Bankrolling Climate Change: Dicke Kohle mit Kohlekraft
Die unglaubliche Verwandlung von CO2-Strömen in kolossale Geldströme
Dass solch ehrenwerte Finanzinstitute in einer humanen Welt der finanziellen Menschenrechte und globalen Bankgeheimnisse wie etwa die Deutsche Bank, die Commerzbank oder auch die stillen, (un)heimlichen Sparkassen und lautlosen Raiffeisenbanken ihre finanziellen Investitionsspuren bis in die hintersten verstrahlten Winkel atomarer Energie- und damit einhergehender eigener Geldströme ziehen, hatte ich ja schon vor Monaten unter “Nukleare Banken: Das atomare Bankgeheimnis. Wie nuklear ist meine Bank?” geschrieben. Doch dass sich neben Investitionen
in Atomkraft auch dicke Kohle mit der Finanzierung von Kohlekraft machen lässt, bleibt dabei ein ebenso gut gehütetes Geheimnis und wird hinter den dichten Kohledioxid-Schwaden meisterlich vertuscht. Eine Studie namens Bankrolling Climate Change kommt sogar jetzt, passend zum Weltklimagipfel von Durban, zu dem Schluss, dass eben jene ehrenwerteste aller ehrenwerten Financiers mit Namen Deutsche Bank weltweit einen hervorragenden sechsten Platz einimmt, wenn es darum geht, mehr Geldsaft aus Kohlekraft zu pressen. Mit einem Investitionsvolumen von doch stattlichen 11,477 Milliarden Euro seit dem Jahre 2005 reiht sich der deutsche Finanzriese dicht hinter Barclays, Morgan Stanley und der Nummer 1 JP Morgan, welche mit 16,5 Milliarden aus den CO2-Emissionen ordentlich Dampf macht.
Das niederländische Beratungsunternehmen Profundo hat in die Studie “Bankrolling Climate Change” (bei Klick auf nebenstehendes Schaubild) dabei nicht nur jene direkten und offensichtlichen Investitionen der Kapitalgeber mit einfließen lassen, sondern in die Berechnungen ebenfalls die indirekten und an der
Öffentlichkeit vorbeiziehenden unsichtbaren Rauchschwaden bewertet (siehe Bankrolling Climate Change: Hintergrundinformationen zur Studie). Doch wenn Sie sich, so wie ich es getan habe, einmal die Mühe machen, auf den verschiedenen Webauftritten der ach so umweltbewussten Banken vorbeizuschauen, werden Sie neben viel anderer heißer Luft solch hübsche Sätze und schön formulierte Phrasen z.B. von der Commerzbank lesen, welche trotz über vier Milliarden Investitionsvolumen die Chuzpe hat, von sich zu behaupten: “Der Klimawandel erfordert entschlossenes Handeln – auch von Seiten der Finanzwirtschaft. Als Deutschlands zweitgrößtes Finanzinstitut nimmt die Commerzbank ihre unternehmerische Verantwortung für den Klimaschutz sehr ernst und engagiert sich gezielt für Erneuerbare Energien und zukunftsweisende klimafreundliche Produkte.” Klicken Sie einfach auf die entsprechenden Screenshots zum Vergrößern, damit auch Sie besonders große Augen bekommen.
Oder von der HypoVereinsbank können Sie zu lesen bekommen, “inwieweit Banken mit dem Klimawandel in Berührung kommen und sich dafür einsetzen, diesen
aufzuhalten. Wir als HypoVereinsbank können bei der Realisierung klimafreundlicher Projekte mitwirken. Denn der Klimawandel ist für uns nicht nur ein bereits florierendes Geschäftsfeld, sondern auch ein ethisches Anliegen.” Dass sich die Hypo des nichtssagenden Wortes “können” bedient, zeigt einmal mehr als deutlich, was von solchen Formulierungen zu halten ist und welche Aussagekraft dahintersteckt. Die vollmundige Überschrift “Banken im Klimawandel” hat natürlich dementsprechend ihre vollste Berechtigung und verweist zumindest auf Tatsache, dass die Förderer von Kohlekraft wenigstens wissen, womit sie ihr Geld verdienen. Dass sie dabei auf Seite 12 des Papiers von sich geben, dass sie “Die Umwelt als kostbare Ware - so kann man den Grundgedanken des Emissionshandels beschreiben” betrachten, hat in ihrer Doppeldeutigkeit schon sarkastische Züge.
Die Deutsche Bank setzt dem ganzen finanzierten Klimawandel sogar noch ein Tüpfelchen CO2 drauf und bezeichnet sich unglaublicherweise als “Klimabotschafter“, der das Bew
usssein für die fortschreitende Erderwärmung schärfen möchte und wortschwallreich finden sie tatsächlich noch die Zeit und vor allem die Kraft, neben den 11,5 Milliarden in Kohlekraft steckenden Euros “geeignete Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels benennen, fördern und aktiv unterstützen” zu wollen.
Beruhigend dabei ist sicherlich, dass von den 93 untersuchten Instituten immerhin 20 aus Deutschland kommen und auch Österreich mit der Erste Bank auf Platz 36 und die Raiffeisen Zentralbank auf dem 72. Platz mischen kräftig mit im Spiel der großen Kohleförderer zur Förderung der großen Kohle. Da gewinnt der Begriff Emissionshandel doch gleich wieder eine völlig neue Bedeutung. Oder wie die Studie “Bankrolling Climate Change” auf Seite 17 zu folgendem und wenig überraschenden Ergebnis kommt: “Nothing but Hot Air“.










