AKW Ringhals: Großreinemachen mit Vattenfall 1


Sauberer Atomstrom im wahrsten Sinne des Wortes

Vorab eines: Heute gibt es weder Videos zu sehen noch sonstige bewegten und in der Bewegung erstarrten Bilder zu betrachten.

Dass sich die Betreiberfirmen von Atomkraftwerken selbst in Zeiten wie diesen immer noch als die Sauberfrauen der Energieversorgung und Saubermänner der Nationen darstellen, wissen wir. Doch dass Vattenfall als verantwortlicher Betreiber des nahe Göteborg stehenden Atomkraftwerks Ringhals diese Aufgabe so ernst nimmt, würde die Sache zwar äußerst amüsant machen, macht sie es aber aus folgenden begreiflichen Gründen nicht gerade. Dass das „AKW der Vergesslichen“ von Vattenfall jedoch jetzt aufgrund eines vergessenen Staubsaugers (wieder einmal) zu einer atomaren Lachnummer wurde, macht deutlich, welchen Stellenwert die Kernkraftbetreiber und legalen Geldeintreiber dem Thema Sicherheit entgegenbringen. Denn Vattenfall ist weder Einzelfall und schon gar nicht ist es der erste Störfall.

AKW Ringhals: Auch ohne Staubsauger brandgefährlich

Dass dies nicht der erste Vorfall um das AKW Ringhals ist, macht die ganze Causa jetzt auch nicht unbedingt amüsanter. So war schon einmal im Juli 2008 Feuer unterm oder in diesem Fall auf dem atomaren Dach. Dachdecker hatten damals aus Versehen Dachpappe durch Gasbrenner auf dem Dach des Turbinengebäudes in Brand gesetzt. Dass daraufhin Großalarm und hilfesuchende Unterstützung an auswärtige Feuerwehren ausgelöst wurden, sei dabei ein ganz normaler Vorgang, versicherte der Kraftwerkssprecher Gösta Larsson der Öffentlichkeit damals. Schließlich konnte „das sehr begrenzte Feuer schon nach wenigen Minuten gelöscht werden„. Und Vattenfall zeigte sich auch noch überaus stolz, dass trotz des schwelenden Konflikt mit den Naturgewalten, wenn denn Feuer solch eine elementare Gewalt darstellt, die vier Reaktoren während der Löscharbeiten weiter im Sinne der Energieversorgung zum Wohle des Volkes weiterarbeiteten und danach natürlich wieder mit voller Kraft (Handelsblatt: Brand in Atomkraftwerk Ringhals in Schweden).

Doch es geht noch besser. Im November 2006 wurde die schwedische Bevölkerung mit dem folgenden lapidaren Satz durch die Statens Kärnkraftinspektion (Schwedische Atomaufsichtsbehörde) über einen scheinbar recht harmlosen Vorfall am Reaktor 3 des Atomkraftwerkes informiert:

There is information that a redundant pump in the sea water cooling system (715 P2) failed to start and that initial loss of power to the digital control rod position indication occurred.“ (Automatic shutdown at Ringhals 3 after fire in a transformer)

Grund war die Explosion eines Transformators, welcher daraufhin vollständig ausbrannte. Dies hatte dann zur Folge, dass eine der Kühlwasserpumpen den atomaren Geist aufgab und sogar vorübergehend die Positionskontrolle der Brennstäbe außer Kontrolle geriet, weil dies ohne Stromversorgung blieben. Da war es dann selbst nach Vattenfall’schen Maßstäben aus mit voller Kraft. Selbstverständlich nur kurzfristig (Schon wieder ein Unfall in einem Vattenfall-AKW).

Feuerlöschen und gleichzeitig Durst löschen

Doch das AKW Ringhals und die dort Beschäftigten dürften auch abseits von schnell gelöschten Feuern und vergessenen Staubsaugern ein recht seltsam lustiger Haufen sein, welcher sich trotz widrigster Umstände die Feierlaune nicht so schnell verderben lässt. So schreibt die Wirtschaftswoche in ihren Artikel „Vattenfall in der Kritik: Betrunkene bauen Atomkraftwerk“ vom Juli 2007:

Schwedischen Medienberichten vom Mittwoch zufolge sind in Vattenfalls wichtigstem schwedischen Atomkraftwerk Ringhals mehrere Bauarbeiter in den vergangenen Wochen betrunken erwischt und entlassen worden. Acht Arbeiter seien stark alkoholisiert aufgefallen und hätten außerhalb des Reaktorgeländes in Unterkünften weibliches Reinigungspersonal belästigt. Der Informationschef von Ringhals, Torsten Bohl, sagte der Zeitung „Göteborgs-Posten“, die Bauarbeiter hätten keinen Zutritt zur Reaktorhalle gehabt, sondern seien ausschließlich am Erweiterungsbau des Reaktors drei beschäftigt gewesen.

Dass sich der Konzern von den Arbeitern, welche in Diensten einer Fremdfirma für Vattenfall arbeiteten, dann trennte, mag mehr als löblich sein. Die Tatsache, dass gerade diese Arbeiter aber an jenem Reaktor 3, welcher im November des vorangegangenen Jahres aufgrund des explosiven Verhaltens eines Transformators heruntergefahren wurde, tatkräftig und promilleselig sicherlich wertvolle Unterstützung leisteten, weckt in meinen Augen mehr als nur Unverständnis. Sozusagen blau zum Super-GAU ist bei Vattenfall scheinbar kein Einzelfall. So kam es am 25. Juli 2006 (manche Medien berichten fälschlicherweise vom 26. Juli) im ebenfalls von Vattenfall betriebenen AKW Forsmark zu einem Vorfall, welcher nur wenige Minuten später seinem 20 Jahre vorher havarierten AKW-Bruder Tschernobyl die verstrahlten Hände hätte reichen können. Die falsche Datierung und die damit verbundene eintägige Verzögerung der Abschaltung beruht nämlich darauf, dass Vattenfall den Reaktor nicht sofort gestoppt hat, sondern erst am Folgetag heruntergefahren wurde. Und laut „The Local“, einem englischsprachigen Internetmagazin, stand das AKW Forsmark kurz vor Erreichen der Kernschmelze. Dass diese Meinung nicht von grün angehauchten Atomgegnern vertreten wurde, sondern von Lars-Olov Högelund, welcher lange Zeit für Vattenfall die Konstruktionsabteilung leitete, macht die ganze Sache umso bedenklicher:

“It was pure luck that there was not a meltdown,” he said. “Since the electricity supply from the network didn’t work as it should have, it could have been a catastrophe.”
He said without power the temperature would have been too high after 30 minutes and the reactor would have been damaged. Within two hours there would have been a meltdown. (Nuclear plant ‚could have gone into meltdown‘ oder deutschsprachig „Forsmark ist der Normalfall“)

Ganz amüsant wird es allerdings durch die Tatsache, dass scheinbar Alkoholprobleme nicht erst seit den Ausschweifungen der am AKW Ringhals beschäftigten Arbeiter bekannt waren. Dazu „AKW Forsmark: Pfusch und Alkohol“ oder „Alkohol im AKW Forsmark„. Ich würde daher vorschlagen, endlich mit dem Großreinemachen in Sachen Atomkraft zu beginnen. Und weiterhin, dass die Verantwortlichen von Vattenfall in Zukunft vielleicht als StaubsaugervertreterInnen durch die Lande ziehen. Darauf trinke ich jetzt ein Schlückchen. Nespressofreien Kaffee natürlich. Was dachten denn Sie?   


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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