Der wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich Klimawandel Konjunktiv 1


Wahrscheinlichkeitsrechnungen des Weltklimarates

Wieder einmal ganz passend zum gestern vorgestellten Workshop von twenty.twenty über technologischen und wirtschaftlichen Fortschritt ohne den notwendigen ökologischen Rückschritt dabei zu vergessen.

Obwohl die ausführliche Fassung zum Sonderbericht über die Risiken von Wetterextremen und klimatische Katastrophen, verursacht durch Menschenkind und dem manchmal lästigen Anhängsel Menschenhand, noch auf sich warten lässt und voraussichtlich erst mit Februar 2012 veröffentlicht werden soll, gibt es jetzt schon eine Kurzfassung. Ein Obwohl die ausführliche Fassung zum SREX-Sonderbericht des Weltklimarates IPCC über die Risiken von Wetterextremen und klimatische Katastrophen, verursacht durch Menschenkind und dem manchmal lästigen Anhängsel Menschenhand, noch auf sich warten lässt und voraussichtlich erst mit Februar 2012 veröffentlicht werden soll, gibt es jetzt schon eine Kurzfassung. Ein sogenanntes “Summary For Policymakers”.sogenanntes „Summary For Policymakers“ für all jene, welche eben die große Weltpolitik machen, dabei zwar weniger umweltpolitische Geschichte schreiben und sich trotzdem und eigentlich die Menschenhände in Südafrika reichen sollten. Dass der Weltklimarat IPCC seinen Sonderbericht mit dem sperrigen Namen „Special Report on Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaption“ oder kurz SREX kurz vor Beginn des im südafrikanischen Durban startenden UN-Klimagipfels den verantwortlichen politischen EntscheidungsträgerInnen mit an die politische Menschenhand gibt, ist sicherlich ein gut gewählter Zeitpunkt mit einer gehörigen Portion wohldosierter Taktik. Ob allerdings diejenigen, welche sich die 29 Seiten durchlesen sollten, auch die damit gewonnenen Erkenntnisse in die Tat umsetzen, mag angesichts des Disasters bei den letzten Klimakonferenzen in Kopenhagen (2009) und dem Saustall von Cancun, wie Österreichs Umwelt- und Landwirtschaftsminister Berlakovich damals am Rand des Gipfels und am Rande des ministeriellen Nervenzusammenbruchs in Paris und auf dem steinigen Weg nach Cancun so von sich gab, mehr als zweifelhaft erscheinen.

Mögliche Szenarien geben Stoff für Pro und Kontra Klimawandel

Was auf den jetzt publizierten wenigen Seiten des SREX auffällt: Es gibt viele „Wenn und Aber“-Formulierungen mit damit prognostizierten Wahrscheinlichkeiten und Sehr Wahrscheinlichkeiten über das Eintreffen von Überschwemmungen, ausgedehnten Dürreperioden, Ansteigen des Meerspiegels usw. und den damit zusammenhängenden Folgeerscheinungen. Oder, weil der Sonderbericht in Englisch vorliegt, eben dementsprechend „likely“ und „very likely“. Dass die Verfasser diese Form des „Es wäre möglich, dass …“ anstatt eines todsicheren „Es wird passieren …“ wählen, hat sicherlich zweierlei (gute) Gründe. Zum einen lassen sich selbst durch die besten Computerprogramme und Klimamodelle auf dem virtuellen Reissbrett klimatische Veränderungen und die damit bedingten Vorhersagen der Zukunft nur näherungsweise betrachten und dementsprechend auch nicht 1:1 in die reale Welt transportieren, was sicherlich die Klimawandel-SkeptikerInnen auf den Plan ruft. Zum anderen gibt es aufgrund der relativ jungen Klimaforschung nur wenige gesicherte Ergenisse, welche definitive und beweisbare Rückschlüsse auf das Langzeitverhalten von Ursachen und Wirkungen zulassen. Auch das wird wiederum denjenigen Vorschub leisten, welche die dramatischen Veränderungen durch Ansteigen der Temperaturen, unkontrollierten CO2-Ausstoß und Schmelzen der Polkappen als apokalyptische Endzeitstimmungsbilder, umweltpolitische Hirngespinste und grüne Horrorszenarien möglichst unbesehen ad acta legen. Wobei, ganz nebenbei bemerkt, auch ehemals gläubige vehemente Gegner des durch den Menschen verursachten Klimawandel wie etwa der amerikanische Physiker Richard Muller mittlerweile diesen schmalen Pfad verlassen haben und sich nun ernsthaft mit den unübersehbaren Folgen beschäftigen (Klimawandel: SkeptikerInnen kommen ins Schwitzen).

Dass sich die KlimaexpertInnen so vorsichtig verhalten, macht allerdings Sinn. Denn sie unterstreichen damit die zugrundeliegende Intention von SREX, die aufgestellten Behauptungen, Prognosen und Empfehlungen, welche aufgrund statistischer Rechenmodelle und Wahrscheinlichkeitsrechnungen aufgestellt wurden, nicht mit an absoluter Sicherheit zu verwechseln. Was sie damit aber umso dringender erkennbar machen, ist die Tatsache, dass diese mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückenden extremen Wetterereignisse nicht von ungefähr kommen können. Die Kombination dieser physischen Klimaveränderungen mit der durch Menschenkindes Menschenhand gepaarten drastischen Eingriffe in das Weltklima wird in eigentlich allen zugrundegelegten und ausgewerteten Modellen als verheerend gesehen.

Wer sich allerdings weniger vorsichtig verhält, sind die zu Hilfe genommenen Maschinen, Rechner und Computer. Denn die prognostizieren ohne viele beschönigenden Worte und in der ihnen eigenen Art gefühlskalter Auflistung und spröden Wortwahl jene Zukunftsszenarien, vor denen sich, einmal abgesehen von den Kontra-KlimawandlerInnen, eigentlich Menschen wie ich fürchten. Nicht, weil auch Europa mit einem Ansteigen der Temperaturen zwischen zwei und fünf Grad Celsius zu rechnen hat. Für manche bedeutet dies Sonne, Sand und gesunde Bräune, wobei ich auch hier wieder anmerken darf, dass es mittlerweile auch sehr viel ungesunde Bräune (Hubertus Buchstein: Braune Ökologien oder auch Deutsches Apfeltum gegen braunes Fallobst) gibt, was aber leider nichts mit dem Klimawandel zu tun hat. Nein, es sind die damit einhergehenden langfristigen Auswirkungen.

Empfehlungen der Klimaexpertenrunde für Durban und darüber hinaus

Auch wenn der komplette SREX-Sonderbericht, wie oben bereits geschrieben, erst mit Anfang 2012 erscheinen soll, der Klimagipfel in Durban unangenehmerweise jedoch schon Ende November seine umweltpolitische Schranken öffnet, bleibt nicht mehr viel Zeit. Gut, die bleibt sowieso nicht, doch in diesem speziellen Fall eben noch viel weniger, was aber weder „likely noch „very likely“ ist, sondern sicher.

Auch wenn sich Europa und andere nördliche Industriestaaten auf endlose Sommer freuen dürfen, Alpinbergsteigen endlich ganzjährig möglich sein wird, Skifahren nur noch oberhalb 8848 Meter möglich sein wird und ein Eisbär und Königspinguin vielleicht nur noch im gut gesicherten Kühlhaus betrachtet werden kann (gute Anlagemöglichkeit und Zukunftsinvestition für alle Spekulanten!), fallen leider auch ein paar unangenehme Begleiterscheinungen ins tränenreiche Auge. Denn auch Europa wird durch das Ansteigen des Meeresspiegels vor der sicherlich sehr kostenintensiven Aufgabe stehen, die ins Landesinnere drängenden Wassermassen, sollten sie denn nicht sowieso von durch die abtauenden Gletscher und reissenden Gebirgsbäche schon im Inneren sein, durch ausgeklügelte Hochwasserdämme, Deichsysteme und andererseits Bewässerungsanlagen und Drainagen, das Leben auch weiterhin lebenswert zu machen. Die Tulpenblüte in Holland wird vielleicht zukünftig zur Tulpenblüte auf dem Großglockner, die beschauliche Gondelfahrt auf dem Canale Grande kann durchaus in wohl wenigen Jahren auch in Heidelberg stattfinden.

Doch Europa und andere nördliche Industriestaaten werden weit mehr als diese Problemstellungen zu kompensieren haben. Auch in weniger blütenreichen Ländern dieses Planeten werden Hochwasser und Dürre menschliche Lebensräume beschneiden und die Überlebensräume des Homo sapiens drastisch zusammenstutzen. Dann heißt es zusammenrücken! Denn wo kein Land für Landwirtschaft, Ackerbau und Viehzucht, da auch keine Nahrung. Also werden sich riesige Flüchtlingsströme aufmachen, neues Land zu erobern, um für sich und die Nachkommen das einzufordern, was diejenigen besitzen, welche hinter den Dämmen und Staumauern sitzen (Klimaflüchtlinge: Fluchtlinie Klimawandel). Andere Menschen wiederum werden ihrer Lebensgrundlagen beraubt, weil Hitzeperioden und andauernde Wassermassen den Tourismus zum Erliegen bringen. Humanitäre Hilfe wird, bedingt durch den Klimawandel, nicht mehr zum alles entscheidenden Faktor der direkten Wetterbedrohungen, sondern auch indirekt durch sich verändernden klimatischen Bedingungen, welche ein Handeln erfordern werden.

Ob nun die erhobenen SREX-Daten zur Gänze eintreffen werden oder sich nur zu einem Bruchteil bewahrheiten werden, wird erst die Zukunft zeigen. Doch die Gegenwart lässt uns leider nicht den notwendigen Spielraum und die Entscheidungsfreiheit, zu warten, ob denn sämtliche errechneten Szenarien und aufgestellten „Likely“-Behauptungen oder sogar „Very likely“-Prognosen ihre Erfüllung finden werden.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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