Bio Natur - Der Weblog

20.10.2011

Früchte des Zorns: 1.Teil “Hinter Gittern”

Abgelegt unter: Naturfotos — Paul Boegle @ 17:33

Sprachlose Kommentare von Paul Boegle

Auf den Spuren von John Steinbeck. Eine vierteilige Bilddokumentation über den Ist-Zustand unseres Planeten.

1. Teil: Fauler Apfel und Pelikan mit erdölverschmutztem Gefieder oder “Hinter Gittern”

Früchte des Zorns. Sprachlose Kommentare von Paul Boegle  Auf den Spuren von John Steinbeck. Eine vierteilige Bilddokumentation über den Ist-Zustand unseres Planeten. 1. Teil: Fauler Apfel und Pelikan mit erdölverschmutztem Gefieder oder “Hinter Gittern”.

19.10.2011

Ich reiche die Fleischfrage weiter

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 22:52


1. Später Abend und immer noch keinen Plan

Eigentlich hatte ich groß-, ein- oder vielleicht sogar mehrspurig in meinem letzten Artikel angekündigt, ab heute über den Klimawandel zu schreiben. Hätte ja auch in gewissem Sinne mit Wrestling zu tun, wenngleich der Verlierer bereits jetzt schon feststeht. Wobei, wenn ich richtig informiert bin, was doch gelegentlich vorkommen mag, wird auch im Wrestling Verlierer und natürlich auch Gewinnerin vor Beginn des Kampfes festgelegt. Natürlich wäre in diesem Falle Stacy Keibler, die neue Freundin von George Clooney die vielleicht richtige Ansprechpartnerin. Doch ich sehe, die Zeit rennt unerbittlich weiter. Aus dem späten Abend wurde jetzt ein noch späterer Abend und der Plan für heute hat sich nun endgültig in Wohlgefallen aufgelöst.

Also reiche ich, wie schon angekündigt, die per Email an mich gerichtete Fleischfrage des WWF einfach an Sie weiter. Da ich annehmen darf, dass der Klimawandel auch bis morgen noch nicht in Wohlgefallen aufgelöst wurde und wohl auch in kein noch so großes Ozonloch auf Nimmerwiedersehen gefallen ist, muss ich den Klimawandel auf die nächsten Tage auf- und vor mir herschieben.

Weltweit wächst unser Appetit auf Fleisch. Von 1970 bis 2009 hat sich die weltweite Fleischproduktion fast verdreifacht : Von knapp über 100 Mio. Tonnen auf fast 300 Mio. Tonnen pro Jahr. Jeder Deutsche isst pro Jahr im Schnitt rund 60 kg Fleisch . Gesund wäre weniger als die Hälfte. Privatsache? Gute Frage.

So, jetzt habe ich mich aus der Verantwortung gestohlen. Doch dies soll nicht zum Dauerzustand werden. Allerdings darf ich anmerken, dass sich meine Sympathien dem WWF aufgrund der Reportage “Der Pakt mit dem Panda - Was uns der WWF verschweigt” gegenüber mittlerweile auf ein Minimum beschränkt habe und ich dies auch bis auf weitere Zeit so beibehalten werde. Doch da auch ich gelernt habe, das Fruchtfleisch von Äpfeln mit Birnen nicht zu vergleichen und unser aller Fleischkonsum in den industriellen Hochburgen menschlicher Besiedelung einfach um ein Vielfaches zu hoch ist, was die einfache Schlussforderung zulässt, dass ein oder sogar mehrere fleischlose Tage pro Woche nicht nur unserer Gesundheit, sondern auch dem Klima hilfreich sind, werde ich eben für einen kurzen Moment meine minimalistischen Sympathien ruhen lassen und auf die Diskussion aufmerksam machen.

2. Weder Fisch noch Fleisch, sondern eine Frage der Ehre

Eigentlich hatte ich ja vor, was Sie aber nach Lesen der bisherigen Zeilen nicht wissen können, den späten, aber planlosen Abend gemütlich mit befreundeten Arbeitskollegen ausklingen zu lassen. Gut, die Kollegen haben sich mittlerweile um mich geschart, der Abend ging nahtlos von spät zu noch später über und wir unterhalten uns über Gott und die Welt oder besser gesagt und geschrieben über die gottlose Welt. Dass ich dabei nebenher schreibe, stellt zwar eine unverschämte Unhöflichkeit sondergleichen gegenüber meinen um mich gescharten lieben Arbeitskollegen dar, wird wahrscheinlich Gott und seiner gottlosen Welt ebensowenig gefallen und macht ehrlich gesagt auch nicht viel Sinn, da sich mein Multitasking der eigenen sieben oder weniger Sinne, hier hauptsächlich gleichzeitiges Zuhören, selbst sprechen und nebenbei noch die beiden Finger auf die richtigen Buchstaben der Tastatur zu hauen. Aber auch foodwatch, Sie wissen schon, jene windigen Typen, welche mit ihrem Goldenen Windbeutel immer auf solch arme Unternehmen Danone, Zott oder Ferrero eindreschen, hat mir mit elektronische Post zukommen lassen.

Und weil seriöse Unternehmen wie die Deutsche Bank ja nicht gerade vom finanziellen Fleische fallen, was seltsamerweise auf jene eine Milliarde Menschen, welche meist keine BankkundInnen eben jenes Instituts sind und ebensowenig vom realen Fleische fallen, weil sie entweder gar keines am finanziell ausgemergelten Körper tragen bzw. neben keinem Fleisch auch oftmals keine anderen Grundnahrungsmittel ihr eigen nennen dürfen, sollte Ihre Aufmerksamkeit doch auf diese sicherlich auch in höchsten Bankenkreisen nicht unbekannte Tatsache gelenkt werden. Kurz und gut, foodwatch bittet um Ihre Unterstützung. Nicht finanziell, nicht spekulativ, sondern unter dem Motto: “Mach Dich vom Acker, Mann!Wobei dieses Wortspiel nicht nur auf Josef Ackermann, der als Präsident des Weltbankenverbandes IIF einer der mächtigsten Lobbyisten der Finanzwirtschaft ist und als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank wohl auf allen gut bestellten finanziellen Futterplätzen dieser Welt zuhause ist, zutrifft.

Spekulation mit Nahrungsmitteln stoppen! Foodwatch hat diese Aktion am 18. Oktober 2011 gestartet. Josef Ackermann ist als Präsident des Weltbankenverbandes IIF der mächtigste Lobbyist der Finanzwirtschaft und als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Chef einer der größten Investmentbanken der Welt. Von ihm fordern wir: Die Deutsche Bank soll aus der Spekulation mit Agrar-Rohstoffen aussteigen. Und die Bankenlobby soll nicht länger eine effektive politische Regulierung der Spekulation blockieren. Die Zockerei im globalen Rohstoff-Kasino muss gestoppt werden.

So, aber nun ist endgültig Schluss für heute. Meine Freunde haben das Weite gesucht, zu Gott habe ich bis jetzt auch noch nicht die notwendige Nähe gefunden und die gottlose Welt, ja die Welt hat sich zu dieser späten Stunde auch noch nicht zum Besseren gewendet.

 

18.10.2011

George Clooney präsentiert Stacy Keibler

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 22:31


Neues aus der glitzernden kinderfreundlichen Welt ohne Ausbeutung

George Clooney präsentiert Stacy Keibler. Blogger Paul Boegle freut sich für die beiden und macht sich erst einmal eine Tasse Nespresso freien Kaffee.Vergessen Sie bitte ganz schnell wieder, was ich gestern unter “Dolby-Surround, 16:9 und andere cineastische Höhepunkte” geschrieben habe. Ich muss meine Meinung bezüglich “What else?“-Ikone George Clooney ganz schnell revidieren. Denn endlich habe ich begriffen, was es heißt, tagtäglich im Rampenlicht zu stehen und von einem Termin zum nächsten zu hetzen, ohne sich in den seichten Abgründen politischer Verantwortlichkeit zu verlieren und sich mit den trivialen Wünschen Minderjähriger zu beschäftigen, welche, anstatt permanent die harte Schulbank in drittklassigen Dritte-Welt-Klassenzimmern in der schwülen, stickigen Luft drücken zu müssen, lieber mit anderen minderjährigen Kindern an der reinen Dritte-Welt-Frischluft mit behenden, zarten und wohl auch leicht unterbezahlten Fingern und ganzen Händchen ganze Kaffeebohnen für die glitzernde kinderfreundliche Welt jenseits von Ausbeutung, aber umso mehr Erster Klasse in allen Lebensbereichen, pflücken zu dürfen.

Und so durfte ich also heute glücklicherweise lesen, dass besagter “What else?“-Kaffeetrinker von Nespressos Gnaden seine neue und sicherlich erstklassige Freundin der Erste-Klasse-Welt präsentiert hat. Eine ehemalige Wrestlerin namens Stacy Keibler hat sich an die “What else?“-Seite von Herrn Clooney gesellt und kämpft sich gemeinsam mit dem beliebten Filmstar durch wahrscheinlich alle Lebensbereiche abseits der schwülen, stickigen Dritte-Klasse-Luft der minderjährigen und nicht minder volljährigen KaffeepflückerInnen abseits der Erste-Klasse-Abteile unserer glitzernden und kinderfreundlichen Welt ohne Ausbeutung.

Nun, mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen, nicht zu schreiben und nicht zu proklamieren. Außer vielleicht noch die interessante Meldung, dass Barbara Schöneberger keinen Sex mit Brad Pitt möchte. Wer Barbara Schöneberger ist? Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung. Aber das unterscheidet mich zumindest nicht wesentlich von der glitzernden und kinderfreundlichen Erste-Klasse-Welt ohne Ausbeutung, welche keine Ahnung von den klitzekleinen Problemchen der Dritte-Klasse-Welt hat bzw. haben möchte. Da macht doch ein Blitzlichtgewitter, welches eine ehemalige Wrestlerin und ein “What else?“-Verkünder über sich ergehen lassen müssen, viel mehr Freude. Sozusagen erstklassige Unterhaltung in Dolby-Surround und 16:9, aber ich glaube, das hatte ich bereits geschrieben. Denn glücklicherweise müssen wir alle gemeinsam nur ein einziges Mal pro Jahr in unserer glitzernden kinderfreundlichen Erste-Klasse-Abteilen den sogenannten Tag des Respekts feiern. Stellen Sie sich vor, wir müssten uns das ganze Jahr durch unsere “What else?“-Welt wrestlen?

So, das soll es aber für die nächste Zeit gewesen sein mit sportlichen und schauspielerischen Höchstleistungen. Die nächsten Artikel werden sich wieder einmal mit (hoffentlich) interessanten Aspekten zum Klimawandel beschäftigen. “What else?” Sonst eigentlich nichts!  

17.10.2011

Dolby-Surround, 16:9 und andere cineastische Höhepunkte

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 09:16


Die Kaffeeplantagen wachsen nicht in den schauspielerischen Himmel

Heute also der Schlussbaustein einer wohl unendlichen Geschichte, welchen ich Ihnen gestern unter “Vom Rollstuhl ins Cafe zur Schlachtbank” angekündigt hatte und welcher eigentlich als Treffen zwischen einem deutschen Goldhähnchen und einem lokalen Gockel seinen Anfang nahm.

Nun, viele von Ihnen kennen die derzeitige, möglicherweise jedoch auch schon wieder im so ziemlich alles vergessenden Sand der Geschichte verlaufenden Diskussion um UNO-Botschafter George Clooney und sein äußerst fragwürdiges Engagement für Nespresso. Der Friedensbotschafter mit dem unglaublich guten Aussehen, zumindest wenn man dazu die geschmacklichen Definitionen von Boulevardpresse und Hollywood als Maßstab heranzieht, hat also aufgrunddessen von der gegen Nespresso federführenden SchweizerPaul Boegle freut sich auf “Die Iden des März”, einem cineastischen Höhepunkt mit George Clooney. Paul Boegle freut sich auch auf die Reaktion von George Clooney in Sachen Nespresso. What else? Organisation Solidar Suisse jene mehr als 40 000 Emails und 10 000 persönlichen Botschaften erhalten, welche ihrem Unmut gegen dieses unvereinbare Handeln freien Lauf gelassen haben.

Vor einem Monat haben wir unsere Kampagne “Fair Trade - What else?” lanciert.

Fast 1′000′000 Personen haben unseren Spot dazu angesehen. 40′728 Personen sind unserer Aufforderung nachgekommen und haben George Clooney eine E-Mail geschickt. Rund 10′000 Personen haben George zudem eine persönliche Botschaft geschickt.

Es freut uns, dass unsere Kampagne so grosse Aufmerksamkeit erhielt. Vor allem aber freut uns, dass unsere Forderung an Nespresso und Nestlé, endlich konsequent Fairtrade-Kaffee anzubieten, von derart vielen Menschen mitgetragen wird.

George Clooney hat bislang noch nicht auf unsere E-Mails reagiert. Wir sorgen aber dafür, dass er die Botschaften in den nächsten Tagen dennoch erhält. Lassen Sie sich überraschen! (Quelle: Solidar Suisse: Fairtrade - What else?)

Woran mag es also liegen, dass jene Menschen, welche sich für eine faire Welt einsetzen, immer noch auf Antwort von einem Menschen, welcher sich scheinbar ebenso für bessere Lebensbedingungen einsetzt, warten? Eigentlich erstaunlich, denn ansonsten reagieren die Mechanismen der unmittelbar davon betroffenen Unternehmen, in diesem Falle also Nestlé, relativ schnell, wenn es darum geht, Kritik mit entsprechenden fadenscheinigen Argumenten und schön ausformulierten Presseerklärungen im schon erwähnten im so ziemlich alles vergessenden Sand der Geschichte versickern zu lassen. Und so wäre es meines Erachtens nicht überraschend gewesen, wenn ein kurz darauf erscheinendes Statement von George Clooney, egal ob nun von ihm, seiner Presseabteilung oder von Nestlé im Namen von George erschienen wäre, um im Brustton der Überzeugung zu erklären: “Ja, liebe Leute, wir haben Eure Botschaften erhalten. Und selbstverständlich nehmen wir Eure Sorgen und Wünsche ernst.

Doch in diesem Fall kein Dementi. Keine Botschaft des UNO-Botschafters auf die zehntausenden Botschaften von Nicht-UNO-BotschafterInnen. Keine säuselnde Erklärung, keine schönen Worte, kein volltönendes Statement. Weshalb dieser Weg des Stillschweigens? Mag es daran liegen, dass sich Herr Clooney immer noch vor Schmerzen am Boden krümmt und die lädierten Weichteile massieren muss? Oder gar daran, dass Nespresso im Moment nicht so recht weiß, wie auf die geäußere Kritik reagieren? Ich glaube, weder das eine und schon gar nicht das andere dürfte der Fall sein.

Ich bin im Süddeutsche Zeitung Magazin auf einen Artikel von Michaela Haas gestoßen. Unter “George Clooney For President” gibt sie verschiedene Sätze wider, welche der Star auf die (anderen) Hoffnungen des gemeinen Volkes von sich gab, um den damit verbundenen Wünschen, Clooney möge doch in die Politik wechseln, von vornherein gleich einmal aus dem Wege zu gehen. Und nicht genug dieser Hoffnungen. Das amerikanische Magazin Time schlägt in dieselbe Bresche. Unter “The Ides of March: Ladies and Gentlemen, President George Clooney” finde ich folgende salbungsvollen Worte über den neuen Hoffnungsträger demokratischen Sendungsbewußtseins:

Democrats a have no such problem imagining a dream candidate, should Obama decide he’s has enough. Of course that’s George Clooney; half the liberals I know want him to be President of their fantasy United States. The affable dreamboat has the wit and charisma of a born politician, and is solidly left of center — or left of the right, which these days is the center — to appeal to Democrats who have slunk into despondency watching Obama first capitulate to Republicans, then be rejected by them. For now the star seems content in the job of Hollywood’s liberal ambassador to America. But just to tantalize and tweak his political base, he offers the smart political drama The Ides of March, which he directed, cowrote and costars in.

Ja, wäre doch zu schön gewesen, wenn sich ein neuer UNO-Heilsbotschafter vom Format eines George Clooney gefunden hätte, die Probleme dieser Welt cineastisch eindrucksvoll, aber wirklichkeitsnah umso effektiver mit einem Schlag vom Tisch zu fegen. Von mir aus in 3-D und mit Dolby Surround, gerne auch in 16:9 und hochauflösend. Doch der smarte Schauspieler hat sich entschlossen, die Rolle des integeren Poltikers und Mannes für alle Fälle nur auf dem Papier oder besser auf der Leinwand zu spielen. “Doch so sehr sich manche auch danach sehnen, dass aus Fiktion Wirklichkeit wird: Clooney winkt ab. Für eine echte Kandidatur fehle ihm die Kompromissbereitschaft, meint er: “Ich bin nicht besonders gut, wenn es darum geht, die Kompromisse zu machen, die man machen muss, um gewählt zu werden”, sagte er bei der Premiere (Anm.: Die Iden des März) in New York.” steht in der Süddeutschen geschrieben. Und weiter erklärt der Schauspieler: “Wir leben in einer Zeit besonders extremer politischer Gegnerschaft. Sehr bemühte, kluge Menschen auf beiden Seiten haben eine sehr schwere Zeit, irgendetwas gebacken zu kriegen.

Die Kompromissbereitschaft kam ihm also abhanden bzw. war niemals vorhanden. Deshalb keine amerikanische Präsidentschaftskandidatur, deswegen kein politisches Verantwortungsbewußtsein. Natürlich ist es ein leichtes, sich im Dienste der UNO für die Menschenrechte einzusetzen. Eine große Organisation, welche einem die notwendige Rückendeckung verleiht, um dahinter als Mensch mit hehren Zielen und moralisch sauberen Wertvorstellungen zu stehen und im Bedarfsfall aus dem Schatten ins Licht der Öffentlichkeit zu treten, wenn der Zeitpunkt gerade passend erscheint. Das ist einfach, Herr Clooney. Im Film den Mann für alle Lebenslagen zu verkörpern, welcher idealisierend angetreten ist, sich den Problemen dieser Welt zu stellen und diese gar lösen zu wollen. Das ist einfach, Herr Clooney. Sich damit zufriedenzugeben, zu erklären, politische Verantwortung würde daran scheitern, dass zuviele Drogen und zuviel Beischlaf mit zu vielen Frauen dies unmöglich machen. Das ist einfach, Herr Clooney. Festzustellen, dass bemühte kluge Köpfe schlichtweg überfordert sind, in Zeiten wie diesen irgendetwas verändern zu können. Das ist einfach, Herr Clooney. Doch daraus die persönliche Konsequenz zu ziehen, zumindest verantwortungsvoll zu handeln oder die Bereitschaft zu zeigen, dieses zu wollen. Das ist schwierig, Herr Clooney. Nicht nur in Amerika. Nicht in anderen Teilen dieser Welt. Auch bei mir. 

Und Europa? Nun, good old Europe wartet ebenso auf seine großartigen Heilsverkünderinnen und Problemlöser in allen Lebenslagen. Arnold Schwarzenegger hat wohl der Politik für immer den breiten Rücken gekehrt, Til Schweiger hat sich nicht deklariert, der Politik das schauspielernde Händchen zu reichen, Vanessa Redgrave hat sich mit ihren Protesten gegen Vietnamkrieg oder Nuklearwaffen selbst aus dem Rennen genommen, um für höchste politische Ämter kandidieren zu können und “Mr. Bean” Rowan Atkinson wird wohl in nächster Zeit im Dienste des Kinopublikums weiterhin in den Fußstapfen von 007 weiterstolpern. Kein schauspielerisches Land am politisch aufklarenden Himmel. Wobei Drehbücher genug vorhanden wären. Doch was nützt das beste Script, wenn die dafür notwendigen Aktricen und Akteure nicht bereit stehen, um sich auf die Rolle ihres Lebens vorzubereiten?

Fukushima? Da war doch was?schrieb ich am 01. August 2011. Nun, ich denke, in einigen Wochen, Monaten oder welchen Zeitraum wir auch immer im so ziemlich alles vergessenden Sand der Geschichte wählen, werden wir dann sagen: “Nespresso? Da war doch was? Aber was?Übrigens, ganz am Schluss des oben angeführten Artikels im Magazin der Süddeutschen Zeitung findet sich ein Zitat von Martin Sheen, welcher die Hoffungen des irischen Volkes, aufgrund seiner überzeugenden Rolle des Kennedy im gleichnamigen Film für die Präsidentschaft Irlands zu kandidieren, von vornherein begräbt: Ich bin einfach nicht qualifiziert. Ihr verwechselt Berühmtheit mit Glaubwürdigkeit.Und dann die Festellung: “Dieser Satz hätte wiederum auch gut von George Clooney stammen können.In Sachen Werbeengagement für Nespresso gibt es da eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.  

So, so soll für heute Schluss sein. Sie vermissen die in der Überschrift angekündigte Schlachtbank. Einerseits richtig, andererseits aber finden Sie diesen vorgezogenen Artikel bereits veröffentlicht unter “Deutsches Goldhähnchen trifft lokalen Gockel: Ein Arbeitsessen zwischen Hühnerschenkeln und Hühnerbeinen“, was ich aber zu Anfang bereits geschrieben hatte.

16.10.2011

Vom Rollstuhl ins Cafe zur Schlachtbank

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 10:05


Ein Traceur mit Namen Raúl Krauthausen

Nachdem letzte Woche meine wöchentliche Wiesenhof-Fleischbeschau bzw. die fleischlich-lüsterne Wiesenhof-Rundschau entfiel und ebensowenig Nespresso-Kaffeeklatsch angesagt war, schauen wir doch gemeinsam, was denn die Hühnerställe und Kaffeehäuser dieser Welt an Neuigkeiten vermelden können. Doch zuvor bin ich noch bei Sebastian Backhaus fündig geworden. Konkret stellt er in seinem Artikel “Der Wheelmap-Spot” ein Youtube-Kurzvideo der gleichnamigen Plattform vor. Und zwarMütter mit Kinderwagen müssen draussen bleiben. Rollstuhlfahrer müssen draussen bleiben. Wenn Treppen und andere Wege zu unüberbrückbaren Hindernissen werden. Ein Traceur mit Namen Raúl Krauthausen. Wheelmap.org für eine barrierefreie Welt. völlig abseits von Federvieh und Koffein, aber leider auch zu einem Thema und den damit thematisch verbundenen Menschen, welches und besonders welche immer noch wenig beachtet im Abseits unserer Gesellschaft stehen. Auch ich hatte bereits vor nicht allzu langer Zeit über den Initiator Raúl Krauthausen und seine ganz normalen SozialheldInnen unter “Wheelmap.org: Mobilmachung mit Hindernissen” berichtet.

Menschen mit Handicap, Menschen im Rollstuhl, Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Und man mag es kaum glauben: Auch diese Menschen möchten am sozialen Leben teilhaben, müssen ihre täglichen Einkäufe erledigen, wollen einen Kaffee trinken oder ein Grillhähnchen essen. Jetzt haben unsere architektonisch hochgezüchteten Neubauten voller erdbebenerprobter Stahlbetonarmierung mit ihren makellosen Spiegelfassaden und den vielen bunten Lichtern hinter vollelektronischen Jalousien oftmals eine unangenehme Eigenschaft, welche weder von Statik, Architektur, den involvierten Planungsbüros, den vorausschauenden Magistratsabteilungen und hinterherschauenden Baubehörden berücksichtigt werden. Diese Wind, Wetter und möglicherweise auch jeder Atombombe trotzenden Betonriesen trotzen auch jedem Rollstuhl, Kinderwagen und sonstigem Gefährt, welches als Fortbewegungsmittel in geschlossenen und offenen Räumen angedacht ist. Denn ante portas steht in vielen Fällen ein unbeachtetes, aber höchst effektives Hindernis namens Treppe. Für jene mit zwei gesunden natürlichen Fortbewegungswerkzeugen keine wirkliche Barriere. Für jene, welche ante portas darin sitzen bzw. solch ein Gefährt schieben, sieht die Sache jedoch anders aus.

Oder, um nun zum Abschluss des ersten Themas zu kommen: “Hi, sorry, konnte nicht zur Party. Immer das Gleiche:” Steht zu Anfang des folgenden Videos und dient zugleich als schöne Überleitung für das nächste Thema: “Sorry, George, but no Nespresso!” Doch weil dieser Artikel zwar bereits fertig gestellt, doch um einige Sätze zu umfangreich ausgefallen ist, werde ich diesen erst morgen auf meinem Blog unter “Dolby-Surround, 16:9 und andere cineastische Höhepunkte” veröffentlichen. Bis dahin wünsche ich einen angenehmen und ruhevollen Sonntag. Und sollten Sie wieder einmal irgendwo über einen fehlenden Lift oder Personenaufzug Zeter und Mordio schreien und in Wehklagen ausbrechen wollen, denken Sie vielleicht daran, dass andere Menschen über solche Probleme meist nur leise lächeln können. Und meist tun sie dies auch, denn andere Optionen haben sie in vielen Fällen nicht.

So, so soll für heute Schluss sein. Sie vermissen die in der Überschrift angekündigte Schlachtbank. Einerseits richtig, andererseits aber finden Sie diesen vorgezogenen Artikel bereits veröffentlicht unter “Deutsches Goldhähnchen trifft lokalen Gockel: Ein Arbeitsessen zwischen Hühnerschenkeln und Hühnerbeinen“.

14.10.2011

Deutsches Goldhähnchen trifft lokalen Gockel

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 16:02


Ein Arbeitsessen zwischen Hühnerschenkeln und Hühnerbeinen

Vorab eines: Der folgende Beitrag könnte durchaus satirische Elemente enthalten. Also soll er auch als solche verstanden werden. Wobei, naja, also bei näherer Betrachtung, sozusagen rein tierisch betrachtet ist der Artikel natürlich weniger lustig. Nein, wissen Sie was, lassen wir es bei der Satire.

Der gute Newsroom von Wiesenhof lebt! Möglicherweise ist die hauseigene Plattform für das Zeitgeschehen rund um Federn mit Vieh oder Vieh, welches Federn lässt oder eben Federvieh aus dem Hause Wiesenhof sogar manches Mal lebendiger als jenes gefiederte Vieh in den subunternehmerischen Hühnerställen. Aber das ist natürlich nur eine konjunktivistische Mutmaßung. Was aber höchst erfreulich ist: “Nach der Ausstrahlung der ARD Reportage hatte Unternehmerin Sina Trinkwalder einen offenen Brief anSatirisches von Paul Boegle. Deutsches Goldhähnchen trifft lokalen Gockel. Sina Trinkwalder im Gespräch mit Wiesenhof-Chef Paul-Heinz Wesjohann. Paul-Heinz Wesjohann geschrieben. Nun haben sich die bloggende Unternehmerin und Paul-Heinz Wesjohann persönlich getroffen.” Steht dort wortwörtlich und deshalb zitierenderweise unter “manomama trifft Wiesenhof“. Das pfeift ordentlich. Kritisierende Bloggerin trifft kritisierten Unternehmer. Jetzt muss ich natürlich, fieberhaft nagt die Neugierde am eigenen bloggenden Hühnerbein, wissen, was im offenen Brief steht, welcher Herrn Wesjohann dazu veranlasst, sich mit dem schreibenden Volk zu treffen. Natürlich können Sie den Inhalt auch selbst unter “Jeder muss mal Federn lassen” ohne viel Federlesen nachlesen, aber so in komprimierter Form und inhaltlich lässt sich sagen, dass Sina Trinkwalder das schreibt, was sich wohl jeder Mensch nach dem Bericht der ARD (ARD-Mediathek: Das System Wiesenhof) dachte und selbstverständlich anhand der gezeigten Bilder empfand.

Aber der Seniorchef macht jetzt das, was wohl jede vorzügliche Firmeninhaberin und jeder gute Unternehmer in so einem Fall tun würde: Er lädt sich die kritischen Parteien ein und zeigt sich von seiner Schokoladenseite. Und gefilmt wird das Ganze natürlich auch. Nicht durch die Firma Wiesenhof, sondern durch einen befreundeten Filmemacher der Bloggerin, welcher auch noch erklärter und aktiver Wiesenhof-Gegner ist (manomama trifft Wiesenhof). Und Sina macht gleich einen epochalen Vorschlag. Nicht im Hühnerstall soll diskutiert werden, sondern beim gemeinsam zubereiteten Essen lässt es sich doch viel besser philosophieren. Der Menüplan? Sie werden es nicht glauben: Zwei Hühnchen stehen auf dem Speiseplan. Und weil die gewinnmaximierende Wiesenhof-Welt und dieser gegenüber die bloggende Welt von manomama eine faire und glückliche ist, stehenoder besser liegen als “Opfer”, wie sich die Bloggerin wortwörtlich ausdrückt, ein hübsch verpacktes deutsches Goldhähnchen aus dem eigenen Massentierhaltungsstall und ein lokaler Gockel als Magenfüller parat.

Na, das fängt gut an!“, denke ich mir und lobe den genialen Schachzug, um gleich einmal die latente Spannung zu Anfang zu nehmen, um dann sicherlich mit bohrenden Fragen das Messer in die Wunde von Herrn Wesjohann zu stechen. Salz und Pfeffer inklusive! Da sind gerade einmal 60 Sekunden des knapp 59-minütigen Videos vorbei. Nun, dann beginnt das große Frage und Antwort Spiel. Ich erspar’s Ihnen. Nach 15 Minuten und fünf Sekunden betritt ein Mann die Bühne. “Schau, schau, wahrscheinlich ein radikaler Tierschützer von PETA, welcher mit einem großen Messer bewaffnet gleich auf den freundlichen älteren Mann losgehen wird“, denke ich mir und freue mich auf das geniale Blutbad nach dem genialen Schachzug. Nein, doch nicht! Die haben einen Koch engagiert, welcher mit gekonnten Säbelschnitten die beiden Opfer ausnimmt. Muss ich nochmal zurückspulen, dachte nämlich, die wollen das Federvieh ohne Federn selber zubereiten. War zwar so angedacht, aber scheinbar haben sich die Pläne geändert. Nun, macht nichts, also kein geniales Blutbad, also wieder vorspulen

Das große Frage und Antwort Spiel geht weiter! Ich erspar’s Ihnen. So, fast 19 Minuten sind vorbei. Der Koch ist fertig mit seiner Arbeit und lehnt ganz lässig neben den beiden, eine Hand auf dem Holzbrett aufgestützt. “Hoffentlich sind da keine Salmonellen drauf!” denke ich mir und freue mich nach dem verpassten genialen Blutbad durch den PETA-Aktivisten, der ja keiner war, auf eine anständige geniale Salmonellenuntersuchung. “Schei..e!”, denke ich, denn nach 19 Minuten und so cirka 20 Sekunden verlässt der falsche PETA-Aktivist das Küchenstudio. Das Messer bleibt da, das Frage und Antwort Spiel ebenfalls. Ich erspar’s Ihnen.

“Schau, schau!”, denke ich mir und lobe insgeheim das geniale Drehbuch. Der PETA-Aktivist, der sich als Koch getarnt hat, kann auch andersherum gewesen sein, kommt wieder herein. Wahrscheinlich hat er sein Messer still und heimlich gewetzt und ich freue mich auf das geniale Blutbad nach der abgesagten Salmonellenuntersuchung. Jetzt geht es ans Eingemachte. Das eine Fleisch ist dunkler, das andere heller. Da herrscht eindeutig genialer Erklärungsbedarf. Kommt natürlich auch sofort. Ich erspar’s Ihnen. Die Hähnchenteile wechseln auf dem Brett hin und her wie die Hütchenspieler ihre Becher. “Sagenhaft, endlich investigativer Journalismus“, denke ich mir und kaue an den Fingernägeln, innerlich frohlockend, dass dem genialen Blutbad wohl nichts mehr im Wege steht. Höchstens die verschobene Salmonellenuntersuchung.

Genau 30 Minuten sind vorbei. “Oh Gottogott, nein bitte nicht!“, denke ich mir und und stiere fassungslos auf den Bildschirm. Paul-Heinz Wesjohann hat zum Messer gegriffen. Wahrscheinlich hat er jetzt doch irgendwie Lunte gerochen und bringt gleich den verkappten PETA-Aktivisten und danach Sina Trinkwalder um. Nein, einfach genial, dieses Drehbuch. Der Hausherr schneidet einen Kürbis, glaube ich zumindest, in schöne kleine Würfel. Der Neid frisst mich schön langsam von innen auf und höhlt mich aus. “Verdammt gut, der Spannungsbogen“, denke ich und kaue an den bereits abgekauten Fingernägeln. Schmecken irgendwie nach Hühnchen. Könnten natürlich auch Salmonellen sein, wer weiß das schon so genau.

46 Minuten zeigt die Uhr an. Zwischen zwei Fragen fährt die Interviewerin in die silberne Schüssel, schüttelt den Inhalt liebevoll auf, um dann sofort wieder Blickkontakt mit dem Unternehmer aufzunehmen. Noch ein kurzer genialer Schüttler und weiter gehts. Die sonore Stimme von Herrn Wesjohann erklärt, was so alles “schief gegangen” ist. Im Hintergrund lärmt der PETA-Aktivist. Wahrscheinlich vergnügt er sich mit den beiden Hühnern bei irgendwelchen obszönen Spielen. “Schei..e, warum schwenkt die Kamera nicht nach hinten“, denke ich mir und wische mir die sabbernden Mundwinkel aus. Hoffentlich waren meine Finger nicht mit Salmonellen kontaminiert. Nicht auszudenken, wenn jetzt das Blutbad beginnt und ich vor lauter Dünnpfiff das dicke Ende nicht mitbekomme. Aber glücklicherweise zeigt sich Herr Wesjohann von seiner Schokoladenseite und steht ruhig Rede und Antwort im genialen Frage und Antwort Spiel.

49 Minuten und 51 Sekunden “Gemma servieren!” Sina Trinkwalder spricht das Geheimwort und plötzlich stürzt sich der genial verkleidete PETA-Aktivist auf den Wiesenhof-Chef. Er zieht ein riesiges Messer unter seiner blütenweißen Kochjacke hervor und sticht wie von Sinnen auf den sympathischen Mann ein. Dann werde ich plötzlich wieder wach. “Sekundenschlaf kann tödlich sein!“, denke ich und wische mir meine sabbernden Mundwinkel ab. Auf die Salmonellen habe ich völlig vergessen.

50 Minuten und ich weiß nicht mehr wieviel Sekunden. “Wo kommt der vierte Mann her?“, denke ich und freue mich auf ein noch größeres Blutbad. Ein zweiter PETA-Aktivist hat sich zum ersten dazugesellt und jetzt sitzen sie zu viert am Tisch. “Der alte Mann ist zäh, da braucht es schon zwei gewetzte Messer für so einen gewitzten Esser“, denke ich und schaue den vieren genau auf die fettfreien Finger. Vor ihnen liegen die beiden Opfer. Vielleicht können Sie sich noch daran erinnern? Das war so etwa vor 49 Minuten. “Genial, wie die Zeit vergeht“, denke ich mir und sabbere ohne Unterlass weiter. Die Salmonellen haben wahrscheinlich schon Besitz von mir ergriffen, denn es regt sich Widerstand.

51 Minuten des Videos sind vergangen. “Haben Sie Enkel?” “Sechs.” “Sechs Enkel! Sauber!” Die Frage war einfach genial. Sozusagen der Fangschuss. Ich rutsche vorsorglich im Sessel nach oben und verlagere mein Gewicht nach vorne. Die Spannung hat ihren Siedepunkt erreicht, die toten Hähnchen auf den Tellern wenden sich entsetzt ab. Das Grauen hat einen Namen. Der neue PETA-Aktivist ist bedächtig weiter, der alte lehnt sich erschöpft zurück. Das Thema wechselt von Hühnern zu Brieftauben. “Aha, mit denen werden die wohl in Zukunft die Schweiz beliefern. Raffiniert, aber nicht gut genug“, denke ich und überlege, wer wohl nach dem Blutbad die Wiesenhof-Geschäfte führen wird. Wahrscheinlich die sechs Enkel, wenn der Opa nicht mehr ist, entscheide ich spontan und sabbernd.

52 Minuten und acht Sekunden. SHOWTIME!!!! “Wir haben ein Problem!” Jetzt hat Frau Trinkwalder den netten Herrn endlich dort, wo sie ihn haben möchte. Denn wer so etwas sagt, steckt ganz schön tief in der Sie wissen schon wo. Endlich, Houston hat sein Hühner-Problem. Und der Wiesenhof-Chef gibt es auch noch unumwunden zu. Genial, was sage ich, einfach grenzgenial. Und dann spricht Herr Wesjohann aus, was ich schon immer wusste: Die Geflügelpest wütet in Deutschland. Keine Salmonellen, kein Blutbad, sondern die schreckliche Wahrheit lautet “Geflügelpest”. Die beiden verkleideten PETA-Aktivisten nehmen langsam die auf dem Tisch liegenden Messer und richten sich selbst. “Na also, geht doch!”, denke ich und überlege, ob ich über diesen Film hier auf meinem Blog berichten soll. Schließlich kennen wir jetzt die ganze Wahrheit über den sozial verantwortlichen und tierliebenden Geflügelproduzenten Wiesenhof.

Abspann: Herzlichen Dank an Bernd Bässler vom Schlossrestaurant Untermeitingen. “Verdammt nochmal, wo kommt der jetzt her? Wahrscheinlich auch einer dieser PETA-Leute, der Undercover gearbeitet hat und in den ganzen 58 Minuten und 58 Sekunden nicht ein einziges Mal sein Messer gewetzt hat“, denke ich und entleere meinen genialen Darm. Und die Welt sieht doch gleich viel besser aus. Den Rest erspare ich Ihnen.

13.10.2011

Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 04:20

Eine Buchrezension von Paul Boegle

1. Inhalt des Romans von Hermann Stefánsson

Der Isländer Hermann Stefánsson und sein Werk “Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte”. Eine Buchrezension von Paul Boegle.Was ist richtig und was falsch? Wo endet die Realität menschlichen Erfassens und verstandesmäßigen Begreifens und wo verschwimmen diese Grenzen zu wissenschaftlicher Fiktion und menschlichen Traumlandschaften? Der Isländer Hermann Stefánsson beschreitet mit seinem Werk “Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte” einen sehr gewagten und ambivalenten Weg, um die Auseinandersetzung des Geistes auf bewusster Ebene mit jenen Schichten unbewussten Denkens in Einklang zu bringen, welche bereits Sigmund Freud zum Ziel seiner Forschungen machte und welche wohl der Wunschtraum der meisten Menschen ist: Die Reise in die Zukunft und im vorliegenden Roman der unverschleierte Blick in die Vergangenheit.

Die beiden ProtagonistInnen des Romans, der Schriftsteller Guðjón Ólafsson und seine Freundin Helena, durchwandern in dem 250 Seiten Werk im wahrsten Sinne Raum und Zeit. Stefánsson entblättert parallel zwei verschiedene und gegenläufige Erzählstränge, welche sich mit Fortdauer der Geschichte auf verschiedenen Ebenen in einem Gewirr aus Möglichkeiten, Denkbarem und hypothetischen Konstrukten kreuzen, Erlebtes mit Visionen verknüpfen, nebenher verlaufen, auseinandertriften, um sich dann wieder in einer gemeinsamen Geschichte zu vereinen. Während Guðjón nach einem rätselhaften Unfall im Krankenhaus erwacht, bedingt dadurch unter Amnesie leidet und in einem langwierigen und mühsamen Selbstfindungsprozess wieder die vorhandenen Gedächtnislücken zu schließen versucht, besitzt Helena zu Anfang der Erzählung ihre geistigen Fähigkeiten zur Gänze, welche sich in einem Umkehrprozess jedoch mehr und mehr verlieren.

Ein Strudel beginnt, welcher die beiden mit sich fortreißt und deren Kontrolle über die eigene Handlungsfähigkeit ihnen aus den eigenen Händen genommen wird. Der Roman beschreibt die Odyssee zweier Menschen zwischen Wahn und Wirklichkeit, Vergessen und Erinnerungen, welche durch Fremdsteuerung eines am Schweizer Kernforschungszentrum CERN tätigen Wissenschaftlers in Bahnen außerhalb des eigenen Verantwortungsbereiches gelenkt wird.

Ich sitze am Schreibtisch in meiner Zuflucht, in der ich mit Depressionen darniederlag, und schreibe Brandes einen Brief und gestehe alles ein.

“Die wenigsten Menschenleben sind viel wert”, schreibe ich an Edvard Brandes. “Sie kräuseln das Wasser nur gerade eben, aber die wenigsten schlagen Wellen, und noch weniger schaffen es, sich aus dem Meer zu erheben und das Fundament für eine Insel zu legen.”

Der gewöhnliche ungebildete Pöbel ist alles in allem gedankenlos und zum Machen und Management unfähig. Der Wille ist es, der das menschliche Leben aus dem Flachwasser herausragen lässt, der Wille ist es, der nicht zur Verherrlichung der visionslosen Mediocritas untergeht. Während der Ausfahrt fällt Mondlicht auf das Boot, an Bord ist ein Dichter, alle Dichter sind Mörder.

Daran denke ich und ziehe mir den Vorhang der Besinnungslosigkeit vor die Augen; gefroren in mildem Meertod stehen die Untergegangenen mir vor dem inneren Auge, der Tod hat ihrem Leben Bedeutung verliehen und mir Beileid gebracht; nur der Dumme fordert, sich weiß zu malen - reinem, frisch gefallenem Schnee gleich. Der große, der grobe Fels akzeptiert, was ist. Diese Männer mordete ich, diesen Ton schlug ich an.

2. Wie sieht Paul Boegle das Buch?

Hermann Stefánssons Werk weckt sicherlich bei jenen LeserInnen, welche wie ich “Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana” von Umberto Eco kennen, gewisse Assoziationen. Ein Mann erwacht nach einem Unfall und sucht mithilfe seines Umfeldes, seiner Familie, seinen Bekannten nach jenen Fragmenten früheren Lebens, welche sich in den Nebeln des Nicht-erinnern-könnens aufgelöst haben. Die Idee ist also sicherlich nicht neu, denn auch Stefánsson nutzt, ähnlich wie Eco, die Möglichkeiten der Literatur, um Guðjón Ólafsson die Rückkehr in die Normalität zu erleichtern bzw. die Brücke zwischen gesichtsloser Vergangenheit und zertrümmerter Gegenwart zu schlagen. Doch was sich beim italienischen Meister der Semiotik als literarischer Amoklauf par excellence entwickelt, wird bei Hermann Stefánsson zu einem Spagat zwischen Unentschlossenheit und manches Mal nicht nachzuvollziehenden (un)logischen Erklärungsversuchen. Die grenzenlose Neugier des modernen Menschen, sämtliche naturwissenschaftlichen Phänomene und ungeklärten Rätsel unserer langen Menschheitsgeschichte immer zu hinterfragen und anhand von Fakten, wissenschaftlichen Annahmen, unausgereiften Forschungsmethoden und dem Drang nach grenzenloser und nicht mehr zu bändigender Forschungswut, bietet sicherlich interessante Ansätze, um sich dem Thema individuellen oder sogar kollektiven Vergessens zu nähern. Doch der Autor vergisst bei allem Enthusiasmus, aus diesen Einzelteilen eine wirklich funktionsfähige Erzählung zu konstruieren.

Was zu Anfang als spannendes Frage-Antwort-Spiel zwischen der real existierenden Welt des Guðjón Ólafsson beginnt, welcher seine Vergangenheit wiedererlangen möchte und der konträren Entwicklung seiner Freundin Helena, driftet leider im Verlauf des Erzählens zu einer Geschichte ab, welche zumindest bei mir mehr Fragen offenließ und schlussendlich durch den gewählten dualen Lösungsweg von Hermann Stefánsson keineswegs zu einem für mich befriedigten Abschluss geführt hat. Auch hier zeigt sich für mich wieder die Unentschlossenheit des Autors. Anstatt sich auf eine einzige präsente Möglichkeit zu konzentrieren und diese zu einem durchdachten Ende zu führen, wählt er den Weg zweier Eventualitäten, welchen jedoch der Biss fehlt und die verloren nebeneinander vor sich hin welken. Ich fühlte mich teilweise an sogenannte Adventure-Spiele meiner Jugend erinnert, welche einen vorgegebenen Lösungsweg vorgeben, aber bedingt durch den Spielenden in mehr oder weniger kniffligen Sackgassen enden, welche einen jedoch nach einer Reihe von Try and Error und dem Suchen von für den weiteren Verlauf der Geschichte wichtigen Gegenständen letztendlich immer wieder auf den (richtigen) roten Handlungsfaden zurückführen. Doch entscheidend bleibt bei solchen Dingen immer, ob der Spannungsbogen gehalten werden kann und nicht unter der Last dieses Drucks in sich zusammenfällt.

Der Autor verliert sich für meinen Geschmack leider nicht in der für dieses brisante Thema notwendigen Detaillandschaft, welche für solch ein kompliziertes Thema notwendig wäre, sondern umreißt mit wenigen groben Pinselstrichen leider nur sein syntaktisches Gemälde namens Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte. Hermann Stefánsson kratzt an der Oberfläche eines sicherlich brisanten Bereichs, er deutet die wissenschaftlichen Problemstellungen an, streift sowohl ethische als auch moralische Grundsatzfragen, welche Laien wie ich an verantwortungsvolle Wissenschaftszweige stellen würden und sicherlich auch tun, aber es bleibt leider bei diesem unvollendeten Streifzug. Der Geschichte dadurch mehr Tiefgang verleihen zu wollen, indem Namen wie Stephen Hawking oder das aus der Quantenphysik bekannte Problem von Schrödingers Katze beiläufig fallen, weckt eigentlich die Neugier auf fundierte Erklärungsversuche, welche mit dem begonnenen Gedächtnisverlust der menschlichen Laborratte schlüssig und nachvollziehbar zu einem befriedigenden Höhepunkt hinsteuern. Doch auch hier schießt der Roman leider etwas ins Leere und wird in eine gestaltlose Form gegossen, welche nicht wirklich überzeugen noch gefallen kann. Gerade bei solchen Versuchen, den nach Erkenntnis strebenden Menschen als Symbol des Bösen darzustellen, welcher seinesgleichen als Spielball für wissenschaftliche Experimente hernimmt, hätte ich mir wesentlich mehr verbales Spiel mit diesen subjektiven Ängsten vor eigenem Kontrollverlust und damit einhergehender Fremdbestimmung gewünscht

Vielleicht wäre es zweckmäßiger gewesen, durch ein entsprechendes Ende jene Fragen, welche sowieso, egal ob in der Fiktion der Geschichte oder in jener Realität des tatsächlich Existierenden, offen bleiben, auch offen zu lassen, anstatt sich durch ein sichtlich konstruiertes Finale diesem Dilemma zu entziehen.

Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte. Bewertung des Romans von Hermann Stefánsson durch Paul Boegle.

3. Daten zu Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte

Als Rezensent für das vom Litteraturverlag kostenlos zur Verfügung gestellte Buch möchte ich natürlich anfügen, dass die oben angeführten Zeilen selbstverständlich nur meine ganz persönliche Meinung und subjektive Sichtweise wiedergeben. Als Mensch, welcher selbst viel und gerne schreibt und lGuðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte. Ein Roman von Hermann Stefánsson. Eine Buchrezension von Paul Boegle.iest, möchte ich deshalb betonen, dass ich (fast) sämtliche literarischen Werke achte und respektiere. Was ich in meiner Eigenschaft als lesender Mensch nun als schlecht bzw. gut erachte oder welche Bewertung auch immer hier als Maßstab dienen kann und soll, mag sich aus der Perspektive eines anderen Menschen wiederum vollkommen anders darstellen. Deshalb stelle ich auch gerne den Link (Klick auf das Buch) zur Verfügung, unter welchem sich “Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte” bestellen lässt. Was aber nicht bedeuten soll, dass Sie nur dieses Buch beim Litteraturverlag bestellen können. Denn wenn ich etwas im Laufe meines doch schon angegrauten Lebens gelernt habe, dann ist es die Tatsache, dass man sich niemals eine eigene Meinung nur auf der Grundlage anderer Meinungen bilden kann und soll. Dazu ist unser eigenes Denken viel zu wertvoll.

Und wer nun, aber dann soll es wirklich genug für heute sein, der Meinung ist, selbst einmal eine Buchrezension verfassen zu wollen, was natürlich auch mit dem unschätzbaren Vorteil von kostenlosen Leseexemplaren verbunden ist, sollte sich vielleicht einmal meinen Beitrag “Schreibblockade bei der Blogparade” durchlesen. Für alle, welche auch ohne weiteres Lesen und auf direktem Wege zu kostenlosen Büchern gelangen möchten: Blogg Dein Buch bietet möglicherweise das, was Sie suchen.     

12.10.2011

Sauerei unterm Brandenburger Tor in Berlin

Abgelegt unter: Reisen — Paul Boegle @ 20:31


Tierquälerei, vegetarisches Essen und andere schweinische Gedanken

Nachdem ich ja, wie Sie aber auch ohne diese einleitenden Worte sehen respektive lesen können, wieder aus meiner temporär abgebrannten Bloggerlandschaft in die virtuelle Welt zurückgekehrt bin, fällt es mir trotzdem schwer, den richtigen Schreibrhythmus zu finden. Also versuche ich zunächst einmal, mit leichter syntaktischer Kost mich über Wasser und Sie als LeserInnen bei Laune zu halten, bis ich mich wieder in den Prozess des Schreibens eingegliedert habe bzw. meine Gedanken aus jenem Teil, welcher nach eigenem Bekunden ausgebrannt war, gemeinhin als Gehirn bezeichnet, sinnvoll ausgliedern zu können, um den Kreislauf des Eingliederns zu vollenden.Sicherlich könnte ich diesen Sachverhalt auch weniger kompliziert ausdrücken und ohne Umschweife sagen, schreiben oder welch

Ich war also in Berlin. Dass die deutsche Hauptstadt mehr bietet als nur Currywurst mit Schrippen, Bockwurst mit Schrippen oder Buletten mit oder auch ohne Schrippen, werden die meisten von Ihnen bereits wissen und ich habe auch schon über die geschlossenen Fleischtöpfe in Form von “Veganz”, dem ersten europäischen Supermarkt mit rein veganem Vollsortiment, berichtet. Dass eine “Schrippe” ein “Brötchen” oder im österreichischen Raum eine “Semmel” ist, wusste ich allerdings auch nicht. Aber glücklicherweise bin ich in Sachen Essen doch äußerst lernfähig. Was ich aber auch bedingt darauf zurückführe, dass sich meine Essgewohnheiten im Laufe meiner doch schon mehrere Jahrzehnte andauernden Odyssee auf diesem Planeten Erde vom ehemaligen Fleischtiger mehr und mehr hin zum Pflanzenfresser verlagert haben und dieserPaul Boegle zu Gast in Berlin am Brandenburger Tor. Schweinische Gedanken während einer Kundgebung für vegetarische Ernährung. Umstrukturierungsprozess in Sachen Futteraufnahme immer noch nicht abgeschlossen scheint. Gut, was möchte ich aber damit ausdrücken?

Nun, am 08. Oktober habe ich mich eben an besagtem Brandenburger Tor eingefunden. Denn dort fand eine Kundgebung zum Thema “Vegetarisch essen” statt. Einige werden sicherlich denken: “Nichts Neues unter Berlins Sonne!” “Vollkommen richtig“, pflichte ich bei, während ich justamente, also im Augenblick des Niederschreibens dieser Zeilen, ein köstliches Kürbiskern Pesto im fleischfreien Vakkum zwischen meiner Speiseröhre und der Tastatur meines Laptops in mich hineinlöffle. Aber ein Foto, welches justamente, also in diesem Falle zum Zeitpunkt des Protestes gegen den Konsum tierischer Nahrungsmittel, entstand, möchte ich Ihnen dann doch nicht vorenthalten.

Dass, und hier verwehre ich mich ganz entschieden einer möglichen Unterstellung von Ihrer Seite, diese Aufnahme, also justamente die Betätigung auf den Auslöser meiner Kamera zum Zeitpunkt X, bestimmte Assoziationen schweinischen Charakters oder gar ungehörige obszöne und staatsfeindliche Gedanken bei mir während des Auslösens auslöste, ist vollkommen an den Haaren herbeigezogen und entspricht dementsprechend auch nicht den Tatsachen. Aber schön ist das Bilddokument doch allemal.

Sie möchten wissen, was auf der Kundgebung so alles gesagt und gezeigt wurde? Habe ich natürlich nicht vergessen, aber zugegebenermaßen war ein Auge und vielleicht auch eines meiner beiden großen Segelohren nicht ganz bei der Sache, sondern sozusagen als knipsender Lauschangriff immer langsam diese herrliche Konstellation umrundend. So, ich glaube, ganz im Sinne von Stefan Remmler und den fehlenden Sternen in Athen, ich habe meinen “Rhythmus, wo ich immer mit muss” wieder gefunden und freue mich deshalb wieder auf fröhliches und hoffentlich auch konstruktives Bloggen.

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