Bio Natur - Der Weblog

12.12.2011

Der verlogene Weihnachtsmann macht 2012 Station in Quatar

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 20:04


Occupy Wall Street” freut sich auf den Weihnachtsmann

Vorab eines, bevor wir uns auf den weiten Weg zum Nordpol machen, um uns dort mit dem Weihnachtsmann zu verlustieren, welcher auf schmelzenden Polkappen dem Christkind von vergangenen lustigen Zeiten erzählt (”Keine Nacht ohne Rogen“) und, ganz verschwitzt vom vorweihnachtlichen Konsumwettlauf mit halbtoten Rentieren, welche mit geröteten Gesichtern und roten Nasen von Einkaufszentrum zu Shoppingcenter rasen, seine rote Robe von Armani in die sommerliche Wintersonne hängt, um sich dann zusammen mit Dauerfreund Hugo Boss dem süßen Dolce &Gabbana Leben hinzugeben. Bevor wir also dieses tun, noch eine kurze Richtigstellung.

Ich hatte unter “Klimagipfel Durban: Die Weltklimapolitik ist bankrott” fälschlicherweise, wenn auch nicht ganz falsch geschrieben, dass der nächste globale politische Dilettantismus in Sachen Klimagipfel in Südkorea über weitere tatkräftige Untaten, tatfreudige Untätlichkeiten und sonstige historische Durchbrüche von geradezu bruchhafter CO2-Geschichtsschreibung beratschlagen wird. Das stimmt nun nicht mehr. Wie so viele Dinge, welche in Durban von den politisch Unverantwortlichen so entschlossen unverdrossen nicht beschlossen wurden. Denn laut United Nations Climate Change Secretary mit Datum vom 29.11.2011 wurde in einer Presseaussendung (Press Release: Decision on the host of COP 18/CMP 8) Entscheidung getroffen, anstatt in den fernen Osten lieber vom 26. November bis zum 07. Dezember 2012 nach Quatar (Katar) zu reisen, um dort das zu tun, was in Durban der einzige wirkliche Durchbruch war: Zeit und Ort für den nächsten Klimagipfel festzulegen. Wenn ich jetzt allerdings bedenke, dass nicht einmal dieses Vorhaben auf Anhieb funktioniert hat, möchte ich mir gar nicht vorstellen, was in Quatar alles nicht herauskommt. Dass diese Entscheidung übrigens nicht aufgrund klimapolitischer Entscheidungen getroffen wurde, sondern hierfür die Regeln der Diplomatie federführend waren, zeigt eigentlich deutlich, wo die Schwerpunkte in Sachen Klimaschutz wirklich gesetzt werden. Aber weil eben alles seine diplomatische Ordnung auf dem spiegelblanken Parkett haben muss und nach einem afrikanischen Land eigentlich ein asiatisches Land an der Reihe wäre, wie in Cancun 2010 ursprünglich beschlossen, jedoch ein arabischer Staat noch niemals solch ein zukünftiges Scheitern aus der Nähe betrachten durfte, werden eben die tausenden Delegierten ihre Flugtickets umbuchen lassen müssen.

The 2012 UN Climate Change Conference, COP 18/CMP 8 (the 18th Conference of Parties to the UNFCCC, plus the 8th session of the Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Kyoto Protocol), will take place in Qatar from 26 November to 7 December 2012.

Reizvoll, wenngleich weniger amüsant an dieser Entscheidung ist aber auch die Tatsache, dass mit dem Veranstalterland zur Bekämpfung des weltweiten CO2-Aufkommens Occupy Wall Street ruft zur Besetzung des Nordpols auf. Unter “Occupy Northpole” dem eigenen Protest gegen den Konsumterror Weihnachten die ganz persönliche Protestnote verleihen.ausgerechnet jenes Land zum Zuge kommt, welches den weltweit höchsten Pro-Kopf-Ausstoß mit 40 Tonnen Kohlendioxid auf seiner Klimabilanz verbuchen darf. Macht aber nichts, schließlich möchte man im Jahr 2022 die erste CO2-neutrale Fußballweltmeisterschaftüber die Weltbühne bringen. Und weil bis dahin noch jede Menge Zeit ist und die politischen KlimaschützerInnen sowieso erst bis 2015 über weltumspannende Maßnahmen zur CO2-Reduktion beratschlagen, welche dann möglicherweise im Jahre 2020 zum ersten Mal umgesetzt werden, steht solch einem spannenden Ereignis eigentlich zwei respektive sieben Jahre nach diesen beratschlagten und dann möglicherweise auch schon umgesetzten verbindlichen Vorgaben nichts im Wege.

Der Weihnachtsmann ist ein Ausbeuter

Aber sei es, wie es sei! Satteln wir also die Rentiere und machen wir uns auf den Weg nach Norden, wenngleich nur virtuell. Denn dort wartet schon Occupy Wall Street auf uns. Und weil richtigerweise die Wall Street eine besonders schlagkräftige Dependance seit geschenkefreudigem Menschenkindgedenken an diesem konsumfreudigen Plätzchen des interpolaren Wahnsinns unterhält, machen wir uns an die schöne Aufgabe, bei der Besetzung des virtuellen Nordpols mitzuhelfen. Und dazu gestalten wir unsere eigenen Protestnoten, drücken diese in Form von virtuellen Tafeln in die Hand virtueller Wichteln und dann?

Occupy Wall Street will natürlich nicht die Freude am Weihnachtsfest verderben, doch die Finanzplätze dieser Welt erstrecken sich eben gerade dort, wo solch Freude skrupellos in klingende Münze umgewandelt wird. Und wenn mit einem tränenden Augenzwinkern auf diese konsumüberladene sogenannte stillste Zeit des Jahres aufmerksam gemacht wird, sollten auch diejenigen ein kleines bisschen Spaß haben, welche das Ganze nicht zum Spaßen finden. Ob jetzt jemand mit den zur Verfügung stehenden 60 Zeichen darauf aufrufen möchte, mehr Rentiere zu essen oder gleich den Weihnachtsmann zu erschießen was in Anbetracht der Vielzahl an wandelnden roten Kostümen auf zwei Beinen fast genauso unmöglich erscheint wie das Unterfangen Klimawandel, sei aber jedem konsumkritischen Christkind und jedem Occupy Northpole freundlichen Weihnachtswichtel frei gestellt.     

10.12.2011

Klimagipfel Durban: Die Weltklimapolitik ist bankrott

Abgelegt unter: Erneuerbare Energie — Paul Boegle @ 08:04


Konkreter Durchbruch beim Weltklimagipfel in Durban

Ich habe mich angesichts des eigentlich bereits ad acta gelegten Klimagipfels in Durban zurückgehalten. Nein, habe ich nicht, denn, um bei der Wahrheit zu bleiben: Ich habe bisher noch kein einziges Wort darüber verloren. Zumindest hier auf meinem Blog. Wieso, weshalb und warum? Es gibt nichts Erwähnenswertes darüber zu schreiben. 15000 Delegierte reisten zur 17. Weltklima-Konferenz an, hielten dabei die Welt hauptsächlich mit dem zusätzlich ausgestoßenen CO2, verursacht durch die gecharterten Flugzeuge, angemieteten Limousinen und den wohl notwendigen Strombedarf in Atem, sorgten darüberhinaus für Unmengen an Bergen aus geduldigem Papier und ungeduldigen Menschentrauben und verließen dann Südafrika wieder sang- und klanglos. Wenn sich die Anwesenden an unzähligen runden Tischen einfinden, um endlich über ein neues Klimaschutzabkommen zu verhandeln und ein einziger konkrete Durchbruch gelingt, ist das wahrlich nicht viel. Wenn aber dieser Durchbruch darin besteht, dass man sich einig ist, nächstes Jahr in Südkorea den nächsten Klimagipfel zu veranstalten, grenzt dies bereits an Dilettantismus und politischem Unvermögen sämtlicher Nationen. Oder, wie Franz Alt zu Durban: Weltklimapolitik ist bankrott treffenderweise schreibt:

Gibt es also gar keine Hoffnung mehr? Solange 192 Regierungen wie die Händler auf einem arabischen Bazar darüber feilschen wer die meisten Lasten und Kosten der Klimapolitik zu tragen hat, kann es schon aus psychologischen Gründen keinen Fortschritt geben. Jeder erwartet und fordert, dass der andere anfängt. Die USA wollen, dass die Chinesen und die Inder mitmachen und diese sagen: „Die Industriestaaten sind die Hauptverursacher – also sollen sie auch anfangen mit dem Klimaschutz.“ Und solange sich die Chinesen weigern, sperren sich auch die Südafrikaner und die Brasilianer. Und danach erst recht die armen Schwarzafrikaner. Am Schluss sagen dann die Europäer: Allein machen wir es auch nicht.

Wobei China Kompromissbereitschaft erkennen lässt und möglicherweise zu einem Einlenken bereit ist. Warum China zum Klimaretter werden könnte, hat dabei sicherlich auch mit der Tatsache zu tun, dass hierbei (leider immer noch nicht auf Ebene der Menschenrechte) ein Wandel in Richtung erneuerbare Energien vollzogen wird. Ganz im Gegensatz zu Indien, welches natürlich durch wirtschaftliche Interessen, um den anhaltenden Wirtschaftsboom im eigenen Land nicht zu gefährden, scharfe Restriktionen in Sachen Klimaschutz in den Vordergrund schiebt. Doch auch Indien hat selbstverständlich die passenden Argumente parat, um den schwarzen Peter weiter zu schieben (Weltklimakonferenz in Durban: mit vollen Hosen ist es leicht stinken!). Und die USA sind mit Barack Obama kläglich an den Vorgaben zu einem neuen Klimagesetz im eigenen Land gescheitert. Die demokratische Mehrheit ist verloren und die Republikaner schießen mit sämtlichen Torpedos auf das einstige Flaggschiff namens “Yes, we can!“. Die politische Patt-Stellung macht ein erfolgreiches Umsetzen unmöglich und die nordamerikanische Wirtschaftskrise macht aus dem US-amerikanischen Delegierten Todd Stern, dem “Special Envoy on Climate Change” des US-Präsidenten, in Durban einen unverbindlichen Alibi-Anwesenden oder, wie in “Wirklich in Durban? The United States of Absence” gefragt wird: “Sind die USA gar nicht auf der Höhe der Debatte?

Passend dazu und voll auf der Höhe war bei der Rede von Todd Stern eine junge Dame. Abigail Borah, selbst aus den USA und eine recht forsche Jugendaktivistin, stellte ihren eigene klimapolitischen Chefunterhändler Stern innerhalb einer einzigen Minute vor der kompletten Versammlung bloß. Dass sie danach höflich, aber bestimmt von Sicherheitskräften aus dem Plenarsaal eskortiert wurde, mag wenig verwunderlich erscheinen. Was aber umso erstaunlicher war: Sie tat dies unter dem tosenden Applaus der anwesenden Delegierten.

I am speaking on behalf of the United States of America because my negotiators cannot. The obstructionist Congress has shackled justice and delayed ambition for far too long. I am scared for my future. 2020 is too late to wait. We need an urgent path to a fair ambitious and legally binding treaty.

You must take responsibility to act now, or you will threaten the lives of youth and the world’s most vulnerable.

You must set aside partisan politics and let science dictate decisions. You must pledge ambitious targets to lower emissions not expectations. Citizens across the world are being held hostage by stillborn negotiations.

We need leaders who will commit to real change, not empty rhetoric. Keep your promises. Keep our hope alive. 2020 is too late to wait.” (Quelle: Abigail Borah – US Youth Ejected From COP17 For Telling The Truth)

Noch einmal kurz zurück zu China und ebenfalls zu Deutschland, welches auf dem Nebenkriegsschauplatz Klimapolitik, denn Kanzlerin Merkels Hauptsorge dürfte im Moment trotz aller Bestrebungen für weniger unsichtbare Treibhausgase (leider) ein Mehr an sichtbaren monetären Strömen im ganz und gar nicht vereinten Europa sein, wider vieler Erwartungen doch eine Führungsrolle zu übernehmen bereit ist. Franz Alt dazu weiter in seinen oben genannten Ausführungen zur globalen Bankrotterklärung:

Das De­ba­kel von Dur­ban bie­tet In­dus­trie­län­dern wie Deutsch­land auch eine große Chan­ce. Bei drei von sechs er­neu­er­ba­ren En­er­gie-Tech­no­lo­gi­en sind wir Welt­füh­rer: Bei Pho­to­vol­ta­ik, bei Wind­rä­dern und bei Bio­gas. Alle heu­ti­gen En­er­gie­trä­ger wie Kohle, Gas, Öl und Uran gehen bald zu Ende und wer­den schon des­halb immer teu­rer. Selbst wenn es kei­nen Treib­haus-Ef­fekt gäbe müss­ten wir also um­stei­gen. Je schnel­ler desto bes­ser für die Wirt­schaft und für das Klima und für Mil­lio­nen neue Ar­beits­plät­ze. Kaum ein Wis­sen­schaft­ler be­strei­tet noch diese Pro­gno­se: Die Zu­kunft ge­hört denen, die als erste auf 100 % er­neu­er­ba­re En­er­gi­en um­ge­stie­gen sind.
Deutsch­land hat sei­nen An­teil am Öko­strom in den letz­ten 10 Jah­ren ver­vier­facht. Das deut­sche Er­neu­er­ba­re-En­er­gi­en-Ge­setz wurde in­zwi­schen von 48 Staa­ten ko­piert – ein­schlie­ß­lich von In­di­en und China. China hat sich jetzt – im Ge­gen­satz zur USA – in Dur­ban erst­mals be­wegt. Das Rie­sen­reich ist be­reits Welt­meis­ter im Auf­stel­len von Wind­rä­dern. Ab 2012 will China jedes Jahr so viele Wind­parks in­stal­lie­ren wie 20 Atom­kraft­wer­ke Strom pro­du­zie­ren. Das Reich der Mitte pro­du­ziert und in­stal­liert 80 % aller Son­nen­kol­lek­to­ren der Welt und baut jetzt mit Rie­sen­schrit­ten seine Pho­to­vol­ta­ik-In­dus­trie auf. In In­di­en und Süd­ko­rea habe ich eine ähn­li­che Ent­wick­lung be­ob­ach­tet.

Doch China hat möglicherweise die Zeichen der Zeit erkannt und befindet sich dementsprechend auf einem klimapolitisch richtigen Weg, welcher jedoch durch andere, wohl eher marktwirtschaftliche, Beweggründe gesteuert wird. Was jedoch nicht bedeuten soll, dass sich die eine Ziele und Vorgaben nicht mit den anderen vereinbaren ließen. “Seit 2006 sind die Photovoltaik Preise für fertig installierte Photovoltaikanlagen um mehr als 50% auf mittlerweile unter 2.200 € pro kWp gefallen. Indem die Anschaffungskosten für die Wirtschaftlichkeit maßgebend sind, lohnt es sich die Preise zu vergleichen.” Dass dieser Preisverfall bei Photovoltaik Modulen und andere (finanzielle) Vorteile erneuerbarer Energien insbesondere die USA nicht zu einer Neuorientierung hinsichtlich der Erschließung CO2-freundlicher Energieträger bewegen wird, mag vielleicht auch mit dem Stellenwert von Erdöl zusammenhängen, welchen die Vereinigten Staaten schon seit Rockefeller im kollektiven Gedächtnis verankert haben. Die Feststellung von Franz Alt, “Europa, Indien und China sollten und könnten künftig bei Erneuerbaren Energien und beim Klimaschutz voran gehen. Die USA isolieren sich dann selbst oder sie machen künftig mit” ist deshalb für den nächsten Klimagipfel in Südkorea nicht die schlechteste Voraussetzung. Wenngleich immer noch die oben gegebene Feststellung, dass das einzige handfeste Resultat von Durban, nämlich dass ein weiterer Klimagipfel folgen wird, eine Schande sondergleichen ist.  

Traurig, aber wahr. Nicht einmal über ein voll allen TeilnehmerInnen akzeptiertes Abschlusspapier konnte oder wollte man sich einigen. Noch trauriger dabei die Tatsache, dass es sich bereits um ein bereinigtes Kompromisspapier handelte, welches die südafrikanische Gipfel-Präsidentschaft ausgearbeitet hatte. Die großen Verweigerer USA, Indien und China auf der einen Seite ohne konkreten Versprechen bis zum Jahr 2015, die Allianz oder Koalition der Willigen, bestehend aus den Europäern, Afrikanern und der Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder (LCD) sowie AOSIS (Alliance Of Small Island States) mit der Forderung von EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard nach mehr Bewegung in den Verhandlungen, da es ansonsten keinen Abschluss gäbe (NZZ: Kurz vor Schluss auf der Kippe. Beratungen der Klimakonferenz in Durban auf Samstagmorgen vertagt). Und weiter bekräftigte sie, dass ein globales und rechtlich verpflichtendes Abkommen mit klaren Festlegungen zur Verminderung der Treibhausgase das Ziel der EU bleibe. Selbst eine Vertagung der gescheiterten Verhandlungen auf das nächste Jahr mit einer (wahrscheinlich) genauso leblosen Fortsetzung in Bonn wurde in Erwägung gezogen. Wäre nicht das erste Mal, dass sich die politischen Umweltverantwortlichen aus der Verantwortung stehlen und die Probleme vor sich her schieben. Im Jahr 2000 konnten sich die teilnehmenden Staaten ebenfalls auf keine Grundsatzerklärung einigen und fanden sich deshalb Mitte 2001, ebenfalls in Bonn, wieder ein, um die Gespräche erneut aufzunehmen. Dass damals mit dem Bonner Beschluss der Grundstein für das folgende Kyoto-Protokoll geschaffen wurde, mag Anlass zu Hoffnung geben. Gibt es aber leider nicht, da sich das Kyoto-Abkommen nächstes Jahr in Schall und Rauch auflöst und die Treibhausgase politisch vollkommen unbehandelt zurücklässt.

In Durban sollten darüberhinaus die Grundstrukturen für den neu zu schaffenden Grünen Klimafonds geschaffen werden. Ab dem Jahr 2020 sollten aus einem Topf dieses sogenannten Green Climate Fund (sehr ausführlich dazu: Wirtschaftsdienst, 91. Jahrgang, Heft 2, Februar 2011: Der Grüne Klimafonds im Verhandlungsprozess der Vereinten Nationen) von 100 Milliarden Dollar jenen Ländern Unterstützung bei der Realisierung von Klimaprojekten zugesichert werden. Die Idee ist nicht schlecht. Dachte ich mir nach Lektüre der verschiedenen Ausführungen zu diesem Thema. Allerdings musste ich nach weiterem Lesen, etwa der sehr kritischen Haltung von der deutschen Grünen Renate Künast mit Mario Dobovisek (Deutschlandfunk: Künast lehnt geplanten Klimafonds rigoros ab) auch zur Kenntnis nehmen, dass selbst diese glänzende Medaille zwei Seiten hat.

Dobovisek: Einen grünen Klima-Fonds wollen die Industrieländer gründen zur Hilfe bei der Anpassung an das wärmer werdende Klima. Können sie damit die Schwellenländer überzeugen?

Künast: Nein! Das ist ja, wie Sie selber sagen, nur ein Anpassungsfonds, um sozusagen die Auswirkungen der Klimaveränderungen jetzt etwas abzumildern. Aber in Wahrheit brauchen wir ja mehr. Wir haben ein Kyoto-Protokoll, das 2012 ausläuft, und deshalb brauchen wir als Erstes mal für die nächste Zeit die Vereinbarung, dass dieses Protokoll noch weiter gilt, und wir brauchen, ich sage mal, das Kyoto-Nachfolgeprotokoll. Davon sind wir extrem weit entfernt und dazu müsste Deutschland und Europa mal in Vorleistung gehen, statt nur über den Zustand zu klagen.

Und trotzdem prescht Berlin kurz vor Ende des südafrikanischen Klimagipfels vor. So möchte der deutsche Bundesumweltminister Röttgen jetzt den Sitz des viel diskutierten und angestrebten Klimafonds nach Deutschland holen und ist bereits, für dieses Unterfangen vorab schon einmal 40 Millionen Euro auf den Tisch und für die Anschubfinanzierung zu legen. Was auf den ersten Blick auch wieder als ganz passable Geste erscheinen mag und in Summe die Vorreiterrolle von Deutschland mit sicherheit auch unterstreichen mag, ist bei näherer Betrachtung aber eigentlich auch nur ein sehr verschwindend kleiner Tropfen auf den zischenden CO2-Stein. Denn die Klimaretter haben in “Deutschland will Sitz des Klimafonds” vorgerechnet, dass sich mit diesen 40 Millionen gerade einmal zehn bis 14 Straßenkilometer Straße für eine Ortsumgehung bauen ließen. Nun, das mag natürlich nicht gerade für Beifallsstürme sorgen. Doch auf dem Highway to Hell in Sachen Klimawandel sollte jeder Meter dankbar angenommen werden.

8.12.2011

LobbyControl: Ein ehrbarer Kaufmann wird diskreditiert

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 15:04


Josef Ackermann vertritt die Deutsche Bank eindeutig zweideutig

Josef Ackermann und die Deutsche Bank gewinnen die Lobbykratie-Medaille 2011. Hier die Fotos von der Preisverleihung, ergänzend zum Bericht von der Aktion sowie der Reaktion der Deutschen Bank. Die Preisverleihung fand heute vor dem Berliner Büro der Deutschen Bank statt. Leider konnten wir den Preis nicht persönlich überreichen, da der Leiter des Büros nicht in Berlin war.Es ist ja nicht so, dass ich den Anspruch erhebe, diese Welt zu verstehen. Manchmal entziehe ich mich sogar dieser Verantwortung und möchte sie eigentlich gar nicht verstehen. Schließlich habe ich erst gestern der Jugend den Vorrang eingeräumt und hoffe deshalb, dass der Nachwuchs dies in Zukunft für mich erledigt. Aber eines ist mir jetzt doch absolut unbegreiflich, wobei dies wiederum auch nur von relativer Gültigkeit ist, was aber meine derzeitige Antriebslosigkeit in Sachen Begreiflichkeit und Verständnis für gewisse Dinge auch nicht erklären kann. Weder relativ noch absolut. Hierzu passend vielleicht auch, dass ich solch eine Dissertation wie z.B. die “Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden” nicht einmal im Wortlaut verstehe. Wer diese Doktorarbeit geschrieben hat? Können Sie sich möglicherweise nach dem nächsten Abschnitt denken.

Alle Fotos LobbyControl. Die gesamte Preisverleihung vor dem Berliner Büro der Deutschen Bank und weiteres Material  bei Klick auf eines der beiden Fotos oder unter “Fotos von der Verleihung der Lobbykratie-Medaille“. Natürlich auch ein herzliches Dankeschön an Bundeskanzlerin Angela Merkel für die formlose Bereitstellung des Rettungsschirms und natürlich dafür, dass Herr Ackermann nicht ganz alleine im Regen stehen musste.

Jetzt ist es also so, dass sich die Wählerschaft in Sachen Lobbykratie-Medaille, welche bekanntermaßen von LobbyControl bisher damen- und herrenlos im luftleeren Raum eines dichten Konglomerates aus eigenen und noch wesentlich mehr ganz eigenen Interessen baumelte und verzweifelt nach einem dementsprechenden eigentlich eher uninteressierten Halse zum Umhängen suchte, um mithilfe von Schwer- und natürlich auch lobbyistischen Kräften am weiteren Nichtbaumeln gehindert zu werden und endlich zur Zufriedenheit aller an irgendeinem selbstzufriedenen körperlichen Verbindungstrakt zwischen Kopf und Körper für alle Zeiten vor sich hin zu baumeln, dass sich also die LeserInnen entschieden haben, der Deutschen Bank und stellvertretend hierfür ihrem Vorsitzenden Josef Ackermann in seiner weiteren Funktion als Vorsitzender des Institute of International Finance (IIF) zukommen zu lassen. Wem nun dieser Satz zu verstrickt und voller Fallen (des Satzbaus) war, was sicherlich am gewählten Thema meines Beitrages liegt. Es geht auch einfacher: “Josef Ackermann und die Deutsche Bank gewinnen die Lobbykratie-Medaille“.

Wer wie was
der die das
wieso weshalb warum
wer nicht fragt bleibt dumm!

Wer wie was
der die das
wieso weshalb warum
wer nicht fragt, bleibt dumm!

Tausend tolle Sachen
die gibt es überall zu sehen,
manchmal muss man fragen,
um sie zu verstehen!

Wieso, weshalb, warum Josef Ackermann und wieso, weshalb, warum eigentlich nicht

Wer abseits der Sesamstraße jetzt noch genauer wissen möchte, wieso, weshalb und warum 44 Prozent der insgesamt 5500 Stimmen den Weg in die finanzielle Urne der 44 Prozent der über 5 500 abgegebenen Stimmen gingen an die Deutsche Bank und Josef Ackermann, die ersten Gewinner der Lobbykratie-Medaille. Nominiert waren sie, weil sie über einen privilegierten Zugang zur Politik die günstigen Konditionen für die Finanzbranche bei der Griechenland-Rettung prägten und sich zugleich nach außen irreführend als hart getroffen darstellten.Deutschen Bank fanden, findet unter “Deutsche Bank und Josef Ackermann – Kandidaten für die Lobbykratie-Medaille” die entsprechende Begründung dazu. Wieso, weshalb und warum die Plätze zwei und drei die Deutsche Vermögensberatung und RWE zusammen mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe belegt haben, ist zwar höchst bedauerlich, aber es kann eben nur einen verdienten Lobbyismus-Sieger geben. Deshalb ein guter Tipp an die Verlierer: Nächstes Jahr noch mehr anstrengen, um auch einmal so eine schöne Medaille zu bekommen! Dass die Verantwortlichen der Deutschen Bank justamente gerade an diesem Tage keine Zeit fanden, die Lobbykratie-Medaille selbst in Empfang zu nehmen, ist selbstverständlich mehr als bedauerlich, aber leider nicht mehr rückgängig zu machen. Doch immerhin gab es ein Pressekommunique, welches ich an dieser Stelle gerne veröffentliche, ohne dass dies nun meine Meinung widerspiegelt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Vielen Dank fuer die Auszeichnung mit der Lobbykratie-Medaille, vor allem fuer die Begruendung, die Sie dafuer anfuehren. Dies verschafft uns die Gelegenheit, einen weitverbreiteten Irrtum aufzuklaeren.
Sie begruenden die Preisvergabe damit, dass die Fuehrung der Deutschen Bank an einer Lösung für das griechische Schuldenproblem mitgewirkt und dabei vor allem ihre eigenen Interessen verfolgt habe.
Lassen Sie mich zunaechst einmal generell darauf hinweisen, dass die Fuehrung einer Aktiengesellschaft dem durch ein demokratisch gewaehltes Parlament beschlossenen Aktiengesetz verpflichtet ist. Dieses Gesetz verlangt von ihr, stets im Unternehmens-Interesse zu handeln. Dabei erfolgt die Interessenwahrnehmung unter anderem auch auf dem Wege sogenannter Lobby-Taetigkeit. Diese ist ein konstitutiver Teil des Interessenausgleichs in demokratisch-pluralistischen Gesellschaften.
Speziell auf die Deutsche Bank und Griechenland bezogen, darf ich Ihnen Folgendes mitteilen:
Die Deutsche Bank war und ist in Griechenland finanziell vergleichsweise nur geringfuegig engagiert, hat also kein gesteigertes spezifisches Eigen-Interesse an einer fuer sie guenstigen Loesung der Schuldenproblematik des Landes. Dennoch hat sich die Bank und speziell ihr Vorstandsvorsitzender Dr. Josef Ackermann, der zugleich Praesident des internationalen Bankenverbands IIF ist, besonders fuer einen freiwilligen Schuldenverzicht gegenueber Griechenland eingesetzt. Dies geschah auf Wunsch der demokratisch gewaehlten Regierung dieses Landes, die einen Beitrag des privaten Sektors zur Bedingung fuer weitere Hilfen gemacht hatte, aus gesellschaftlicher Verantwortung und zugleich wohlverstandenem Eigeninteresse.
Ebenso auf Wunsch der Bundesregierung und als guter Unternehmensbuerger haben Dr. Ackermann und die Deutsche Bank gemeinsam mit anderen Finanzinstituten des Landes versprochen, griechische Staatsanleihen nicht zu verkaufen. Dieses Versprechen hat die Deutsche Bank in diesem Jahr 400 Millionen Euro an Abschreibungen gekostet.
Soviel zum Thema Lobbykratie und Deutsche Bank. Ich wuensche Ihnen fuer die naechsten Jahre mehr Treffsicherheit bei der Preisvergabe.
Ich würde mich freuen, wenn ich Sie jetzt noch - privat, keine Angst - auf einen Kaffee oder Tee in das Deutsche Guggenheim einladen und mich mit Ihnen noch etwas naeher austauschen koennte.
Vielen Dank!

(Schriftliche Antwort der Deutschen Bank auf die Preisverleihung)

Leistung aus Leidenschaft oder Leistung, das Leiden schafft?

Gut, aber dies war eigentlich nicht das Hauptthema. Doch, war es schon, aber weshalb gerade Josef Ackermann? Findet sich doch auf der Deutschen Bank unter “Reden/Präsentationen” mit Datum vom 22. November 2011 unter “Dr. Josef Ackermann - Rede auf der Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns” in Hamburg” folgende höchst zweifelsfreie Aussage auf Seite 8, welche ich im Wortlaut wiedergebe.

Das Motto der Deutschen Bank heißt bekanntlich “Leistung aus Leidenschaft”. Wir verstehen unter Leistung aber nicht nur, ehrgeizige wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Leistung misst sich nicht nur in Geld und Gewinn, Leistung bedeutet für uns auch mehr als sich bei all unserem Tun an Recht und Gesetz zu halten: Wir wollen all unsere ökonomischen Ziele auf ehrbare Weise, also auf ethisch und moralisch vertretbare Art und Weise erreichen.
Ich sage schon seit langem immer wieder: Wir dürfen kein Geschäft machen – so finanziell lukrativ es kurzfristig auch erscheinen mag – wenn dieses Geschäft mittel- bis langfristig unseren Ruf aufs Spiel setzt. Nur eine zugleich leistungs- und werteorientierte Unternehmensführung vermag nachhaltigen Erfolg zu gewährleisten. Ein Marktführer trägt hier besondere Verantwortung, weil er eine Vorbildfunktion für andere Unternehmen hat. Deshalb haben wir z.B. jüngst auch entschieden, keine Unternehmen mehr zu finanzieren, die unter vielen anderen Produkten auch Streubomben herstellen, auch wenn dies nur ein kleiner Teil ihrer geschäftlichen Tätigkeit ist und das Geld nicht in die Produktion und den Vertrieb solcher Bomben fließt.

Ich hatte bereits am 30.06.2010 unter “In-die-Augen-Streu-Bomben-Geschäfte” (Peter Marwitz von “Konsumpf” am 25.06. unter “Die fragwürdigen Geschäfte Deutscher Banken mit geächteten Waffen wie Streumuniton) über diese zweifelhaften Geschäfte der Deutschen Bank berichtet. Erst unlängst wurden unter Bankrolling Climate Change Zahlen über die Geschäfte von Großbanken mit veröffentlicht, welche Milliarden in die Finanzierung der vollkommen antiquierten Kohlekraft stecken. Die Deutsche Bank belegt dabei einen hervorragenden sechsten Platz. Leistung aus Leidenschaft oder Leistung, das Leiden schafft? 

Die “Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg e.V.” besteht doch tatsächlich schon seit 1517 und ist somit die älteste kaufmännische Vereinigung der Hansestadt. Ganz ehrlich, meine lieben LeserInnen, gehen für einen kurzen Moment in uns und vollziehen das, was ich in den seltensten Fällen selbst kann, weil ich es lieber mit dem Prinzip “ab ovo” halte. Praktizieren wir also “in media res” oder auf direktem Wege auf den Kern der Dinge zusteuern: Mehr als 500 Jahre können doch wohl nicht falsch sein? Also doch keine Leistung, die Leiden schafft, sondern Leistung aus Leidenschaft?

Irgendjemand irrt doch hier ganz gewaltig und gehörig ungehörig. Oder ich verstehe diese Welt wirklich nicht mehr. Aber hat sich nicht auch schon Albert Einstein ganz relativ und absolut geirrt? Nein, hat er nicht? Nun, dann bleibt doch nur die Erkenntnis, dass diese Welt voller Ambivalenzen steckt und eindeutig zweideutig über mein Verständnis geht. Schau ich eben wieder die Sesamstraße und mache mir so meine Gedanken über Ernie und Bert. Wieso, weshalb und warum weiß ich auch nicht.

7.12.2011

MyLife 24/24: Die Jugend blickt nach vorne

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 18:46


Filmische (Kurz)Gedanken zum Jahr 2035

Nun, da ich meinen lesenden Streifzug zusammen mit Rudolf Fill durch die staubigen und angestaubten Jahrhunderte päpstlicher Machtbestrebungen und -ansprüche, welche bis in die Gegenwart hinein nachhallen und sich als vatikanische Schallwellen ausbreiten, beendet habe, lasse ich heute jene zu Wort kommen, welche gemeinhin als “unsere Zukunft” betrachtet werden und unter dem Siegel der pensions- und rentensichernden Verschwiegenheit von den Älteren als oftmals lästiges, lärmendes, lautes und Hast du Lust auf eine gedankliche Zeitreise? Wie lebst du im Jahr 2035? Wie wohnst du? Wo arbeitest du? Wie bewegst du dich von A nach B? MyLife 24/24 Videokompilation von jungen Menschen.lebensfeindliches Anhängsel betrachtet werden. Oder kurz: In meinem heutigen Beitrag soll die Jugend zu Wort kommen oder besser geschrieben ins rechte Bild gerückt werden, was sie aber sowieso gleich selbst übernehmen wird.

Was treibt eigentlich die Jugend so den lieben langen Tag, wenn sie nicht gerade auf Facebook mit 617 FreundInnen chattet? Nun, es hört sich vielleicht seltsam an, aber auch (oder gerade) diese Generation X+1 oder eben der liebe Nachwuchs macht sich Gedanken über die eigene und, sollte das Jahr 2035 noch irgendeine Verwendung für Sie und mich auf diesem Planeten Erde haben, möglicherweise auch Ihre, meine, unsere Zukunft. Und im vorliegenden Fall namens MyLife 24/24 sogar minutiöse Gedanken, welche im Sekundentakt abgerechnet werden oder welche jene gedankenverschwendende, gedankenverschwenderische Nachfolgegeneration in Form von Kurzvideos von etwa ein- bis dreiminütiger Länge über die eigenen Vorstellungen, Gedanken, Ängste, Verbesserungen und Zustände zum filmischen Leben erwecken. Dass sich diese jungen Kreativen dabei natürlich nicht nur des Mediums Film bedienen, sondern eben auch wiederum Facebook (MyLife 24/24 Facebook-Seite) als Aggregator zum Verbreiten dieser Inhalte des Heute über das gar nicht mehr so ferne Morgen nutzen, ist natürlich klar. 

Im Rahmen des SUM (Stadt-Umland-Management Wien/Niederösterreich) haben sich 24 junge Filemmacherinnen und Filmschaffende also zusammengefunden, um aus ihren jeweiligen Beiträgen eine Videokompilation zu schaffen, welche sich mit ganz vielfältigen Themen beschäftigt. Und doch liegt allen Beiträgen ein Grundtenor zugunde: Was wird die Zukunft bringen? Egal ob “a movie, where plastic bottles control the whole world” (”Waste War” von Valentin Lechner), welcher schlussendlich hinsichtlich unserer Bereitschaft, alles in Plastikflaschen abzufüllen, die Frage stellt: “And a solution?” oder der prämierte Clip “Der erste Schritt” von Simon Casetti, welcher für Car sharing, Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, die verstärkte Nutzung des Fahrrads und selbstverständlich jenen ersten Schritt wirbt, welcher neben dem Hirn auch das Einschalten des natürlichen Bewegungsapparates, also unserer Beine, zum Kernpunkt seiner Aussage macht. “Und keiner schimpft mehr die Ausländer und alle sind gleich. Ich find es schon besser jetzt!” Die beiden letzten Sätze des Beitrages “Früher war alles besser” by Julia Hacker sagt eigentlich ohne weitere Worte, welche Botschaft hier für die Menschen der Gegenwart ausgegeben wird bzw. welchen Wertewandel der Gesellschaft sich die beiden ProtagonistInnen des Films von uns, jenen in der derzeitigen politischen und sozialen Verantwortung stehenden Menschen, wünschen würden. Dass dabei von einer PS 25, welche im Jahre 2035 wohl erhältlich sein wird, die Rede ist, zeigt doch mehr als deutlich, wie subtil diese jungen Menschen, welche an der Videocollage mitgewirkt haben, ihre Kritik und Verbesserungsvorschläge eingebracht haben, ohne gleich mit dem filmischen Holzhammer auf die Menschheit einzuschlagen. Alle Teilnehmerinnen und Mitwirkenden, welche nun nicht namentlich erwähnt wurden, mögen mir dies bitte verzeihen. Sollte es aber irgendwo in eurem Fundus etwas Dementsprechendes geben, kann ich dies gerne nachträglich einbauen. Nachtrag, ohne diese vorangegangene Worte jetzt zu löschen: Ich bin bezüglich der Namensliste bereits fündig geworden und habe sie selbstverständlich weiter unten vor der Videocollage online gestellt.

Dass sich dabei sogar Wiens Vize-Bürgermeisterin Maria Vassilakou per Facebook-Post zu Wort gemeldet hat, mag sicherlich ein Zeichen für das Verständnis der gezeigten Maria Vassilakou: Facebook-Post zu MyLife 24/24. Wie sehen Jugendliche die Stadt Wien und das Umland im Jahr 2035.Werke sein. Doch wenn die Grünen trotz 25-jähriger Feierlichkeiten über den erstmaligen Einzug in den Nationalrat diese Botschaften über dieses Verständnis hinaus, hier sei besonders wieder Simon Casetti namentlich erwähnt, in die Tat umsetzen möchten, um im Jahre 2035 dann durch entsprechende umweltpolitische Maßnahmen an ihr 50-jähriges Dienstjubiläum im Namen des Volkes denken zu können, bedarf es allerdings auch einer dementsprechenden Umsetzung dieser Vorgaben aus Kindermund und Wünsche, Sorgen und Kritikpunkte der mit dem Auge der jugendlichen BetrachterInnen auf Video gebannten minütlichen Gedankengänge. Was ich aber auch schon selbst in einigen Beiträgen (z.B. “Nicht das Rad neu erfinden. Einfach ausbauen” oder “Hoch zu Ross auf dem Drahtesel“) zum Anlass nahm, dies mit Worten zu äußern.

So, aber nun genug der schönen Worte. Lassen wir also jene sprechen, welche für die kleinen Werke verantwortlich sind.

Diese Kompilation beinhaltet alle im Rahmen vom Projekt MyLife 24/24 eingereichten Videos. Am Projekt waren folgende junge RegisseurInnen beteiligt: Aimee Karl, Stefan Giparakis, David Blacher, Tobias Weber, Linda Kress, Andreas Mayer, Elias Hirschl, Bengisu Naz Uzgur, Julia Hacker, Sonja Greinecker, Sophie Schwarz, Rene Kaspar, Valentin Lechner, Franziska Weber, Stefan Reuter, Valentin Gensthaler, Katja Träger, Elmas Libohova, Christoph M., Anja S., Judith T., Laura Ewers, Rupert Tömböl, Melina Lehofer, Miriam Hülmbauer, Christiana S., Lisa K., Christine S., Jovana L., Dominik Scheidl, Claudio dela Sciava, Alexander Bauer, Flora Petrik und Simon Casetti.

MyLife 24/24 - Videokompilation from Büro PlanSinn on Vimeo.

4.12.2011

Die Macht der Päpste. Ein Streifzug durch die Jahrhunderte

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 22:44


Ein furioser Rundgang durch die Geschichte des Vatikan

Ich hatte meinen letzten Artikel “Der Papst und sein Verständnis von Moral” wohlweislich und mit Bedacht gewählt. Denn mit der heutigen Rezension “Die Macht der Päpste“, welches ein kostenloses Rezensionsexemplar des Butzon & Bercker Verlages an mich (ohne weitere Vergünstigungen bzw. geldwerte Leistungen) darstellt, kann ich nahtlos mit der Kritik des Autors Rudolf Lill dort anschließen, wo meine eigenen kritischen Anmerkungen am System oder besser der Institution Kirche endeten. 

Wer sich mit Prof. Dr. phil. Rudolf Lill mit auf den Weg, nach Beendigung seines Werkes “Die Macht der Päpste” kann ich dabei getrost von einem glaubenspolitischen Labyrinth schreiben, macht, die Jahrhunderte alte Geschichte des Papsttums zu durchleuchten, wird einerseits durch fundiertes Fachwissen belohnt, muss aber trotzdem nicht die Befürchtung hegen, sich durch beinahe 260 Seiten aneinandergereihte Zahlen, Daten und Fakten zu quälen. Denn Rudolf Lill schreibt virtuos und nimmt seine LeserInnen hinter die schweigenden und für den Laien scheinbar undurchdringlichen Mauern jenes Sanktuariums namens päpstliche Macht mit, welche sich den meisten Prof. Dr. phil. Rudolf Lill: Die Macht der Päpste.“Normalsterblichen”, die im Heiligen Stuhl und den auf ihm residierenden Machthabern Vertreter Gottes bzw. legitime Nachfolger von Petrus sehen, aufgrund der komplizierten und an Fremdwörtern sicherlich reichen Sprache und Prozesse verständnislos verschließen.

Unkritische respektive blindlings der römisch-katholischen Kirche vertrauende und vollständig nach den nicht zu hinterfragenden Glaubensvorgaben des Vatikans lebende Menschen werden wahrscheinlich nach Lektüre des Buches zu der Erkenntnis kommen (wollen), dass hier eine schonungslose Abrechnung mit dem Papsttum von Lill stattfindet. Dem ist jedoch bei Weitem nicht so. Denn der Autor hinterfragt nüchtern sachlich, aber präzise und dialektisch spannend und argumentativ schlüssig anhand vieler gegenwärtiger Beispiele und Entscheidungen der neuzeitlichen Päpste (besonders natürlich Johannes Paul II. und seines unmittelbaren Nachfolgers Benedikt XVI.), inwieweit sich das Mysterium dieses päpstlichen Lehramtes, welches oftmals in krassem Gegensatz zu den biblischen Ausführungen steht, in einer fast schon gottgleichen Normierung und judikativen Rechtssprechung mit widerspruchsloser Bestimmtheit zum Maß aller Dinge erklärt hat. Rudolf Lill rollt unzählige Fäden einer Institution auf, welche in ihrer selbstgewählten Abgehobenheit gegenüber der ihr vertrauenden Ökumene und der über die Jahrhunderte gewachsenen Isolation hinsichtlich des originären Auftrages, nämlich die Glaubensgemeinschaft unter einem einzigen Dach zu vereinen, Rätsel aufgibt.

Spannende Aufbereitung, fundierte Kenntnisse und viel Hintergrundwissen

Die Reflexionen des Autors sind dabei keine willkürlichen Akte selbstgerechter Subjektivität, intransigenter (ein Lieblingswort des Autors) Haltung oder einseitiger Berichterstattung, sondern vermitteln vielmehr das Gefühl, dass hier jemand durch seine jahrzehntelange Beschäftigung und Auseinandersetzung mit diesem sicherlich schwierigen Thema seinen LeserInnen eine wohldosierte Portion Kritik, gepaart mit einer dezidierten und phänomenal gründlichen Verinnerlichung kirchlicher Prozesse, Zerlegung sowohl politischer als auch gesellschaftlicher Folgen, welche durch die verschiedenen Konzile, hierbei richtet er besonderes Augenmerk auf das Zweite Vatikanische Konzil, diesen Weg der Kompromisslosigkeit gekennzeichnet haben und bis zum heutigen Tage aufrecht erhalten.

Insgesamt hatte die katholische Kirche, wie schon gesagt, unter den beiden Konzilspäpsten den Weg zur Konzentration auf den Kern des Christlichen eingeschlagen, sie war menschlicher und moderner geworden, interessanter als je zuvor im 20. Jahrhundert. Durch ihren Einsatz für Menschenrechte und Religionsfreiheit hatte sie geradezu “Bürgerrechte” in der modernen Welt erworben. Aber der 1870 begründete Absolutismus war nur gemildert. Schon unter Paul VI. sammelten sich in der katholischen Kirche, keineswegs nur im Vatikan, die Kräfte, welche solch einen Prozess des “Aggiornamento” in der Theologie und in der Struktur der Kirche bremsen oder rückgängig machen wollten. […] Die konziliare Begeisterung hat nicht lange angehalten, und die Mehrheit der Katholiken zieht anscheinend eine starke Führung der eigenen Verantwortlichkeit vor.” (Seite 209)

Rudolf Lill lässt aber nicht nur die Gegenwart und jüngere Vergangenheit (selbstverständlich auch die Beantwortung von Fragen der Haltung der Kirche zum Nationalsozialismus und dem Judaismus) zu Wort kommen, sondern baut seine Kritik am Absolutismus und Zentralismus der obersten Kirchenführung auf jenen vatikanischen Fundamenten der Päpste mit Beginn der Neuzeit (15. Jahrhundert) auf, welche eigentlich mit entscheidend für die Grundsteinlegung und die daraus resultierenden Machtbefugnisse waren, wie sie nach den beiden modernen Konzilspäpsten Johannes dem XXIII. und (teilweise) Paul dem VI. durch heutigen Antimodernismus, Verweigerung jeglicher Diskussionsbereitschaft und ein päpstliches Primat sondergleichen allgegenwärtig sind. Denn, und hier spart der Autor auch nicht mit Lob gegenüber den Vertretern römisch-katholischer Souveränität, das Buch “Die Macht der Päpste” zeigt auch auf, dass, um jetzt im Jargon der Bibel zu sprechen, die Wege des Herrn nicht zwangsläufig unergründlich respektive abgründig sind, sondern durch reformfreudige und liberale Machthaber durchaus in einen vernünftigen Disput und damit einhergehende Dialogbereitschaft zu jener dringend notwendigen Öffnung gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften, aber auch den Laien und der eigenen Ökumene, geführt haben und belebende Wirkung, ein Aufbrechen dieser veralteten Strukturen und Aufweichen der verkrusteten Herrschaftsansprüchen dieses von antiken Denkweisen geprägten Episkopats gezeitigt haben.

Rudolf Lill kommt letztendlich jedoch zu der Konklusion, dass es sich hierbei nur um eine verschwindend kurze Epoche klerikaler Reformbereitschaft gehandelt habe und sich mit dem Ersten Vatikanischen Konzil und dem 1870 beschlossenen Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes und der damit fest verankerten und endgültigen Entscheidungsgewalt in allen Glaubens- und Sittenlehren dieser Weg vatikanischer Unbelehrbarkeit nicht nur zu einem steinigen, sondern regelrecht einzementierten Pfad voller Reglementierungen entwickelt hat.

Diese gewachsene Macht durch die Jahrhunderte hat sich bis zum heutigen Tag dort manifestiert, wo sie ihren Beginn nahm. Beim Papst und einigen wenigen Vertrauten, meistens Kardinälen, welche ihrem Monarchen bedingungslosen Gehorsam leisten und das verschwenderisch häufig von den Kanzeln gepredigte Subsidiaritätsprinzip auf allen Ebenen staatlicher Gemeinschaften, politischer Vereinigungen, gesellschaftlicher Ebenen oder sozialer Organisationen implentieren möchten. Nur nicht im innersten Zirkel dieser selbst definierten Unfehlbarkeit.

Die Macht der Päpste“, ein Buch für hohe Ansprüche

Wer sich nicht scheut, eine hohe Anzahl von Fakten, Jahreszahlen und Unmengen von Daten zu verarbeiten, welche aber zum besseren Verständnis des Buches unumgänglich sind, wird mit “Die Macht der Päpste” von Dr. phil. Rudolf Lill ein Werk in Händen halten, welches von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und die LeserInnen auf informative und höchst anschauliche Art in die Welt der Päpste, ihrer Entscheidungen und vor allem die Tragweite dieser Handlungen der Vergangenheit und Gegenwart einführt. Dass der Autor dabei weder mit Kritik spart noch beschönigende Worte für eine patriarchalische Welt voller fragwürdiger Instrumente wie Zölibat, das bereits schon erwähnte Unfehlbarkeitsprinzip, aber auch nicht nachzuvollziehender Heilig- und Seligsprechungen oder fragwürdiger Disziplinierungsinstrumentarien sowie rätselhafter Kurienreformen findet, macht das Buch umso interessanter.

Lill schreibt meines Erachtens jedoch nicht aus dem Blickwinkel des Verweigeres und eines Menschen, welcher grundsätzlich jede Entscheidung des Vatikans in Frage stellt oder jede diskussionswürdige Handlung in Zweifel ziehen möchte. Er umreisst vielmehr klar und sachlich jene tiefgreifenden Probleme, mit welchen sich die heutige Kirche konfrontiert sieht bzw. auseinandersetzen sollte. Dass er dabei durchaus positive Ansätze und Reformen nicht verschweigt, sondern abwägend den unzähligen unbewältigten Kernpunkten einer moderner Glaubensgemeinschaft gegenüberstellt, welche durch die einschneidenden Ereignisse und den welt- und gesellschaftspolitischen Wandel ihre Doktrin dringend überdenken und erneuern sollte, macht “Die Macht der Päpste” sicherlich zu einem Werk, welches für Interessierte, gleich welcher Glaubensgemeinschaft zugehörig, mehr als lesenswert ist. Und aus diesem guten Gründe vergebe ich die höchstmögliche Bewertung.

Bewertung von Paul Boegle. “Die Macht der Päpste” von Prof. Dr. phil. Rudolf Fill überzeugt durch fundiertes Fachwissen, unzählige Hintergrundinformationen und einen spannenden Erzählstil.

Paul Boegle schreibt Rezensionen. Kostenlose Bücher von Blogg Dein Buch.So, und zum Schluss noch zwei Anmerkungen. Ich habe dieses Buch nicht mit “Fünf mal Paul Bögle” oder der Höchstzahl an hauseigenen Sternen bewertet, weil es sich um ein kostenloses Exemplar handelt. Meine Rezension (auch ein kostenloses Rezensionsexemplar) über Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte fiel nicht ganz so hoch aus. Dass es sich dabei, wie damals schon geschrieben, um subjektives Empfinden über Gefallen oder eben auch Nichtgefallen handelt, ist selbstverständlich nicht weiter erwähnenswert. Erwähnen möchte ich, als zweite Anmerkung sozusagen, welche hier auch als Schlussbaustein dienen soll, die Tatsache, dass beide Rezensionen durch meine Mitgliedschaft bei Blogg Dein Buch (Link bei Klick auf das nebenstehende Logo) zustande kamen und vielleicht dementsprechend als Anreiz dienen soll, sich selbst das eine oder andere (gute) Buch zu holen.   

2.12.2011

Der Papst und sein Verständnis von Moral

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 22:45


Klerikale Glaubensbekenntnisse zur (Nicht)Verbreitung von Pornografie

Dass unsere heutige ehrenwerte Gesellschaft nicht nur aus Banken besteht, welche dank Atom- und Kohlekraft dieses stetige Fließen unsichtbarer Ströme zu sichtbaren, bilanzierten Geldströmen machen, kan ja nicht wirklich als revolutionär neu bezeichnet werden. Also lassen wir uns heute, zum seligen Ausgleich sozusagen, alle gemeinsam in den Dienst der Kirche stellen und bekämpfen wir doch das Böse in seiner ganz besonders bösen Form. Sex, Erotik, Pornos im Internet, was muss ich Ihnen da mehr sagen. Doch die glückliche Fügung hat uns für solche Fälle klerikale Kompetenz und sakrale Sendbotschaften an die keusche Seite im Büßergewande gestellt.

Nur einmal angenommen, sozusagen rein hypothetisch gedacht und frei von der Leber weg geschrieben, welche sich räumlich und anatomisch-geografisch gesehen nicht weit entfernt vom ab und zu erregten Schwellorgan des Mannes, welcher meistens auch als Penis bezeichnet wird, Papst Benedikt XVI. kommt zu folgender segensreicher, wortreicherer und ökumenisch sicherlich folgenreichererer und soweit das Auge sonst noch reicht, Erkenntnis an seine heiligen Schafe und anderen unheiligen ErdenbürgerInnen wie etwa mich, welche das oberste Haupt des Episkopats und Oberhirte der römischen Kurie und legitimer Nachfolger von Petrus auf dem Heiligen Stuhl jedoch nicht nur rrein hypothetisch, sondern genauso von sich gab:

An dieser Stelle möchte ich noch einen anderen bedenklichen Aspekt ansprechen, der, wie es scheint, durch materialistische und hedonistische Tendenzen vor allem in den Ländern der sogenannten westlichen Welt um sich greift, nämlich die geschlechtliche Diskriminierung von Frauen. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, ist dazu bestimmt, für den anderen da zu sein. Eine Beziehung, welche nicht beachtet, daß Mann und Frau die gleiche Würde besitzen, bedeutet ein schweres Vergehen gegen die Menschlichkeit. Hier ist es an der Zeit, Prostitution wie auch die weite Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken. Der Heilige Stuhl wird darauf achten, daß der notwendige Einsatz gegenüber diesen Mißständen seitens der katholischen Kirche in Deutschland vielfach entschiedener und deutlicher erfolgt.

Wurde von eben jenem Leiter der Weltkirche beim Antrittsbesuch des neuen deutschen Botschafters Reinhard Schweppe im Vatikan oder eben beim Heiligen Stuhl so von sich gegeben (Aktion SOS Leben.  Papst Benedikt XVI. an den neuen deutschen Botschafter: Lebensrecht von der Zeugung bis zum natürlichen Tod achten, Pornographie be“An dieser Stelle möchte ich noch einen anderen bedenklichen Aspekt ansprechen, der, wie es scheint, durch materialistische und hedonistische Tendenzen vor allem in den Ländern der sogenannten westlichen Welt um sich greift, nämlich die geschlechtliche Diskriminierung von Frauen. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, ist dazu bestimmt, für den anderen da zu sein. Eine Beziehung, welche nicht beachtet, daß Mann und Frau die gleiche Würde besitzen, bedeutet ein schweres Vergehen gegen die Menschlichkeit. Hier ist es an der Zeit, Prostitution wie auch die weite Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken. Der Heilige Stuhl wird darauf achten, daß der notwendige Einsatz gegenüber diesen Mißständen seitens der katholischen Kirche in Deutschland vielfach entschiedener und deutlicher erfolgt.” Sagte Papst Benedikt XVI. und die Dombuchhandlung Wien verkauft pornografische Werke.schränken). Dass gerade er von geschlechtlicher Diskriminierung von Frauen redet, wäre an sich schon diskussionswert, wird aber demnächst sowieso Teil einer Rezension über “Die Macht der Päpste” von Dr. phil. Rudolf Lill werden und soll deshalb für den Moment durch den weitmaschigen Rost moderner klerikaler Glaubensbekennnisse mit Nullwert fallen. Dass Papst Benedikt XVI. weiterhin davon redet, dass es an der Zeit sei, “die weite Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken”, möchte ich anhand eines aktuellen Beispiels ad absurdum führen.

Die unglaubliche Dombuchhandlung im schönen Wien

Es gibt in Wien eine schöne Buchhandlung mit dem treffenden Namen “Dombuchhandlung”. Eigentlich müßig zu schreiben, in wessen säkularen Händen sich hier die Eigentumsrechte befinden. Tun wir aber trotzdem, um dem Ganzen die geldwerte Tiara und sonstige finanzielle Dornenkronen aufzusetzen. Diese insgesamt sechs Filialen der “Facultas Dom Buchhandels GmbH” teilen sich die “Facultas Verlags- und Buchhandels GmbH” mit 66,67 Prozent Anteil und das restliche Drittel gehört der “St. Paulus-Stiftung der Erzdiözese Wien für Medienarbeit” (Der Standard: Papst und Porno. Harmonie im Bücherregal). Wer nun noch die Muse hat und sich einmal die St. Paulus-Stiftung der Erzdiözese genauer betrachtet, wird dort als Geschäftsführer einen Herrn Dr. Michael Prüller eingetragen sehen. Dieser wiederum, wenn man sich jetzt auf die Seite des RPP-Instituts (Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie) begibt, steht auch dem Wiener Kardinal Schönborn zur Verfügung. Und zwar lässt sich auf dortiger Seite unter Dr. iur. MICHAEL PRÜLLER nachlesen:

Aktuell hat Kardinal Christoph Schönborn Michael Prüller zu seinem neuen Pressesprecher und zum Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation der Erzdiözese Wien ernannt. Zu den Aufgaben Prüllers gehört die Gestaltung des Außenauftritts der Erzdiözese Wien ebenso wie die Organisation der internen Kommunikation in der Erzdiözese und die Funktion des Pressesprechers des Erzbischofs. Prüller wird auch im Vorstand der St. Paulus-Medienstiftung tätig sein, in der die MeDombuchhandlung im Eigentum der Erzdiözese Wien. Der Papst als Kämpfer gegen pornografische Werke im Internet und Paul Boegle kauft sich dafür “Nadja 24 - tabufrei, feucht & hemmungslos Sechs prickelnde Sex-Abenteuer der Königin des Dirty-Talk - ab18!”dien der Erzdiözese Wien gebündelt sind.

So weit, so gut. Doch was hat das nun mit jenen schönen Worten des Papstes zu tun? Gehen wir also jetzt einmal rein in diese Dombuchhandlung, welche in Diensten der Erzdiözese ihr gutes literarisches Werk an den gläubigen Schwestern und Brüdern im Geiste, Fleische und wo auch immer sonst tut. Und weil Papst Benedikt ja wortwörtlich davon sprach, erotische und pornografische Inhalte gerade auch über das Internet einschränken, nein sogar energisch einschränken zu wollen, machen wir und dies ebenso untertan wie der Mensch die Erde und besuchen die Dombuchhandlung auf virtuellem Wege. Sprich, wir besuchen das Online-Angebot unter www.dombuchhandlung.at. Den Link setze ich absichtlich nicht, schließlich möchte ich die christliche Gemeinschaft im folgenden nicht in Versuchung führen. Auch Atheisten haben manchmal ein gutes Herz.

Nun, eigentlich beginnt alles so harmlos wie anno dazumal im Paradies, als der Garten Eden noch biologisch und ideologisch astreine Wurmlöcher produzierte. “Kämpfen, glauben, hoffen” von Erwin Kräutler und sein Leben als Bischof am Amazonas, rechts die Ankündigung “Der fliegende Bücherteppich“, eine sicherlich wunderschöne “Facultas Lesereise für 3- bis 6-Jährige” oder von mir aus auch “Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge“. Nicht mein Ding, schließlich möchte ich für meine ganz persönliche Vertreibung aus dem Paradies auch dementsprechend belohnt werden. Und dies bedeutet, ich halte mich erst gar nicht lange mit solchen Dingen auf und gebe in der Suche oben links gleich einmal handfeste Suchkriterien ein. “PDer Baby-Jesus-Anal-Plug. Im Namen des Herrn und von Papst Benedikt XVI. gegen die Verbreitung von pornografischen Inhalten im Internet. Und die Dombuchhandlung Wien verkauft im Namen der Erzdiözese Wien pornografische Werke.orno” fällt mir da doch wie aus heiterem Himmel voller geiler Geigen ein. Mal sehen, ob sich meine triebgelenkte Triebfeder schon auf Spannungsbetrieb einstellen kann. Und wer sagt es denn. Da öffnen sich doch ganz außerordentliche sexuelle Abgründe, welche es sogleich im Namen des Herrn zu bekämpfen gilt. “Nadja 24, tabufrei, feucht & hemmungslos”. Uiuiui, das hört sich schon mal verdammt gut an. Dass links daneben Hubert Gaisbauer ruhig und froh weiterlebt und dies sogar in einer Signierstunde kundtut, stört mein Empfinden zwar etwas, aber meine Geilheit siegt glücklicherweise. Sozusagen ein Sieg meiner unmoralischen Triebfeder über die Signaturfeder auf ganzer Linie.

Vögelfrei” hört sich aber auch nicht schlecht an. Zumindest, wenn ich mir die dazugehörige Hauptbeschreibung, selbstverständlich auf der Dombuchhandlung-Seite wortwörtlich zitierend, so durchlese:

Ein Jahr lang hatte ich einen Freifahrtschein. Mein Mann hat ihn selbst unterschrieben: Zwölf Monate lang darf ich ficken, vögeln, lecken und lutschen und ganz allgemein tun und lassen, was ich will, mit wem ich will, wie oft ich will, wann ich will. Und ich hatte nicht nur die Erlaubnis. Ich hatte das Recht dazu.

Das mit der Signierstunde von Herrn Gaisbauer stört mich jetzt schon gar nicht mehr. Ich kann mich schließlich ebenso wie der Dombuchhandlung Wien. Der Papst wettert gegen die Homosexualität und bezeichnet diese als “Zerstörung von Gottes Werk” und im Namen der Kirche wird homosexuelle Literatur angeboten. Moral und Doppelmoral unter dem Dach des Vatikan.oberste Moral-Gralhüter auf das Wesentliche konzentrieren. Denn das Allerbeste kommt jetzt noch. “Der Baby-Jesus-Anal-Plug“. Gibt es nicht? Gibt es doch. Und zwar auf der Webseite der Dombuchhandlung. Ich möchte Benedikt jetzt am liebsten die Füße küssen. Ich dachte, seit ich meine Mitgliedschaft bei Amazon gekündigt habe, komme ich nie wieder an solch geil-geistige Literatur. Doch die Kirche macht es einfach möglich. Da muss sogar ich ein “Gott sei Dank” von mir geben. Als Atheist sicherlich auch nur ein fadenscheiniges Lippenbekenntnis, aber auch ich bin moralisch über alle Zweifel erhaben. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ein mir unbekannter Herr Gaisbauer irgendetwas signiert? Fragen Sie mich jetzt bitte nicht mehr, wo ich das gelesen habe, aber es wird sicherlich stimmen.

Übrigens hat Papst Benedikt XVI. im Dezember 2008 Verhältnisse jenseits von traditionellen heterosexuellen Beziehungen, also wohl auch oder gerade gleichgeschlechtliche Beziehungen als “Zerstörung von Gottes Werk” bezeichnet und dass die Kirche dafür eintreten müsse, “die Ordnung der Schöpfung und die Natur des Menschen bewahrt bleibe.” Da hat er natürlich recht, der Herr oberste Ordnungshüter römisch-katholischer Moral. Und weil dem so ist, kann ich mir online auf der Webseite der Dombuchhandlung auch gleich folgende zerstörerische Werke (von etlichen anderen) im Namen Gottes bestellen, wie Sie auf den Screenshots sehen.

Da gibt es wahrlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht die flehentliche Bitte, in Zukunft nicht mehr allzu inbrünstig den Imperativ “Herr, schmeiß Hirn herab!” händeringend und tränenreich in die Ökumene von Jericho bis wohin auch immer zu posaunen, sondern vielmehr das Hirn zu bitten, sich einen neuen Herrn zu suchen.  

 

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