Blubbernde Blasen und andere unangenehme Blähungen



Von gelöschten Kundenkonten und ungenutzten Durstlöschern

Eigentlich hätte ich nicht gedacht, mich in der Causa „Angst bei Amazon“ so schnell wieder zu Wort zu melden, um neue blubbernde Blasen zu verbreiten. Doch bereits am heutigen Vormittag lag eine Email des Online-Anbieters auf meinem virtuellen Schreibtisch.

Gesendete Einwiligungserklärung von Amazon an Paul Boegle zur vollständigen Löschung des Kundenkontos.

Dann folgen noch einige Erklärungen, was die Löschung des Kundenkontos eben so mit sich bringt oder eben so nicht mehr mit sich bringen wird. Und letztendlich wünschtPaul Boegle: Über blubbernde Blasen, gelöschte Amazon-Kundenkonten und ungenutzte Durstlöscher. mir das Amazon-Team sogar noch einen angenehmen Tag. Was natürlich unweigerlich irgendwelche abgründigen Assoziationen an eine Biermarke weckt. Mein Gott (als Atheist eigentlich schon frevlerisch), was bin ich werbegesteuert, wenn mir jetzt schon beim Lesen einer einfachen Grußformel der Sinn nach Alkohol steht. Aber nein, ich unterdrücke meine unterschwelligen Gelüste nach Bier und behalte weiterhin einen klaren Kopf.

Also drucke ich geschwind aus, was eigentlich nur anzukreuzen wäre und kreuze geschwind, was ausgedruckt nun vor mir liegt. Dann scanne ich im Höllentempo, was erst geschwind ausgedruckt zum Ankreuzen vor mir lag und ebenso geschwind dann nach erfolgtem angekreuztem Ausdruck wieder eingescannt als nichtgedruckt auf meinem Laptop liegt. Ich hoffe, Sie können mir folgen? Wenn nicht, Sie wissen schon, ein schöner Tag und so weiter machen das Leben erträglicher. Als Mensch, welcher im gesamten Jahr 2011 ein einziges kleines Bier (gemeinsam mit der allerbesten Gattin, also wie immer meiner geliebten Ehefrau) konsumiert hat, ist dies wohl ähnlich blasphemisch und von gar frevelhafter Art wie jenes „Mein Gott„. Doch das wissen Sie bereits.

So weit, so gut. Wie weiter? Ein kurzes Begleitschreiben in der wortwörtlichen Art von:

Im Anhang schicke ich Ihnen meinen ausdrücklichen Wunsch nach Löschung meiner sämtlichen Daten nebst aller bei Ihnen angelegten Kundenkonten mit meiner Unterschrift.
Noch eine kleine Randnotiz zu Ihrem Motto „Unser Ziel: das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt zu sein.“
Kundenfreundlichkeit sollte meines Erachtens auch die Intention und Zielsetzung der ArbeitgeberInnen beinhalten, die für das jeweilige Unternehmen tätigen MitarbeiterInnen mit dem gebührenden Respekt zu behandeln, welches sich in meinen Augen in den damit verbundenen zugrundeliegenden Arbeitsbedingungen und entsprechendem Arbeitsumfeld, gemeinhin auch Betriebsklima genannt, äußert. Solange hier Mißstände vorliegen, welche an die Öffentlichkeit dringen und nicht glaubhaft durch entsprechende Verbesserungen und Behebung dieser Diskrepanzen zwischen gegebenem Ist-Zustand und wünschenswerten Soll-Zustand nachdrücklich und nachhaltig behoben werden, wird ein verantwortungsvolles Unternehmen dieser Zielsetzung „Kundenfreundlichstes Unternehmen“ nicht näherkommen. Ich, und sicherlich auch viele andere konsumkritische Menschen, würde mir also wünschen, wenn in naher Zeit die positiven Meldungen über Amazon jene derzeitigen Negativschlagzeilen übertreffen werden.
Bis dahin wünsche ich ebenso einen angenehmen Tag
Paul Boegle

So, nachdem es nun virtuell Zisch gemacht hat, könnte ich mir ja einen genehmigen. Nein, verdammt, die nächste Email trudelt ein, schleicht leise aus den Tiefen der Bites und Bytes daher und nistet sich auf meinem virtuellen Schreibtisch ein. Absender: Solidar Suisse. Lasziv räkelt sie sich vor mir, dreht und wendet sich wohlig lüstern und sagt leise: „Nimm mich!“ Na gut, denke ich mir zwischen den dauergeilen synaptisch gespaltenen und zwiegespaltenen Bites und Bytes meiner Plasmamembranen oder was auch immer für das Denken im von Nietzsche kontaminierten Oberstübchen verantwortlich ist, hindurch. Dass die allerbeste Gattin, also immer noch meine geliebte Gattin, gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist, erleichtert den internetten Seitensprung mit oder besser über George Clooney natürlich wesentlich und vorsichtig und heimlich, still und leise, langsam und bedächtig oder welche Eigenschaften ich auch sonst so abseits der Nervenendungen an den Tag lege, öffne ich die Email.

Guten Tag Paul Boegle

„Clooney will seinen demnächst auslaufenden Werbevertrag für die Nespresso-Kapseln nur verlängern, wenn Nestlé ihm sowie gegenüber „Solidar Suisse“ nachweist, dass die Arbeiter auf den Kaffeeplantagen nach den Kriterien des fairen Handels bezahlt und keine Kinder unter 18 Jahren beschäftigt werden“, meldet die deutsche Tageszeitung . Lieber George, wir finden das super. Falls sich diese Meldung bestätigt, ist dies ein grossartiger Erfolg – vor wenigen Wochen hätten wir das noch nicht für möglich gehalten.

Herzlichen Dank an alle, die unsere Kampagne unterstützt haben!

Und selbstverständlich der Hinweis, dass sich Herr „George Clooney und das Kaffeekochen“ in der taz ein Stelldichein geben. Gut, ich lasse dieses nun unkommentiert, verzichte auf weitere dumme Fragen und stelle deshalb für heute einmal das bloggende Mikrofon ab. Und jetzt? Ein Bier? Nein, seltsamerweise steht mein Sinn plötzlich nach Kaffee. What else? Vorläufig nichts mehr. Doch, eines noch. Wenn Sie Wiesenhof vermissen. Es gibt nichts Neues. Auf dem gackernden Newsroom irgendwelche virtuellen Eier über ein vielversprechendes Konzept in Sachen alternatives Haltungskonzept. Mit Datum 21.10.2011 eingestellt, also nicht mehr wirklich prickelnd frisch und deshalb ohne Zisch.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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