WikiWoods: Das Internet pflanzt sich fort



Hände weg von der Tastatur und rein ins Erdreich

WikiWoods ist ähnlich wie Wikipedia als Plattform angelegt. Sie soll verschiede Akteure zusammenbringen und ihnen die Möglichkeit geben, sich in Gruppen zu organisieren und in ihrer Heimatregion Wald-Projekte durchzuführen. So können sich begeisterte Klimaschützer und Hobbypflanzer mit Förstern und anderen Umweltgruppen zusammenschließen.So, nachdem ich ja nun wieder, als Amazon kundenkontoloser Mensch sozusagen, mehr Zeit in den real existierenden Buchhandlungen verbringen darf, um meine zarten Hände über Buchdeckel gleiten zu lassen und dem wirklichen Rascheln im Blätterwald zu lauschen, bietet dieses natürliche Grundrauschen die Möglichkeit, über eine Initiative zu berichten, welche ich bisher schreibenderweise vernachlässigt habe. WikiWoods nennt sich das Ganze, hat weder mit Herrn Assange zu tun oder mit sonstigen Auslieferungsanträgen. Nein, hat es in gewisser Weise schon. Denn die Wiki der Wälder der Bäume nimmt sich die Wiki für Lecks und undichte Kanäle zum Vorbild, um auf eigene Veranstaltungen aufmerksam zu machen, Akteure zusammenzuführen und diese über heimatnahe Aufforstaktionen zum gemeinsamen Handeln zu bewegen.

Was selbstverständlich nicht bedeutet, dass länderübergreifendes klimaschützendes Tun und Agieren zwischen Jung und Alt nicht möglich wäre. Vielleicht einmal für genervte LehrerInnen eine willkommene Abwechslung, die von den genervten Lehrkörpern genervten Schulklassen an die frische Luft zu setzen (gemeinsam mit diesen natürlich) und dort nervenschonend die Waldbestände mit den EigentümerInnen aufzuforsten. Und wahrscheinlich gibt es den einen oder anderen professionellen Waldmenschen, manche würden nun etwas respektvoller Försterin, Biologe oder Mitarbeiter einer Nationalparkverwaltung bzw. von Umweltschutzorganisationen dazu sagen, welcher freiwillig helfenden, grabenden und pflanzenden Hände auch gerne dieselbe persönlich schütteln würde.  

Denn die Plattform sucht immer freiwillige HelferInnen, welche sich Mutter Natur ausliefern wollen, die wiederum, wie wir mittlerweile alle wissen, von Vater Staat meist sträflich vernachlässigt wird. Auch wenn der für die Umwelt zuständige EU-Kommissar Janez Potočnik erst unlängst betont hat, dass Umweltschutz und Wirtschaft miteinander verheiratet gehören. Mag möglicherweise aber auch daran liegen, dass sich Vater Staat in seiner politischen Funktion oder sogar Trauzeuge eben nicht für diese Elefantenhochzeit verantwortlich sieht und deshalb seine väterliche Aufgabenstellung nur stiefmütterlich betrachtet.

Und so bleibt es eben wieder einmal einer freiwilligen Initiative überlassen, im Falle von WikiWoods aus Berlin, die Aufgaben des politischen Elternteils zu übernehmen und sich selbst um die Belange des Klimaschutzes zu kümmern. Im wahrsten Sinne handgreiflich, denn schließlich finden sich hier interessierte und in erster Linie ehrenamtliche KlimaschützerInnen ein, welche in Eigenverantwortung die mehr und mehr kahlen Stellen naturnaher Wälder wieder mühsam aufforsten. Ich habe zwar auf meinem Blog in den letzten Monaten schon desöfteren gerade über kinderfreundliche Plattformen, Projekte und Initiativen im Sinne des Klimaschutzes berichtet (Kinderwald.de, Welios oder nicht zuletzt auch Onlinespiele im Sinne der Nachhaltigkeit auf Umweltspiele.ch) und WikiWoods soll deshalb auch nicht explizit die nächste Generation umweltbewusster Menschen ansprechen. Aber ein bisschen „um die Hecke denken“ könnte dem jungen Gemüse sicherlich ganz brauchbare Vorstellungen und Erkenntnisse von Mutter Natur vermitteln. Und sei es für den Anfang nur diejenige, dass die Bäume unseren wertvollsten CO2-Speicher darstellen.

Per Klick in den Wald macht auf dem eigenen Youtube-Channel vielleicht am besten deutlich, wie WikiWoods funktioniert und vor allem, welche aktuellen Projekte, erfolgreich abgeschlossenen Pflanzaktionen und selbstverständlich auch Anleitungen, wie z.B. ein Baum richtig gepflanzt wird, machen hoffentlich Lust auf mehr frische Luft. Da ich als erwachsenes Kind des Internets weiß, wie gewöhnungsbedürftig dieser Wechsel jedoch ist, hier also einmal ein kleiner Vorgeschmack.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen