Bio Natur - Der Weblog

30.11.2011

Bankrolling Climate Change: Dicke Kohle mit Kohlekraft

Abgelegt unter: Erneuerbare Energie — Paul Boegle @ 22:50


Die unglaubliche Verwandlung von CO2-Strömen in kolossale Geldströme

Dass solch ehrenwerte Finanzinstitute in einer humanen Welt der finanziellen Menschenrechte und globalen Bankgeheimnisse wie etwa die Deutsche Bank, die Commerzbank oder auch die stillen, (un)heimlichen Sparkassen und lautlosen Raiffeisenbanken ihre finanziellen Investitionsspuren bis in die hintersten verstrahlten Winkel atomarer Energie- und damit einhergehender eigener Geldströme ziehen, hatte ich ja schon vor Monaten unter “Nukleare Banken: Das atomare Bankgeheimnis. Wie nuklear ist meine Bank?” geschrieben. Doch dass sich neben InvestitionenBankrolling Climate Change. Studie von Profundo zum Investitionsvolumen von Banken in Kohlekraft. CO2-Emissionen werden in Milliardenhöhe durch Kreditinstitute finanziert. in Atomkraft auch dicke Kohle mit der Finanzierung von Kohlekraft machen lässt, bleibt dabei ein ebenso gut gehütetes Geheimnis und wird hinter den dichten Kohledioxid-Schwaden meisterlich vertuscht. Eine Studie namens Bankrolling Climate Change kommt sogar jetzt, passend zum Weltklimagipfel von Durban, zu dem Schluss, dass eben jene ehrenwerteste aller ehrenwerten Financiers mit Namen Deutsche Bank weltweit einen hervorragenden sechsten Platz einimmt, wenn es darum geht, mehr Geldsaft aus Kohlekraft zu pressen. Mit einem Investitionsvolumen von doch stattlichen 11,477 Milliarden Euro seit dem Jahre 2005 reiht sich der deutsche Finanzriese dicht hinter Barclays, Morgan Stanley und der Nummer 1 JP Morgan, welche mit 16,5 Milliarden aus den CO2-Emissionen ordentlich Dampf macht.

Das niederländische Beratungsunternehmen Profundo hat in die Studie “Bankrolling Climate Change(bei Klick auf nebenstehendes Schaubild) dabei nicht nur jene direkten und offensichtlichen Investitionen der Kapitalgeber mit einfließen lassen, sondern in die Berechnungen ebenfalls die indirekten und an der “Der Klimawandel erfordert entschlossenes Handeln – auch von Seiten der Finanzwirtschaft. Als Deutschlands zweitgrößtes Finanzinstitut nimmt die Commerzbank ihre unternehmerische Verantwortung für den Klimaschutz sehr ernst und engagiert sich gezielt für Erneuerbare Energien und zukunftsweisende klimafreundliche Produkte.” Behauptet die Commerzbank von sich und investiert Milliardenbeträge in Kohlekraft.Öffentlichkeit vorbeiziehenden unsichtbaren Rauchschwaden bewertet (siehe Bankrolling Climate Change: Hintergrundinformationen zur Studie). Doch wenn Sie sich, so wie ich es getan habe, einmal die Mühe machen, auf den verschiedenen Webauftritten der ach so umweltbewussten Banken vorbeizuschauen, werden Sie neben viel anderer heißer Luft solch hübsche Sätze und schön formulierte Phrasen z.B. von der Commerzbank lesen, welche trotz über vier Milliarden Investitionsvolumen die Chuzpe hat, von sich zu behaupten: “Der Klimawandel erfordert entschlossenes Handeln – auch von Seiten der Finanzwirtschaft. Als Deutschlands zweitgrößtes Finanzinstitut nimmt die Commerzbank ihre unternehmerische Verantwortung für den Klimaschutz sehr ernst und engagiert sich gezielt für Erneuerbare Energien und zukunftsweisende klimafreundliche Produkte.” Klicken Sie einfach auf die entsprechenden Screenshots zum Vergrößern, damit auch Sie besonders große Augen bekommen.

Oder von der HypoVereinsbank können Sie zu lesen bekommen, “inwieweit Banken mit dem Klimawandel in Berührung kommen und sich dafür einsetzen, diesen HypoVereinsbank: Banken im Klimawandel. Was haben Banken mit dem Klimawandel zu tun? Diese Frage stellt sich Paul Boegle genauso.aufzuhalten. Wir als HypoVereinsbank können bei der Realisierung klimafreundlicher Projekte mitwirken. Denn der Klimawandel ist für uns nicht nur ein bereits florierendes Geschäftsfeld, sondern auch ein ethisches Anliegen.” Dass sich die Hypo des nichtssagenden Wortes “können” bedient, zeigt einmal mehr als deutlich, was von solchen Formulierungen zu halten ist und welche Aussagekraft dahintersteckt. Die vollmundige Überschrift “Banken im Klimawandel” hat natürlich dementsprechend ihre vollste Berechtigung und verweist zumindest auf Tatsache, dass die Förderer von Kohlekraft wenigstens wissen, womit sie ihr Geld verdienen. Dass sie dabei auf Seite 12 des Papiers von sich geben, dass sie “Die Umwelt als kostbare Ware - so kann man den Grundgedanken des Emissionshandels beschreiben” betrachten, hat in ihrer Doppeldeutigkeit schon sarkastische Züge.

Die Deutsche Bank setzt dem ganzen finanzierten Klimawandel sogar noch ein Tüpfelchen CO2 drauf und bezeichnet sich unglaublicherweise als “Klimabotschafter“, der das BewDie Deutsche Bank investierte seit 2005 mehr als 11 Milliarden euro in Kohlekraft und bezeichnet sich als “Klimabotschafter”: “Bewusstsein schaffen. Wir nutzen unsere globale Präsenz und unsere weltweiten Netzwerke, um das Bewusstsein für die fortschreitende Erderwärmung zu schärfen.”usssein für die fortschreitende Erderwärmung schärfen möchte und wortschwallreich finden sie tatsächlich noch die Zeit und vor allem die Kraft, neben den 11,5 Milliarden in Kohlekraft steckenden Euros “geeignete Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels benennen, fördern und aktiv unterstützen” zu wollen.

Beruhigend dabei ist sicherlich, dass von den 93 untersuchten Instituten immerhin 20 aus Deutschland kommen und auch Österreich mit der Erste Bank auf Platz 36 und die Raiffeisen Zentralbank auf dem 72. Platz mischen kräftig mit im Spiel der großen Kohleförderer zur Förderung der großen Kohle. Da gewinnt der Begriff Emissionshandel doch gleich wieder eine völlig neue Bedeutung. Oder wie die Studie “Bankrolling Climate Change” auf Seite 17 zu folgendem und wenig überraschenden Ergebnis kommt: “Nothing but Hot Air“. 

29.11.2011

This Human World: Filmfestival der Menschenrechte

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 00:20


Die Rechte der Menschen im visuellen Mittelpunkt

Da ich mich gestern selbst mit “Über-Fluss” mehr über- als unterschwellig in den Mittelpunkt des Interesses stellte und Werbung in eigenem Namen machte, machen wir heute gleich weiter. Doch ich denke, dass dieses Rühren der Werbetrommel heute eine lässliche oder sogar unerlässliche Sünde darstellt.

Bereits zum vierten Mal sind die Menschenrechte zu Gast in Wien. Böse Zungen werden jetzt nicht zu Unrecht behaupten, dass dies sogar wortwörtlich zu verstehen sei. Nun, lassen wir in diesem speziellen Fall die schöne blaue Donau einmal links und vor allem ganz rechts liegen, stimmt diese Hypothese natürlich nicht zur Gänze. Denn vom 30. November bis zum 10. Dezember 2011 zeigt sich Wien zumindest visuell von seiner besten menschenrechtlichen Seite. Denn im Rahmen des Filmfestivals für Menschenrechte Bereits zum vierten Mal findet dieses Jahr vom 30. November bis 10. Dezember das Internationale Filmfestival der Menschenrechte this human world statt. In insgesamt fünf Wiener Kinos werden an den elf Festivaltagen die Rechte des Menschen in den Mittelpunkt gestellt, visuell als auch in Form von Publikumsdiskussionen & Vorträgen. Auf dem Programm stehen auch dieses Jahr wieder über 80 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme, zum größten Teil Österreich-Premieren,  die ein klares Ziel haben: die Augen zu öffnen - auch außerhalb des Kinosaals.This Human World” (bei Klick auf das Schaubild) erwarten die BesucherInnen nicht nur über 80 Spiel-, Kurz-, und Dokumentarfilme zum Thema Menschenrechte, sondern begleitend dazu auch Diskussionsrunden und Gespräche mit den Regisseurinnen und Filmschaffenden hinter der Kamera sowie natürlich auch ProtagonistInnen vor derselben.

Um vielleicht schon einmal ein bisschen Lust für das Festival aufkommen zu lassen, hier als Vorgeschmack für den schlechten Geschmack der Trailer von “War On Terror” von Sebastian J.F. (Kamera Doris Kittler) über die Bush-Regierung und deren Krieg gegen den Terror nach 09/11. Oder was eben der ehemalige US-Präident unter Terrorbekämpfung verstand.

Ungeschönt wird hier gezeigt, wie während der Bush-Regierung tausende unschuldige Verdächtige als „illegale Feindkämpfer“ verschleppt und gefoltert wurden. Ohne rechtliche Grundlage und ohne einen richterlichen Prozess werden wahllos Menschen auf der ganzen Welt beschuldigt, Mitglied einer Terrorzelle zu sein und von der CIA in Geheimgefängnisse, wie das in Guantánamo Bay gebracht.

Manfred Nowak, Professor für Völkerrecht und Menschenrechtschutz, Amy Goodman, US-Journalistin der Nachrichtensendung „Democracy Now!“ und Buchautorin, US-Historiker Alfred W. McCoy, sowie die beiden ehemaligen Guantánamo-Häftlinge Murat Kurnaz und Mustafa Ait Idr berichten detailgenau über die „erweiterten Verhörmethoden“ in den Gefängnissen und als Zuschauer bleibt einem nicht viel anderes übrig, als sich kopfschüttelnd die Frage zu stellen: Wie konnte das passieren?

Natürlich kann man an dieser Dokumentation immer kritisieren, dass sie leicht einseitig Sachverhalte schildert und die Gegnerseite kaum bis gar nicht zu Wort kommen lässt. Man kann es aber nicht besser begründen als Prof.Nowak: „Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten zugibt, Waterboarding angeordnet zu haben, selbst wenn es nur für die 15 Top Gefangenen war und dann noch sagt: ‚Ich würde es wieder so machen.’ Welche Beweise braucht es noch?(Quelle: Biorama “Mensch sein! Frei sein? – This Human World-Festival in Wien”).

Oder, um noch die offizielle Ankündigung zu “War Of Terror” aus dem Filmprogramm von “This Human World” zu zitieren, welcher am 05. Dezember 2011 im Gartenbaukino Weltpremiere feiert, sofern man in solch einem Fall überhaupt von Feiern reden sollte:

Wir sind jetzt ein Imperium. Wenn wir handeln, schaffen wir unsere eigene Realität. Und während ihr diese Realität studiert , so umsichtig und klug, wie ihr wollt, handeln wir wieder, schaffen neue Realitäten. Wir sind die Spieler … und ihr, ihr alle, euch bleibt nur zu untersuchen, was wir tun.“ (Führendes Mitglied der Bush-Administration). War on Terror zeigt, wie radikal diese Maxime von der Bush-Administration umgesetzt wurde. Das Außerkraftsetzen rechtsstaatlicher Prinzipien beim Umgang mit Gefangenen, die Unterwanderung des Propagandaverbots im eigenen Land, aber auch orwellsche Begriffskreationen wie „illegale Feindkämpfer“ oder „erweiterte Verhörmethoden“ bilden die Grundlage für die Dokumentation, welche 10 Jahre nach 9/11 mit den menschlichen Abgründen und dunklen Seiten der westlichen Sicherheitspolitik abrechnet.

Dass hier die erst kürzlich von mir kritisierte Schul-Realität über Pizza und Pasta, welches vom US-Repräsentantenhaus zu subventionswürdigem Gemüse umfunktioniert wurde, in den Hintergrund tritt und der vielfach beschworene Orwell’schen Verschwörungsgeist perfekt weichgekocht und butterzart inszeniert auf demokratischen Silbertabletts serviert wird und zusätzlich ein erstklassiger 1984er Jahrgang gut gelagert wieder aus den amerikanischen Kellergewölben für unbestimmte Zeit als bis an den Rand gefüllter Schierlingsbecher seine Runden in Form menschenleerer Drohnen über den Köpfen dieser kriegsverherrlichenden Menschheitsmaschinerie dreht, muss vielleicht angesichts solcher und ähnlicher Dokumentationen mit vollkommen anderen Augen gesehen werden. Denn scheinbar hielt Präsident Bush und seine Treuen dies doch nur alles für ein großes Spiel, welches hart an der Realität vorbei für einige Lacher gesorgt haben dürfte. Nun ja, diese Art von amerikanischem Humor ist natürlich nicht jederfraus und jedermanns Sache. Meiner sicherlich schon gar nicht. Da hat nicht einmal mehr das Lachen seinen angestammten Platz, um im Halse stecken zu bleiben.

27.11.2011

Anti-Konsum Künstlerwettbewerb

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 11:29


ArtCollectorsClub: “Kauft Ihr noch oder denkt Ihr schon?”

Art Collectors Club Künstlerwettbewerb Anti-Konsum. Paul Boegle: “Über-Fluss”. Der Mensch als körper- und gliederloses Wesen. Enthauptet, aber gierig den eigenen Blick und das eigene Denken nur auf den stetigen Geldstrom fixiert, steht er als einsames Wesen im von allen scheinbar so unwichtigen Dingen im Raum.

Dass Lob und Applaus das Brot des Künstlers sind, mag nicht neu sein. Dass dieses Brot nur ein verschwindend geringer Bestandteil unseres Daseins ist, dieser Applaus vergänglich ist und schnell und lautlos auf den Schwingen des großen, schwarzen Vogels hinein in eine neue Zeit, in eine neue Welt getragen wird und unter dem Gelächter der Nachfolgenden und dem ungläubigen Staunen der noch Lebenden verebbt, hat mir der großartige Ludwig Hirsch jetzt wieder einmal selbst vor Augen geführt. Deshalb nutze ich diese mir noch zur Verfügung stehende Zeit, bevor auch mir dieser feuchte, kalte Schnabel auf die wunde und heiße Stirn gepresst wird, um mein neuestes Werk “Über-Fluss” im Rahmen des Anti-Konsum Künstlerwettbewerbes des ArtCollectorsClub auf meinem Blog vorzustellen.

Auf die Idee, an diesem Künstlerwettbewerb selbst teilzunehmen, hat mich eigentlich Peter Marwitz von Konsumpf Lesetipps: Danke, KiK! | H&M | Künstlerwettbewerb Anti-Konsum | Deutsches Fleisch gebracht. Und so soll dieser Beitrag natürlich und in erster Linie dazu dienen, mein eigenes Werk (siehe z.B. Der Terror der Dinge oder Früchte des Zorns) auch dementsprechend würdigen zu lassen. Was nichts anderes bedeutet, als dass ich mir eigentlich komplett selbst widerspreche und meinen Blog dazu benutze, das permanent zu verdammende Marketing und die Mechanismen der Werbung zu eigenen Marketingzwecken zu missbrauchen. Dass dieses Unterfangen, mich nun ins höchste und allerschönste Licht allgegenwärtigen Konsumwahns zu stellen, höchst ambivalent ist, dessen bin ich mir selbstverständlich bewusst.

Bewusst bin ich mir allerdings auch, dass all jene, welche ihre eigenen Werke auf der ArtCollectorsClub Voting Gallery präsentieren, ebenfalls ausgezeichnete Anti-Konsum-Arbeiten und künstlerische Werke zu diesem Thema abgeliefert haben. Dass dementsprechend alle um die Gunst des Publikums buhlen, liegt somit in der Natur der Sache, der Natur des Menschen und ist als Konklusion aus diesen beiden Dinge rein menschlich gesehen die natürlichste Sache der Welt.

Welche Intentionen verbinde ich nun mit meinem eigenen Werk? Wer viel Zeit zum Lesen hat, möge sich die damit zugrundeliegende und ausführliche Beschreibung auf ArtCollectorsClub: Paul Boegle presents his work “Über-Fluss” zu Gemüte führen. Es wäre meiner Meinung nicht sinnvoll, wenn ich jetzt noch einmal all jene Gedanken und Ideen hier und heute wiederholen würde, da ich als Teil dieser Konsumgesellschaft gelernt habe, dass Marketing und Werbung möglichst ohne Umschweife zum Kernpunkt kommen soll. Und in diesem Falle bedeutet dies nichts anderes als ein Heischen um Aufmerksamkeit und hier speziell ein Buhlen um Facebook-Gefallen. Schließlich bin auch ich ein korruptes und verdorbenens Kind dieser (Wegwerf)Gesellschaft.

Aber, wie bereits geschrieben: Auch alle anderen freuen sich selbstverständlich um ein bisschen Aufmerksamkeit. Wer sich also mit meinem Werk nicht anfreunden kann, ArtCollectorsClub: This is the Voting Gallery for our Anti-Consumerism themed Art Contest. Which artwork fits the idea of Anti-Consumerism best? Which artist would you like to see more of? Please vote for your favorite artists! Paul Boegle presents his work “Über-Fluss”.möge zumindest ihre/seine Stimme im Rahmen dieses sicherlich etwas ungewöhnlichen Wettbewerbes trotzdem vergeben. Denn der große, schwarze Vogel lauert hinter jeder Ecke und beobachtet uns mit Argusaugen, bevor er sich aufmacht, die Nächsten von uns zu holen. Also drücken Sie doch vorher noch ein Auge zu und stimmen Sie ab. Alle eingereichten Werke finden Sie bei Klick auf das rechte Schaubild. Nur den Vogel nicht. Denn der sitzt hinter Ihnen und schaut Ihnen unbemerkt über die Schulter. 

25.11.2011

Ludwig Hirsch: Der große, schwarze Vogel kam endgültig

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 08:30

Danke für viele dunkelgraue Stunden und noch mehr dunkelgraue Lieder

In memorian Ludwig Hirsch. Paul Boegle sagt danke für viele dunkelgraue Stunden und noch mehr dunkelgraue Lieder. Der große, schwarze Vogel kam nun endgültig.

24.11.2011

Deutliches Bildungsgefälle in Deutschland: Ein Spiegel-Bild

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 23:10


Der “Deutsche Lernatlas” der Bertelsmann-Stiftung genießt Sperrminorität

Nachdem wir ja alle gestern gemeinsam genug Spaß mit EU-Kommissar Günther Oettinger hatten, machen wir heute wieder in ernsthafter Bildung. Eigentlich hatte ich der Titelgeschichte “Wo die klugen Deutschen leben” der neuesten Ausgabe des Spiegel (Heft 47/2011) nicht allzu viel Beachtung geschenkt. Ganz ehrlich kannte ich die Titelstory bis vor kurzer Zeit noch gar nicht. Und höchstwahrscheinlich werde ich den Spiegel auch nicht lesen. Möglicherweise irgendwann beim Zahnarzt, sollte denn dann genau diese Ausgabe vorhanden sein. Schließlich stellt die teilweise Bildungsschieflage in Österreich und wohl auch Deutschland durch den bildungspolitischen PISA-Studien-Turm nicht wirklich eine Neuigkeit dar, welcher sich die Medien zur Füllung der leeren Blätter nicht nur im Sommerloch bedienen. 

Nun, aber jetzt schreibe ich also trotzdem darüber. Sogar wider besseren Wissens, schließlich habe ich immer noch nicht “Wo die klugen Deutschen leben” gelesen und zerbreche mir also meinen unwissenden Schädel über kluge und vielleicht auch weniger kluge Deutsche. Was mich gleichzeitig zu der Erkenntnis bringt, dass ein Zahnarztbesuch wieder einmal fällig wäre. Natürlich nicht, um dort den Spiegel zu lesen, sondern mich über den letzten Stand meiner Kariesbildung, sicherlich auch eine Art Deutscher Lernatlas 2011: Ergebnisbericht der Bertelsmann Stiftung.von Bildung, aufklären zu lassen, was jetzt zwar nichts mit jener gleichlautenden Epoche zu tun hat, aber erkenntnistheoretisch nicht unvorteilhaft ist. Weiterhin von Vorteil wäre es möglicherweise für Sie, wo Sie denn die von der Bertelsmann Stiftung herausgegebene Studie zum Deutschen Lernatlas 2011 finden. Unter Deutscher Lernatlas können Sie online schmökern oder bei Klick auf das nebenstehende Bild auf die Festplatte downloaden. Und noch eines: Die folgenden Quellen sind größenteils nur zur besseren Veranschaulichung aufgeführt. Doch den allerletzten Verweis in diesem Artikel lege ich Ihnen wirklich ans Herz.

Da ich aber nicht völlig unvorbereitet in mein bildungspolitisches Spiegel-Desaster rennen möchte, habe ich deshalb nach anderen Beiträgen gesucht, deren AutorInnen eben jene Titelgeschichte bereits zur Hand und wahrscheinlich auch schon gelesen haben. So las ich also im Wochenblatt, die Zeitung für alle: Lernatlas 2011 mit tollem Ergebnis für unsere Region. Erding unter den Top 10 der “klugen Deutschen”

Worum geht es? Die Bertelsmann Stiftung hat den „Deutschen Lernatlas 2011” erarbeitet. Dabei handelt es sich laut „Spiegel” um ein hochkompliziertes Werk, das aber enorme praktische Aussagekraft besitze. Weil nämlich, einfach ausgedrückt, Lernen „glücklich und reich” mache, sei das Abschneiden der insgesamt 412 Städte und Landkreise beim Bertelsmann-Atlas keineswegs nur eine statistische Randaussage. Sondern vielmehr ein wichtiger Parameter in Bezug auf tatsächliche Lebensqualität.

Die Analyse offenbart ein geradezu dramatisches Süd-Nord-Gefälle. Die Bertelsmann-Stiftung bilanziert: „Die schlechtesten Landkreise und kreisfreien Städte in Baden-Württemberg und Bayern” seien „immer noch besser als die besten Regionen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

oder in “Der Westen” lese ich unter “Revierstädte schneiden bei Bildungsranking schlecht ab” folgendes:

Bei den Bedingungen für gute Bildung hängt der Süden Deutschlands den Norden klar ab. Die schlechtesten Regionen in Baden-Württemberg und Bayern sind immer noch besser als die besten Regionen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Dies zeigt laut “Spiegel” der “Deutsche Lernatlas 2011″ der Bertelsmann-Stiftung. Der FDP-Bildungsexperte Heiner Kamp forderte angesichts der Ergebnisse, die Bildungspolitik müsse besser koordiniert werden.

Unter der Überschrift “Im Norden herrscht große Leere” findet sich folgender Inhalt:

Die Lern- und Lebensbedingungen für Schüler in Deutschland sind sehr uneinheitlich. Am besten lernt es sich im Main-Spessart-Kreis, nördlich des bayerischen Würzburg. Die schlechtesten Bedingungen herrschen dagegen in der Stadt Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. Das zeigt der „Deutsche Lernatlas 2011“, den der Spiegel am Montag veröffentlicht hat.

Um eine erste deutsche Übersicht in dieser Form zu schaffen, hat die Bertelsmann-Stiftung Deutschland in 412 Kreise und kreisfreie Städte zerlegt. In ihrer Bewertung stützte sie sich auf den Unesco-Bericht zur „Bildung für das 21. Jahrhundert“, der 1996 vier Bereiche des Lernens definierte: das schulische, das berufliche, das soziale und das persönliche Lernen. Die Qualität dieser Bereiche misst der Atlas an verschiedenen Kategorien, unter anderem an der Lernkompetenz der Grundschüler im Lesen, der Zahl der Klassenwiederholer, den Schulabgängern mit Abschluss, der Teilnahme an beruflicher Weiterbildung, der Arbeitslosigkeit, dem Engagement der Bürger für das Gemeinwohl, für Ältere, Kinder und Jugendliche. Dazu kommen die Wahlbeteiligung, die Nutzung von Bibliotheken, oder die Zahl der Museumsbesuche.

Was haben diese und viele weitere Quellen gemeinsam? Sie berufen sich alle auf eben jenen Leitartikel im Spiegel Heft 47/2011. Was dort jedoch nicht geschrieben steht, aber abseits solch sicherlich interessanter Berichterstattung auch gut zu wissen wäre und vor allem gut zu wissen ist, steht in Der Spiegel vermarktet die Bertelsmann Stiftung – „Deutscher Lernatlas“ stellt den Zusammenhang von Bildung und Wohlstand auf den Kopf. Da bekommt der Begriff Nord-Süd-Gefälle doch gleich eine ganz andere schiefe Optik und gerät unmerklich auf die schiefe Bahn.

23.11.2011

EU-Kommissar Günther Oettinger: Im Westen nichts Neues

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 08:42


Ein Politiker mit Sprachwitz, Ortskenntnissen und Blick für das Wesentliche

Wenn ich in meinem letzten Artikel “USA: Pommes und Pizza bleibt Gemüse - Basta!” flehentlich um den Beistand der Exekutive bat, muss ich heute diese leichtfertig ausgesprochene Bitte sogleich wieder zugunsten des EU-Kommissars für Energie revidieren. Ich hatte Günther Oettinger zum letzten Male in meinem Beitrag “Günther Oettinger: Energiepolitische Visionen” namentlich erwähnt. Das war im Mai 2011, also doch schon eine geraume Zeit her. Dass ich den EU-Politiker jetzt wieder irgendwie zwangsläufig und notgedrungen erwähne, hat dabei weniger mit neuen Visionen zu tun, sondern eher schon mit sprachlichen visionären Finessen vom Schlage eines Dichterfürsten mit politischem Ritterschlag. Andere würden dazu möglicherweise mit poetischem Tiefschlag sagen, aber wahren wir eben die Form der Form halber. Bitten seien Sie mir jetzt nicht böse, denn dies soll alles andere als diskriminierend und vor allem nicht frauenfeindlich sein, aber mit dem EU-Kommissar im Gepäck an der Endhaltestelle jedes x-beliebigen Durchgangs-, Kopf- oder auch Hirnbahnhofs wird jeder Blondinenwitz zur absoluten Nullnummer.

Der Herr über europäische Energie und energetische Sprachschätze war zu Gast im Freiburger Audimax. Was an sich ein gutes Mittel ist, sich als politischer Kopf mit Hirn durchgängig am allgemeinen Diskurs mit weniger behirnten und auf Durchzug geschalteten Köpfen über Gott, die Welt und natürlich auch mehr oder weniger brisante energiepolitische Fragen zu unterhalten. Dort diskutierte er, so weit, so gut, mit Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer über das entgleiste Streitprojekt Stuttgart 21. Und dann? Dann unterhielt Günther Oettinger einfach nur noch. Denn es kamen jene Sekunden dahergebraust, welche aus einem Politiker einfach einen Spitzenpolitiker machen, welcher einfach das Zeug und die Gabe hat, auch über den Tellerrand hinaus zu sehen und tief in den Westen Europas bis hin zum fernen Atlantik zu blicken. Ohne mit der Wimper zu zucken. Denn was die normale Hausfrau und der ungebildete Blogger von nebenan nicht weiß, nicht einmal wissen können, weil eben umgebender Kopf und eingebende Gehirnmasse keine synaptische Symbiose bilden, wird dank des EU-Kommissars zur leuchtend einfachen Erklärung, weshalb sich westlich von Paris bestimmte Säugetiere auf zwei Beinen einfach nicht mehr aufhalten können. Die Erklärung ist zwar relativ simpel, aber erst durch ein energiepolitisches Genie macht die Sache dann auch Sinn. Da vergeht einem förmlich Hören und Sagen. Also hören Sie ganz einfach, was Herr Oettinger sagt. Und wer dann noch einmal sagt, dass es im Westen  nichts Neues gibt, sollte vielleicht öfter mit der Eisenbahn fahren.

Natürlich geht es noch besser. Zum Beispiel dann, wenn sich Herr Oettinger herablässt, die Umwelt mit perfektem Englisch zu unterhalten. Und wenn Sie dann noch immer nicht wissen, dass “umbrella” eben “umbrella” und nicht “umbrella” ausgesprochen wird, sollten Sie möglicherweise überlegen, ob Sie in Zukunft nicht einfach in Ihrer deutschen Muttersprache reden sollten. Glauben Sie mir, es ist besser für Sie. Denn in Günther Oettingers “homeland Baden-Württemberg we are all sitting in one boat.” Phänomenal, so eine Energiepolitik. Da macht sogar die Klimakatastrophe richtig Spaß.

Und nun noch zum Abschluss ein paar Minuten NDR und das kleine Einmaleins gepflegter englischer Konversation. Mit Folge 2102 oder “Telekolleg: Englisch für Oettinger”. Aber dann soll es mit dem Energiekommissar auf höchster europäischer Ebene wieder einmal gewesen sein. Mindestens bis zum Mai 2012. Ich verspreche es hoch und heilig. Und für alle ausländischen LeserInnen auf meinem Blog: “I will promise it holy and moly!

 

21.11.2011

USA: Pommes und Pizza bleibt Gemüse - Basta!

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 22:10


Ernährungswissenschaftliche Erklärungsversuche made in USA

Manchmal bin auch ich versucht, laut schreiend und hilfesuchend zur Polizei zu rennen und zu bitten, entweder mich oder eben die anderen wegzusperren. Mit “die anderen” ist in diesem vollkommen hoffnungslosen Falle die amerikanische Legislative gemeint, welche von der Exekutive (welcher auch immer) möglichst schnell weg von der Strasse oder besser noch komplett aus dem US-Repräsentantenhaus geräumt werden sollte. Ich kann mich, um es heute wirklich kurz zu machen, erinnern, dass ich vor Pizza und Pommes werden in den USA per Gesetz zu Gemüse erklärt und bleiben in den Schulkantinen. Die Nahrungsmittellobby bekommt milliardenschwere Subventionen durch diesen Beschluss des US-Repräsentantenhauses.nicht allzu langer Zeit darüber berichtet hatte, dass Global 2000 ein verpflichtendes Bio-Angebot in Österreichs Schulen forderte, was aber angesichts des jetzt beschlossenen US-amerikanischen Gesetzeswerkes eigentlich völlig in den Schatten geworfen wird.

Denn die mächtigste Gesetzgebung der wohl mächtigsten Demokratie der Welt, sehe ich einmal vom mächtig demokratisch regierten China ab, hat sich für den mächtig übergewichtigen Demokratie-Nachwuchs im eigenen Lande etwas ganz besonders Leckeres ausgedacht und auch gleich in die Tat umgesetzt. Denn weil sich auf der allseits bei Beleibten so beliebten Pizza Tomatensauce befindet und Pommes aus Kartoffeln hergestellt werden, werden diese wertvollen Errungenschaften ernährungswissenschaftlicher Sonderklasse in den USA auch in Zukunft unter Gemüse eingestuft. Das Repräsentantenhaus hat allen Ernstes einen Gesetzesentwurf trotz massiver Widerstände durchgefressen oder durchgeboxt, welcher es möglich macht, Pommes frites und die italienische runde Scheibe mit allerlei Belag meist außerhalb veritabler “vegetables” (Gemüse) an den amerikanischen Schulen als gesunde Kost zu deklarieren und seltsamerweise auch zu subventionieren.

The final version of a spending bill released late Monday would unravel school lunch standards the Agriculture Department proposed earlier this year. These include limiting the use of potatoes on the lunch line, putting new restrictions on sodium and boosting the use of whole grains. The legislation would block or delay all of those efforts.

The bill also would allow tomato paste on pizzas to be counted as a vegetable, as it is now. USDA had wanted to only count a half-cup of tomato paste or more as a vegetable, and a serving of pizza has less than that.

Nutritionists say the whole effort is reminiscent of the Reagan administration’s much-ridiculed attempt 30 years ago to classify ketchup as a vegetable to cut costs. This time around, food companies that produce frozen pizzas for schools, the salt industry and potato growers requested the changes and lobbied Congress.

Dazu siehe etwa Huffington Post: “How Pizza Became A Vegetable Through The Magic Of Influence-Peddling” oder Washington Post: “Bill would label pizza a vegetable in school lunches“. Auf deutsch bedeutet dies also nichts anderes, als dass die Macht der Nahrungsmittelindustrie wieder einmal die fettigen Finger im Spiel hat und sich gegen die Ratschläge des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums und der ErnährungswissenschaflerInnen durchsetzen konnte. Denn weil die US-Regierung mit dieser Gesetzgebung bestimmt, welche Art von Mittagessen mit millionenschweren Subventionen bedacht wird, mussten die LobbyistInnen dieser Branchen eben handeln. Nur was eine gewisses Mindestmaß an Gemüse enthält, ist nach Meinung des Kongresses auch staatlich förderungswürdig. Also werden kurzerhand fetttriefende Pommes von höchster Stelle zur gesunden Kartoffel erklärt und die halbe Tasse Tomatensauce unter den Bergen von geschmolzenem Käse, reichlich Salz, Schinken, Salami und was der Fastfood-Teufel sonst noch auf die tiefgefrorenen Pizzen tagtäglich haut, bleibt als reinrassiges Gemüse aus der aufgetauten Hochleistungsstrecke übrig. Dass dabei die Gemüseproduzenten, welche sich auch ein großes Stück vom leckeren Subventionskuchen in den Schulen holen wollte, auf der Strecke bleiben, hat einen leicht zu erklärenden Grund: “School meals that are subsidized by the federal government must include a certain amount of vegetables,” the AP reports, “and USDA’s proposal could have pushed pizza-makers and potato growers out of the school lunch business.” It would have pushed vegetable growers into the business, but their lobbyists aren’t as powerful, it seems.

Ja, manchmal kommt es nicht nur auf die Kartoffelstärke an, sondern eben auch auf die Stärke und Schlagkraft der entsprechenden Lobby. Da bekommt der einstige Wahlslogan von Barack Obama “Yes, we can (eat what we can)!” doch gleich einen ganz anderen Beigeschmack. Dass “Die Presse” in ihrem Artikel “USA: Pizza und Pommes bleiben in den Schulkantinen” noch eine andere Rechnung aufmacht, gibt dem Ganzen nur die notwendige Würze. Denn in wirtschaftlich ungesunden Zeiten wie diesen, welche auch vor dem Land der unbegrenzten Kalorien nicht halt machen, heißt es, “die Abgeordneten und Senatoren seien von Lobbyverbänden überzeugt worden, dass das Vorhaben der Regierung den Schulen wegen hoher Gemüsepreise neue Milliardenkosten aufgebürdet hätte. Ein Schülergericht würde laut “New York Times” um 14 Cent mehr kosten, in fünf Jahren wären das Mehrkosten von 6,8 Milliarden Dollar.

Welche Mehrkosten allerdings durch solch eine verantwortungslose Politik auf die Regierung innerhalb der nächsten Jahrzehnte durch dieses jetzt beschlossene Gesetz in Form von Folgeerscheinungen wie Adipositas, Herz- und Atemwegserkrankungen, Diabetes und mehr zukommen werden, wollte wohl niemand über den fettigen Daumen schlagen. Und ich bin sicher, dass einige findige AnwältInnen dieses Entscheidung zum Anlass nehmen werden, im klagefreudigen Amerika viele zukünftige Patientinnen und Mandanten, welche jetzt noch tagtäglich Pizza und Pommes vor, während und nach dem Schulunterricht futtern, vor Gericht vertreten werden, um dann Millionenbeträge einzufordern.

Der von LobbyControl ausgelobte Negativpreis für undemokratische Lobbyarbeit in allen Ehren. Aber da kann sogar noch “good old Europe” in Sachen Lobbyismus noch einiges lernen. Natürlich auch nur dann, wenn die gierigen Mäuler hierzulande für einen kurzen Moment ihre Kaubewegungen einstellen, was natürlich nicht leicht sein dürfte.

20.11.2011

Wiener Polizeikalender 2012: HC Strache lässt grüßen

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 12:17


Exekutive Terminplanung an der schönen blauen Donau mit den Blauen

Manchmal schon recht seltsam, was sich so alles im schönen grünen Österreich im schönen rot-grün regierten Wien, welches bekanntermaßen an der schönen blauen Donau liegt und steht, so alles schön und gut abspielt. Irgendwie kunterbunter Klimawandel auf höchstem Niveau und sowieso. Oder sowieso eigentlich auch nicht, denn in diesem Fall wird weniger abgespielt, sondern nur gespielt. Die Alpenrepublik wird bekanntermaßen von lauter mehr oder auch manchmal weniger schönen Menschen, der Geschmack liegt und steht hier allerdings im Auge der Betrachtenden, regiert, welche teils schön auf den Regierungsbänken sitzen oder stehen, liegenderweise habe selbst ich noch keine zu Gesicht bekommen, andererseits aber auch zwecks zukünftiger Regierungsambitionen auf den oppositionellen Nichtregierungsbänken ebenfalls meistens sitzen und wohl manchmal stehen. Wobei auch hier wieder das allseits beliebte österreichische Unschuldsvermutungsprinzip für liegende Oppostionelle gelten mag.

FPÖ-Inserat: Polizei zieht Kalender ein: Werbung um jeden Preis: Die Blauen schalteten im Wiener Polizeikalender ein Inserat. Die Exekutive wusste von nichts.

Bildquelle: Kurier: FPÖ-Inserat: Polizei zieht Kalender ein

Nun, jetzt ist es natürlich auch so, dass ein Land an dieser schönen blauen, aber auch ab-, dies- und auch jenseits der schönen blauen Donau einen Polizeiapparat benötigt, welcher für rechtes Recht, mittlere Ordnung möglichst auf der linken Überholspur sorgen soll und muss. Schließlich muss alles seine rechte Ordnung haben sowohl links und auch rechts der beiden Ufer dieser vielbesungenen schönen blauen Donau. Sozusagen ein exekutiver Donauwalzer mit begleitender Marschmusik. Damit dies aber auch terminlich immer unter einen Hut zu bringen ist, müssen natürlich auch Kalender für all jene bereitgestellt werden, welche dazu auserkoren sind, den rechten Marsch zu blasen.

Dafür gibt es jedoch eine recht sinnige Erfindung. Kalender heißt so ein schönes Teil, welches man und auch frau sich auf das Smartphone lädt, an die Wand nagelt oder, wer es besonders anschaulich und übersichtlich möchte, auf die stehende Regierungs- oder dementsprechende Oppositionsbank oder als PrivatbürgerIn auf den Schreibtisch stellt. Sie kennen das sicherlich zur Genüge. Gerade am Jahresende und vielleicht auch noch in  den ersten Wochen des beginnenden neuen Jahres, welches terminlich das alte Jahr mit viel Bumm und Krach und Feuerwerk und was auch immer alles mit Jahreswechsel für viel Freude sorgen möge, bekommt frau und man solch hilfreich helfende Helferlein kostenlos von Lieferanten, dem freundlich abkassierenden Supermarkt um und an jeder Ecke, manch politischer Partei und wer auch immer unser aller bürgerliches Leben so bereichert, in vielen Fällen sogar gratis, kostenlos und völlig umsonst. Dass dabei oftmals offensichtlich unterschwellig und übersichtlich überschwellig neben den fein säuberlich numerierten Tage, welche uns so pro Monat, derer zwölf sind es, wie ich zu wissen glaube, zur Verfügung gestellt werden, daran haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Schließlich müssen irgendwie die Druckkosten und welche anderen Aufwendungen auch immer beim zukunftsorientierten Zählen der Stundengläser entstehen, welche vor uns stehen, sitzen und in meinem Falle ohne gegebenen Unschuldsvermutung liegen, denn ab und zu muss der regierende, oppositionelle und selbst bürgerliche Mensch auch schlafen, wieder in die eigenen Taschen kommen.

Jetzt hat das beginnende, welches das zu Ende gehende Jahr seltsamerweise immer am 31. Dezember XXXX ablöst, aber, lassen wir die entstehenden Druck- und anderen Kosten rechts und links der schönen blauen Donau einfach liegen, noch eine besonders angenehme Eigenschaft. Besonders für jene, welche nach Läuten der Pummerin (für alle Unwissenden die Glocke im Wiener Stephansdom, welche das neue Jahr einläutet) auf den stattlich staatstragenden ORF hören wollen. Denn es ertönt der allseits beliebte Donauwalzer von Johann Strauß. Wobei wir endlich beim Thema sind.

Ins neue Jahr: Gemeinsam mit HC Strache und der Exekutive

Denn nun hat auch der Verein “Kuratorium Polizeimusik Wien” solch ein schönes kalendarisches Elaborat in Druck gegeben oder besser geben lassen. Um es gleich einmal vorwegzunehmen, der für die Produktion des Polizeikalenders 2012 verantwortliche Aumann-Verlag gab durch seinen Sprecher Heiner Gann bekannt: “Der Fehler liegt bei uns. Ein Mitarbeiter hat nicht mitgedacht. Das Inserat ist hineingerutscht. Wir entschuldigen uns.” Und weiter: “Polit-Inserate, vor allem in Vorwahlzeiten, sind rechtlich kein Problem und auch nicht verboten. Die Möglichkeit muss aber allen Parteien angeboten werden. Und das ist nicht passiert.” (Kurier vom 18.11.2011: “FPÖ-Inserat: Polizei zieht Kalender ein” oder auch Standard vom 18.11.2011: “Kalenderproblem bei der Polizei“). Schön und gut, dass von Seiten des Verlages sofort ein zähneknirschendes Schuldeingeständnis kam.

Was jedoch in meinen überhaupt nicht blauen Augen überhaupt nicht schön ist. Wer sich, rein hypothetisch gesprochen, einmal freiwillig auf die Seite des Landespolizeikommandos Wien begibt, um sich dort die schönen Geschenkartikel anzusehen, wird dort unter anderem lesen: “Diese Werbeartikel werden in Absprache mit dem BM.I. Öffentlichkeitsarbeit angeboten. Mit dem BM.I. also. Dem Bundesministerium für Inneres. In Absprache sozusagen. Da mutet es allerdings mehr als seltsam an, wenn der Chef der Pressestelle der Wiener Polizei, Oberstleutnant Hans Golob, dazu sagt: “Alle Ausgaben mit dem Inserat werden umgehend eingezogen. Wir wussten von der Politwerbung nichts.” Eigentlich dachte ich bisher immer, die verschiedenen Landespolizeikommandos sind diesem Bundesministerium für Inneres unterstellt. An der schönen blauen Donau links und rechts von Wien. Nun ja, was bleibt noch zu sagen?

Das Jahr 2012 kann kommen. Aber ab heute freue ich mich eigentlich ein bisschen weniger auf den in Kürze stattfindenden Jahreswechsel. Mit HC Strache ins nächste und übernächste und wohl auch noch weitere kommende Jahre. Keine schönen Zukunftsperspektiven, solch ein Tanz auf dem blauen Vulkan. Mit und ohne Polizeikalender.   

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