Der verlogene Weihnachtsmann macht 2012 Station in Quatar 1



Occupy Wall Street“ freut sich auf den Weihnachtsmann

Vorab eines, bevor wir uns auf den weiten Weg zum Nordpol machen, um uns dort mit dem Weihnachtsmann zu verlustieren, welcher auf schmelzenden Polkappen dem Christkind von vergangenen lustigen Zeiten erzählt („Keine Nacht ohne Rogen„) und, ganz verschwitzt vom vorweihnachtlichen Konsumwettlauf mit halbtoten Rentieren, welche mit geröteten Gesichtern und roten Nasen von Einkaufszentrum zu Shoppingcenter rasen, seine rote Robe von Armani in die sommerliche Wintersonne hängt, um sich dann zusammen mit Dauerfreund Hugo Boss dem süßen Dolce &Gabbana Leben hinzugeben. Bevor wir also dieses tun, noch eine kurze Richtigstellung.

Ich hatte unter „Klimagipfel Durban: Die Weltklimapolitik ist bankrott“ fälschlicherweise, wenn auch nicht ganz falsch geschrieben, dass der nächste globale politische Dilettantismus in Sachen Klimagipfel in Südkorea über weitere tatkräftige Untaten, tatfreudige Untätlichkeiten und sonstige historische Durchbrüche von geradezu bruchhafter CO2-Geschichtsschreibung beratschlagen wird. Das stimmt nun nicht mehr. Wie so viele Dinge, welche in Durban von den politisch Unverantwortlichen so entschlossen unverdrossen nicht beschlossen wurden. Denn laut United Nations Climate Change Secretary mit Datum vom 29.11.2011 wurde in einer Presseaussendung (Press Release: Decision on the host of COP 18/CMP 8) Entscheidung getroffen, anstatt in den fernen Osten lieber vom 26. November bis zum 07. Dezember 2012 nach Quatar (Katar) zu reisen, um dort das zu tun, was in Durban der einzige wirkliche Durchbruch war: Zeit und Ort für den nächsten Klimagipfel festzulegen. Wenn ich jetzt allerdings bedenke, dass nicht einmal dieses Vorhaben auf Anhieb funktioniert hat, möchte ich mir gar nicht vorstellen, was in Quatar alles nicht herauskommt. Dass diese Entscheidung übrigens nicht aufgrund klimapolitischer Entscheidungen getroffen wurde, sondern hierfür die Regeln der Diplomatie federführend waren, zeigt eigentlich deutlich, wo die Schwerpunkte in Sachen Klimaschutz wirklich gesetzt werden. Aber weil eben alles seine diplomatische Ordnung auf dem spiegelblanken Parkett haben muss und nach einem afrikanischen Land eigentlich ein asiatisches Land an der Reihe wäre, wie in Cancun 2010 ursprünglich beschlossen, jedoch ein arabischer Staat noch niemals solch ein zukünftiges Scheitern aus der Nähe betrachten durfte, werden eben die tausenden Delegierten ihre Flugtickets umbuchen lassen müssen.

The 2012 UN Climate Change Conference, COP 18/CMP 8 (the 18th Conference of Parties to the UNFCCC, plus the 8th session of the Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Kyoto Protocol), will take place in Qatar from 26 November to 7 December 2012.

Reizvoll, wenngleich weniger amüsant an dieser Entscheidung ist aber auch die Tatsache, dass mit dem Veranstalterland zur Bekämpfung des weltweiten CO2-Aufkommens Occupy Wall Street ruft zur Besetzung des Nordpols auf. Unter “Occupy Northpole” dem eigenen Protest gegen den Konsumterror Weihnachten die ganz persönliche Protestnote verleihen.ausgerechnet jenes Land zum Zuge kommt, welches den weltweit höchsten Pro-Kopf-Ausstoß mit 40 Tonnen Kohlendioxid auf seiner Klimabilanz verbuchen darf. Macht aber nichts, schließlich möchte man im Jahr 2022 die erste CO2-neutrale Fußballweltmeisterschaftüber die Weltbühne bringen. Und weil bis dahin noch jede Menge Zeit ist und die politischen KlimaschützerInnen sowieso erst bis 2015 über weltumspannende Maßnahmen zur CO2-Reduktion beratschlagen, welche dann möglicherweise im Jahre 2020 zum ersten Mal umgesetzt werden, steht solch einem spannenden Ereignis eigentlich zwei respektive sieben Jahre nach diesen beratschlagten und dann möglicherweise auch schon umgesetzten verbindlichen Vorgaben nichts im Wege.

Der Weihnachtsmann ist ein Ausbeuter

Aber sei es, wie es sei! Satteln wir also die Rentiere und machen wir uns auf den Weg nach Norden, wenngleich nur virtuell. Denn dort wartet schon Occupy Wall Street auf uns. Und weil richtigerweise die Wall Street eine besonders schlagkräftige Dependance seit geschenkefreudigem Menschenkindgedenken an diesem konsumfreudigen Plätzchen des interpolaren Wahnsinns unterhält, machen wir uns an die schöne Aufgabe, bei der Besetzung des virtuellen Nordpols mitzuhelfen. Und dazu gestalten wir unsere eigenen Protestnoten, drücken diese in Form von virtuellen Tafeln in die Hand virtueller Wichteln und dann?

Occupy Wall Street will natürlich nicht die Freude am Weihnachtsfest verderben, doch die Finanzplätze dieser Welt erstrecken sich eben gerade dort, wo solch Freude skrupellos in klingende Münze umgewandelt wird. Und wenn mit einem tränenden Augenzwinkern auf diese konsumüberladene sogenannte stillste Zeit des Jahres aufmerksam gemacht wird, sollten auch diejenigen ein kleines bisschen Spaß haben, welche das Ganze nicht zum Spaßen finden. Ob jetzt jemand mit den zur Verfügung stehenden 60 Zeichen darauf aufrufen möchte, mehr Rentiere zu essen oder gleich den Weihnachtsmann zu erschießen was in Anbetracht der Vielzahl an wandelnden roten Kostümen auf zwei Beinen fast genauso unmöglich erscheint wie das Unterfangen Klimawandel, sei aber jedem konsumkritischen Christkind und jedem Occupy Northpole freundlichen Weihnachtswichtel frei gestellt.     


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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