Klimawandel: SkeptikerInnen kommen ins Schwitzen


Die Kontra-Argumente schmilzen dahin wie die Gletscher

Nachdem uns ja nun der amerikanische Geochemiker Richard Nevle endlich eindeutig zweideutig davon überzeugen möchte, dass für die Erwärmung des Klimas vor der Kleinen Eiszeit, ausgehend von der Mitte des 17. Jahrhunderts über einen Zeitraum von zwei Jahrhunderten, also lange, bevor sich die dieselbetriebenen Aggregate und kohlefressenden Stahlkessel des industrie-revolutionären Zeitalters in Bewegung setzten, um sich ächzend, kochend und ohrenbetäubend auf den Weg machten, sich und den modernen Menschen untertan zu machen, der wiederum im Bestreben, als Kompensationsleistung sozusagen, sich den gesamten Erdball samt noch kümmerlich verkümmernder vorhandener Flora und bekümmerter ebenfalls in Restbeständen vorhandener Fauna untertan zu machen, ganze Arbeit geleistet hat, werden jetzt die ehemals lauten Stimmen der KlimawandelskeptikerInnen leise und leiser. Oder, um einfachen Schachtelhalm gegen komplizierten Schachtelsatz zu tauschen: Der Klimawandel lässt sich einfach nicht mehr verleugnen! Allen voran der amerikanische Physiker Richard Muller. Grund für das Umdenken und Umschwenken vom bisherigen Leugnen des stetig voranschreitenden Klimawandels hin zur Akzeptanz gibt dabei Muller selbst. Dazu aber gleich mehr.  

Der amerikanische Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugmann bringt die aus dem Ruder der klimawandel-skeptischen führenden Köpfe gelaufenen Argumentationen in der Berliner Zeitung süffisant zur Sprache. Unter „Ein böser Witz zum Klimawandel“ erläutert er, warum sich der Saulus Muller, welcher sich jetzt aufgrund der erhobenen Daten und Fakten zum Klimawandel zum geläuterten Paulus Muller (was aber noch bewiesen werden muss) gewandelt hat bzw. wandeln musste. Dass dieser Wandlungsprozess des ehemals skeptischen Wissenschaftlers darüberhinaus den Ärger der Hardliner in Reihen der Republikaner und weiterhin erklärter und überzeugter Gegner wie Steve McIntyre (Climate Audit: First Thoughts on BEST) fernab der leise vor sich tropfenden Polkappen über solcherlei frevelhaftes Tun nicht für Beifallsstürmen sorgte, lässt den Ökonomen dabei kalt. Nun, zur Entschuldigung von Mister McIntyre mag vielleicht gelten, dass er aufgrund anderer Beschäftigungen noch nicht die Zeit hatte, sich ernsthaft mit den Ergebnissen auseinanderzusetzen bzw. die ganze Bescherung erst einmal ordentlich verdauen muss („Unfortunately, I’ve been very busy on other matters in the past week and wasn’t able to get to it right away and still haven’t had an opportunity to digest the methods paper. (Nor will I for a week or two.„). Zurück zum bösen Scherz des Klimawandels.

Der Witz fängt so an: Ein Volkswirt, ein Anwalt und ein Marketing-Professor gehen in einen Raum. Was die Pointe ist? Sie sind drei von fünf „Experten“, die von den Republikanern zur Parlaments-Anhörung vergangene Woche über den Klimawandel eingeladen waren. Doch am Ende ging der Witz auf Kosten der Republikaner. Denn einer der beiden tatsächlichen Klima-Forscher, die die Partei eingeladen hatte, hielt sich nicht ans Drehbuch.

Mit Drehbuch meint Krugmann das von Richard Muller und anderen entwickelte neuartige Mess- und Auswertungsverfahren Berkeley Earth Surface Temperature (BEST), welches ohne vorheriges Redigieren und Lektorieren durch die skeptischen NichtwandlerInnen die Mauern des BEST-Filmstudios verlassen hatte. War früher die schlagkräftigste Waffe der Klimawandel-Gegner, nur bestimmte Temperaturmessstationen in die eigenen wünschenswerten Überlegungen und damit verbundenen eigenwilligen Interpretationen einfließen zu lassen, was bis vor kurzem auch Muller für richtig hielt, so hat sich dies nun mit den erhobenen Daten geändert. Denn die Argumentation, dass die meisten dieser Messstationen auf urbanem Territorium stehen und dieses spezielle städtische Mikroklima so ganz anders und überhaupt nicht repräsentativ für belegbare und messbare Aussagen zum Klimawandel herangezogen werden könne, weil sich eben erhöhte Temperaturen aufgrund dieser besonderen Konstellation der Verstädterung ergeben und dementsprechend keine globale Gültigkeit besitzen, haben nun die Ergebnisse von BEST dieses Falschdenken wohl endgültig widerlegt.

Denn die BEST-Methode nimmt neben den bereits erwähnten mehr 39 000 Temperaturaufzeichnungen zusätzlich jene seit dem Jahre 1800 verfügbaren Ergebnisse auf und lässt diese mittels neuer statistischer Auswertungsverfahren in die Ergebnisse mit einfließen. So bekamen die Wissenschaftler Daten von der World Meteorological Organization (Vereinte Nationen) und Zahlen von amerikanischen und britischen Regierungseinrichtungen zur Verfügung gestellt. Und aufgrunddessen kamen die BEST-Forscher unter Federführung von Muller zu dem sicherlich folgenschweren Entschluss (zumindest für die RepublikanerInnen, Herrn McIntyre und anderer skeptischer Menschen), den Bias (Verzerrungsfaktor) jener städtischen Wetterstationen nicht mehr rigoros herauszustreichen, sondern in den Auswertungen richtigerweise zu berücksichtigen. Und weil nichts so bitter ist wie die Wahrheit bzw. in vorliegendem Falle die Leugnung dieser unangenehmen Begleiterscheinung menschlichen Daseins durch Zitieren der Bias-bereinigten Ergebnisse durch die wandelnde Minderheit der klimawandelkeptischen Fraktion, hat sich Richard Muller also nun zu einem ganz heißen Bumerang für die einstigen Gefolgsleute entwickelt.

Was selbstverständlich nicht bedeutet, dass dieser Bumerang auch über den doch sehr beschränkten Horizont bestimmter Grundhaltungen hinausfliegt. Jedoch sollten sich die unverantwortlich Verantwortlichen, welche immer noch im Unglauben des Glaubens an eine heile Welt in abstruse Erderwärmungstheorien jenseits der bestehenden Untersuchungsergebnisse renommierter Institute und Forschungseinrichtungen flüchten und die klimatischen Gegebenheiten in Städten ganz einfach aus dem eigenen Konzept zugunsten fehlgeleiteter Interpretationsspielräume streichen, die Ergebnisse der BEST-Studie vor Augen halten. Allerdings immer unter der Voraussetzung, dass das Verdauen anderer Wahrheiten nicht für allzu volle Mägen und leere oder verschleierte Blicke sorgt. Doch auch wer nicht die Muße findet, über den Tellerrand globaler Erwärmung hinauszuschauen, findet in der komprimierten Form des Untersuchungspapiers „COOLING THE WARMING DEBATE. Berkeley Earth Releases Global Land Warming Analysis“ vielleicht doch die auf den Weg der Tugend zurück bzw. überhaupt erst einmal dorthin.

Klimawandel: SkeptikerInnen kommen ins Schwitzen. Das von Richard Muller und anderen entwickelte neuartige Mess- und Auswertungsverfahren Berkeley Earth Surface Temperature (BEST) stützt die These anderer Messergebnisse, dass sich die Erde innerhalb der letzten Jahrzehnte kontimuierlich erwärmt.

Wen diese kurze Zusammenfassung der Ergebnisse noch nicht ordentlich ins Schwitzen bringt und deshalb etwas mehr sportliche Betätigung beim Hürdenlauf Klimawandel benötigt, hat natürlich die Möglichkeit, sich in die sehr umfassenden Berichte von Berkeley Earth Surface Temperature hineinzulesen. Alles abzurufen und selbstverständlich auch schwer zu verdauen gibt es unter „Resources„.

Übrigens! Richard Muller geht nun selbst davon aus, dass sich die festgestellte Erkenntnis der eigenen BEST-Studie, nämlich die (un)bestrittene Erwärmung des Weltklimas seit den 50er Jahren des letzten Jahrtausends um ein Grad Celsius, mit allen anderen großen Untersuchungen zu diesem Thema deckt. Keine leichte Kost zugebenermaßen, aber für einen ehemaligen Klimawandelskeptiker seines Formates auch wiederum der richtige Schritt in die richtige Richtung. Wenngleich diese Richtung leider der falsche Weg in die Zukunft ist. Ob dies allerdings zu einem besseren Mikroklima unter den Gegner des fortschreitenden Klimawandels beitragen wird, darf bezweifelt werden. 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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