedingt auch oder vor allem die Glaubwürdigkeit unterstreichen möchte. Fiktiv von mir selbst erzählt, doch in Anbetracht der aktuellen Geschehnisse in Afghanistan, welche von den allermeisten von uns aufgrund der räumlichen Distanz und der kolportierten Gefährlichkeit vor Ort nur anhand der Medienberichte verfolgt werden will und kann, sicherlich ein Thema von Interesse.

Auf das richtige Bild kommt es an

Möglicherweise ist das linke Bild der einen oder dem anderen bereits einmal “über den Weg gelaufen” und Sie kennen die darin verborgene Problematik respektive wissen jetzt schon, dass hierbei nicht die volle visuelle Bandbreite im wahrsten Sinne wiedergegeben wird. Es handelt sich hierbei um einen gewählten Bildausschnitt aus einem Foto, welches nur ganz bestimmte Details wiedergibt und deshalb auch nicht die vollständige Aufnahme zeigt. Unzensiert, zumindest würde ich selbst diese Form eigenständiger Bildbearbeitung als How media can manipulate our viewpoint. Die gewählte Bildperspektive bestimmt unser Sehen und Denken. Wie Medien durch bewusste Manipulation unser Wahrheitsempfinden beeinflussen können.Zensur bezeichnen, und vollständig würde sich den Betrachtenden ein ganz anderer Inhalt bieten, als auf den ersten Blick oder eigentlich gar nicht zu erkennen ist. Denn wie auf dem (vollständigen) Bild rechts dargestellt, ließ ich zur Unterstreichung meiner Fiktion in “Ein Foto erzählt eine Geschichte” nur den von mir gewünschten bildlichen Inhalt in die Information einfließen und habe ganz bewußt eine Perspektive gewählt, welche mir hilfreich und für meine eigenen Zwecke wünschenswert erschien.

Anders wie in den im Internet verschiedenen Versionen, welche sich fast immer auf denselben Bildausschnit beziehen, bin ich allerdings noch einen Schritt weitergegangen und habe einen noch größeren Bildausschnitt gewählt, um auch den zweiten Soldaten in den Kontext meiner ersten fiktiven Meldung mit einzubeziehen und dem Geschriebenen noch mehr Gewicht zu verleihen. Die Rettungsaktion der gefangenen Soldaten muss schließlich durch eine Mehrzahl an Kämpfern unterstrichen werden, um auf die Gefahr der Lage hinzuweisen. Nicht nur ein mutiger Mann muss zu sehen sein, sondern eine Operation, welche eine Vielzahl an Helden suggeriert. Rambo hätte zwar im Alleingang ein ganzes Bataillon aufgemischt, doch wir wollen schließlich sterbliche Soldaten sehen, welche nur im Verbund stark sind und nicht mit Herrn Stallone or der Leinwand verbringen.

Das Problem dabei war jetzt aber, dass ich durch die Verbreiterung des Bilddokumentes und Einbeziehung in die kolportierte Meldung die für meine Zwecke ganz und gar unschöne Waffe des Soldaten mit in das Bild gebracht hätte. Das winzig kleine, aber wichtige Detail am oberen linken Bildrand, nämlich den Helm, wollte ich unbedingt mit drinnen haben, doch wer braucht schon einen unschönen Gewehrlauf an der Schläfe des Geretteten? Denn genau dieses wollte ich vermeiden, schließlich wollen wir mutige Männer sehen, welche einem Geschwächten selbstlos das dringend benötigte Wasser reichen. Ein Gewehr würde dabei nur störend wirken und sicherlich bei manchen Assoziationen wecken, die so gar nicht zum Inhalt passen wollen. Ich wollte Ihnen schließlich von Rettungseinsätzen berichten und nicht von Erschießungskommandos erzählen.

Wer mit Photoshop oderPaul Boegle manipuliert Bilddokumente im Sinne zielgerichteter Informationsgestaltung. How media can manipulate our overview oder wie uns die Medien durch bestimmte Inhalte steuern können. ähnlichen Derivaten arbeitet, wie ich es tat und besonders die Werbeindustrie Tag für Tag macht, um uns doppeltes Wimpernvolumen und andere voluminöse Werbeversprechen zu suggerieren (dazu z.B “David Ziegelmayer: Retuschierte Werbung - Wer schön sein will, muss glauben“), wird wissen, dass die Technik nichts unmöglich macht.

Don Draper, Creative Director der fiktiven Werbeagentur Sterling Cooper und Protagonist der US-Fernsehserie “Mad Men”, brachte die einfache Rechtfertigung der Werbewirtschaft schon 1960 zynisch auf den Punkt: “Es gibt keine große Lüge, kein System. Das Universum ist indifferent”. Will heißen: Wer der Werbung Glauben schenkt, ist selbst daran schuld.

Daran hat sich bis heute wenig geändert – allzu “gläubigen” Verbrauchern kommen allerdings hin und wieder die Gesetze oder Rügen von Branchenverbänden zur Hilfe. So wie kürzlich im Falle der Werbung eines US-Unternehmens für Wimperntusche: Mit dem makellosen Konterfei der Countrysängerin Taylor Swift in einer Anzeigenkampagne sollten Wimpernträume der umworbenen Frauen wahr werden.

(…) Für die aufmerksame Leserin entpuppte sich dieser Wunsch allerdings schon beim Lesen des kleinen, in der Anzeige enthaltenen “Disclaimers” als ziemlich fromm – nicht einmal Taylor Swift selbst kann die Wimpern von Natur aus mitbringen. Unterhalb der Abbildung stand nämlich zu lesen: “Wimpern wurden in der Postproduktion verbessert”.

Zumindest wer sich damit nur ein bisschen auskennt, macht aus einer Mücke fast schon eine Elefanten oder eben dank postproduktiver Retuschen, fast bin ich versucht, von einem chirurgischen Eingriff zu sprechen, aus einer bedrohlichen Situation einen Rettungseinsatz. Ich hätte mich selbstverständlich auch mit einem einfachen Ausschneiden der relevanten Bilddetails zufriedengeben können, doch ich wollte (vielleicht auch selbst für mich) wissen, was alles möglich ist, um aus einem ohnehin schon manipulierten Bild noch das gewisse Etwas herauszuholen. Ein angsteinflößendes und unerwünschtes Gewehr in den Händen eines Soldaten oder, noch schlimmer, an der Stirn des Geretteten, war in meinem Fall kein sehr hilfreiches Detail, jedoch dank Bildbearbeitung ein geradezu geringer Makel, welchen ich hier aus der sichtbaren Welt mit wenigen Handgriffen hinausgewischt habe. Solche Probleme lassen sich relativ leicht bereinigen, wie “Vorher” und “Nachher” auf dem dritten Bild zeigen. Dass ich dies nun als Teil der Zeitungsente unter “Ein Bild erzählt eine Geschichte” eingeflochten habe, macht anschaulich, dass einer medialen Profiabteilung oder einer Regierung, welche “ihren” Krieg der Öffentlichkeit als gerechte Sache verkaufen möchte, sicherlich noch ganz andere Mittel und Wege offenstehen, um das Offensichtliche im Verborgenen zu lassen oder Verborgenes mit subtilen Perspektiven in den Fokus zu rücken.

Ich wollte ursprünglich meine beiden Manipulationsversuche innerhalb eines Artikels unterbringen. Doch ich denke, das wäre nun des Guten zuviel. Also werde ich noch einen weiteren Artikel unter dem Titel “Wir manipulieren, um zu manipulieren” einstellen, um zu “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte” noch etwas Einblick zu geben und dann zum Ende zu kommen. Denn das Bewußtsein und vor allem die Möglichkeit, diese Dinge z.B. auch als Blogger selbst nutzen zu können, bringt auch eine gewisse Verantwortung für eigene Artikel und Beiträge unter Zuhilfenahme von Fotos mit sich. Wieweit darf ich also diesen Einsatz auf die sogenannte Spitze treiben respektive ist es mir überhaupt gestattet, subjektiv wichtige Ausschnitte von nach eigener Meinung unwichtigen Details zu trennen, um so ein mögliches Verfälschen in Kauf zu nehmen und andere von meiner ganz persönlichen Ansichten überzeugen zu wollen? Oder würde es genügen, einfach wie im Falle meiner beiden Kurzgeschichten darunterzuschreiben: “Kriegshandlungen wurden in der Postproduktion verbessert.“ 

Natürlich ist dies jetzt nur ein fadenscheiniger Grund, um Sie zum Wiederkommen zu bewegen. Auch eine Form der Manipulation, ich weiß!

26.1.2012

Occupy Austria: Ein “Gefällt mir” überhaupt nicht!

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 08:13


Quo vadis: Wiederbetätigung im Umfeld der Occupy Bewegung?

Eigentlich war geplant, mit dem dritten Teil zu den beiden Meldungen “Ein Foto erzählt eine Geschichte” und “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte” weiterzumachen. Doch aus aktuellem Anlass muss dieses Vorhaben aufgeschoben werden. Denn etwas anderes beschäftigt mich, was dringlicher zu besprechen wäre.

Dass auch ich mein Herz für die Occupy-Bewegung entdeckt habe, ist spätestens seit “Der verlogene Weihnachtsmann macht 2012 Station in Quatar” kein Geheimnis mehr. Doch ob ein Teil dieser OccupistInnen sein Herz am rechten Fleck hat, muss zumindest im Moment bezweifelt werden. Nein, muss es eigentlich nicht, denn möglicherweise haben Personen im Umfeld dieser Bewegung ihren 24-Stunden  Rhythmusgeber sogar ganz und gar am rechten Fleck. Dass der österreichische Ableger dieser Bewegung im Vergleich zu anderen Ländern ein kleines Grüppchen ist, mag richtig sein. Doch zumindest haben sich nach aktuellem Stand der Dinge (Ende Jänner 2012) auf Facebook schon über 9000 Personen zu einem “Gefällt mir” bequemt, was für diese für manche doch unbequeme Bewegung bei näherer Betrachtung ein beträchtliches Sümmchen in der kleinen Alpenrepublik darstellt.

Sicherlich hilfreich ist wohl auch die Tatsache, dass sich die Occupy Austria Bewegung einige Zugpferde von zumindest nationaler Popularität vor den Karren gespannt hat, um sich in heimischen Gefilden mehr Gehör und größere Aufmerksamkeit zu verschaffen. Der hierzulande sehr bekannte Kabarettist Roland Düringer und der Tierschützer Martin Balluch,welcher zusammen mit zwölf anderen TierschützerInnen wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung aufgrund des sogenannten “Mafia-Paragraphen” §278a des Strafgesetzbuches angeklagt, jedoch von sämtlichen Anklagepunkten freigesprochen wurden (Tierschutzprozess 98. und letzter Tag), leisten selbstverständlich ihren kleinen, aber umso feineren Teil, um die Sache in die richtigen, nicht rechten, Bahnen zu lenken.

Und dann gibt es da noch einen gewissen Franz Hörmann. Wer am 15.01.2012 am Wiener Stephansplatz (siehe z.B. Kurier: Occupy am Stefansplatz) war und als kleiner ORF Club 2: Franz Hörmann zu Gast in der Sendung “Wenn der Finanzcrash kommt - was dann? und Mitautor des Buches “Das Ende des Geldes”.Teil der protestierenden Bewegung den gewichtigen Worten von Mitorganisator Philipp Janyr und den Gastrednern gelauscht hat, wird sich an den WU-Professor Hörmann erinnern. Doch der Ökonomieprofessor möchte scheinbar auch noch in ganz anderer bleibender Erinnerung bleiben. Was er aber sowieso schon zur Genüge macht, denn wer im “Club 2” des ORF zu Wort kommt, dessen Wort hat Gewicht. (Ganz interessant dazu: “”Das Ende (des Geldes”) der Zusammenarbeit mit Univ. Prof. Dr. Franz Hörmann“). Zumindest im kleinen Österreich. Wer 80 Minuten Zeit investieren möchte, kann sich natürlich gerne den “Club 2″-Beitrag “Wenn der Finanzcrash kommt - was dann?” ansehen. Ganz ehrlich, ich konnte der Sendung nicht viel abgewinnen, aber das will nichts heißen. Sehe ich mich doch nicht als Maßstab für “Das Ende des Geldes“, wie der geschriebene Wegweiser von Otmar Pregetter und eben Franz Hörmann lautet.

Nachhilfe bei der Erklärung von Antisemitismus?

Die Presse” schrieb am 20.01.2012 zu jenem wegweisenden Wegbereiter für Österreichs Occupy Bewegung unter “Die Empörten von Occupy Austria und ihr später Selbstfindungstrip“:

Warum Mitläufer am rechten Rand die Glaubwürdigkeit von Occupy Austria gefährden – und die Bewegung sich deshalb am Wochenende in Linz neu erfinden will.

(…) Doch ein ernsteres Problem bleibt: Ausgerechnet mit dem Auftritt des Wiener Wirtschaftsprofessors Franz Hörmann, eigentlich als Geldsystemkritiker bekannt, ist der Verdacht aufgekommen, im allzu breit angelegten Meinungsspektrum von Occupy hätten auch antisemitische Ideen ihren Platz. Der Hintergrund: Hörmann, der im März eine Partei für ein neues, geldfreies Gesellschaftssystem präsentieren will, pflegt Kontakte zur Human-Weg-Bewegung in der Schweiz. Diese spricht sich ebenfalls gegen das bestehende Geldsystem aus und hat auf ihrer Website Texte veröffentlicht, die „geistig-jüdische Führer“ in der US-Regierung orten und das Wirtschaftssystem der Nationalsozialisten loben. Hörmann selbst ist nach eigenen Angaben noch als „sachlicher Berater“ von Occupy tätig. Zum Thema antisemitische Tendenzen fragt man bei ihm besser zweimal nach: „Erklären Sie mir einmal, was Antisemitismus überhaupt sein soll“, so Hörmanns erste Reaktion (…)

Nicht gerade das, was ich mir persönlich von einem Repräsentanten solch einer Bewegung erwarte. Zu erklären, was Antisemitismus überhaupt sein soll? “Wie“, dachte und denke ich mir dabei schon, “ein Mann von solch Format weiß nicht, was Antisemitismus bedeutet und verlangt nach Aufklärung“. Nun ja, wer jetzt, wie ich es getan habe, Wikipedia zu Rate zieht, wird dort die Informationen finden, dass Herr Hörmann Jahrgang 1960 ist, die Matura (Abitur) mit Auszeichnung abschloss und darüberhinaus seine Dissertation mit dem “Senator Wilhelm Wilfling Forschungspreis der Wirtschaftsuniversität Wien” ausgezeichnet wurde. Und diesem Herrn muss Nachhilfe in Sachen Antisemitismus gegeben werden? Starkes Stück, aber bitte.

Auch ganz stark ist jetzt die Äußerung von Herrn Hörmann, welche im Standard unter “Ermittlungen gegen Occupy-Aktivisten wegen Wiederbetätigung” nachzulesen ist:

(…) Teile der österreichischen Occupy-Bewegung beschäftigen nun die Staatsanwaltschaft - wegen Verdachts auf Wiederbetätigung und Volksverhetzung. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) hat eine entsprechende Sachverhaltsdarstellung eingebracht.

Der Grund sind Texte wie dieser: “Um die Weltgeschichte zu verstehen, muss man die Geschichte des Geldjudentums als Nomadentum verstehen” (in Hinblick auf die Geschichte des zweiten Weltkriegs, Anm.) oder: “Die US-Regierung weiß ebenso wie ihre geistig-jüdischen Führer, dass nur das neue Europa die Welt zu regieren berufen ist.”

Sie stehen auf der Homepage von Hans-Jürgen Klaussner, Sekretär der 2011 gegründeten Human Way Partei, die etwa für eine Neuregelung des Geldsystems eintritt. Präsident der Partei ist der WU-Professor Franz Hörmann, der als Redner bei der Demo am Aktionstag der Occupy-Bewegung am Wiener Stephansplatz auftrat. Seine Partei hat “95 Prozent Deckungsgleichheit” mit den Zielen von Occupy, sagt er.

(…) Die Texte seien von Klaussner ohne Absprache noch vor der Parteigründung online gestellt worden. “Bestimmte Inhalte müssen wegen des Verbotsgesetzes anders formuliert werden”, sagt Hörmann. In der Partei sei aber grundsätzlich jeder willkommen, “seien es Nazis, Marxisten oder Islamisten”.

Das sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Sollte jetzt in Deutschland doch irgendwann beschlossen werden, die NPD zu verbieten, dürfte zumindest ein Problem gelöst sein. Wer bisher nicht wusste, wohin, ohne im Regen, auf der Straße oder womöglich sogar auf der regnerischen Straße zu stehen, hat jetzt zumindest ein lohnendes Ziel vor den braunen Augen. Franz Hörmann bietet sozusagen politisches Asyl für alle, die das Herz am rechten Fleck tragen. Ein guter Artikel dazu findet sich auch auf Furtlehners Blog unter “Rechte Geisterfahrer unterwegs“.

Unter Hörmanns Vorsitz gründet sich jetzt eine neue Partei namens HPÖ, die ihren Statutenentwurf von der antisemitischen HuMan-Weg Bewegung bezieht. Auf der österreichischen Website der „HuMan-Weg Bewegung“ finden sich haarsträubende antisemitische Texte aus dem rechts-esoterischen Spektrum des Chefideologen der Bewegung, des Schweizers Hans-Jürgen Klaussner.
Der feine WU-Professor Hörmann weiß natürlich, was er seinem Ruf schuldig ist und hütet sich selbst direkt antisemitisch zu äußern. Er betont vielmehr seine „ideologische Neutralität“ und will einen „Schlussstrich“ unter die Geschichte ziehen, eine allzubekannte Argumentation aus dem rechten Eck. Und er predigt eine querpolitische Kooperation zwischen unterschiedlichen Weltanschauungen, ein Konstrukt, dem schon in der Anti-EU-Bewegung manche irregeleiteten Linken auf den Leim gingen.

Ich habe es bisher versäumt, den ominösen und oftmals so leichtfertig “Gefällt mir“-Button für Occupy Austria zu drücken. Aus welchen Gründen auch immer. Dass ich dieses Versäumnis auch in nächster Zeit nicht aus der Welt schaffen werde, möge frau und man mir nachsehen. Denn vorher gilt es einige andere Dinge aus der Welt zu schaffen. Besonders wünsche ich mir eine klare Stellungnahme der Occupy-Verantwortlichen zu dieser Causa. Nun habe ich noch zum Schluss ein achtminütiges Interview von wienTV mit Franz Hörmann gefunden, welches ich Ihnen aus Gründen mir zum Vorwurf gemachter einseitiger Berichterstattung nicht vorenthalten möchte. Erstaunlich dabei ist allerdings die Tatsache, dass das Interview im Foyer einer “Bank Austria“-Filiale geführt wurde. Bei einem veröffentlichten Buch mit dem Titel “Das Ende des Geldes” dürfte es sich dabei wohl nur um ein Missverständnis handeln. Oder vielleicht um einen perfekten PR-Gag? Wer weiß dies schon so genau. Oder möchte frau und man womöglich gar nicht alles wissen?

 

25.1.2012

Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 16:30


Noch eine kurze Geschichte, noch ein aussagekräftiges Foto

Nachdem ich Ihnen unter “Ein Foto erzählt eine Geschichte” anschaulich erklärt habe, was es bedeutet, in Afghanistan für die gerechte Sache zu kämpfen, wenn denn das Vaterland und Mutter Staat Garanten für Gerechtigkeit sind, und bei diesem Kampf für das Gute gegen das Böse dabei unschuldig in Gefangenschaft zu geraten, erzähle ich Ihnen heute noch eine kleine Geschichte. Eine andere Geschichte mit einem anderen Foto, aber im Kontext ähnlich zu der bereits geschriebenen Kurzgeschichte, welche Sie nun bereits kennen und hoffentlich auch bewertet haben. Sollten Sie jedoch die erste Geschichte mit dem dort gezeigten ersten Foto noch nicht gelesen haben, bitte ich Sie, dieses jetzt unter obigem Link nachzuholen. Es dient dem besseren Verständnis.

Lassen Sie mich deshalb auch heute anmerken, dass Sie hier wiederum bis auf Weiteres vollkommen unreflektiert und neutral das Gelesene bewerten und das veröffentlichte Bild als Teil des Textes betrachten sollen. Wie auch schon im ersten Teil geschrieben: Eine persönliche Meinung über die dort herrschenden Zustände ist trotz der Bitte um neutrales Verhalten und unkritische Aufnahme durchaus erwünscht. Verarbeiten Sie die erhaltenen Informationen, geben Sie den Link auch an andere weiter, wenn Sie der (persönlichen) Meinung sind, dass solche Dinge verbreitet werden müssen. Schließlich bilden Nachrichten nicht nur in Demokratien die Grundlage und einen festen Bestandteil unseres Alltäglichen, um innerhalb und über die Grenzen des eigenen Landes hinaus über Ereignisse, Veranstaltungen, Zustände, Missstände und was auch immer interessant und wissenswert für unser Weltbild ist, bestens informiert und auf dem Laufenden gehalten zu werden. Was gibt es also Neues aus Afghanistan zu berichten?  

Geheime Fotos von Folterungen in Afghanistan

Zustände in Gefangenenlager ähnlich wie in Guantanamo

Laut Nachrichtenagentur dpad sind nun neue Fotos im Internet aufgetaucht, welche amerikanische Soldaten bei der Folterung von How media can manipulate our overview oder die Manipulation durch unkritische Informationsaufnahme. Wie sogenannte unwiderlegbare Bildbeweise gewünschte Informationen verbreiten und glaubhaft untermauern.Kriegsgefangenen in einem Lager nahe der zweitgrößten afghanischen Stadt Kandahar zeigen. Die Aufnahmen, welche wahrscheinlich aus der afghanischen Zivilbevölkerung stammen, jedoch von einer deutschen IP-Adresse aus ins Netz gestellt wurden, lassen keinen Zweifel daran, dass das amerikanische Militär mit allen Mitteln versucht, Druck auf die gefangenen Terroristen auszuüben. Die südlich der Hauptstadt Kabul gelegene Enklave gilt schon seit längerer Zeit als Hochburg der Al-Qaida. Nachdem in letzter Zeit immer wieder die in Afghanistan stationierten Streitkräfte Ziele von terroristischen Anschlägen wurden, konnte nun ein neuerliches Selbstmordattentat in letzter Minute nach Hinweisen aus der Bevölkerung durch ein Spezialkommando verhindert werden.

Gerüchte über die unmenschlichen Zustände und das Fehlverhalten der Sicherheitskräfte sickerten immer wieder durch, konnten jedoch aufgrund der hermetischen Abriegelung des militärischen Sperrgebiets nicht mit Sicherheit bewiesen werden. Doch angesichts der jetzt kursierenden Fotos, auf einem wird einem völlig erschöpften Kriegsgefangenen eine Waffe von zwei amerikanischen Soldaten an die Schläfe gepresst, muss sich das Verteidigungsministerium mit neuen Unregelmäßigkeiten und Vorwürfen von Menschenrechtsorganisationen und NGOs auseinandersetzen.

In einer ersten Stellungnahme zu den erhobenen Vorwürfen erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses, dass eine Sonderkommission bereits auf dem Weg nach Kandahar sei, um vor Ort mit den Verantwortlichen die derzeitigen Zustände zu erörtern und eventuelles Fehlverhalten zu überprüfen. Bei dem Gefangenenlager etwa 80 km südlich von Kabul handelt es sich um ein Militärgefängnis unter dem Oberkommando der US-Streitkräfte, in welchem Al-Qaida Angehörige und mutmaßliche Taliban inhaftiert sind. Verfehlungen wurden jedoch von einem ranghohen General der in Kandahar stationierten Bodenkräfte gegenüber der Presseagentur dementiert.

Allerdings räumten andere Angehörige der Streitkräfte schon vor längerer Zeit ein, dass man sicherlich “nicht sehr zimperlich mit den Gefangenen umgehe“, aber immer innerhalb der Grenzen des Erlaubten. Man müsse schließlich für die Sicherheit des Landes garantieren, deshalb seien gewisse Maßnahmen einfach nicht zu verhindern, soll ein deutscher Soldat geäußert haben, ohne jedoch konkret auf die Bedingungen in Kandahar einzugehen. Dass das jetzt veröffentlichte Bildmaterial jedoch anderes vermuten lässt, wollte bisher niemand kommentieren.

Das soll es nun wieder einmal gewesen sein. Genug für heute über Krieg, Gehorsam gegenüber Vater Land und die damit begründeten Leiden von Mutter Courage. Doch die Serie ist damit nicht zu Ende, sondern das sogenannte dicke Ende folgt erst noch. Bleiben Sie mir also gewogen, denn schließlich möchte ich Ihnen mit diesen beiden Meldungen etwas ins Bewusstsein rufen. Das lesen Sie dann unter “How the media can manipulate our viewpoint“.

24.1.2012

Ein Foto erzählt eine Geschichte

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 18:47


Wer sagt’s denn: Es kommt nur auf die richtige Perspektive an!

Das sage noch einmal jemand, dass wir alle gemeinschaftlich gemeinsam und einerlei einsam völlig perspektivlos durch diese schöne Welt voller Dimensionen, wahrgenommener Inhalte und wiedergegebener Tatsachen stolpern. Ich hatte in meinem letzten Beitrag “Ungelöschte Emails, die virtuelle Klimaerwärmung” nebenbei vom allzu sorglosen Umgang mit unseren persönlichen Daten geschrieben. Aus diesem Grund nehme ich dieses Thema zum Anlass, um in etwas erweiterter Form daran anzuschließen und in vielleicht ungewohnter Form vor Augen zu führen, welche damit verbundenen Probleme im Zusammenhang mit den Medien wir nicht ausblenden sollten. Als Blogger natürlich ein Bereich, welcher mich aus mehreren Gründen beschäftigen sollte.

Die nächsten drei Artikel beschäftigen sich deshalb mit dem Phänomen Mediengestaltung. Allerdings in etwas anderem, wenngleich genauso gestalterischem Sinne. Aber eben anders. Ich bitte deshalb vorab, sich diesen und den darauf folgenden Beitrag auf meinem Blog einfach durchzulesen, das dazugehörige Bild als Teil dieses Geschriebenen zu betrachten und aufgrund dessen auch gerne eine abschließende und ganz persönliche Wertung abzugeben und sich eine eigene Meinung zu bilden. Schließlich ist dies fast immer Sinn und Zweck, um Gelesenes und Gesehenes zu verarbeiten und im einen oder anderen Fall dann auch an seine Mitmenschen, in welcher Form auch immer, weiterzugeben. Das ganze Procedere bitte dann mit dem zweiten Artikel einfach wiederholen. Was diese Übung bezwecken soll? Die Auflösung folgt dann in einem dritten Teil, dessen Verlinkung in hier natürlich aufgrund der zu nehmenden Reihenfolge auch erst am Schluss des zweiten Beitrags angebe. Es mag jetzt alles noch recht seltsam erscheinen, was ich vorhabe, aber ich glaube, nach Teil 3 werden Sie wissen, auf welche Problematik ich hinweisen möchte.

Nun aber zur Meldung, welche ich heute nachmittag in meiner Tageszeitung (aus Gründen unlauterer Werbung möchte ich den Namen außen vor lassen) nebst dem Foto gefunden habe und auch ohne einen weiteren Kommentar von meiner Seite wiedergeben und dementsprechend an Sie weiterreichen möchte.

Vermisstes Soldaten nach fast zwei Jahren befreit

Amerikanische Militäroffensive in Kandahar

Laut Nachrichtenagentur dpad haben amerikanische Soldaten während einer großangelegten Offensive nahe der südlich von Kabul gelegenen afghanischen Stadt How the media can manipulate our viewpoint. Eine Foto erzählt eine Geschichte. Nachrichtenmeldung von Paul Boegle.Kandahar mehrere amerikanische Kriegsgefangene sowie vier gefangene alliierte Soldaten befreien können. Die insgesamt 18 Gefangenen, darunter 14 GIs, welche bereits seit fast zwei Jahren in den Händen einer bisher unbekannten Terrororganisation waren, konnten laut US-amerikanischem Verteidigungsministerium während der Operation “Sunshine” unverletzt aus einem Keller in einem Randbezirk von Kandahar geborgen werden.

Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, dass die Soldaten zwar geschwächt, aber alle transportfähig seien und bereits in den nächsten Tagen in ihre Heimat zurückgeflogen werden können. Bei den Auseinandersetzungen starben vermutlich mehrere Untergrundkämpfer, welche laut Verteidigungsministerium der Al-Qaida nahestehen. Ob es dabei auch Tote in Reihen der an der Offensive beteiligten Amerikaner gab, wollte der Sprecher nicht mitteilen.

Foto: dpad/pb

Zwei amerikanische Soldaten nach der Befreiung der Geiseln aus den Händen der Terrororganisation

Die Grenzregion im Süden des Landes wird immer wieder durch Unruhen erschüttert und gilt selbst unter den Soldaten als äußerst gefährlich. Geiselnahmen und Entführungen sind dabei an der Tagesordnung und spiegeln die Ambivalenz der Befreier zu der unterdrückten Bevölkerung wider, welche das Militär aber in weiten Teilen des Landes unterstützen. So soll der Tipp für den Aufenthaltsort der Kriegsgefangenen, welche die Rettung der Männer erst ermöglichte, auch aus der Bevölkerung selbst gekommen sein und zeigt laut Behörden das gute Verhältnis der Amerikaner zu den Einheimischen.

Ob unter den vier befreiten allierten Soldaten auch Deutsche sind, wurde bisher weder bestätigt noch dementiert. Laut NATO werde man dazu erst Stellung beziehen, wenn die Soldaten im Militärhospital von Kabul auf ihren derzeitigen Gesundheitszustand untersucht worden seien. Ebenso ließen die Generäle offen, ob und wieviele Soldaten sich noch in den Händen der Terroristen befänden. Ebensowenig äußerten sie sich dabei zu Fragen nach eventuellen Lösegeldforderungen, schlossen aber dabei gleichzeitig aus, dass es hierzu offene Verhandlungen gebe.

So, genug für heute. Ich lasse Sie nun mit dieser Meldung alleine und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend inmitten von Fernseher, Internet und was eben sonst so in Ihrer unmittelbaren Umgebung strahlt und glänzt. Wie es weitergeht? Die Fortsetzung folgt unter “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte“.

22.1.2012

Ungelöschte Emails, die virtuelle Klimaerwärmung

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 21:08


Unnötige Serverlast durch die Sammelwut der Internetgemeinde

Möglicherweise wir nach dem Lesen dieses Beitrags die eine oder der andere der Meinung sein, dass es der liebe Her Boegle nun aber gehörig übertreibt und päpstlicher als der Papst ist. Mag schon sein, aber die großen Dinge beginnen bekanntermaßen im Kleinen und deshalb schreibe ich, was mir auf dem Herzen liegt. In diesem besonderen Falle jedoch weniger auf dem Herzen, sondern mehr in meinen Email-Postfächern. Es ist ja so, zumindest verhält es sich bei mir so, dass jeden Tag Unmengen an elektronischen Nachrichten eintreffen, welche einmal mehr und viermal weniger und 18-mal überhaupt nicht wichtig sind. Doch immer schwebt die Angst mit: Löschen kann ich später immer noch. Vielleicht brauche ich ja irgendwann den Kontakt, die enthaltenen Informationen, den darin mitgeschickten Link oder das gesendete Foto noch für Zwecke, von denen ich bisher nichts weiß, die sich aber irgendwann noch finden werden. Irgendwann, irgendwann, irgendwann. Deshalb ist es also besser, nicht den elektronischen Mülleimer zu betätigen, sondern diese potentiellen Brauch-ich-noch-Nachrichten lieber auf dem Server zu belassen und dort im virtuellen Bunker zu versenken.

Ob diese ganze Sammelleidenschaft jetzt mit unserem Jahrtausende alten Hang zur Sesshaftigkeit zu tun hat, müssten mir die Anthropologinnen und Verhaltensforscher sagen. Was aber trotzdem nichts an der Tatsache ändert, dass sich in meinen Email-Höhlen ein Sammelsurium an elektronischen Übermittlungen angesammelt hat, welches dem frühzeitlichen Menschen, der wahrscheinlich noch ohne Tablet unterwegs war und ein Mammut auch ohne GPS gefunden hätte, was aber sowieso nur rein hypothetisch gedacht ist, zur Ehre gereicht hätte. Was aber mir selbst überhaupt nicht zur Ehre gereicht, ist folgende Tatsache, welche ich nach einem ersten Stöbern und Schnüffeln, wobei ich hoffe, dass ich bei dieser persönlichen Schnüffelei in eigenen Dingen nicht irgendwelchen fremdschnüffelnden Vorratsdatenspeicherern und Festplattenspähern in Green Action Kampagne “Internet und Stromverbrauch” von Nick Michelson. Das Problem: Das World Wide Web verbraucht viel Energie. Das Ziel ist Menschen über die Technologien zu informieren, die sie tagtäglich einsetzen.meinen Dingen in die Quere gekommen bin, gefunden habe. Was mich selbst insofern weiterhin maßlos über mich selbst ärgern lässt, weil ich erst unlängst in meinem Beitrag “Facebook: Erneuerbare energiegeladene Abhörfalle” das Thema gestreift habe, ohne aber diesem Aspekt Aufmerksamkeit zu schenken.  

Meine Güte, da habe ich am 04. September 2008 (!) die Bestätigung erhalten, dass die nette Dame in England mein neues Foto für meinen Open Water-Tauchschein erhalten hat. Naja, wer weiß, ob ich dies nach drei Jahren und einigen Monaten nicht doch endgültig zu den Akten legen könnte und mich schweren Herzens davon trennen sollte. Schau, schau, am 08.09.2010 habe ich meine neue Handyrechnung elektronisch erhalten. Nun, da diese Informationen im Jahre 2012 nicht mehr ganz so neu ist, könnte ich mich ja endlcih  dazu entschließen, auf eine etwas neuere Rechnung zu warten. Nur zwei (tatsächliche) Beispiele, mit welchen Dingen ich die Server am Laufen halte. Dass ich dabei aber auch dafür, wenngleich nur zu einem verschwindend geringen Teil, Sorge trage, dass ich mit diesem Laufen auch diese Rechenzentren mit meiner unscheinbar gelagerten und wohl nicht mehr benötigten Last am Schwitzen halte. Und weil Schwitzen nicht nur beim Jäger oder Sammler die Reaktion des Kühlens hervorruft, will auch jener Server seine kalte Dosis abbekommen, um, ganz genau, weiterhin dafür zu sorgen, dass meine Emails nicht ohne meine ausdrückliche Einwilligung im Mistkübel landen und dann auf der virtuellen Müllhalde des Vergessens landen. Was sie natürlich in den seltensten Fällen dank schon erwähnter schnüffelnder Freundinnen und spähender Freunde auch tun, aber für mich eben in unerreichte Abgründe gefallen sind.

Ganz nebenbei und wirklich nur weil es mir gerade einfällt: “Ilija Trojanow, Juli Zeh: Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte“; Hanser Verlag. Ist irrsinnig polemisch geschrieben, stilistisch manches Mal am federführenden Holzhammer, aber trotzdem nahe am aktuellen Facebook-Zeitgeist. Die Streitschrift glänzt sicherlich nicht mit tiefgreifenden Fakten, sondern verfällt allzu oft in jene nicht nachzvollziehende Methodik des für die “normalsterblichen” BürgerInnen Undefinierbaren und latent Unfassbaren in Sachen Datenwut, dessen Aufklären und Durchleuchten eigentlich Ziel des Buch sein sollte, macht aber gerade durch diese Art des Schreibens auf erschreckende Weise klar, wohin wir mit unserer allzu sorglosen Preisgabe der Daten an Mutterland und Vater Staat steuern. Aber dieses nur eine kurze Exkursion und jetzt zurück zum eigentlichen Thema, zu dessen Schluss ich nun zügig kommen möchte und deshalb das geschriebene Wort Nick Michelson und seiner Kampagne “Internet und Stromverbrauch” überlasse.

Ich bin Ingenieur und arbeite in einem Großraumbüro. Täglich verbringe ich 9 Stunden vor dem Bildschirm. Das ist meine Arbeit. Was sind meine Werkzeuge? Ein Computer, unterschiedliche Programme, Internet, E-Mail, ein Tisch und ein Drehstuhl. Die Frage ist: Ist das wirklich nur EIN Computer? Dass ich nur einen Drehstuhl benutze bin ich mir sicher, aber dass ich nur einen Computer brauche - das stimmt nicht! Und was machen meine Arbeitskollegen in der Mittagspause? Richtig - sie “surfen”!

Und wo? Na klar doch - im Internet. Es ist so groß und kostenlos und steht jedem uneingeschränkt zur Verfügung. Was bedeutet „uneingeschränkt“? Alle Server weltweit laufen ununterbrochen rund um die Uhr nur damit die Informationen auf den jeweiligen Internetseiten uns immer zur Verfügung stehen. Wie kann man sich einen Server vorstellen. Ein Server sieht wie ein großer Kühlschrank aus.

(…) Die Rechnung ist ganz einfach: Je mehr Informationen wir hochladen, desto mehr Serverräume werden entstehen. Mehr Server – mehr Stromverbrauch. Mehr Stromverbrauch – mehr Kohle- oder Atomkraftwerke werden gebaut. Letztendlich zahlen wir sogar dafür obwohl auf den ersten Blick viele Internetdienste kostenlos sind.

Reduziert man die Vermehrung von Privatdaten im Internet – so reduziert man den Stromverbrauch, der dafür benötigt wird. E-Mails sind klein, sie „wiegen“ nicht viel. Sie benötigen aber auch Platz auf einem Server. Die meisten Menschen machen sich keine Gedanken über die nicht gelöschten E-Mails auf dem Postserver. Es ist doch kostenlos!

Aber was bedeutet das für die Umwelt? Am anderen Ende einer ungelöschten E-Mail Nachricht steht ein riesiger Industriebagger und schaufelt Braunkohle für die Stromerzeugung. Das Löschen alter E-Mail Nachrichten befreit den Speicherplatz auf dem Postserver. Dadurch werden keine neuen Festplatten gekauft, die wiederum Energie verbrauchen.

Sicherlich klingt dies alles für die SkeptikerInnen zu schön, zu linear und viel zu aufgeräumt, um wahr zu sein. Aber, wie bereits geschrieben: Alle großen Dinge beginnen mit dem ersten Vers oder so ähnlich eben. Aber manchmal können wir auch getrost den ersten Vers aus unseren elektronischen Postfächern wieder löschen. Spätestens dann, wenn wir uns sowieso keinen Reim mehr darauf machen können, weshalb wir diese oder jene Email überhaupt noch gespeichert haben.

     

20.1.2012

Der Wiener Ball ist UNESCO-Geschichte - zumindest vorläufig

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 16:07


Immaterielles Kulturerbe in der Warteschleife

UNESCO streicht “Wiener Ball” als Kulturerbe. Die Österreichische UNESCO-Kommission hat das immaterielle Kulturerbe “Wiener Ball” undd damit auch den WKR-Ball oder Burschenschafter-Ball aus dem Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich gestrichen.

Sag mir, wo die Bälle sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag mir, wo die Bälle sind.
Was ist geschehn?
Sag mir, wo die Bälle sind.
Die Kommission pflückte sie geschwind.
Wann wird man je verstehn?
Wann wird man je verstehn?

Wer sich dazu entschließen sollte, bei meinem letzten Beitrag “Wien ist anders - die UNESCO noch viel mehr” auf den dortigen Screenshot zu klicken, wird vielleicht überrascht sein. Denn heute, nur zwei Tage später, bietet diese Momentaufnahme über immaterielle Kulturerbschaften, welche die UNESCO-Verantwortlichen als “Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes verstehen” (UNESCO Österreich: Immaterielles Kulturerbe), nichts Informatives mehr zum “Wiener Ball”.

Sollten hier über Nacht plötzlich dubiose kulturelle Erbschleicherinnen oder perfide politische Kulturbanausen am Werke gewesen sein, um die lebenden Felix-Austria Generationen daran zu hindern, diese kulturpolitischen Güter von nationaler Trag- und touristisch internationaler Reichweite von einer Generation an die nächste weiterzugeben, welche fortwährend neu gestaltet werden und den Gemeinschaften ein Gefühl von Identität und Kontinuität vermitteln, wie es weiter unten heißt?

Nein, es geht alles mit rechten Dingen zu. Oder glücklicherweise eben nicht mehr. Denn die UNESCO hat sich, wohl auch aufgrund massenhafter Proteste und lautstarker Empörung, kurz und bündig dazu entschlossen, neben dem von den Burschenschaften veranstalteten WKR-Ball, welcher (hoffentlich) zum letzten Male (nicht nur) in der Wiener Hofburg stattfindet, auch alle anderen Wiener Bälle vom immateriellen Throne zu stoßen. Gut, diese Entscheidung ist natürlich für jene anderen tänzerischen Ringelspiele mit seidenbehandschuhtem Anfassen bedauerlich, welche unter dieser Entscheidung der UNESCO-Kommission zu leiden haben.

Die österreichische UNESCO-Kommission hat das Element „Wiener Ball“ – und damit auch den Burschenschafter-Ball – aus dem Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich gestrichen.

Die Organisation reagiert damit auf die heftige Kritik – unter anderem von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek – an der Nennung des umstrittenen Balls des Wiener Korporationsrings in der UNESCO-Liste. „Wir bedauern, dass wir im Rahmen der Einreichung die Listung des WKR-Balls übersehen haben und haben uns nun entschieden, die gesamte Liste der Wiener Traditionsbälle per sofort aus dem Verzeichnis zu entfernen“, erklärte Eva Nowotny, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission am Donnerstag. Es liege nun beim Antragsteller - dem Kontaktkomitee der Wiener Nobel- und Traditionsbälle -, die Liste der Bälle abzuklären. „Eine abgeklärte Liste kann selbstverständlich wieder aufgenommen werden“, so Nowotny. (Salzburger Nachrichten: UNESCO streicht „Wiener Ball“ aus Kulturerbe)

Linksextremes Mobbing und unappetitliches Kesseltreiben

Dass von dieser vorläufigen Streichung auch solch traditionsbeladene Ballgesellschaften wie der Philharmonikerball oder der Wiener Opernball betroffen sind, ist, wie bereits geschrieben, mehr als bedauerlich. Schließlich ist gerade der Opernball aufgrund der Tatsache, dass Österreichs wohl größter Baumeister aller Zeiten mit Namen Richard “Mörtel” Lugner immer wieder auf diesem (bisherigen) immateriellen Kulturgut mit materiellen menschgewordenen Kulturgütern von geradezu kulturpolitischer Brisanz und außerordentlichem Renommee zum gelungenen “Alles Walzer”-Abend beigetragen hat, wohl Hauptgrund für viele, überhaupt die Flimmerkiste einzuschalten. Waren doch in der Vergangenheit in der eigens vom Baumeister angemieteten Loge solch elitäre Namen wie Paris Hilton (2007), ein Dieter Bohlen im Jahre 2010 oder die absolut mundgeblasene und handverlesene Sensation des letzten Jahres Ruby Rubacuori, ja genau, das Triple B Bunga Bunga Berlusconi Girl, illustre Gäste neben Mausi, Katzi oder Hasi in Herrn Lugners gehegtem und gepflegtem Streichelzoo und wetterfester Mörtel-Loge. Daneben durfte Herr Baumeister noch 2011 Zachi Noy in seiner materiellen Kulturgüterbehausung begrüßen. Den Herrn kennen Sie nicht? Ich sage nur “Eis am Stiel“, denn mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Dass jetzt aber “Richard Lugner steht wieder ohne Opernball-Gast da” zu lesen ist, stimmt mich doch etwas traurig.

Immateriell hin, Kultur her, Erbe hierhin, Güter dorthin. Alles schön und gut, aber ein gesellschaftliches Großereignis wie der Opernball ohne einen formidablen Ehrengast vom Range einer Hotelerbin, eines DSDS-Granden oer eben einer mit Italiens Staatspolitik auf Du und Du Stehenden oder möglicherweise auch Liegenden, Knienden oder Sitzenden wird es der UNESCO sicherlich nicht leichter machen, den Ball der Bälle und andere Bälle eben neben dem Ball der Bälle für den Fall der Fälle, dass der Fall eintritt, dass der Wiener Ball wieder nach den UNESCO-Statuten salon- und hoffähig wird, in die Liste der immateriellen Kulturgüter aufzunehmen.  

Ich bin überzeugt davon, dass dieses alleinige Stehen von Herrn Lugner ohne adäquates Ehrengeleit einzig und allein mit der Rückgängigmachung der Entscheidung durch die UNESCO zu tun hat. Verdammt nochmal, warum muss die UNESCO einem wie mir jedes Mal die Freude am Feiern und dem gepflegten Sich-im-Kreise-drehen auf spiegelblankem Parkett verderben. Nein, natürlich nicht nur mir alleine. Hat sich doch der Heinz-Christian, also Herr FPÖ-Vorsitzender HC Strache, ebenfalls nicht sehr erfreut zu dieser Entscheidung geäußert. Dies sei eine “Anlassentscheidung aufgrund von gezieltem linksextremem Mobbing” (Der Standard: Rechter WKR-Ball - UNESCO streicht “Wiener Ball” als Kulturerbe) mutmaßt der um das eine oder andere Tänzchen rund um die Hofburg nicht Verlegene und Kollege und FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl vermutete mit Blick auf die unzähligen KritikerInnen des Burschenschafterballs hinter dem Ganzen sogar ein “Kesseltreiben der selbsternannten Zivilgesellschaft“, welches ein “völlig unerträgliches Ausmaß an Unappetitlichkeit” angenommen habe.

Hat also dieses immaterielle Weltkulturerbe vorläufig sein unrühmliches Ende gefunden. Was aber leider nicht bedeuten wird, dass der Rechtsextremismus ebenfalls dasselbe finden wird. Aber wir können zumindest Zeichen setzen. Zum Beispiel in der Woche vom 20. - 27. Jänner 2012. Erinnern und Zeichen setzen! Schon der erste Klick auf den Link wäre ein erstes Zeichen gegen Rechts.       

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