LobbyControl: Ein ehrbarer Kaufmann wird diskreditiert 1



Josef Ackermann vertritt die Deutsche Bank eindeutig zweideutig

Josef Ackermann und die Deutsche Bank gewinnen die Lobbykratie-Medaille 2011. Hier die Fotos von der Preisverleihung, ergänzend zum Bericht von der Aktion sowie der Reaktion der Deutschen Bank. Die Preisverleihung fand heute vor dem Berliner Büro der Deutschen Bank statt. Leider konnten wir den Preis nicht persönlich überreichen, da der Leiter des Büros nicht in Berlin war.Es ist ja nicht so, dass ich den Anspruch erhebe, diese Welt zu verstehen. Manchmal entziehe ich mich sogar dieser Verantwortung und möchte sie eigentlich gar nicht verstehen. Schließlich habe ich erst gestern der Jugend den Vorrang eingeräumt und hoffe deshalb, dass der Nachwuchs dies in Zukunft für mich erledigt. Aber eines ist mir jetzt doch absolut unbegreiflich, wobei dies wiederum auch nur von relativer Gültigkeit ist, was aber meine derzeitige Antriebslosigkeit in Sachen Begreiflichkeit und Verständnis für gewisse Dinge auch nicht erklären kann. Weder relativ noch absolut. Hierzu passend vielleicht auch, dass ich solch eine Dissertation wie z.B. die „Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden“ nicht einmal im Wortlaut verstehe. Wer diese Doktorarbeit geschrieben hat? Können Sie sich möglicherweise nach dem nächsten Abschnitt denken.

Alle Fotos LobbyControl. Die gesamte Preisverleihung vor dem Berliner Büro der Deutschen Bank und weiteres Material  bei Klick auf eines der beiden Fotos oder unter „Fotos von der Verleihung der Lobbykratie-Medaille„. Natürlich auch ein herzliches Dankeschön an Bundeskanzlerin Angela Merkel für die formlose Bereitstellung des Rettungsschirms und natürlich dafür, dass Herr Ackermann nicht ganz alleine im Regen stehen musste.

Jetzt ist es also so, dass sich die Wählerschaft in Sachen Lobbykratie-Medaille, welche bekanntermaßen von LobbyControl bisher damen- und herrenlos im luftleeren Raum eines dichten Konglomerates aus eigenen und noch wesentlich mehr ganz eigenen Interessen baumelte und verzweifelt nach einem dementsprechenden eigentlich eher uninteressierten Halse zum Umhängen suchte, um mithilfe von Schwer- und natürlich auch lobbyistischen Kräften am weiteren Nichtbaumeln gehindert zu werden und endlich zur Zufriedenheit aller an irgendeinem selbstzufriedenen körperlichen Verbindungstrakt zwischen Kopf und Körper für alle Zeiten vor sich hin zu baumeln, dass sich also die LeserInnen entschieden haben, der Deutschen Bank und stellvertretend hierfür ihrem Vorsitzenden Josef Ackermann in seiner weiteren Funktion als Vorsitzender des Institute of International Finance (IIF) zukommen zu lassen. Wem nun dieser Satz zu verstrickt und voller Fallen (des Satzbaus) war, was sicherlich am gewählten Thema meines Beitrages liegt. Es geht auch einfacher: „Josef Ackermann und die Deutsche Bank gewinnen die Lobbykratie-Medaille„.

Wer wie was
der die das
wieso weshalb warum
wer nicht fragt bleibt dumm!

Wer wie was
der die das
wieso weshalb warum
wer nicht fragt, bleibt dumm!

Tausend tolle Sachen
die gibt es überall zu sehen,
manchmal muss man fragen,
um sie zu verstehen!

Wieso, weshalb, warum Josef Ackermann und wieso, weshalb, warum eigentlich nicht

Wer abseits der Sesamstraße jetzt noch genauer wissen möchte, wieso, weshalb und warum 44 Prozent der insgesamt 5500 Stimmen den Weg in die finanzielle Urne der 44 Prozent der über 5 500 abgegebenen Stimmen gingen an die Deutsche Bank und Josef Ackermann, die ersten Gewinner der Lobbykratie-Medaille. Nominiert waren sie, weil sie über einen privilegierten Zugang zur Politik die günstigen Konditionen für die Finanzbranche bei der Griechenland-Rettung prägten und sich zugleich nach außen irreführend als hart getroffen darstellten.Deutschen Bank fanden, findet unter „Deutsche Bank und Josef Ackermann – Kandidaten für die Lobbykratie-Medaille“ die entsprechende Begründung dazu. Wieso, weshalb und warum die Plätze zwei und drei die Deutsche Vermögensberatung und RWE zusammen mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe belegt haben, ist zwar höchst bedauerlich, aber es kann eben nur einen verdienten Lobbyismus-Sieger geben. Deshalb ein guter Tipp an die Verlierer: Nächstes Jahr noch mehr anstrengen, um auch einmal so eine schöne Medaille zu bekommen! Dass die Verantwortlichen der Deutschen Bank justamente gerade an diesem Tage keine Zeit fanden, die Lobbykratie-Medaille selbst in Empfang zu nehmen, ist selbstverständlich mehr als bedauerlich, aber leider nicht mehr rückgängig zu machen. Doch immerhin gab es ein Pressekommunique, welches ich an dieser Stelle gerne veröffentliche, ohne dass dies nun meine Meinung widerspiegelt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Vielen Dank fuer die Auszeichnung mit der Lobbykratie-Medaille, vor allem fuer die Begruendung, die Sie dafuer anfuehren. Dies verschafft uns die Gelegenheit, einen weitverbreiteten Irrtum aufzuklaeren.
Sie begruenden die Preisvergabe damit, dass die Fuehrung der Deutschen Bank an einer Lösung für das griechische Schuldenproblem mitgewirkt und dabei vor allem ihre eigenen Interessen verfolgt habe.
Lassen Sie mich zunaechst einmal generell darauf hinweisen, dass die Fuehrung einer Aktiengesellschaft dem durch ein demokratisch gewaehltes Parlament beschlossenen Aktiengesetz verpflichtet ist. Dieses Gesetz verlangt von ihr, stets im Unternehmens-Interesse zu handeln. Dabei erfolgt die Interessenwahrnehmung unter anderem auch auf dem Wege sogenannter Lobby-Taetigkeit. Diese ist ein konstitutiver Teil des Interessenausgleichs in demokratisch-pluralistischen Gesellschaften.
Speziell auf die Deutsche Bank und Griechenland bezogen, darf ich Ihnen Folgendes mitteilen:
Die Deutsche Bank war und ist in Griechenland finanziell vergleichsweise nur geringfuegig engagiert, hat also kein gesteigertes spezifisches Eigen-Interesse an einer fuer sie guenstigen Loesung der Schuldenproblematik des Landes. Dennoch hat sich die Bank und speziell ihr Vorstandsvorsitzender Dr. Josef Ackermann, der zugleich Praesident des internationalen Bankenverbands IIF ist, besonders fuer einen freiwilligen Schuldenverzicht gegenueber Griechenland eingesetzt. Dies geschah auf Wunsch der demokratisch gewaehlten Regierung dieses Landes, die einen Beitrag des privaten Sektors zur Bedingung fuer weitere Hilfen gemacht hatte, aus gesellschaftlicher Verantwortung und zugleich wohlverstandenem Eigeninteresse.
Ebenso auf Wunsch der Bundesregierung und als guter Unternehmensbuerger haben Dr. Ackermann und die Deutsche Bank gemeinsam mit anderen Finanzinstituten des Landes versprochen, griechische Staatsanleihen nicht zu verkaufen. Dieses Versprechen hat die Deutsche Bank in diesem Jahr 400 Millionen Euro an Abschreibungen gekostet.
Soviel zum Thema Lobbykratie und Deutsche Bank. Ich wuensche Ihnen fuer die naechsten Jahre mehr Treffsicherheit bei der Preisvergabe.
Ich würde mich freuen, wenn ich Sie jetzt noch – privat, keine Angst – auf einen Kaffee oder Tee in das Deutsche Guggenheim einladen und mich mit Ihnen noch etwas naeher austauschen koennte.
Vielen Dank!

(Schriftliche Antwort der Deutschen Bank auf die Preisverleihung)

Leistung aus Leidenschaft oder Leistung, das Leiden schafft?

Gut, aber dies war eigentlich nicht das Hauptthema. Doch, war es schon, aber weshalb gerade Josef Ackermann? Findet sich doch auf der Deutschen Bank unter „Reden/Präsentationen“ mit Datum vom 22. November 2011 unter „Dr. Josef Ackermann – Rede auf der Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns“ in Hamburg“ folgende höchst zweifelsfreie Aussage auf Seite 8, welche ich im Wortlaut wiedergebe.

Das Motto der Deutschen Bank heißt bekanntlich „Leistung aus Leidenschaft“. Wir verstehen unter Leistung aber nicht nur, ehrgeizige wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Leistung misst sich nicht nur in Geld und Gewinn, Leistung bedeutet für uns auch mehr als sich bei all unserem Tun an Recht und Gesetz zu halten: Wir wollen all unsere ökonomischen Ziele auf ehrbare Weise, also auf ethisch und moralisch vertretbare Art und Weise erreichen.
Ich sage schon seit langem immer wieder: Wir dürfen kein Geschäft machen – so finanziell lukrativ es kurzfristig auch erscheinen mag – wenn dieses Geschäft mittel- bis langfristig unseren Ruf aufs Spiel setzt. Nur eine zugleich leistungs- und werteorientierte Unternehmensführung vermag nachhaltigen Erfolg zu gewährleisten. Ein Marktführer trägt hier besondere Verantwortung, weil er eine Vorbildfunktion für andere Unternehmen hat. Deshalb haben wir z.B. jüngst auch entschieden, keine Unternehmen mehr zu finanzieren, die unter vielen anderen Produkten auch Streubomben herstellen, auch wenn dies nur ein kleiner Teil ihrer geschäftlichen Tätigkeit ist und das Geld nicht in die Produktion und den Vertrieb solcher Bomben fließt.

Ich hatte bereits am 30.06.2010 unter „In-die-Augen-Streu-Bomben-Geschäfte“ (Peter Marwitz von „Konsumpf“ am 25.06. unter „Die fragwürdigen Geschäfte Deutscher Banken mit geächteten Waffen wie Streumuniton) über diese zweifelhaften Geschäfte der Deutschen Bank berichtet. Erst unlängst wurden unter Bankrolling Climate Change Zahlen über die Geschäfte von Großbanken mit veröffentlicht, welche Milliarden in die Finanzierung der vollkommen antiquierten Kohlekraft stecken. Die Deutsche Bank belegt dabei einen hervorragenden sechsten Platz. Leistung aus Leidenschaft oder Leistung, das Leiden schafft? 

Die „Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg e.V.“ besteht doch tatsächlich schon seit 1517 und ist somit die älteste kaufmännische Vereinigung der Hansestadt. Ganz ehrlich, meine lieben LeserInnen, gehen für einen kurzen Moment in uns und vollziehen das, was ich in den seltensten Fällen selbst kann, weil ich es lieber mit dem Prinzip „ab ovo“ halte. Praktizieren wir also „in media res“ oder auf direktem Wege auf den Kern der Dinge zusteuern: Mehr als 500 Jahre können doch wohl nicht falsch sein? Also doch keine Leistung, die Leiden schafft, sondern Leistung aus Leidenschaft?

Irgendjemand irrt doch hier ganz gewaltig und gehörig ungehörig. Oder ich verstehe diese Welt wirklich nicht mehr. Aber hat sich nicht auch schon Albert Einstein ganz relativ und absolut geirrt? Nein, hat er nicht? Nun, dann bleibt doch nur die Erkenntnis, dass diese Welt voller Ambivalenzen steckt und eindeutig zweideutig über mein Verständnis geht. Schau ich eben wieder die Sesamstraße und mache mir so meine Gedanken über Ernie und Bert. Wieso, weshalb und warum weiß ich auch nicht.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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