84 Sekunden für 0,05 Prozent Finanztransaktionssteuer 1



Mephistopheles im Wettlauf gegen den Kulturfolger, das gemeine Schwein

Wenn man einen Sumpf austrocknen will, muss man nicht unbedingt die Frösche fragen.“ (Finanzminister Wolfgang Schäuble, MdB, am 20.5.2010).

Was, wenn die eigentlich Verantwortlichen, also die ehrenwerte Gesellschaft der Investment-Banker, Spekulanten und Hedgefonds-Manager, welche diese Krise mehrheitlich mitverursacht haben, jetzt zur Kasse gebeten würden? Oxfam, durch komprimierte Videobotschaften bekannt, welche es aber an Aussagekraft nicht fehlen lassen (Im 45 Sekunden Takt gegen Kohlekraft), erklärt anschaulich, was eine Finanztransaktionssteuer (Handel und Spekulation mit Finanzprodukten) von 0,05 Prozent alles bewirken könnte. Auf den ersten Blick ein verschwindend geringer Prozentsatz, aber bei genauerem Hinschauen und noch exakterem Rechnen eine Milliardenbetrag im dreistelligen Eurobereich. Zwischen 200 und 300 Milliarden der europäischen Währung ließen sich damit in die leeren Haushaltskassen spülen.

Aktiv den Klimaschutz finanzieren, weltweit die Armut bekämpfen oer einfach nur Schulden zahlen. Frau, Mann und man könnte so vieles mit so vielen Millionen machen. Doch solange die EU lieber mit den oben Genannten gemeinsame Sache und die 27 verschiedenen EU-Staaten lieber keine gemeinsame Sache machen (EU schiebt Finanztransaktionssteuer auf die lange Bank), bleibt halt alles beim Alten, die Krise wird weiter geschüttelt und nicht gerührt und die Heuschrecken gehen ungerührt ihrem Schöpfen aus dem Nichts weiter. Die Argumentation der Länder, dass mit Einführung einer solchen Steuerbelastung das Finanzmarktgeschäft aus Europa abwandern werde, macht eigentlich wenig Sinn. Bleiben, um jetzt im wahrhaft fabelhaften Tierreich zu bleiben, die Schweine denn nicht an den vollen Trögen stehen und suhlen sich dort, wo der Dreck am verführerischsten stinkt und das Suhlen und Wälzen den besten Schutz für die eigene Haut, welche es zu retten gilt, bietet? Selbst wenn diese Tröge leer geräumt sind, die Mülltonnen haben noch viel Unentdecktes zu bieten. Und wo, wenn nicht im nahen Europa, sind derzeit die Chancen immer noch am größten, an volle Geldtröge und finanziell ausgebeulte Mülltonnen zu kommen? China, Indien, Brasilien, die asiatischen Tigerstaaten, selbst die afrikanischen Länder (allen voran Südafrika) machen sich schön langsam auf den Weg, auf das Finanzkarussell der Großen aufzuspringen.

Doch wenn diese zukünftigen Geldsendboten sich nur mit den leergeräumten europäischen Finanzplätzen im Kreise drehen, wenn derzeitige Schwellenländer, welche von der Kaufkraft der ins Trudeln geratenen europäischen Wirtschaft stark abhängig sind, wenn sich der Notnagel Bankensteuer nicht durchsetzen lässt, wenn die außereuropäischen Finanzplätze der USA und Nicht-EU-Land Großbritannien durch den stotternden Konjunkturmotor selbst am Tropf hängen, wird ein Abwandern ungleich schwieriger und auch unbequemer. Ein Schwein, um noch ein letztes Mal im Reich der Tiere zu bleiben, ist kein Langstreckenläufer. Es ist, zumindest das Wildschwein, der typische Fall des Kulturfolgers. Es sucht aus Berechnung die Nähe des Menschen und dessen Abfälle. Die Finanzplätze werden uns erhalten bleiben und diejenigen, welche darin nach nahrhaften Futtermitteln suchen und diese auch finden, werden auch nach Einführung solch einer Steuer vollgefressen vor diesen Trögen liegen bleiben. Wobei ich jetzt doch wiederum für die so verunglimpften Schweine, also jene mit dem Rüssel, die Lanze brechen muss. Denn sie sind, wie schon erwähnt, sogenannte Kulturfolger. Was sich allerdings jene auf den internationalen Finanzplätzen leisten, welche nun mit 0,05 Prozent zur Kasse gebeten sollen, hat mit Kultur nichts gemein. Wer also nun das gemeine Hausschwein ist, lässt sich so ad hoc nicht mit Bestimmtheit sagen. Aber die Grenzen sind fließend. Nicht nur innerhalb der EU.

Bei der Kampagne “Steuer gegen Armut” handelt es sich um eine der erfolgreichsten zivilgesellschaftlichen Bewegungen der vergangenen Jahre. Auf dieser Website informieren wir Sie über die Inhalte und Akteure dieser Kampagne und möchten Sie dadurch auch zum Mitmachen motivieren.

Dass Frankreichs Präsident Sarkozy die Einführung solch einer Transaktionssteuer zur Bekämpfung des Schuldendefizits als „moralisch gerechtfertigt“ bezeichnet, entspricht wohl nicht der Wahrheit, da sich die heutige Politik und die darin involvierten Staatsfrauen und -männer den moralischen Grundsätzen und ethisch korrektem Verhalten wohl schon längst entfremdet haben (Biodiversität: Weitere 10 Jahre nach den letzten 10 Jahren). Aber welchen Namen dieses Kind nun aus welchem Grund auch zukünftig trägt, sei eigentlich nur von zweitrangiger Bedeutung. Dass der moderne Mephistopheles namens Investment-Banker, Spekulant oder Hedgefonds-Manager schon lange keinen Faust’schen Menschen mehr verkörpert, welcher trotz all seinem Streben nach Reichtum, materiellem Wohlstand und dem Wettlauf und der Wette gegen Gott trotzdem immer noch menschliche Züge besaß, sondern heutzutage Teil einer unmenschlichen, weil strukturlosen Organisation geworden ist, welche das einstige raschelnde Papiergeld und die klingenden Münzen zu einer substanzlosen und unbegreiflichen Masse aus Fiktion und körperlosem Finanznebel in den Stand des Gottgleichen erhoben hat.

Steuer gegen Armut: Die Finanztransaktionssteuer (FTS)     


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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