Die Macht der Päpste. Ein Streifzug durch die Jahrhunderte 1



Ein furioser Rundgang durch die Geschichte des Vatikan

Ich hatte meinen letzten Artikel „Der Papst und sein Verständnis von Moral“ wohlweislich und mit Bedacht gewählt. Denn mit der heutigen Rezension „Die Macht der Päpste„, welches ein kostenloses Rezensionsexemplar des Butzon & Bercker Verlages an mich (ohne weitere Vergünstigungen bzw. geldwerte Leistungen) darstellt, kann ich nahtlos mit der Kritik des Autors Rudolf Lill dort anschließen, wo meine eigenen kritischen Anmerkungen am System oder besser der Institution Kirche endeten. 

Wer sich mit Prof. Dr. phil. Rudolf Lill mit auf den Weg, nach Beendigung seines Werkes „Die Macht der Päpste“ kann ich dabei getrost von einem glaubenspolitischen Labyrinth schreiben, macht, die Jahrhunderte alte Geschichte des Papsttums zu durchleuchten, wird einerseits durch fundiertes Fachwissen belohnt, muss aber trotzdem nicht die Befürchtung hegen, sich durch beinahe 260 Seiten aneinandergereihte Zahlen, Daten und Fakten zu quälen. Denn Rudolf Lill schreibt virtuos und nimmt seine LeserInnen hinter die schweigenden und für den Laien scheinbar undurchdringlichen Mauern jenes Sanktuariums namens päpstliche Macht mit, welche sich den meisten Prof. Dr. phil. Rudolf Lill: Die Macht der Päpste.„Normalsterblichen“, die im Heiligen Stuhl und den auf ihm residierenden Machthabern Vertreter Gottes bzw. legitime Nachfolger von Petrus sehen, aufgrund der komplizierten und an Fremdwörtern sicherlich reichen Sprache und Prozesse verständnislos verschließen.

Unkritische respektive blindlings der römisch-katholischen Kirche vertrauende und vollständig nach den nicht zu hinterfragenden Glaubensvorgaben des Vatikans lebende Menschen werden wahrscheinlich nach Lektüre des Buches zu der Erkenntnis kommen (wollen), dass hier eine schonungslose Abrechnung mit dem Papsttum von Lill stattfindet. Dem ist jedoch bei Weitem nicht so. Denn der Autor hinterfragt nüchtern sachlich, aber präzise und dialektisch spannend und argumentativ schlüssig anhand vieler gegenwärtiger Beispiele und Entscheidungen der neuzeitlichen Päpste (besonders natürlich Johannes Paul II. und seines unmittelbaren Nachfolgers Benedikt XVI.), inwieweit sich das Mysterium dieses päpstlichen Lehramtes, welches oftmals in krassem Gegensatz zu den biblischen Ausführungen steht, in einer fast schon gottgleichen Normierung und judikativen Rechtssprechung mit widerspruchsloser Bestimmtheit zum Maß aller Dinge erklärt hat. Rudolf Lill rollt unzählige Fäden einer Institution auf, welche in ihrer selbstgewählten Abgehobenheit gegenüber der ihr vertrauenden Ökumene und der über die Jahrhunderte gewachsenen Isolation hinsichtlich des originären Auftrages, nämlich die Glaubensgemeinschaft unter einem einzigen Dach zu vereinen, Rätsel aufgibt.

Spannende Aufbereitung, fundierte Kenntnisse und viel Hintergrundwissen

Die Reflexionen des Autors sind dabei keine willkürlichen Akte selbstgerechter Subjektivität, intransigenter (ein Lieblingswort des Autors) Haltung oder einseitiger Berichterstattung, sondern vermitteln vielmehr das Gefühl, dass hier jemand durch seine jahrzehntelange Beschäftigung und Auseinandersetzung mit diesem sicherlich schwierigen Thema seinen LeserInnen eine wohldosierte Portion Kritik, gepaart mit einer dezidierten und phänomenal gründlichen Verinnerlichung kirchlicher Prozesse, Zerlegung sowohl politischer als auch gesellschaftlicher Folgen, welche durch die verschiedenen Konzile, hierbei richtet er besonderes Augenmerk auf das Zweite Vatikanische Konzil, diesen Weg der Kompromisslosigkeit gekennzeichnet haben und bis zum heutigen Tage aufrecht erhalten.

Insgesamt hatte die katholische Kirche, wie schon gesagt, unter den beiden Konzilspäpsten den Weg zur Konzentration auf den Kern des Christlichen eingeschlagen, sie war menschlicher und moderner geworden, interessanter als je zuvor im 20. Jahrhundert. Durch ihren Einsatz für Menschenrechte und Religionsfreiheit hatte sie geradezu „Bürgerrechte“ in der modernen Welt erworben. Aber der 1870 begründete Absolutismus war nur gemildert. Schon unter Paul VI. sammelten sich in der katholischen Kirche, keineswegs nur im Vatikan, die Kräfte, welche solch einen Prozess des „Aggiornamento“ in der Theologie und in der Struktur der Kirche bremsen oder rückgängig machen wollten. […] Die konziliare Begeisterung hat nicht lange angehalten, und die Mehrheit der Katholiken zieht anscheinend eine starke Führung der eigenen Verantwortlichkeit vor.“ (Seite 209)

Rudolf Lill lässt aber nicht nur die Gegenwart und jüngere Vergangenheit (selbstverständlich auch die Beantwortung von Fragen der Haltung der Kirche zum Nationalsozialismus und dem Judaismus) zu Wort kommen, sondern baut seine Kritik am Absolutismus und Zentralismus der obersten Kirchenführung auf jenen vatikanischen Fundamenten der Päpste mit Beginn der Neuzeit (15. Jahrhundert) auf, welche eigentlich mit entscheidend für die Grundsteinlegung und die daraus resultierenden Machtbefugnisse waren, wie sie nach den beiden modernen Konzilspäpsten Johannes dem XXIII. und (teilweise) Paul dem VI. durch heutigen Antimodernismus, Verweigerung jeglicher Diskussionsbereitschaft und ein päpstliches Primat sondergleichen allgegenwärtig sind. Denn, und hier spart der Autor auch nicht mit Lob gegenüber den Vertretern römisch-katholischer Souveränität, das Buch „Die Macht der Päpste“ zeigt auch auf, dass, um jetzt im Jargon der Bibel zu sprechen, die Wege des Herrn nicht zwangsläufig unergründlich respektive abgründig sind, sondern durch reformfreudige und liberale Machthaber durchaus in einen vernünftigen Disput und damit einhergehende Dialogbereitschaft zu jener dringend notwendigen Öffnung gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften, aber auch den Laien und der eigenen Ökumene, geführt haben und belebende Wirkung, ein Aufbrechen dieser veralteten Strukturen und Aufweichen der verkrusteten Herrschaftsansprüchen dieses von antiken Denkweisen geprägten Episkopats gezeitigt haben.

Rudolf Lill kommt letztendlich jedoch zu der Konklusion, dass es sich hierbei nur um eine verschwindend kurze Epoche klerikaler Reformbereitschaft gehandelt habe und sich mit dem Ersten Vatikanischen Konzil und dem 1870 beschlossenen Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes und der damit fest verankerten und endgültigen Entscheidungsgewalt in allen Glaubens- und Sittenlehren dieser Weg vatikanischer Unbelehrbarkeit nicht nur zu einem steinigen, sondern regelrecht einzementierten Pfad voller Reglementierungen entwickelt hat.

Diese gewachsene Macht durch die Jahrhunderte hat sich bis zum heutigen Tag dort manifestiert, wo sie ihren Beginn nahm. Beim Papst und einigen wenigen Vertrauten, meistens Kardinälen, welche ihrem Monarchen bedingungslosen Gehorsam leisten und das verschwenderisch häufig von den Kanzeln gepredigte Subsidiaritätsprinzip auf allen Ebenen staatlicher Gemeinschaften, politischer Vereinigungen, gesellschaftlicher Ebenen oder sozialer Organisationen implentieren möchten. Nur nicht im innersten Zirkel dieser selbst definierten Unfehlbarkeit.

Die Macht der Päpste„, ein Buch für hohe Ansprüche

Wer sich nicht scheut, eine hohe Anzahl von Fakten, Jahreszahlen und Unmengen von Daten zu verarbeiten, welche aber zum besseren Verständnis des Buches unumgänglich sind, wird mit „Die Macht der Päpste“ von Dr. phil. Rudolf Lill ein Werk in Händen halten, welches von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und die LeserInnen auf informative und höchst anschauliche Art in die Welt der Päpste, ihrer Entscheidungen und vor allem die Tragweite dieser Handlungen der Vergangenheit und Gegenwart einführt. Dass der Autor dabei weder mit Kritik spart noch beschönigende Worte für eine patriarchalische Welt voller fragwürdiger Instrumente wie Zölibat, das bereits schon erwähnte Unfehlbarkeitsprinzip, aber auch nicht nachzuvollziehender Heilig- und Seligsprechungen oder fragwürdiger Disziplinierungsinstrumentarien sowie rätselhafter Kurienreformen findet, macht das Buch umso interessanter.

Lill schreibt meines Erachtens jedoch nicht aus dem Blickwinkel des Verweigeres und eines Menschen, welcher grundsätzlich jede Entscheidung des Vatikans in Frage stellt oder jede diskussionswürdige Handlung in Zweifel ziehen möchte. Er umreisst vielmehr klar und sachlich jene tiefgreifenden Probleme, mit welchen sich die heutige Kirche konfrontiert sieht bzw. auseinandersetzen sollte. Dass er dabei durchaus positive Ansätze und Reformen nicht verschweigt, sondern abwägend den unzähligen unbewältigten Kernpunkten einer moderner Glaubensgemeinschaft gegenüberstellt, welche durch die einschneidenden Ereignisse und den welt- und gesellschaftspolitischen Wandel ihre Doktrin dringend überdenken und erneuern sollte, macht „Die Macht der Päpste“ sicherlich zu einem Werk, welches für Interessierte, gleich welcher Glaubensgemeinschaft zugehörig, mehr als lesenswert ist. Und aus diesem guten Gründe vergebe ich die höchstmögliche Bewertung.

Bewertung von Paul Boegle. “Die Macht der Päpste” von Prof. Dr. phil. Rudolf Fill überzeugt durch fundiertes Fachwissen, unzählige Hintergrundinformationen und einen spannenden Erzählstil.

Paul Boegle schreibt Rezensionen. Kostenlose Bücher von Blogg Dein Buch.So, und zum Schluss noch zwei Anmerkungen. Ich habe dieses Buch nicht mit „Fünf mal Paul Bögle“ oder der Höchstzahl an hauseigenen Sternen bewertet, weil es sich um ein kostenloses Exemplar handelt. Meine Rezension (auch ein kostenloses Rezensionsexemplar) über Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte fiel nicht ganz so hoch aus. Dass es sich dabei, wie damals schon geschrieben, um subjektives Empfinden über Gefallen oder eben auch Nichtgefallen handelt, ist selbstverständlich nicht weiter erwähnenswert. Erwähnen möchte ich, als zweite Anmerkung sozusagen, welche hier auch als Schlussbaustein dienen soll, die Tatsache, dass beide Rezensionen durch meine Mitgliedschaft bei Blogg Dein Buch (Link bei Klick auf das nebenstehende Logo) zustande kamen und vielleicht dementsprechend als Anreiz dienen soll, sich selbst das eine oder andere (gute) Buch zu holen.   


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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