Bio Natur - Der Weblog

19.11.2011

Der wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich Klimawandel Konjunktiv

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 18:46


Wahrscheinlichkeitsrechnungen des Weltklimarates

Wieder einmal ganz passend zum gestern vorgestellten Workshop von twenty.twenty über technologischen und wirtschaftlichen Fortschritt ohne den notwendigen ökologischen Rückschritt dabei zu vergessen.

Obwohl die ausführliche Fassung zum Sonderbericht über die Risiken von Wetterextremen und klimatische Katastrophen, verursacht durch Menschenkind und dem manchmal lästigen Anhängsel Menschenhand, noch auf sich warten lässt und voraussichtlich erst mit Februar 2012 veröffentlicht werden soll, gibt es jetzt schon eine Kurzfassung. Ein Obwohl die ausführliche Fassung zum SREX-Sonderbericht des Weltklimarates IPCC über die Risiken von Wetterextremen und klimatische Katastrophen, verursacht durch Menschenkind und dem manchmal lästigen Anhängsel Menschenhand, noch auf sich warten lässt und voraussichtlich erst mit Februar 2012 veröffentlicht werden soll, gibt es jetzt schon eine Kurzfassung. Ein sogenanntes “Summary For Policymakers”.sogenanntes “Summary For Policymakers” für all jene, welche eben die große Weltpolitik machen, dabei zwar weniger umweltpolitische Geschichte schreiben und sich trotzdem und eigentlich die Menschenhände in Südafrika reichen sollten. Dass der Weltklimarat IPCC seinen Sonderbericht mit dem sperrigen Namen “Special Report on Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaption” oder kurz SREX kurz vor Beginn des im südafrikanischen Durban startenden UN-Klimagipfels den verantwortlichen politischen EntscheidungsträgerInnen mit an die politische Menschenhand gibt, ist sicherlich ein gut gewählter Zeitpunkt mit einer gehörigen Portion wohldosierter Taktik. Ob allerdings diejenigen, welche sich die 29 Seiten durchlesen sollten, auch die damit gewonnenen Erkenntnisse in die Tat umsetzen, mag angesichts des Disasters bei den letzten Klimakonferenzen in Kopenhagen (2009) und dem Saustall von Cancun, wie Österreichs Umwelt- und Landwirtschaftsminister Berlakovich damals am Rand des Gipfels und am Rande des ministeriellen Nervenzusammenbruchs in Paris und auf dem steinigen Weg nach Cancun so von sich gab, mehr als zweifelhaft erscheinen.

Mögliche Szenarien geben Stoff für Pro und Kontra Klimawandel

Was auf den jetzt publizierten wenigen Seiten des SREX auffällt: Es gibt viele “Wenn und Aber”-Formulierungen mit damit prognostizierten Wahrscheinlichkeiten und Sehr Wahrscheinlichkeiten über das Eintreffen von Überschwemmungen, ausgedehnten Dürreperioden, Ansteigen des Meerspiegels usw. und den damit zusammenhängenden Folgeerscheinungen. Oder, weil der Sonderbericht in Englisch vorliegt, eben dementsprechend “likely” und “very likely”. Dass die Verfasser diese Form des “Es wäre möglich, dass …” anstatt eines todsicheren “Es wird passieren …” wählen, hat sicherlich zweierlei (gute) Gründe. Zum einen lassen sich selbst durch die besten Computerprogramme und Klimamodelle auf dem virtuellen Reissbrett klimatische Veränderungen und die damit bedingten Vorhersagen der Zukunft nur näherungsweise betrachten und dementsprechend auch nicht 1:1 in die reale Welt transportieren, was sicherlich die Klimawandel-SkeptikerInnen auf den Plan ruft. Zum anderen gibt es aufgrund der relativ jungen Klimaforschung nur wenige gesicherte Ergenisse, welche definitive und beweisbare Rückschlüsse auf das Langzeitverhalten von Ursachen und Wirkungen zulassen. Auch das wird wiederum denjenigen Vorschub leisten, welche die dramatischen Veränderungen durch Ansteigen der Temperaturen, unkontrollierten CO2-Ausstoß und Schmelzen der Polkappen als apokalyptische Endzeitstimmungsbilder, umweltpolitische Hirngespinste und grüne Horrorszenarien möglichst unbesehen ad acta legen. Wobei, ganz nebenbei bemerkt, auch ehemals gläubige vehemente Gegner des durch den Menschen verursachten Klimawandel wie etwa der amerikanische Physiker Richard Muller mittlerweile diesen schmalen Pfad verlassen haben und sich nun ernsthaft mit den unübersehbaren Folgen beschäftigen (Klimawandel: SkeptikerInnen kommen ins Schwitzen).

Dass sich die KlimaexpertInnen so vorsichtig verhalten, macht allerdings Sinn. Denn sie unterstreichen damit die zugrundeliegende Intention von SREX, die aufgestellten Behauptungen, Prognosen und Empfehlungen, welche aufgrund statistischer Rechenmodelle und Wahrscheinlichkeitsrechnungen aufgestellt wurden, nicht mit an absoluter Sicherheit zu verwechseln. Was sie damit aber umso dringender erkennbar machen, ist die Tatsache, dass diese mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückenden extremen Wetterereignisse nicht von ungefähr kommen können. Die Kombination dieser physischen Klimaveränderungen mit der durch Menschenkindes Menschenhand gepaarten drastischen Eingriffe in das Weltklima wird in eigentlich allen zugrundegelegten und ausgewerteten Modellen als verheerend gesehen.

Wer sich allerdings weniger vorsichtig verhält, sind die zu Hilfe genommenen Maschinen, Rechner und Computer. Denn die prognostizieren ohne viele beschönigenden Worte und in der ihnen eigenen Art gefühlskalter Auflistung und spröden Wortwahl jene Zukunftsszenarien, vor denen sich, einmal abgesehen von den Kontra-KlimawandlerInnen, eigentlich Menschen wie ich fürchten. Nicht, weil auch Europa mit einem Ansteigen der Temperaturen zwischen zwei und fünf Grad Celsius zu rechnen hat. Für manche bedeutet dies Sonne, Sand und gesunde Bräune, wobei ich auch hier wieder anmerken darf, dass es mittlerweile auch sehr viel ungesunde Bräune (Hubertus Buchstein: Braune Ökologien oder auch Deutsches Apfeltum gegen braunes Fallobst) gibt, was aber leider nichts mit dem Klimawandel zu tun hat. Nein, es sind die damit einhergehenden langfristigen Auswirkungen.

Empfehlungen der Klimaexpertenrunde für Durban und darüber hinaus

Auch wenn der komplette SREX-Sonderbericht, wie oben bereits geschrieben, erst mit Anfang 2012 erscheinen soll, der Klimagipfel in Durban unangenehmerweise jedoch schon Ende November seine umweltpolitische Schranken öffnet, bleibt nicht mehr viel Zeit. Gut, die bleibt sowieso nicht, doch in diesem speziellen Fall eben noch viel weniger, was aber weder “likely noch “very likely” ist, sondern sicher.

Auch wenn sich Europa und andere nördliche Industriestaaten auf endlose Sommer freuen dürfen, Alpinbergsteigen endlich ganzjährig möglich sein wird, Skifahren nur noch oberhalb 8848 Meter möglich sein wird und ein Eisbär und Königspinguin vielleicht nur noch im gut gesicherten Kühlhaus betrachtet werden kann (gute Anlagemöglichkeit und Zukunftsinvestition für alle Spekulanten!), fallen leider auch ein paar unangenehme Begleiterscheinungen ins tränenreiche Auge. Denn auch Europa wird durch das Ansteigen des Meeresspiegels vor der sicherlich sehr kostenintensiven Aufgabe stehen, die ins Landesinnere drängenden Wassermassen, sollten sie denn nicht sowieso von durch die abtauenden Gletscher und reissenden Gebirgsbäche schon im Inneren sein, durch ausgeklügelte Hochwasserdämme, Deichsysteme und andererseits Bewässerungsanlagen und Drainagen, das Leben auch weiterhin lebenswert zu machen. Die Tulpenblüte in Holland wird vielleicht zukünftig zur Tulpenblüte auf dem Großglockner, die beschauliche Gondelfahrt auf dem Canale Grande kann durchaus in wohl wenigen Jahren auch in Heidelberg stattfinden.

Doch Europa und andere nördliche Industriestaaten werden weit mehr als diese Problemstellungen zu kompensieren haben. Auch in weniger blütenreichen Ländern dieses Planeten werden Hochwasser und Dürre menschliche Lebensräume beschneiden und die Überlebensräume des Homo sapiens drastisch zusammenstutzen. Dann heißt es zusammenrücken! Denn wo kein Land für Landwirtschaft, Ackerbau und Viehzucht, da auch keine Nahrung. Also werden sich riesige Flüchtlingsströme aufmachen, neues Land zu erobern, um für sich und die Nachkommen das einzufordern, was diejenigen besitzen, welche hinter den Dämmen und Staumauern sitzen (Klimaflüchtlinge: Fluchtlinie Klimawandel). Andere Menschen wiederum werden ihrer Lebensgrundlagen beraubt, weil Hitzeperioden und andauernde Wassermassen den Tourismus zum Erliegen bringen. Humanitäre Hilfe wird, bedingt durch den Klimawandel, nicht mehr zum alles entscheidenden Faktor der direkten Wetterbedrohungen, sondern auch indirekt durch sich verändernden klimatischen Bedingungen, welche ein Handeln erfordern werden.

Ob nun die erhobenen SREX-Daten zur Gänze eintreffen werden oder sich nur zu einem Bruchteil bewahrheiten werden, wird erst die Zukunft zeigen. Doch die Gegenwart lässt uns leider nicht den notwendigen Spielraum und die Entscheidungsfreiheit, zu warten, ob denn sämtliche errechneten Szenarien und aufgestellten “Likely”-Behauptungen oder sogar “Very likely”-Prognosen ihre Erfüllung finden werden.

18.11.2011

Greenovate – Entrepreneurship goes green

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 22:26


Technologischer und wirtschaftlicher Fortschritt ohne ökologischen Rückschritt

Aus mehreren Gründen heute einmal ein Artikel speziell für die auf meinem Blog lesende BloggerInnengemeinde. Was aber nicht bedeuten soll, dass Sie und Sie und natürlich auch Sie da hinten links nicht weiterlesen dürfen. Und machen wir, also eben ich im Pluralis Majestatis, sozusagen mein altes Alter ego und andere, welche unter einem gemeinsamen twenty.twenty stellt sich brennenden Fragen der Gegenwart und beschränkt sich mit möglichen Antworten nicht auf die kommenden zwei, drei Jahre. Nachgedacht wird über die »mittelferne« Zukunft, konkret das Jahr 2020. Welchen Nutzen und welchen Preis hat der technische Fortschritt? Wie wird er unser Leben verändern? Gibt es eine Alternative zu Facebook? Werden Privacy und Intimsphäre künftig überhaupt noch relevant sein? Oder sind diese bald bloß noch ein Thema für soziologische Forschungsprojekte, Stoßrichtung »Das Konstrukt Privatsphäre in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts« – ganz so wie sich Literaturwissenschafter heute dem mittelalterlichen Minnesang widmen.Dach und im Oberstübchen meiner selbst hausen, die ganze Sache noch etwas spezieller. Besonders bloggende Menschen, welche im Einzugsgebiet von Wien hausen, egal ob nun als Einzelperson oder als Mehrparteienhirnhaushalt (welch Wort!), dürfen sich nun an einer Blogparade (dazu später mehr) beteiligen. Also, zumindest wenn es Euch beliebt, um den majestätischen Zyklus jetzt wieder zu schließen.

Aber, um jetzt die nicht bloggende Mietergemeinschaft in und um Wien völlig auszugrenzen: Am 30. November findet zum wiederholten Male eine  von twenty.twenty initiierte Veranstaltungsreihe im The HUB Vienna statt. Unter dem Titel “twenty.twenty: Greenovate! Entrepreneurship goes green” soll dabei der Frage nachgegangen werden, welche Merkmale und Ausprägungen sogenanntes grünes Unternehmertum oder eben Entrepreneurship in dieser Dekade, also bis zum Jahr 2020, besitzen soll. Dass sich diese Art nachhaltigen Denkens, gepaart mit wirtschaftlichen Faktoren und unternehmerischer Zukunftsgestaltung, zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor und Wirtschaftszweig (siehe z.B. Kommentar zu Energiesparlampen: Helle Birnen entsorgen richtig) entwickelt hat und wohl auch oder gerade in Zukunft eine tragende Rolle spielen wird, haben mittlerweile nicht nur die Großen der verschiedensten Branchen erkannt (auf das Problem Greenwashing möchte ich jetzt nicht näher eingehen), sondern mehr und mehr kleine und mittelständische Betriebe drängen durch innovative Ideen und ökologisch sinnvolle Problemlösungen auf diese Märkte. Welche Teilbereiche innerhalb dieser Hochtechnologien und Forschungsfelder sollen dabei in den Fokus gerückt werden, damit der Dienst am eigenen finanziellen Fortkommen auch einen damit verbundenen Dienst an der Umwelt impliziert?

Wer also Lust und Laune hat, am 30. November 2011 diese Fragestellungen mit zu erörtern oder einfach im schönen siebten Wiener Gemeindebezirk (Lindengasse 56/ Top 18-19) abseits der kommerziellen Weihnachtsmärkte Gleichgesinnte kennenzulernen möchte, möge dies tun. Und damit dies nun auch in den richtigen Email-Kanal weitergeleitet wird: Andreea [sic] Dosa steht euch unter der Email-Adresse dosa@monopol.at zur Verfügung. Und der Vollständigkeit halber nun noch die offizielle Mitteilung von twenty.twenty zur kommenden Veranstaltung.

Greenovate! Entrepreneurship goes green

Ökologie und Technologie sind längst kein Widerspruch mehr. Laut einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts sind rund 375 österreichische Unternehmen und 22.000 Beschäftigte im Bereich Umwelttechnik tätig. Die Wirtschaftsleistung dieses Industriezweiges steigt kontinuierlich. Am interessantesten ist dabei die Tatsache, dass der Exportanteil 2/3 ausmacht. Die Gründe dafür liegen vor allem in der Innovationsfreude der österreichischen Unternehmen und dem hohen Forschungsanteil. Trotz der schwierigen allgemeinen Wirtschaftslage haben Umwelttechnologien weiterhin Wachstumspotenzial. Die siebente Veranstaltung von twenty.twenty stellt die Frage, wie grünes Unternehmertum im Jahr 2020 aussehen soll und was die interessantesten Innovations- und Forschungsfelder für Hochtechnologie im Dienste der Umwelt sind.
Unser Keynote-Speaker ist Ulfert Höhne, Geschäftsführer der HEI Eco Technology GmbH. Er wird in seinem Eingangsstatement „Daniel Düsentrieb am Energie-Chakra“ der Frage nachgehen, wie technologische Innovationen die Akupunktur-Punkte zur Gesundung der globalen Gesellschaft treffen können.

Greenovate! Entrepreneurship goes green findet am 30. November 2011 im HUB Vienna statt. Beginn ist wie immer 18.30.

Wir freuen uns auf eine spannende Veranstaltung.

Greenovate-Blogparade: Überlegungen zu Ökologie und Nachhaltigkeit

Und was hat das Ganze nun mit den zu Anfang angesprochenen BloggerInnen zu tun? Abgesehen davon, dass ihr auch ganz herzlich eingeladen seid, steht noch eine in diesem Zusammenhang stattfindende Blogparade im (öffentlichen) Raum. Darüber will aber nun nicht mehr soviele eigene Worte verlieren, sondern gleich zum Wesentlichen kommen und deshalb den Aufruf zur Greenovate-Blogparade starten.

Greenovate! Was fehlt?

Überlegungen zu „Ökologie“ und „Nachhaltigkeit“ haben mittlerweile Eingang in die Strategien vieler Unternehmen gefunden und auch im privaten Bereich ist ein grünes Bewusstsein längst nicht mehr nur etwas für verträumte Weltverbesserer. In der Politik rückt der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen immer mehr in den Fokus und das von der globalen bis zur regionalen Ebene. Während Wachstum und Ökologie in den 1970er Jahren noch als Widerspruch gesehen wurden, herrscht mittlerweile die Meinung vor, dass sich diese verbinden lassen. Ein österreichisches Beispiel ist der Sektor der Umwelttechnologien. Der wächst stärker als andere Wirtschaftszweige und weist eine hohe Exportquote auf. Ein Grund dafür liegt in der regen Innovationstätigkeit dieser Branche. Innovation entsteht sehr oft aus einer Notwendigkeit: der Notwendigkeit zur Kostensenkung, zum schonenderen Einsatz von Ressourcen oder um Kunden bedienen zu können, die selbst immer umweltbewusster werden. Wir stellen in der Blogparade zu „Greenovate – Entrepreneurship goes green“ die Frage, was noch fehlt. Welche Greenovations brauchen wir noch, um der drohenden Klimakatastrophe entgegensteuern zu können? Welche Rahmenbedingungen braucht es in Österreich, damit auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Greenovations entstehen? Was braucht es, um Greenovations noch besser zu vermarkten, damit grüne Technologien und Ideen noch intensiver eingesetzt werden?

17.11.2011

Gute Tischmanieren im goldenen Käfig

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 16:59


Tischlein deck dich” oder “Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!

Weihnachten steht vor der Türe. Eigentlich nichts Neues. Weder im Westen noch im Osten. Sie wissen schon, das ist halt jetzt so daher gesagt. Gut, die langen Einkaufssamstage lassen noch ein bisschen auf sich warten. Und trotzdem freue ich mich jetzt schon auf die besinnliche Zeit. Bin gespannt, ob dieses Jahr endlich wieder einmal so richtig Schnee fällt. Gehört doch einfach dazu, zu dieser ruhigen und beschaulichen Zeit. Schneeschaufeln und so was bringt ja auch ein bisschen Kohle. Kann man ja immer brauchen. Und wärKeine Nacht ohne Rogen. Eine kurze Weihnachtsgeschichte von Paul Boegle. Gute Tischmanieren im goldenen Käfig. “Tischlein deck dich” oder “Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!” Über moderne Märchen, märchenhafte Zeiten und andere Zustände. auch für die vielen Kinder schön. So Schneemann bauen und so was. Also, ich selber hab ja keine, aber macht nichts. Was wäre so ein Weihnachtsfest ohne Schneeflocken. “Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit.” Ja, schon lange her, dass wir dieses Lied gesungen haben. Damals, ich war, also glaube ich, naja , so acht oder neun eben. Wird schon hinkommen. Wie ging es noch gleich weiter? Irgendwas vom Himmel hoch, da kommst du her. Ach nein, das war ja das andere Lied. Haben wir aber auch gesungen. Glaub ich zumindest. Jetzt weiß ich es wieder. “Du wohnst auf den Wolken, dein Weg ist so weit.” Richtig, so ging das. Was, nein. Ach, “in den Wolken” heißt das? Ich dachte immer “auf den Wolken“. Dann hab ich das damals immer falsch gesungen. Komisch, dass das keiner gemerkt hat. Wird wohl nicht so wichtig gewesen sein. Damals, ich glaub, da war ich so acht, neun Jahre alt. Ist schon lange her. Das lange Warten auf die Bescherung war auch immer furchtbar. Meine Güte, ging uns, also meinem Bruder und mir, meine Mutter immer auf die Nerven. Der müsste jetzt auch schon über 40 sein. Also, meinen Bruder meine ich. Ja, genau. Na sicher hat er seinen 40er schon hinter sich. Warte mal, ich bin jetzt, puh, keine Ahnung, aber auf alle Fälle natürlich älter als er. Fällt mir gerade nicht ein, aber ich komm schon noch drauf. Den ganzen Tag mussten wir warten. Ach, Ihnen geht es heute noch so? Ja, schlimm, kann ich mir gut vorstellen. Stellt einen schon auf die Geduldsprobe. Aber mir macht das eigentlich nichts. Ich hab eigentlich genug Zeit. Da kann man schon mal die eine oder andere Stunde warten. Hat irgendwie auch was Gutes. Vergeht die Zeit schneller. Nicht, dass ich jetzt nichts zu tun hätte, aber die Zeit vergeht halt. Manchmal schneller, manchmal langsamer. Wie das halt so ist im Leben. Ihnen geht es genauso. Kann ich mir gut vorstellen. Bei all dem Stress, was Sie so haben müssen. Ja, klar, der Tisch deckt sich auch nicht von alleine. Wär doch zu schön, so ein Tischlein deck dich. Aber gibt’s ja leider nur im Märchen, sowas Praktisches. Alles muss man selber machen.

So, jetzt aber genug geredet. Ich muss weiter. Lange genug hier gesessen und dummes Zeug geredet. Bringt ja nichts, schließlich wollen die Leute endlich feiern. Hab ich mich doch richtig mit Ihnen verplaudert. Tut mir leid, aber Sie wissen ja, ohne Uhr hat man eben kein Zeitgefühl. Was, so spät schon? Das gibt’s ja gar nicht. Kein Wunder, dass ich Hunger habe. Normalerweise esse ich ja viel früher, aber heute muss ich sowieso noch warten. Sie wissen doch, dieses schöne Sprichwort: “Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!” Nein, nein, Sie brauchen jetzt keine Angst haben. Ich bleib natürlich unten. Also bitte, ich kenne meinen Platz schließlich. Außerdem seh ich ja, dass kein Platz mehr ist. Wär ja noch schöner. Ich hab schließlich Tischmanieren. Unter Tischmanieren sozusagen. Haha, ja, ein kleiner Scherz am Rande. Alos an meinem Rande. Sozusagen am Rande der Gesellschaft. Haha, schon wieder ein kleiner Scherz. Es heißt ja nicht umsonst: “Gegessen wird, was unter den Tisch fällt!” Sag ich mir immer wieder. Ich hab eh Zeit. Nur keine Eile. Essen Sie ganz in Ruhe mit Ihrer Familie fertig. Ich hab heute sowieso nichts mehr vor. Aber bitte, nichts zu danken. Ich seh ja, ist genug für uns alle da. Ich meine natürlich für Sie alle. Lassen Sie sich bitte durch mich nicht stören. Ich muss jetzt sowieso weiter. Sie wissen, Weihnachten und so. Man will schließlich nicht erst alles auf den letzten Drücker besorgen. Um Gottes Willen, nein, bitte bleiben Sie sitzen. Es geht schon, danke. Muss nur erst wieder in Schwung kommen. Der kalte Asphalt und so, Sie wissen ja. Nein, können Sie selbstverständlich nicht wissen, woher auch. Macht nichts, man kann schließlich nicht alles wissen. Ich hab ja auch dieses Lied vergessen. Sie wissen schon, das was wir damals, ich glaub, da war ich so acht oder neun, alle gemeinsam gesungen haben. So, dann wünsche ich guten Appetit. Gerne, nichts zu danken. Ich habe schließlich zu danken. War wirklich nett, mit Ihnen zu plaudern. Hat man wirklich selten, so nette Tischnachbarn.

 

16.11.2011

AKW Ringhals: Großreinemachen mit Vattenfall

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 17:01


Sauberer Atomstrom im wahrsten Sinne des Wortes

Vorab eines: Heute gibt es weder Videos zu sehen noch sonstige bewegten und in der Bewegung erstarrten Bilder zu betrachten.

Dass sich die Betreiberfirmen von Atomkraftwerken selbst in Zeiten wie diesen immer noch als die Sauberfrauen der Energieversorgung und Saubermänner der Nationen darstellen, wissen wir. Doch dass Vattenfall als verantwortlicher Betreiber des nahe Göteborg stehenden Atomkraftwerks Ringhals diese Aufgabe so ernst nimmt, würde die Sache zwar äußerst amüsant machen, macht sie es aber aus folgenden begreiflichen Gründen nicht gerade. Dass das “AKW der Vergesslichen” von Vattenfall jedoch jetzt aufgrund eines vergessenen Staubsaugers (wieder einmal) zu einer atomaren Lachnummer wurde, macht deutlich, welchen Stellenwert die Kernkraftbetreiber und legalen Geldeintreiber dem Thema Sicherheit entgegenbringen. Denn Vattenfall ist weder Einzelfall und schon gar nicht ist es der erste Störfall.

AKW Ringhals: Auch ohne Staubsauger brandgefährlich

Dass dies nicht der erste Vorfall um das AKW Ringhals ist, macht die ganze Causa jetzt auch nicht unbedingt amüsanter. So war schon einmal im Juli 2008 Feuer unterm oder in diesem Fall auf dem atomaren Dach. Dachdecker hatten damals aus Versehen Dachpappe durch Gasbrenner auf dem Dach des Turbinengebäudes in Brand gesetzt. Dass daraufhin Großalarm und hilfesuchende Unterstützung an auswärtige Feuerwehren ausgelöst wurden, sei dabei ein ganz normaler Vorgang, versicherte der Kraftwerkssprecher Gösta Larsson der Öffentlichkeit damals. Schließlich konnte “das sehr begrenzte Feuer schon nach wenigen Minuten gelöscht werden“. Und Vattenfall zeigte sich auch noch überaus stolz, dass trotz des schwelenden Konflikt mit den Naturgewalten, wenn denn Feuer solch eine elementare Gewalt darstellt, die vier Reaktoren während der Löscharbeiten weiter im Sinne der Energieversorgung zum Wohle des Volkes weiterarbeiteten und danach natürlich wieder mit voller Kraft (Handelsblatt: Brand in Atomkraftwerk Ringhals in Schweden).

Doch es geht noch besser. Im November 2006 wurde die schwedische Bevölkerung mit dem folgenden lapidaren Satz durch die Statens Kärnkraftinspektion (Schwedische Atomaufsichtsbehörde) über einen scheinbar recht harmlosen Vorfall am Reaktor 3 des Atomkraftwerkes informiert:

There is information that a redundant pump in the sea water cooling system (715 P2) failed to start and that initial loss of power to the digital control rod position indication occurred.” (World Nuclear News: Automatic shutdown at Ringhals 3 after fire in a transformer)

Grund war die Explosion eines Transformators, welcher daraufhin vollständig ausbrannte. Dies hatte dann zur Folge, dass eine der Kühlwasserpumpen den atomaren Geist aufgab und sogar vorübergehend die Positionskontrolle der Brennstäbe außer Kontrolle geriet, weil dies ohne Stromversorgung blieben. Da war es dann selbst nach Vattenfall’schen Maßstäben aus mit voller Kraft. Selbstverständlich nur kurzfristig (Schon wieder ein Unfall in einem Vattenfall-AKW).

Feuerlöschen und gleichzeitig Durst löschen

Doch das AKW Ringhals und die dort Beschäftigten dürften auch abseits von schnell gelöschten Feuern und vergessenen Staubsaugern ein recht seltsam lustiger Haufen sein, welcher sich trotz widrigster Umstände die Feierlaune nicht so schnell verderben lässt. So schreibt die Wirtschaftswoche in ihren Artikel “Vattenfall in der Kritik: Betrunkene bauen Atomkraftwerk” vom Juli 2007:

Schwedischen Medienberichten vom Mittwoch zufolge sind in Vattenfalls wichtigstem schwedischen Atomkraftwerk Ringhals mehrere Bauarbeiter in den vergangenen Wochen betrunken erwischt und entlassen worden. Acht Arbeiter seien stark alkoholisiert aufgefallen und hätten außerhalb des Reaktorgeländes in Unterkünften weibliches Reinigungspersonal belästigt. Der Informationschef von Ringhals, Torsten Bohl, sagte der Zeitung „Göteborgs-Posten“, die Bauarbeiter hätten keinen Zutritt zur Reaktorhalle gehabt, sondern seien ausschließlich am Erweiterungsbau des Reaktors drei beschäftigt gewesen.

Dass sich der Konzern von den Arbeitern, welche in Diensten einer Fremdfirma für Vattenfall arbeiteten, dann trennte, mag mehr als löblich sein. Die Tatsache, dass gerade diese Arbeiter aber an jenem Reaktor 3, welcher im November des vorangegangenen Jahres aufgrund des explosiven Verhaltens eines Transformators heruntergefahren wurde, tatkräftig und promilleselig sicherlich wertvolle Unterstützung leisteten, weckt in meinen Augen mehr als nur Unverständnis. Sozusagen blau zum Super-GAU ist bei Vattenfall scheinbar kein Einzelfall. So kam es am 25. Juli 2006 (manche Medien berichten fälschlicherweise vom 26. Juli) im ebenfalls von Vattenfall betriebenen AKW Forsmark zu einem Vorfall, welcher nur wenige Minuten später seinem 20 Jahre vorher havarierten AKW-Bruder Tschernobyl die verstrahlten Hände hätte reichen können. Die falsche Datierung und die damit verbundene eintägige Verzögerung der Abschaltung beruht nämlich darauf, dass Vattenfall den Reaktor nicht sofort gestoppt hat, sondern erst am Folgetag heruntergefahren wurde. Und laut “The Local”, einem englischsprachigen Internetmagazin, stand das AKW Forsmark kurz vor Erreichen der Kernschmelze. Dass diese Meinung nicht von grün angehauchten Atomgegnern vertreten wurde, sondern von Lars-Olov Högelund, welcher lange Zeit für Vattenfall die Konstruktionsabteilung leitete, macht die ganze Sache umso bedenklicher:

“It was pure luck that there was not a meltdown,” he said. “Since the electricity supply from the network didn’t work as it should have, it could have been a catastrophe.”
He said without power the temperature would have been too high after 30 minutes and the reactor would have been damaged. Within two hours there would have been a meltdown. (Nuclear plant ‘could have gone into meltdown’ oder deutschsprachig “Forsmark ist der Normalfall”)

Ganz amüsant wird es allerdings durch die Tatsache, dass scheinbar Alkoholprobleme nicht erst seit den Ausschweifungen der am AKW Ringhals beschäftigten Arbeiter bekannt waren. Dazu “AKW Forsmark: Pfusch und Alkohol” oder “Alkohol im AKW Forsmark“. Ich würde daher vorschlagen, endlich mit dem Großreinemachen in Sachen Atomkraft zu beginnen. Und weiterhin, dass die Verantwortlichen von Vattenfall in Zukunft vielleicht als StaubsaugervertreterInnen durch die Lande ziehen. Darauf trinke ich jetzt ein Schlückchen. Nespressofreien Kaffee natürlich. Was dachten denn Sie?   

 

14.11.2011

Viral Video Award

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 17:02

Vorsicht: Virale Ansteckungsgefahr!

Fast schon ein bisschen spät für diesen heutigen Kurzbeitrag, aber doch noch im Möglichen des überschaubar Machbaren. Ich bin erst heute durch die Heinrich Böll Stiftung (Ausgezeichnet: Kleine Videos, die sich von selbst verbreiten) auf den Wettbewerb Viral Video Award in Zusammenarbeit mit dem Berliner Kurzfilmfestival interfilm aufmerksam geworden. Kurze nette Filmchen oder eben Internetfilme, welche sich meist über soziale Netzwerke verbreiten, dabei eine seltsame Eigendynamik entwickeln und irgendwann zu Selbstläufern werden. Einige dieser kurzen Filme wie etwa “Überfischung der Meere” von Uli Henrik Streckenbach, die phänomenale Idee über die Nutzung des Sonnenlichtes mithilfe ausgedienter Plastikflaschen und natürlich der schmerzhafte George Clooney Weichteile-Macher haben auch schon Zugang auf meinem Blog gefunden.

Bis zum 17. November besteht deshalb noch die Möglichkeit, aus den besten 21 von 500 Einreichungen im Rahmen des zu vergebenden Publikumspreises aktiv mitzumachen. Drei Preise werden vergeben:   Publikumspreis in Höhe von € 1.000,- von Schwarze Dose 28  Jury Preis in Höhe von € 1.000,- von der Berliner Landesinitiative ´Projekt Zukunft´  Preis für das beste politische Viral mit den Themen Klima, Demokratie oder Gerechtigkeit in Höhe von € 1.000,- von der Heinrich Böll Stiftung   Jury: Hier die Jury-Mitglieder 2011   Preisverleihung: 18. Nov. 2011 um 21 Uhr im Roter Salon (Volksbühne) im Rahmen des 27. Internationalen Kurzfilmfestivals Berlin ausgetragen von interfilm Berlin.Was macht ein gutes Viral dabei aus? Jury-Mitglied René Walter bringt es in drei Sätzen auf den Punkt: “Gute Virals werden zu Memes und Memes sind letztlich nur Ideen, die sich im Mass-to-Mass-Kommunikations-Biotop rasend schnell verbreiten können. Dazu muss die Idee einfach, schlank und einleuchtend sein. Und selbstverständlich umwerfend.

Mehr gibt es für heute nicht zu schreiben. Punkt. Schluss. Aus. Außer vielleicht noch, dass Sie bei Klick auf das Logo auf kürzestem virtuellem Wege zu den nominierten Videos kommen.

13.11.2011

Börsenplätze: Der Terror der Dinge oder Mein Schatz

Abgelegt unter: Naturfotos — Paul Boegle @ 06:02


Der moderne Gollum der ausgehöhlten Finanzhöhlen leidet an Höllenzahlen

Kleiner Nachtrag zu “84 Sekunden für 0,05 Prozent Finanztransaktionssteuer” und für alle FreundInnen von J.R.R. Tolkien und anderer mehrteiliger Literatur bzw. cineastischer Mehrzweckwaffen mit dem Sinn sogenannter Unterhaltung. Natürlich könnte ich das ganze Geschreibsel auch abkürzen und einfach sagen, dass die Collage für jene gedacht ist, welche vielleicht weniger lesen möchten, dafür aber mehr in Bilderrätseln angesprochen werden wollen. So wie ich es auch gelegentlich ganz gerne habe und handhabe. Sozusagen von der Hand in den übervollen Mund. Wobei im vorliegenden Fall der Herr der Ringe nur eine untergeordnete Rolle übernimmt und dem Terror der Dinge großzügig seinen Platz überlässt. Selbstverständlich und trotz aller widerlichen widrigen Umstände, unhaltbaren Zustände und vorsitzenden Vorstände seinen finanziellen Platzhalter immer im Arm haltend.

Was jetzt noch die Frage aufwirft und möglicherweise schon die Antwort vorgibt, ob das schöne und sicherlich kontextuell in vollkommen anderem Zusammenhang verwendete Sprichwort “Morgenstund hat Gold im Mund” speziell für all jene, also die endlos gierigen Investment-Banker, hoffnungslos monetär verliebten Spekulanten und verfressenen sowie nimmersatten Hedgefonds-Manager beiderlei Geschlechts, von einer abschließenden Aufzählung weiterer ähnlicher Berufsgruppen und, weil es so schön passt, Berufsbilder mit finanziellem Hintergrund und ebensolchen Hintergedanken, bitte ich aus Zeitgründen und anderen Abgründen abzusehen, ins Leben und die Welt gerufen wurde.

Warum ein einziger Satz aus so vielen Wörtern, welche miteinander kompliziert verschachtelt eigentlich auch in wesentlich verkürzter Form einen Sachverhalt wiedergeben würden, der sich, wie anfangs der erneuten verschachtelten Frage gefragt, auch wesentlich unkomplizerter ausdrücken ließe? Ganz einfach: Ich wollte sehen, ob ich es fertig bringe, jenem 84-Sekunden-Video von Oxfam auch einen 84-Wörter-Satz folgen lassen kann. Und, aber dies können Sie selbst nachzählen, ich habe es tatsächlich geschafft. So, jetzt aber genug der langen Rede kurzer Unsinn, bevor die Sicherungen wirklich noch durchbrennen.  

Börsenplätze: Der Terror der Dinge oder Mein Schatz. Eine Bildcollage von Paul Boegle. Eigene Gedanken zur Finanztransaktionssteuer. Der Herr der Ringe heißt heutzutage Investment-Banker, Spekulanten und Hedgefonds-Manager und ist ein moderner Gollum im Maßanzug und lackglänzenden Business-Schuhen.

Und wer sie noch nicht kennt, möge doch innehalten und daran naschen. An meinen Früchten des Zorns. Pflücken Sie sich doch gratis einen faulen Apfel aus dem erdölverschmierten Gefieder des Pelikans und riskieren Sie einen Blick jenseits des Gitters. Nein, keine Lust auf faules Obst? Kein Wunder vor den herannahenden Herbststürmen, welche die letzten Blätter von den Bäumen wehen. Dann basteln wir uns eben ein entzückendes Kastanienmännchen. Stilecht mit hübscher Gasmaske natürlich. Aber Vorsicht, denn auch die heutigen Schätze der Natur bergen nicht immer das, was man sich dahinter erwartet. Sie sind mehr der zupackende Mensch, welcher gerne selbst Hand anlegt und sich am liebsten an den wirklichen wertvollen Dingen des modernen Lebens erfreut. Dann lassen Sie faules Obst weiter vor sich hin faulen, die Kastanien liegen und knacken Sie die letzten Geheimnisse von Mutter Natur. Sollten Sie dabei bedächtig und zustimmend nicken, ist dies ein gutes Zeichen. Dann haben Sie die Funktionsweise der Pferdekopfpumpe wirklich verstanden. Aber machen Sie sich dabei nicht die Hände an den vielen Petrodollars schmutzig. Was mich jetzt noch veranlasst, auf mein viertes und letztes Bild dieses vierteiligen Bilderzyklus aufmerksam zu machen. Ohne viele weitere Worte und verbal beschleunigt: “Aggregat-Zustände“.

12.11.2011

Energiesparlampen: Helle Birnen entsorgen richtig

Abgelegt unter: Erneuerbare Energie — Paul Boegle @ 22:05


Kohlendioxid einsparen und klaren Kopf bewahren

Lang, sehr lange, fast eineinhalb Jahre schon, um genau zu sein, ist es nun her, dass ich mich mit Energiesparlampen beschäftigt habe. Also nicht im realen Leben, sondern eben schreibenderweise auf meinem Blog. Dass auch mir ab und zu immer noch die richtige Erleuchtung fehlt, möchte ich gar nicht verschweigen. Besonders dann, wenn es darum geht, diese Gasenladungslampen entsprechend richtig zu entsorgen. Denn unlängst war es, im wirklichkeitsnahen Dasein natürlich, wieder einmal so weit. Eine dieser nützlichen Birnen hatte ihr lichtspendendes Leben aus der eigenen Birne gehaucht und hing nun dunkel in der Fassung, während ich als umweltfreundlicher Antipode im Dunkeln und darüberhinaus fassungslos darunter stand.

Nun, die Fassung wieder zu erlangen, fiel nicht schwer. Kaputte Birne raus-, neue Birne reinschrauben, Lichtschalter betätigen und die Lichtverschmutzung kann wieder von vorne beginnen. So weit, so gut, so hell, so fertig. Und die ausgediente Energiesparlampe? Händchenhaltend spazierten wir beide durch die Wohnung und überlegten gemeinsam, wohin mit dem lästigen Überbleibsel. In diesem Falle nicht mit mir, sondern mit meiner anhänglichen gläsernen Freundin selbstverständlich. Während ich also noch über dem Problem der Entsorgung brütete, der große Behälter für den Hausmüll lud einladend mit ebenso großer Klappe zum freundlichen Verschwinden meiner abgenutzten Birne ein, das enthaltenen Quecksilber machte allerdings diesem Vorhaben einen gehörigen Strich durch meine energiesparende Milchmädchenrechnung, stand das Internet wieder einmal Pate für die richtige Lösung.

Zumindest hat sich erfreulicherweise die Stadt Wien Gedanken über diese Art trauter Zweisamkeit gemacht, welcher möglichst umweltschonend zu beiderseitigem Singledasein im Sinne der Umwelt führen soll. Die Kampagne “Helle Birnen entsorgen richtig!” möchte zeigen und vor allem die VerbraucherInnen aufklären, wo denn die Schattenseiten der nicht unumstrittenen künstlichen Lichtquellen liegen und warum es deshalb unumgänglich ist, diese nicht mit dem Haumüll zu entsorgen. Ebenfalls interessant: Was passiert eigentlich mit den dem Recyclingkreislauf zugeführten Birnen.

Verwertung der Energiesparlampen “Helle Birnen entsorgen richtig!” - Die umweltgerechte Entsorgung von Energiesparlampen.

Bei der umweltgerechten Entsorgung in einem Wiener Verwertungsbetrieb werden folgende Schritte in einem abgeschlossenem System mit Unterdruck durchgeführt: Zunächst werden die Lampen in einer sich drehenden Trommel auf 5 bis 20 mm Scherbengröße gebrochen. Durch die Drehbewegung kommt es zum gegenseitigen Abrieb der auf den Scherben anhaftenden Leuchtschicht, die Quecksilber enthält. Eine Abluftanlage mit angeschlossenem Filtersystem saugt kontinuierlich den Leichtstaub ab, der als gefährlicher Abfall Untertage deponiert wird. Die verbliebenen Scherben und Aluminiumkappen werden über verschiedenste Trenneinrichtungen wie Siebe von einander getrennt. Beim Verwertungsprozess fallen rund fünf Masseprozent an Aluminium an, dies verwendet die Metallindustrie weiter. 90 Prozent der Lampe sind Natron-Kalk-Glas, das unter anderem zur Herstellung von Glaswolle als Dämmmaterial verwendet wird. Die restlichen 5,5 Prozent sind quecksilberhaltige Abfälle, die gesondert entsorgt werden müssen. 

Und siehe da! Auch ich konnte, abgesehen von der richtigen Entsorgung von Energiesparlampen, noch etwas anderes lernen. Denn ganz unten, im letzten Abschnitt der Informationskampagne (bei Klick auf das Schaubild rechts werden Sie weitergeleitet) steht unter der Überschrift

Herkömmliche Glühlampen gehören zum Restmüll

Herkömmliche Glühlampen enthalten feine Drähte, die an den Zerkleinerungsanlagen der Glasaufbereitung fast unsichtbar an den Scherben hängen bleiben. Sie führen beim Einschmelzen und Formen von neuen Glasgegenständen zu Einschlüssen, die Flaschen und Gläser unbrauchbar machen. Aus diesem Grund gehören konventionelle Glühbirnen in den Restmüll - und nicht zum Altglas.

Das war selbst mir bis zum heutigen Tage völlig unbekannt. Immer wieder gut, wenn man bis zum bitteren geschriebenen Ende durchhält und sich wirklich bis zum letzten Punkt durchkämpft. So wie Sie jetzt. Oder hätten Sie es gewusst? Was Sie sonst noch wissen sollten. Vielleicht die ebenfalls vielfach unbekannte Tatsache, zumindest dürften politische kluge Köpfe davon noch nicht viel gehört haben, dass der Klimawandel eine völlig neue Form der Migration im zweistelligen (un)menschlichen Millionenbereich mit Namen “Klimaflüchtlinge” geschaffen hat. Wie wir diesem Problem effektiv begegnen könnten? Nun, die nach Bekunden von Frankreichs Staatsoberhaupt Sarkozy als moralisch zu rechtfertigende sogenannte Finanztransaktionssteuer (FTS) wäre ein guter Ansatz. Aber dazu bedarf es weit mehr heller Birnen, welche durch entsprechend eigene Leuchtkraft der Erkenntnis im Dunkel des Heute ihre wirtschaftspolitischen Müllhalden nach Spreu und Weizen trennen.

 

11.11.2011

84 Sekunden für 0,05 Prozent Finanztransaktionssteuer

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 08:08


Mephistopheles im Wettlauf gegen den Kulturfolger, das gemeine Schwein

Wenn man einen Sumpf austrocknen will, muss man nicht unbedingt die Frösche fragen.” (Finanzminister Wolfgang Schäuble, MdB, am 20.5.2010).

Was, wenn die eigentlich Verantwortlichen, also die ehrenwerte Gesellschaft der Investment-Banker, Spekulanten und Hedgefonds-Manager, welche diese Krise mehrheitlich mitverursacht haben, jetzt zur Kasse gebeten würden? Oxfam, durch komprimierte Videobotschaften bekannt, welche es aber an Aussagekraft nicht fehlen lassen (Im 45 Sekunden Takt gegen Kohlekraft), erklärt anschaulich, was eine Finanztransaktionssteuer (Handel und Spekulation mit Finanzprodukten) von 0,05 Prozent alles bewirken könnte. Auf den ersten Blick ein verschwindend geringer Prozentsatz, aber bei genauerem Hinschauen und noch exakterem Rechnen eine Milliardenbetrag im dreistelligen Eurobereich. Zwischen 200 und 300 Milliarden der europäischen Währung ließen sich damit in die leeren Haushaltskassen spülen.

Aktiv den Klimaschutz finanzieren, weltweit die Armut bekämpfen oer einfach nur Schulden zahlen. Frau, Mann und man könnte so vieles mit so vielen Millionen machen. Doch solange die EU lieber mit den oben Genannten gemeinsame Sache und die 27 verschiedenen EU-Staaten lieber keine gemeinsame Sache machen (EU schiebt Finanztransaktionssteuer auf die lange Bank), bleibt halt alles beim Alten, die Krise wird weiter geschüttelt und nicht gerührt und die Heuschrecken gehen ungerührt ihrem Schöpfen aus dem Nichts weiter. Die Argumentation der Länder, dass mit Einführung einer solchen Steuerbelastung das Finanzmarktgeschäft aus Europa abwandern werde, macht eigentlich wenig Sinn. Bleiben, um jetzt im wahrhaft fabelhaften Tierreich zu bleiben, die Schweine denn nicht an den vollen Trögen stehen und suhlen sich dort, wo der Dreck am verführerischsten stinkt und das Suhlen und Wälzen den besten Schutz für die eigene Haut, welche es zu retten gilt, bietet? Selbst wenn diese Tröge leer geräumt sind, die Mülltonnen haben noch viel Unentdecktes zu bieten. Und wo, wenn nicht im nahen Europa, sind derzeit die Chancen immer noch am größten, an volle Geldtröge und finanziell ausgebeulte Mülltonnen zu kommen? China, Indien, Brasilien, die asiatischen Tigerstaaten, selbst die afrikanischen Länder (allen voran Südafrika) machen sich schön langsam auf den Weg, auf das Finanzkarussell der Großen aufzuspringen.

Doch wenn diese zukünftigen Geldsendboten sich nur mit den leergeräumten europäischen Finanzplätzen im Kreise drehen, wenn derzeitige Schwellenländer, welche von der Kaufkraft der ins Trudeln geratenen europäischen Wirtschaft stark abhängig sind, wenn sich der Notnagel Bankensteuer nicht durchsetzen lässt, wenn die außereuropäischen Finanzplätze der USA und Nicht-EU-Land Großbritannien durch den stotternden Konjunkturmotor selbst am Tropf hängen, wird ein Abwandern ungleich schwieriger und auch unbequemer. Ein Schwein, um noch ein letztes Mal im Reich der Tiere zu bleiben, ist kein Langstreckenläufer. Es ist, zumindest das Wildschwein, der typische Fall des Kulturfolgers. Es sucht aus Berechnung die Nähe des Menschen und dessen Abfälle. Die Finanzplätze werden uns erhalten bleiben und diejenigen, welche darin nach nahrhaften Futtermitteln suchen und diese auch finden, werden auch nach Einführung solch einer Steuer vollgefressen vor diesen Trögen liegen bleiben. Wobei ich jetzt doch wiederum für die so verunglimpften Schweine, also jene mit dem Rüssel, die Lanze brechen muss. Denn sie sind, wie schon erwähnt, sogenannte Kulturfolger. Was sich allerdings jene auf den internationalen Finanzplätzen leisten, welche nun mit 0,05 Prozent zur Kasse gebeten sollen, hat mit Kultur nichts gemein. Wer also nun das gemeine Hausschwein ist, lässt sich so ad hoc nicht mit Bestimmtheit sagen. Aber die Grenzen sind fließend. Nicht nur innerhalb der EU.

Bei der Kampagne “Steuer gegen Armut” handelt es sich um eine der erfolgreichsten zivilgesellschaftlichen Bewegungen der vergangenen Jahre. Auf dieser Website informieren wir Sie über die Inhalte und Akteure dieser Kampagne und möchten Sie dadurch auch zum Mitmachen motivieren.

Dass Frankreichs Präsident Sarkozy die Einführung solch einer Transaktionssteuer zur Bekämpfung des Schuldendefizits als “moralisch gerechtfertigt” bezeichnet, entspricht wohl nicht der Wahrheit, da sich die heutige Politik und die darin involvierten Staatsfrauen und -männer den moralischen Grundsätzen und ethisch korrektem Verhalten wohl schon längst entfremdet haben (Biodiversität: Weitere 10 Jahre nach den letzten 10 Jahren). Aber welchen Namen dieses Kind nun aus welchem Grund auch zukünftig trägt, sei eigentlich nur von zweitrangiger Bedeutung. Dass der moderne Mephistopheles namens Investment-Banker, Spekulant oder Hedgefonds-Manager schon lange keinen Faust’schen Menschen mehr verkörpert, welcher trotz all seinem Streben nach Reichtum, materiellem Wohlstand und dem Wettlauf und der Wette gegen Gott trotzdem immer noch menschliche Züge besaß, sondern heutzutage Teil einer unmenschlichen, weil strukturlosen Organisation geworden ist, welche das einstige raschelnde Papiergeld und die klingenden Münzen zu einer substanzlosen und unbegreiflichen Masse aus Fiktion und körperlosem Finanznebel in den Stand des Gottgleichen erhoben hat.

Steuer gegen Armut: Die Finanztransaktionssteuer (FTS)     

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