Deutsches Apfeltum gegen braunes Fallobst


FDÄ: Wenn Satire biologische Waffen einsetzt

Das nun folgende (wieder einmal durch die Ostseeküste inspiriert) ist eigentlich prädestiniert für einen Blog, welcher die Worte „Bio“ und „Natur“ in seinem Namen führt. Doch nicht immer erscheint das, was auf den ersten Blick so eindeutig zu sehen ist, auch im weiteren Verlauf als jenes, was sich bei genauerem Hinsehen dann als solches Front Deutscher Äpfel (FDÄ): Nationale Initiative gegen die Überfremdung des deutschen Obstbestandes und gegen faul herumlungerndes Fallobst.eben nicht entpuppt. Als jüngstes Beispiel dazu vielleicht mein Beitrag „Politik will Pekinesen vor dem Aussterben schützen„. Und so verhält es sich mit jener Organisation, um gleich den politischen Jargon beizubehalten, welche ich Ihnen heute vorstellen möchte und die seit mehreren Jahren durch die deutschen Lande zieht und ihren ersten Marschbefehl in Leipzig erhielt.

Sollten Sie, und da ich dies nun schreibe, wäre die Chance jetzt da, einmal über die Seite „Front Deutscher Äpfel (FDÄ)„, auch kurz und linksbündig Apfelfront genannt, stolpern oder in diesem Falle besser stramm marschieren, werden Sie möglicherweise entsetzt innehalten, „Kehrt marsch!“ rufen und schleunigst wieder umdrehen. Doch bleiben Sie ruhig bei mir und setzen Sie ihren virtuellen Stechschritt ruhigen Gewissens fort. Denn was hier auf den ersten Blick an das erinnert, was es in gewisser Weise auch ist, nämlich Rechtsextremismus in seiner tiefsten Form, soll es auch sein. Allerdings auf höchstem satirischem Niveau und vollkommen ohne die geringsten Brauntöne.

Dass braunes Denken und nationalsozialistisches Gedankengut sich wieder zu einer Modeerscheinung, nein, falsche Wortwahl, zu einer gesellschaftlichen und politischenHerzlich willkommen auf der Heimseite der Front Deutscher Äpfel Bamberg. Hier erfährt der treue Kamerad oder Sympathisant der Apfelfront, der einzig wahren nationalen Kraft Deutschlands und der Welt, alles Wissenswerte über die Aktionen der Bamberger Ortsgruppe der Apfelfront. Extrembelastung entwickelt hat, sowohl im realen als auch im virtuellen Leben, mag die meisten von uns nicht überraschen. Doch aus den bis vor wenigen Jahren leicht zu erkennenden Nazi-Indikatoren, also etwa Bomberjacke, Kurzhaarschnitt oder Glatze, Springerstiefel der in Reih und Glied (mittlerweile natürlich vielfach auch ohne Glied) Marschierenden oder nazionalsozialistischen Emblemen und Ormamenten mit Wiedererkennungswert auf zahlreichen Internetseiten der rechten Szene und welche anderen Klischees von dieser ideologischen Klientel auch immer bedient wurden und werden, haben die klugen (auch diese Wortwahl stellt in diesem Zusammenhang einen Affront sondergleichen dar) Köpfe von NPD und Co ein oftmals schwer zu durchschauendes Netzwerk und weitverzweigtes Konglomerat an unverfänglichen Webseiten, extrempolitisch nicht vorbelasteten AnhängerInnen und sogar höchstwillkommenen Themen wie Umwelt- oder Tierschutz gewebt. Wer sich z.B. einmal, wie ich es in meinem Beitrag „Grünes Handeln – braunes Denken“ getan habe, mit den Internet-Verkaufsseiten (bewusst KEINE namentliche Nennung oder Verlinkung dieser Projekte) einer Bente Strauch befasst, wird auf den ersten Blick nichts Verdächtiges, Anrüchiges oder gar Verbotenes entdecken können. Wer glaubt, dass Umweltbewusstsein, Naturschutz und grünes Denken und ebensolches Handeln nur aus der Intention betrieben wird, den fortschreitenden Klimawandel aufzuhalten, sollte sich einmal mit den äußerst interessanten Ausführungen von Prof. Dr. Hubertus Buchstein zu den neuzeitlichen Ansätzen dieser braunen Ökologie befassen, welche unter dem Deckmantel der Umwelt in eigener rechter Sache die eigenen Ziele vorantreiben. Wer sich die von der Grande Dame Barbara Rosenkranz (FPÖ) gestaltete Einladungskarte für das Highlight gesellschaftspolitischer deutschtümelner Front Deutscher Äpfel (FDÄ): Der elektronische Wiederdruck des traumhaft schönen Ölgemäldes eines Sympathisanten zeigt einen unserer Frontsoldaten. Ideal zu gebrauchen als Hintergrundmotiv für den virtuellen Schreibtisch.Zusammenkünfte oder kurz Sonnwendfeier ansieht, wird sich möglicherweise die Frage stellen, was denn dort ein Bild eines nationalsozialistischen Kalenderblattes dort zu suchen hat („Barbara Rosenkranz lädt zur Sonnwendfeier„).    

Natürlich wurde gegenüber der Initiative Front Deutscher Äpfel oder Apfelfront auch schon Kritik laut. Manche sehen in dieser Art überhöhter Zurschaustellung und schamloser Verwendung rechtsextremer Symbolik die Gefahr der Verwässerung. Einige argumentieren, dass durch solch bedenkenlose Wahl der Mittel die latente Gefahr des Rechtsextremismus verharmlost wird. Das öffentliche Auftreten, ähnlich jenem der „(r)echten“ Szene, lässt die Grenzen zwischen Schein und Sein verschwimmen und eine eindeutige Unterscheidung nicht mehr zu. Dass sich dabei das Lachen manches Mal nicht über die vollen Lippen traut, sondern wirkungslos im Halse stecken bleibt, mag richtig sein. Dass solcherlei Scherze nicht jederfraus und jedermanns Geschmack sind und oftmals unterhalb der Gürtellinie im Nichtverstehen versickern, lasse ich dahingestellt.

Doch genau dies soll Satire. Dass dabei nicht immer der prüfende erste Blick ungetrübt bleibt und eine Unterscheidung zwischen bitterer Wahrheit und satirischer Überspitzung dieser Wahl der Mittel und Gestaltung der FDÄ-Aktionen nicht einfach ist oder sogar von Außenstehenden aufgrund der beabsichtigten Täuschung vollkommen mißverstanden wird, ist sicherlich wohlüberlegtes Kalkül. Mit überspitzten Mitteln und den Stilformen der Übertreibung auf aktuelle Missstände hinweisen und mit der Wahl derselben Waffen das zu persiflieren, was eigentlich so unglaublich abstößig und viel zu ernst erscheint, um es wiederum nicht mit dem gebührenden Respekt zu behandeln. Der nach eigenem Bekunden „bestangezogenste, frisch geduschteste und best aussehendste schwarze Block aller Zeiten“ setzt sich natürlich über ethische Grenzen, moralische Barrieren und politische Grauzonen hinweg. Doch die Botschaften der „Front Deutscher Äpfel“ sind eindeutig und unmissverständlich. Ebenso eindeutig und unmissverständlich wie jene der braunen echten Front. Aber ich denke, besser frisch geduscht, eloquent bekleidet und mehr als gut aussehend in Reih und Glied mit der FDÄ marschieren demonstrieren als sich die Finger mit braunem Unrat dreckig zu machen.   


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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