Deutliches Bildungsgefälle in Deutschland: Ein Spiegel-Bild 3



Der „Deutsche Lernatlas“ der Bertelsmann-Stiftung genießt Sperrminorität

Nachdem wir ja alle gestern gemeinsam genug Spaß mit EU-Kommissar Günther Oettinger hatten, machen wir heute wieder in ernsthafter Bildung. Eigentlich hatte ich der Titelgeschichte „Wo die klugen Deutschen leben“ der neuesten Ausgabe des Spiegel (Heft 47/2011) nicht allzu viel Beachtung geschenkt. Ganz ehrlich kannte ich die Titelstory bis vor kurzer Zeit noch gar nicht. Und höchstwahrscheinlich werde ich den Spiegel auch nicht lesen. Möglicherweise irgendwann beim Zahnarzt, sollte denn dann genau diese Ausgabe vorhanden sein. Schließlich stellt die teilweise Bildungsschieflage in Österreich und wohl auch Deutschland durch den bildungspolitischen PISA-Studien-Turm nicht wirklich eine Neuigkeit dar, welcher sich die Medien zur Füllung der leeren Blätter nicht nur im Sommerloch bedienen. 

Nun, aber jetzt schreibe ich also trotzdem darüber. Sogar wider besseren Wissens, schließlich habe ich immer noch nicht „Wo die klugen Deutschen leben“ gelesen und zerbreche mir also meinen unwissenden Schädel über kluge und vielleicht auch weniger kluge Deutsche. Was mich gleichzeitig zu der Erkenntnis bringt, dass ein Zahnarztbesuch wieder einmal fällig wäre. Natürlich nicht, um dort den Spiegel zu lesen, sondern mich über den letzten Stand meiner Kariesbildung, sicherlich auch eine Art Deutscher Lernatlas 2011: Ergebnisbericht der Bertelsmann Stiftung.von Bildung, aufklären zu lassen, was jetzt zwar nichts mit jener gleichlautenden Epoche zu tun hat, aber erkenntnistheoretisch nicht unvorteilhaft ist. Weiterhin von Vorteil wäre es möglicherweise für Sie, wo Sie denn die von der Bertelsmann Stiftung herausgegebene Studie zum Deutschen Lernatlas 2011 finden. Unter Deutscher Lernatlas können Sie online schmökern oder bei Klick auf das nebenstehende Bild auf die Festplatte downloaden. Und noch eines: Die folgenden Quellen sind größenteils nur zur besseren Veranschaulichung aufgeführt. Doch den allerletzten Verweis in diesem Artikel lege ich Ihnen wirklich ans Herz.

Da ich aber nicht völlig unvorbereitet in mein bildungspolitisches Spiegel-Desaster rennen möchte, habe ich deshalb nach anderen Beiträgen gesucht, deren AutorInnen eben jene Titelgeschichte bereits zur Hand und wahrscheinlich auch schon gelesen haben. So las ich also im Wochenblatt, die Zeitung für alle: Lernatlas 2011 mit tollem Ergebnis für unsere Region. Erding unter den Top 10 der „klugen Deutschen“

Worum geht es? Die Bertelsmann Stiftung hat den „Deutschen Lernatlas 2011” erarbeitet. Dabei handelt es sich laut „Spiegel” um ein hochkompliziertes Werk, das aber enorme praktische Aussagekraft besitze. Weil nämlich, einfach ausgedrückt, Lernen „glücklich und reich” mache, sei das Abschneiden der insgesamt 412 Städte und Landkreise beim Bertelsmann-Atlas keineswegs nur eine statistische Randaussage. Sondern vielmehr ein wichtiger Parameter in Bezug auf tatsächliche Lebensqualität.

Die Analyse offenbart ein geradezu dramatisches Süd-Nord-Gefälle. Die Bertelsmann-Stiftung bilanziert: „Die schlechtesten Landkreise und kreisfreien Städte in Baden-Württemberg und Bayern” seien „immer noch besser als die besten Regionen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

oder in „Der Westen“ lese ich unter „Revierstädte schneiden bei Bildungsranking schlecht ab“ folgendes:

Bei den Bedingungen für gute Bildung hängt der Süden Deutschlands den Norden klar ab. Die schlechtesten Regionen in Baden-Württemberg und Bayern sind immer noch besser als die besten Regionen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Dies zeigt laut „Spiegel“ der „Deutsche Lernatlas 2011“ der Bertelsmann-Stiftung. Der FDP-Bildungsexperte Heiner Kamp forderte angesichts der Ergebnisse, die Bildungspolitik müsse besser koordiniert werden.

Unter der Überschrift „Im Norden herrscht große Leere“ findet sich folgender Inhalt:

Die Lern- und Lebensbedingungen für Schüler in Deutschland sind sehr uneinheitlich. Am besten lernt es sich im Main-Spessart-Kreis, nördlich des bayerischen Würzburg. Die schlechtesten Bedingungen herrschen dagegen in der Stadt Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. Das zeigt der „Deutsche Lernatlas 2011“, den der Spiegel am Montag veröffentlicht hat.

Um eine erste deutsche Übersicht in dieser Form zu schaffen, hat die Bertelsmann-Stiftung Deutschland in 412 Kreise und kreisfreie Städte zerlegt. In ihrer Bewertung stützte sie sich auf den Unesco-Bericht zur „Bildung für das 21. Jahrhundert“, der 1996 vier Bereiche des Lernens definierte: das schulische, das berufliche, das soziale und das persönliche Lernen. Die Qualität dieser Bereiche misst der Atlas an verschiedenen Kategorien, unter anderem an der Lernkompetenz der Grundschüler im Lesen, der Zahl der Klassenwiederholer, den Schulabgängern mit Abschluss, der Teilnahme an beruflicher Weiterbildung, der Arbeitslosigkeit, dem Engagement der Bürger für das Gemeinwohl, für Ältere, Kinder und Jugendliche. Dazu kommen die Wahlbeteiligung, die Nutzung von Bibliotheken, oder die Zahl der Museumsbesuche.

Was haben diese und viele weitere Quellen gemeinsam? Sie berufen sich alle auf eben jenen Leitartikel im Spiegel Heft 47/2011. Was dort jedoch nicht geschrieben steht, aber abseits solch sicherlich interessanter Berichterstattung auch gut zu wissen wäre und vor allem gut zu wissen ist, steht in Der Spiegel vermarktet die Bertelsmann Stiftung – „Deutscher Lernatlas“ stellt den Zusammenhang von Bildung und Wohlstand auf den Kopf. Da bekommt der Begriff Nord-Süd-Gefälle doch gleich eine ganz andere schiefe Optik und gerät unmerklich auf die schiefe Bahn.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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