Gefälschte Bio-Zertifikate: Die Spitze des Eisbergsalates 1



Bio-Lebensmittel oder Drogenhandel? Welche Geschäfte sind einträglicher

Italienwelten: Italien ist Europas größter Produzent von Bio-Produkten. Die italienischen Bio-Bauern dominieren damit den europäischen Markt. Ein Drittel der europäischen Produktion an biologischem Obst und Gemüse stammt aus Italien. Mehr als 1.168.000 Hektar Ackerfläche stehen für den Anbau von Bio-Produkten zur Verfügung. Der Löwenanteil von biologischem Obst und Gemüse wird in die europäischen Nachbarländer exportiert. Die Italiener selbst sind noch zurückhaltend beim Kauf von ökologischen Lebensmitteln.Nun hat die schöne Bio-Welt voller gesunder Bio-Produkte nach dem schönen Weltklimagipfel voller gesunder unabsichtlicher Absichtserklärungen also ihren nachhaltigen Skandal mit sicherlich weitreichenden ökologischen, aber wohl noch drastischeren ökonomischen Folgen für Hersteller und Vertriebsketten. In erster Linie natürlich oder eben leider nicht natürlich für die Konsumentinnen und Verbraucher, welche ihr Vertrauen in solch zertifizierte und von allerhöchster Stelle als aus biologischem Anbau erklärte Ware verloren haben bzw. noch verlieren werden, da die ganzen unerträglichen Ausmaße über die Tragweite des Handels mit gefälschten Zertifikaten erst noch unter der gefälschten Erde hervorgegraben werden müssen.

Da mutet es geradezu grotesk an, wenn die Website „Italienwelten“ damit Werbung macht, dass Italien Europas größter Produzent von Bio-Produkten sei. Wobei ich anmerken darf, dass die Betreiber dieses Projektes sicherlich genauso gutgläubig den italienischen und wahrscheinlich auch anderen Bio-Produkten ihren Vertrauen entgegengebracht haben.

Italien ist Europas größter Produzent von Bio-Produkten. Die italienischen Bio-Bauern dominieren damit den europäischen Markt. Ein Drittel der europäischen Produktion an biologischem Obst und Gemüse stammt aus Italien. Mehr als 1.168.000 Hektar Ackerfläche stehen für den Anbau von Bio-Produkten zur Verfügung.

Der Löwenanteil von biologischem Obst und Gemüse wird in die europäischen Nachbarländer exportiert. Die Italiener selbst sind noch zurückhaltend beim Kauf von ökologischen Lebensmitteln. Im Schnitt geben sie nur 20 € jährlich für den Kauf von Öko-Produkten aus (Schweiz: 105 € pro Einwohner und Jahr).

Andererseits wird mir jetzt schön langsam verständlich, weshalb die feschen Italienerinnen und feurigen Italiener so zurückhaltend in Sachen Bio sind. Bei solch aktuellen Meldungen, dass 700 000 (!) Tonnen hundsgemeine Lebensmittel fälschlicherweise mit eben diesem Prädikat abgestempelt wurden und in Europa zum Verkauf kamen, würde etwas mehr Zurückhaltung in Sachen gesunder Lebensweise ganz gut tun. 220 Millionen Euro Warenwert, und das ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergsalats. Dass der Standard allerdings schreibt, dass „gefälschtes Essen lukrativer als Drogen“ sei, ist dann doch wohl etwas überzogen. Oder vielleicht doch nicht?

Der Markt mit falsch ausgewiesenen oder gefälschten Lebensmitteln ist ein Milliardengeschäft, das in den vergangenen Jahren massiv gewachsen ist, heißt es bei Europol: Das Risiko ist gering, der Ertrag enorm. 1000 Dollar würden, in die Lebensmittelfälschung investiert, wesentlich höhere Profite abwerfen als etwa im Drogenhandel.

Fragen Sie mich bitte jetzt nicht, welche Summen mit Drogen zu verdienen wären. Doch wenn ich mir vorstelle, dass, so wie wie weiter berichtet, das Risiko mit dieser Art grünem und sogar staatlich autorisiertem Drogenhandel weit geringer einzuschätzen ist als jenes, bei Drogengeschäften erwischt zu werden, möchte ich mir deshalb lieber gar nicht vorstellen, wo die 20-prozentige Spitze dieses biologischen Eisbergsalates endet und die 80 Prozent gefälschten Bio-Zertifikate beginnen, welche ja bekanntlich, wenn ich mir neben meiner schon begonnen Vorstellung über mögliche Traumgewinne durch Drogen, das bekannte Eisbergmodell ins Gedächtnis rufe, welches eigentlich mehr in der Kommunikationstheorie beheimatet ist und gut getarnt unter der Oberfläche lauern.

Während ich diese Zeilen schreibe und nebenher weiterhin mit einem tränenden Auge die aktuellen Meldungen beobachte, kommt dann doch tatsächlich diese Schlagzeile hereingeschwommen: „Bio-Skandal: Hunderte Tonnen nach Österreich geliefert„. Natürlich auch mit Bezug und Reichweiten für Deutschland.

Schon am Dienstagvormittag war bekannt geworden, dass hunderte Tonnen gefälschter Bio-Produkte wahrscheinlich nach Deutschland geliefert worden waren. Auch in Deutschland soll es sich vor allem um Futtermittel wie Soja und Raps gehandelt haben. Eine Gesundheitsgefahr habe nicht bestanden. Die Produkte hätten aber nicht als Bioware verkauft werden dürfen. Die deutsche Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte, wenn sich die ersten Angaben aus Italien bewahrheiteten, handle es sich wohl um „Betrug in großem Stil“.

Reiner Betrug oder doch schon Gesundheitsgefährdung?

Ob diese Lebensmittel wirklich so ungefährlich sind, wie von Frau Aigner vermutet, muss sich jedoch auch noch erweisen. Aber angenommen, dies trifft zu, muss neben der Tatsache, dass hier die KonsumentInnen gnadenlos über den Tisch gezogen wurden und wohl über unbestimmte Zeit noch werden, auch noch untersucht werden, inwieweit diese Futtermittel Auswirkungen auf den biologischen Fleischmarkt haben werden. Wenn Europol nach Bekanntwerden der ersten Verdachtsmomente schon die ersten Razzien gestartet hat und reichhaltig fündig wurde, bleibt eines unter dieser Spitze des jetzt biologisch entwaffneten Eisbergsalates verborgen.

Mehr als 13.000 Flaschen Olivenöl, 12.000 Flaschen Wein, 30 Tonnen Tomatensauce, fünf Tonnen Fisch und Meeresfrüchte und 77 Tonnen Käse: Das ist die Ausbeute, die Polizisten in ganz in Europa vom Markt nehmen. Der Grund: Die Lebensmittel waren gefälscht. Sogar Bio-Produkte sind betroffen.

Das alleine wäre eigentlich schon Anlass genug, sich Gedanken über das derzeitige Kontrollsystem und die Vergabe der Zertifikate zu machen. Doch in diesem Zusammenhang stellt sich noch ein anderes Problem. Wohin wanderten diese Berge an Soja und Raps, wenn nicht in die Ställe, wo sie dann als Futtermittel für weitere biologische Fälschungen umgewandelt werden. Dass aber diese Verwässerung wohl noch schwieriger nachzuvollziehen sein wird als die primären Falsifikationen mit billig erkauften Bio-Siegeln, dürfte klar sein. Wenn dann jedoch noch vermeldet wird „Wer die Speisen und Getränke zu sich nehme, gefährde seine Gesundheit, erklärte Europol„, die deutsche Verbraucherministerin aber keine gesundheitlichen Bedenken hat, habe ich irgendwie schon meine Bedenken, ob sich jene polizeilichen Bedenken und die konträren und so harmlos vorweihnachtlich klingenden politischen Unbedenken so bedenkenlos unter einen biologischen Hut bringen lassen. Immerhin gibt selbst das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, welches ja von Frau Aigner geführt wird, in der aktuellen Pressemitteilung Nr. 270 vom 13.12.11: „Betrug mit gefälschten Bio-Produkten in Italien: Bundesministerin Aigner dringt auf rasche Aufklärung“ zu, dass hierbei noch nicht das letzte Wort gesprochen sei respektive keine vollständigen Fakten auf dem Tische lägen. Ob deshalb die Behauptung, der Lebensmittelskandal stelle keine gesundheiltiche Gefährdung für die Betroffenen dar, nicht etwas zu optimistisch klingt, muss wohl erst noch den VerbraucherInnen schmackhaft gemacht werden.

In Deutschland hatte sofort nach Bekanntwerden des Betrugsfalls die zuständige Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn Kontakt zum italienischen Landwirtschaftsministerium aufgenommen. Ferner hat die BLE unmittelbar die zuständigen Behörden der Bundesländer über den Vorfall informiert. Mittlerweile hat die BLE aufgrund polizeilicher Auskünfte erste Informationen über gefälschte Bio-Zertifikate und Empfängerunternehmen in Deutschland erhalten und diese unmittelbar an die zuständigen Länderbehörden weitergegeben. Allerdings liegen bisher noch keine abschließenden Daten aus dem italienschen Landwirtschaftsministerium zur Gesamtmenge der nach Deutschland gelieferten Waren vor. Nach übereinstimmenden Informationen italienischer und deutscher Sicherheitsbehörden ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand von einer mittleren dreistelligen Tonnage auszugehen.

Was ich heute essen werde, weiß ich nicht. Vielleicht sollte ich mir Italien zum Beispiel nehmen und mehr Amore machen. Aber nur Luft und Liebe soll ja auch nicht gesund sein. Überhaupt bei all dem Feinstaub und dem CO2, welches nach dem Weltklimagipfel in Durban auf erlösende Maßnahmen harrt. Sollte natürlich noch Platz unter dem Eisbergsalat sein, immer hinunter damit. Schließlich müssen wir in Zeiten wie diesen etwas enger zusammenrücken.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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