Der Papst und sein Verständnis von Moral 1



Klerikale Glaubensbekenntnisse zur (Nicht)Verbreitung von Pornografie

Dass unsere heutige ehrenwerte Gesellschaft nicht nur aus Banken besteht, welche dank Atom- und Kohlekraft dieses stetige Fließen unsichtbarer Ströme zu sichtbaren, bilanzierten Geldströmen machen, kan ja nicht wirklich als revolutionär neu bezeichnet werden. Also lassen wir uns heute, zum seligen Ausgleich sozusagen, alle gemeinsam in den Dienst der Kirche stellen und bekämpfen wir doch das Böse in seiner ganz besonders bösen Form. Sex, Erotik, Pornos im Internet, was muss ich Ihnen da mehr sagen. Doch die glückliche Fügung hat uns für solche Fälle klerikale Kompetenz und sakrale Sendbotschaften an die keusche Seite im Büßergewande gestellt.

Nur einmal angenommen, sozusagen rein hypothetisch gedacht und frei von der Leber weg geschrieben, welche sich räumlich und anatomisch-geografisch gesehen nicht weit entfernt vom ab und zu erregten Schwellorgan des Mannes, welcher meistens auch als Penis bezeichnet wird, Papst Benedikt XVI. kommt zu folgender segensreicher, wortreicherer und ökumenisch sicherlich folgenreichererer und soweit das Auge sonst noch reicht, Erkenntnis an seine heiligen Schafe und anderen unheiligen ErdenbürgerInnen wie etwa mich, welche das oberste Haupt des Episkopats und Oberhirte der römischen Kurie und legitimer Nachfolger von Petrus auf dem Heiligen Stuhl jedoch nicht nur rrein hypothetisch, sondern genauso von sich gab:

An dieser Stelle möchte ich noch einen anderen bedenklichen Aspekt ansprechen, der, wie es scheint, durch materialistische und hedonistische Tendenzen vor allem in den Ländern der sogenannten westlichen Welt um sich greift, nämlich die geschlechtliche Diskriminierung von Frauen. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, ist dazu bestimmt, für den anderen da zu sein. Eine Beziehung, welche nicht beachtet, daß Mann und Frau die gleiche Würde besitzen, bedeutet ein schweres Vergehen gegen die Menschlichkeit. Hier ist es an der Zeit, Prostitution wie auch die weite Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken. Der Heilige Stuhl wird darauf achten, daß der notwendige Einsatz gegenüber diesen Mißständen seitens der katholischen Kirche in Deutschland vielfach entschiedener und deutlicher erfolgt.

Wurde von eben jenem Leiter der Weltkirche beim Antrittsbesuch des neuen deutschen Botschafters Reinhard Schweppe im Vatikan oder eben beim Heiligen Stuhl so von sich gegeben (Aktion SOS Leben.  Papst Benedikt XVI. an den neuen deutschen Botschafter: Lebensrecht von der Zeugung bis zum natürlichen Tod achten, Pornographie be“An dieser Stelle möchte ich noch einen anderen bedenklichen Aspekt ansprechen, der, wie es scheint, durch materialistische und hedonistische Tendenzen vor allem in den Ländern der sogenannten westlichen Welt um sich greift, nämlich die geschlechtliche Diskriminierung von Frauen. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, ist dazu bestimmt, für den anderen da zu sein. Eine Beziehung, welche nicht beachtet, daß Mann und Frau die gleiche Würde besitzen, bedeutet ein schweres Vergehen gegen die Menschlichkeit. Hier ist es an der Zeit, Prostitution wie auch die weite Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken. Der Heilige Stuhl wird darauf achten, daß der notwendige Einsatz gegenüber diesen Mißständen seitens der katholischen Kirche in Deutschland vielfach entschiedener und deutlicher erfolgt.” Sagte Papst Benedikt XVI. und die Dombuchhandlung Wien verkauft pornografische Werke.schränken). Dass gerade er von geschlechtlicher Diskriminierung von Frauen redet, wäre an sich schon diskussionswert, wird aber demnächst sowieso Teil einer Rezension über „Die Macht der Päpste“ von Dr. phil. Rudolf Lill werden und soll deshalb für den Moment durch den weitmaschigen Rost moderner klerikaler Glaubensbekennnisse mit Nullwert fallen. Dass Papst Benedikt XVI. weiterhin davon redet, dass es an der Zeit sei, „die weite Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken“, möchte ich anhand eines aktuellen Beispiels ad absurdum führen.

Die unglaubliche Dombuchhandlung im schönen Wien

Es gibt in Wien eine schöne Buchhandlung mit dem treffenden Namen „Dombuchhandlung“. Eigentlich müßig zu schreiben, in wessen säkularen Händen sich hier die Eigentumsrechte befinden. Tun wir aber trotzdem, um dem Ganzen die geldwerte Tiara und sonstige finanzielle Dornenkronen aufzusetzen. Diese insgesamt sechs Filialen der „Facultas Dom Buchhandels GmbH“ teilen sich die „Facultas Verlags- und Buchhandels GmbH“ mit 66,67 Prozent Anteil und das restliche Drittel gehört der „St. Paulus-Stiftung der Erzdiözese Wien für Medienarbeit“ (Der Standard: Papst und Porno. Harmonie im Bücherregal). Wer nun noch die Muse hat und sich einmal die St. Paulus-Stiftung der Erzdiözese genauer betrachtet, wird dort als Geschäftsführer einen Herrn Dr. Michael Prüller eingetragen sehen. Dieser wiederum, wenn man sich jetzt auf die Seite des RPP-Instituts (Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie) begibt, steht auch dem Wiener Kardinal Schönborn zur Verfügung. Und zwar lässt sich auf dortiger Seite unter Dr. iur. MICHAEL PRÜLLER nachlesen:

Aktuell hat Kardinal Christoph Schönborn Michael Prüller zu seinem neuen Pressesprecher und zum Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation der Erzdiözese Wien ernannt. Zu den Aufgaben Prüllers gehört die Gestaltung des Außenauftritts der Erzdiözese Wien ebenso wie die Organisation der internen Kommunikation in der Erzdiözese und die Funktion des Pressesprechers des Erzbischofs. Prüller wird auch im Vorstand der St. Paulus-Medienstiftung tätig sein, in der die MeDombuchhandlung im Eigentum der Erzdiözese Wien. Der Papst als Kämpfer gegen pornografische Werke im Internet und Paul Boegle kauft sich dafür “Nadja 24 - tabufrei, feucht & hemmungslos Sechs prickelnde Sex-Abenteuer der Königin des Dirty-Talk - ab18!”dien der Erzdiözese Wien gebündelt sind.

So weit, so gut. Doch was hat das nun mit jenen schönen Worten des Papstes zu tun? Gehen wir also jetzt einmal rein in diese Dombuchhandlung, welche in Diensten der Erzdiözese ihr gutes literarisches Werk an den gläubigen Schwestern und Brüdern im Geiste, Fleische und wo auch immer sonst tut. Und weil Papst Benedikt ja wortwörtlich davon sprach, erotische und pornografische Inhalte gerade auch über das Internet einschränken, nein sogar energisch einschränken zu wollen, machen wir und dies ebenso untertan wie der Mensch die Erde und besuchen die Dombuchhandlung auf virtuellem Wege. Sprich, wir besuchen das Online-Angebot unter www.dombuchhandlung.at. Den Link setze ich absichtlich nicht, schließlich möchte ich die christliche Gemeinschaft im folgenden nicht in Versuchung führen. Auch Atheisten haben manchmal ein gutes Herz.

Nun, eigentlich beginnt alles so harmlos wie anno dazumal im Paradies, als der Garten Eden noch biologisch und ideologisch astreine Wurmlöcher produzierte. „Kämpfen, glauben, hoffen“ von Erwin Kräutler und sein Leben als Bischof am Amazonas, rechts die Ankündigung „Der fliegende Bücherteppich„, eine sicherlich wunderschöne „Facultas Lesereise für 3- bis 6-Jährige“ oder von mir aus auch „Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge„. Nicht mein Ding, schließlich möchte ich für meine ganz persönliche Vertreibung aus dem Paradies auch dementsprechend belohnt werden. Und dies bedeutet, ich halte mich erst gar nicht lange mit solchen Dingen auf und gebe in der Suche oben links gleich einmal handfeste Suchkriterien ein. „PDer Baby-Jesus-Anal-Plug. Im Namen des Herrn und von Papst Benedikt XVI. gegen die Verbreitung von pornografischen Inhalten im Internet. Und die Dombuchhandlung Wien verkauft im Namen der Erzdiözese Wien pornografische Werke.orno“ fällt mir da doch wie aus heiterem Himmel voller geiler Geigen ein. Mal sehen, ob sich meine triebgelenkte Triebfeder schon auf Spannungsbetrieb einstellen kann. Und wer sagt es denn. Da öffnen sich doch ganz außerordentliche sexuelle Abgründe, welche es sogleich im Namen des Herrn zu bekämpfen gilt. „Nadja 24, tabufrei, feucht & hemmungslos“. Uiuiui, das hört sich schon mal verdammt gut an. Dass links daneben Hubert Gaisbauer ruhig und froh weiterlebt und dies sogar in einer Signierstunde kundtut, stört mein Empfinden zwar etwas, aber meine Geilheit siegt glücklicherweise. Sozusagen ein Sieg meiner unmoralischen Triebfeder über die Signaturfeder auf ganzer Linie.

Vögelfrei“ hört sich aber auch nicht schlecht an. Zumindest, wenn ich mir die dazugehörige Hauptbeschreibung, selbstverständlich auf der Dombuchhandlung-Seite wortwörtlich zitierend, so durchlese:

Ein Jahr lang hatte ich einen Freifahrtschein. Mein Mann hat ihn selbst unterschrieben: Zwölf Monate lang darf ich ficken, vögeln, lecken und lutschen und ganz allgemein tun und lassen, was ich will, mit wem ich will, wie oft ich will, wann ich will. Und ich hatte nicht nur die Erlaubnis. Ich hatte das Recht dazu.

Das mit der Signierstunde von Herrn Gaisbauer stört mich jetzt schon gar nicht mehr. Ich kann mich schließlich ebenso wie der Dombuchhandlung Wien. Der Papst wettert gegen die Homosexualität und bezeichnet diese als “Zerstörung von Gottes Werk” und im Namen der Kirche wird homosexuelle Literatur angeboten. Moral und Doppelmoral unter dem Dach des Vatikan.oberste Moral-Gralhüter auf das Wesentliche konzentrieren. Denn das Allerbeste kommt jetzt noch. „Der Baby-Jesus-Anal-Plug„. Gibt es nicht? Gibt es doch. Und zwar auf der Webseite der Dombuchhandlung. Ich möchte Benedikt jetzt am liebsten die Füße küssen. Ich dachte, seit ich meine Mitgliedschaft bei Amazon gekündigt habe, komme ich nie wieder an solch geil-geistige Literatur. Doch die Kirche macht es einfach möglich. Da muss sogar ich ein „Gott sei Dank“ von mir geben. Als Atheist sicherlich auch nur ein fadenscheiniges Lippenbekenntnis, aber auch ich bin moralisch über alle Zweifel erhaben. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ein mir unbekannter Herr Gaisbauer irgendetwas signiert? Fragen Sie mich jetzt bitte nicht mehr, wo ich das gelesen habe, aber es wird sicherlich stimmen.

Übrigens hat Papst Benedikt XVI. im Dezember 2008 Verhältnisse jenseits von traditionellen heterosexuellen Beziehungen, also wohl auch oder gerade gleichgeschlechtliche Beziehungen als „Zerstörung von Gottes Werk“ bezeichnet und dass die Kirche dafür eintreten müsse, „die Ordnung der Schöpfung und die Natur des Menschen bewahrt bleibe.“ Da hat er natürlich recht, der Herr oberste Ordnungshüter römisch-katholischer Moral. Und weil dem so ist, kann ich mir online auf der Webseite der Dombuchhandlung auch gleich folgende zerstörerische Werke (von etlichen anderen) im Namen Gottes bestellen, wie Sie auf den Screenshots sehen.

Da gibt es wahrlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht die flehentliche Bitte, in Zukunft nicht mehr allzu inbrünstig den Imperativ „Herr, schmeiß Hirn herab!“ händeringend und tränenreich in die Ökumene von Jericho bis wohin auch immer zu posaunen, sondern vielmehr das Hirn zu bitten, sich einen neuen Herrn zu suchen.  

 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen