Umweltschutz und Wirtschaft gehören verheiratet 1



Und wer trägt die Scheidungskosten von Politik und Wirtschaft?

Da sich ja die lautstarke Bekundung der politischen Farben jeglicher Coleur sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene mittlerweile zu einem beliebten Volkssport, Paul Boegle: Umweltschutz und Wirtschaft gehören verheiratet. Und wer trägt die Scheidungskosten von Politik und Wirtschaft? Die Traumhochzeit zwischen Wirtschaftspolitik und nachhaltigem Zukunftsdenken?unerklärlicherweise meist ohne Einbeziehung des Volkes, also eigentlich nur zu einem profanen, wenngleich profunden Sport entwickelt hat, macht nun auch der für das Ressort Umwelt zuständige EU-Kommissar Janez Potočnik mit dementsprechenden Meldungen von sich reden. Wie ich unter „Hoffen auf den aufgeklärten Konsumenten“ lesen durfte, plant der EU-Minister für die Zukunft eine große und hoffentlich auch pompöse Hochzeit zwischen dem in Ehren ergrauten, aber immer noch höchst fidelen und agilen Herrn Wirtschaft, welcher wohl den Bräutigam geben wird und seiner ganz entzückenden Braut Fräulein Umweltschutz, geborene Industrierevolution, obwohl höchst attraktiv, aber aus ärmlichen Verhältnissen stammend, erstaunlicherweise immer noch zu haben, wie es so despektierlich heißt. Bevor Sie nun aber den Fernseher einschalten: Nein, Linda de Mol wird diese Traumhochzeit nicht in die heimischen Wohnzimmer bringen. Obwohl, wenn die Einschaltquoten stimmen, werden bestimmte Privatsender und all die anderen Errungenschaften medialer Höhenflüge und unterhaltender Sinkflüge auf geistigem Meereshöhen-Niveau sicherlich nicht abgeneigt sein.   

Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen will die EU-Kommission in den nächsten Jahren wirtschaftliche Aktivitäten begrünen. „Wir wollen ein ressourcenschonendes Europa entwickeln“, sagte der zuständige EU-Umweltkommissar Janez Potocnik am Rande einer Konferenz über Biodiversivität in Wien. Dazu würden nun Anreize geschaffen, die auf energieeffiziente, ressourcenschonende Produktion und Verbrauch abzielen.

Ziel müsse sein, dass es zu einer „Verheiratung von Wirtschaft und Umwelt“ komme. Und dass dem Konsumenten klar werde, wie sehr er durch Kauf oder Nichtkauf Dinge beeinflusse, erläuterte der Kommissar.

Schön! Neben seiner Tätigkeit als oberster politischer Umweltschutz im vereinten Europa möchte Herr Potočnik jetzt also auch Standesbeamter werden. Natürlich nur sozusagen. Selbstverständlich nur symbolisch gesprochen. Er möchte endlich das nicht mehr ganz taufrische Fräulein, nein, sagen wir Frau Umweltschutz, schließlich ist sie nicht mehr die Jüngste, in den ölverschmierten Hafen der Ehe führen, wo Herr Wirtschaft schon parat steht, nebenher geschäftig den einen oder anderen Milliardendeal unter das eine Bahnhofsdach und andere neoliberalen Fächer bringt, um die glückliche Braut in empfang zu nehmen. Hört sich alles danach an, dass wir also in Zukunft an die große und sicherlich aufgrund wirtschaftlicher Beteiligung reich gedeckte Hochzeitstafel geladen werden, um dort einträchtig den Bund fürs Leben zweier Philosophien zu feiern, welche doch nach Meinung des Volkssport, jetzt mit Beteiligung des Volkes, zumindest wenn ich mich als sportlicher verschwindend geringer Teil desselben betrachte, so gar nicht zueinander passen wollen.

Den Wirtschaftsunternehmen müsse klar werden, dass sie mit endlichen Ressourcen hantieren: Bei Rohstoffen und Energie ist die EU in hohem Maße von Importen abhängig. Bei Wasser, Luft, Böden geht es um Güter, die für die Allgemeinheit auch in Zukunft geschützt werden müssen. Die Besteuerung weg vom Faktor Arbeit hin zu Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch, das wahrscheinlich wichtigste wirtschaftspolitische Instrument, mit dem Wirtschaft und Gesellschaft ein ökologischeres Handeln aufgezwungen werden kann. Bis 2013 soll ein Fahrplan für ein ressourcenschonendes Wirtschaftswachstum stehen.

Der Text der Einladungskarte liest sich gut. Wunderbar ausformuliert, sprachlich von bester Qualität und trotzdem für den Volkssportler wie mich, welcher selten zu solchen familiären Großereignissen geladen wird, verständlich geschrieben. Und sogar nicht einmal falsch. Denn der erste Satz, zumindest bis zum ersten Doppelpunkt, stimmt zu 100 Prozent. „Den Wirtschaftsunternehmen müsse klar werden, dass sie mit endlichen Ressourcen hantieren“. 

Und jetzt stellt sich die alles entscheidende Frage: „Wer wird die Scheidungskosten von Herrn Wirtschaft tragen?“ Denn der liebeshungrige Bräutigam mit grünen Herzen in den vom Geld leicht verschwollenen und bilanzpolitisch schwer entzündeten Augen ist leider seit Jahrzehnten mit der äußerst biederen, aber sehr treuen und furchtbar anhänglichen Frau Politik verheiratet. Zugegeben, nicht die große Liebe, was man so hört. Aber Herr Wirtschaft und Frau Politik, deren erwachsene Kinder Wirtschaftspolitik, Lobbyismus und das ganz liebreizende Fräulein politischer Filz dieser Ehe entsprungen sind, passen nach vorherrschender Meinung eigentlich gut zusammen. Nebenbei sei noch angemerkt, dass das Ehepaar aufgrund seiner neoliberalen Denkweise eine relativ offene Beziehung führen und aus zahlreichen Seitensprüngen zahlreiche uneheliche, aber seeeeeeeehr kapitalistische Kinder entsprungen sind.

Und dann gibt es eben noch ein letztes Problem, was aber Herr Wirtschaft wahrscheinlich noch gar nicht wissen dürfte. Denn seine Zukünftige ist infertil. Ja, meine lieben Hochzeitsgäste des Volkszorn- und Wutbürgertumsportes, Frau Umweltschutz ist seit langer Zeit unfruchtbar. Sie hat zwar schon einige Totgeburten wie Biodiversität, Klimawandel und Artenschutz hinter sich und wurde künstlich mit revolutionären Hilfsmitteln wie Atomkraft, Überfischung oder Abholzung zur Niederkunft bewegt, doch außer ihrem langsamen Niedergang kam bisher nichts dabei heraus. Neueste medizinische Produkte wie Monsanto, das höchst effektive Shell-Präparat und auch ein auf dem Markt offiziell noch nicht zugelassenen Mittel mit dem geheimnisvollen Namen Biopiraterie verhalfen einfach nicht zum gewünschten Erfolg. Oder, wie ich schon geschrieben hatte: „Wen, bitteschön, leckt schon ein kleines Ölleck, wenn vor lauter Götz-Zitaten und „Sturm und Drang“-Zeiten die Maxime „Freiheit gibt es nur im Jenseits, die Welt aber ist ein Gefängnis“ tagtäglich aus den Niederungen der wirtschaftspolitischen Weltmeere leise blubbernd schaumgebremste Blasen schlägt. 

Ich möchte nicht als umweltpolitischer Spanner dastehen, aber in der Hochzeitsnacht würde ich doch allzu gerne dabei sein. Aber vielleicht läuft es darauf hinaus, dass alles beim Alten bleibt und Herr Wirtschaft sich besser nicht von Frau Politik scheiden lässt. Und Frau Umweltschutz? Naja, bleibt wahrscheinlich eben alleine im sauren Regen stehen und hofft darauf, dass sie nicht als alte Jungfer das Zeitliche segnet. Und drinnen im heimischen Schlafzimmer, an den runden Tischen und in den obersten Etagen treiben es Herr Wirtschaft und Frau Politik weiter. Korpulieren wie die wirtschaftspolitischen Karnickel, zeugen liebe kleine Kinder und bekunden tagtäglich den vor langer Zeit gegebenen Schwur: „Bis dass die Subvention uns scheidet!

Hoffen auf den aufgeklärten Konsumenten. Absolut richtig, schließlich stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt. Lange, nachdem Frau Umweltschutz von Herrn Wirtschaft und seiner spröden, aber durchaus liebreizenden Gattin Frau Politik und der gesamten Hochzeitsgesellschaft zu Grabe getragen wurden. Wahrscheinlich war sie zu diesem Zeitpunkt sogar schwanger. Mit einem entzückend kleinen Gletscher. Übrigens dem letzten seiner Art. Praktisch das Kalben eines Gletschers als Danaer-Geschenk zum silbernenen Hochzeitstag. Oder sogar zur goldenen Hochzeit. Nein, noch besser. Nach 53 Jahren wird die sogenannte Uranhochzeit gefeiert. Ein würdiger Anlass.

Aber das würde doch bedeuten, die Ehe von Herrn Wirtschaft und Frau Politik wurde im Jahre 1958 geschlossen. Passt! Denn am 01. Juli jenes Jahres trat in der Bundesrepublik Deustchland das 1957 verabschiedete Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Kraft. Endlich standen und stehen immer noch in trauter Zweisamkeit Herr Wirtschaft und Frau Politik auf einer gemeinsamen Stufe. In Augenhöhe praktisch. Und als Gentleman der alten Schule führt selbstverständlich der Herr die Dame.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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