Biodiversität: Weitere 10 Jahre nach den letzten 10 Jahren 1


Biologische Vielfalt: Lauter Spezialisten am Werk

Passend zur gestern vorgestellten Apfelfront. Die UN-Dekade 2011-2020 für den Schutz biologischer Artenvielfalt wartet jetzt mit laufenden politischen Motoren auf das Startsignal und möchte ab morgen die vielen Heulbojen sterbender Fauna- und Florahindernisse umrunden oder besser noch mit Vollgas drüberfahren. Jetzt aber richtig. Hab ich heute unter „UN-Dekade zur Biologischen Vielfalt – Forschung ist Voraussetzung für erfolgreiches Handeln. Am 8. November eröffnet das Bundesumweltministerium die UN-Dekade für Deutschland.gelesen. Gut, Sie werden richtigerweise sagen: „So was gab es auch schon vor geraumer Zeit zu lesen.“ (EU-Aktionsplan zur Erhaltung der Biodiversität bekommt Nachfolger). Und ganz optimistische ZeitgenossInnen werden jubelüberschwänglich soweit gehen und jetzt behaupten: „So was liest man auch noch nach Ende dieser Dekade. Sozusagen als Rochade dieser Dekade und der schon rochierten Rochaden-Dekaden.“ Auch wieder wahr!

Dass die Umsetzung dieser wohlmeinenden Ziele natürlich nur dann gelingen kann, sollte es denn überhaupt noch möglich sein, wenn die politischen Brutkästen endlich flügge geworden sind, dürfte klar sein. Denn solange sich irgendein Umweltministerium mit dem Gedanken trägt, Biodiversität endlich zum Thema Nummer 1 zu machen, andererseits irgendein anderes Wirtschaftsministerium jedoch dagegen hält, das viel zu knappe Geld doch lieber in die wirtschaftliche Rezessionsphase zu stecken und ein drittes Bildungsministerium dem ersten und zweiten Ministerium widerspricht, weil in Zeiten von schiefen PISA-Studien-Türmen die Reformierung des antiquierten Schulsystems doch das Alpha und Omega zukünftigen Erfolges ist und ein weiteres Verteidigungsministerium damit argumentiert, dass nur eine wohldosierte Ladung Handgranaten und Jagdpanzer für stabile Ordnung auf diesem Planeten sorgen können und die über all diesen verschiedenen RegierungschefInnen mehr und mehr damit beschäftigt sind, sich von Konferenz zu Krisensitzung zu hangeln, um EURO-Rütlischwüre in die Kameras zu phrasendreschen, solange wird sich die biologische Vielfalt hinten anstellen müssen und wohl eine weitere Dekade auf Erfüllung hoffen müssen.

Sicherlich, alle haben sie recht, abgesehen einmal vom Verteidigungsministerium. Und wenn dabei Prof. Eduard Linsenmair von DIVERSITAS Deutschland fordert, dass zur Umsetzung dieses neuen strategischen Papiers erst einmal die dafür notwendige Bereitschaft und Akzeptanz entstehen muss, diese Ziele dementsprechend auch umzusetzen, mag auch er natürlich völlig recht haben: „Als größte Herausforderung sehe ich aber, dass Politiker ihr Bild vom Wert der Vielfalt ändern müssen. Das Wissen alleine um die zukünftigen Konsequenzen genügt leider nicht. Seine Hoffnung, dass sich dabei der neu konstruierte Schnittstelle Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (ipbes) als Wunderwaffe im Kampf gegen die schwindende Artenvielfalt erweisen möge, muss sich auch erst noch als solche erweisen. Eine Vernetzung von Wissenschaft und Politik mag schön und gut sein, doch auch hier stellt sich die entscheidende Frage. Wenn die Umsetzung der Biodiversitätsvorgaben schon in der letzten Dekade nach jahrelangen Vorbereitungen nicht vollzogen wurde, warum sollte dies nun einer neu geschaffenen Plattform innerhalb kürzester Zeit gelingen? Zu einer kurzen deutschsprachigen Erläuterung der ipbes-Plattform: Deutscher Naturschutzring: Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services.    

Verständnis für die fortlaufende Umweltzerstörung aufbringen, wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse in leicht verständlicher Form den politischen Verantwortlichen präsentieren, die Zusammenhänge zwischen den untrennbar miteinander verbundenen verschiedenen Ökosystemen verdeutlichen, die Mechanismen schnell greifender Konzepte zur Bekämpfung der Erderwärmung darstellen und letztendlich eine Sensibilisierung für die Relevanz und den dringenden Handlungsbedarf wecken. Alles schön, alles gut. Auf dem Klima-Lügendetektor habe ich dabei ganz zufällig (etwas gesucht habe ich natürlich schon) die Ausführungen eines politischen Experten in Sachen Klimawandel gefunden. Markus Pieper (CDU) heißt der Herr Europaparlamentarier und nennt das deutsche Münsterland seine Heimat. Und weil möglicherweise im Münsterland, was ich aber aus der Ferne Wiens nicht endgültig und abschließend zu beurteilen vermag, die klimawandelnden Uhren vielleicht anders ticken und die erderwärmenden Strahlen von ganz besonders anderer Intensität sind und weil Herr Pieper selbstverständlich auch über eine eigenen Facebook-Seite verfügt und weil auf dieser seiner ganz persönlichen Seite eben auch fleissig gepostet wird und weil Herr Pieper auch ehemals im Nichtständigen Ausschuss zum Klimawandel saß und weil er dort mit lauter anderen Spezialisten am Werk war (steht so wortwörtlich unter „Spezialisten am Werk: die Ausschüsse des Parlaments„) und weil er sich als werkelnder Spezialist wohl ganz vehement für eine „Politik, die Fragen des Klimawandels angemessen berücksichtigt einsetzte und weil er aufgrund all dieser Tatsachen sich das dafür notwendige (Ab)Rüstzeug in Sachen Klimaerwärmung erarbeitet hat, kam Herr Pieper aus dem schön erduntererwärmten Münsterland zu folgendem facebook-geposteten Ergebnis:

Markus Pieper von der CDU kommt als Europaparlamentarier zu folgendem Ergebnis in Sachen Klimaerwärmung: Wie, was, Erderwärmung? Gibts vielleicht auf der ganzen Erde, aber nicht bei uns!

Quelle: Der Klima-Lügendetektor „Markus Pieper (CDU): Toller Temperaturrückgang

Ja, dann ist ja alles gut. Und schön. Und weil das so ist, gibt es eigentlich auch keine Biodiversität. Zumindest ab der nächsten Dekade. Natürlich könnten wir diesen Prozess noch etwas beschleunigen. Mit nachhaltigen Handgranaten und Jagdpanzern, welche mit Biodiesel ihre Runden drehen. Was aber wiederum den Umkehrschluss zulässt: So verkehrt ist ein gut funktionierendes Verteidigungsminiseterium doch gar nicht. Aber wie gesagt: Lauter Spezialisten am Werk!

 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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