Die Entdeckung Amerikas und der Klimawandel 1



Die Ausrottung indigener Stämme zum Wohle der Umwelt

Bitte verurteilen Sie mich nicht vor Lesen dieses Artikels anhand der gewählten Überschrift. Denn was sich sehr zynisch liest, soll es auch sein. Aber mehr dazu jetzt in den folgenden Zeilen. Sollten Sie jetzt die beiden letzten Früchte des Zorns (siehe „Hinter Gittern“ und „Der Kern der Dinge„) vermissen. Diese folgen selbstverständlich nach. Sozusagen gewachsen, ausgereift, aber eben noch nicht gepflückt.

Wenn wir über das Damoklesschwert Klimawandel sprechen, bewegt sich unser Denken und leider Nichthandeln meist nur in geographischen Breiten- und zeitlichenDie Entdeckung Amerikas und der Klimawandel. Die Ausrottung indigener Stämme zum Wohle der Umwelt. Der Geochemiker Richard Nevle und seine Hypothese vom Austerben indigener Völker durch Krankheiten wie Diphterie, Pocken und Grippe durch europäische Eroberer und die damit verbundene Erholung der Waldbestände durch fehlende Landrodung. Längengraden jenseits der industriellen Revolution. Die Erderwärmung, das Abschmelzen der Gletscher, die Zunahme von CO2 in unserer Atmosphäre, alles Schlagworte und Inhalt von Diskussionen unserer heutigen Zeit. Doch wie war es früher? Gab es damals, in einer Zeit vor Atomstrom, einem Zeitalter ohne exzessive Kohlekraft, einer Ära ohne Konsumtempel, Energiesparlampen und Biodiesel auch schon gute Gründe, sich über unkontrollierte Erwärmung, polare Tauperioden oder abgeholzte Waldflächen, welche als natürliche CO2-Speicher schädlicheStoffe aus der Luft filterten, Gedanken zu machen?

Wast wia des wirklich war, vor hunderttausend Jahr, im Lebkuchenhaus. Du waßt das net, dann pass auf … Ich möchte nun nicht jenen fernen Zeitraum mit Ihnen erkunden, welchen Ludwig Hirsch in seinem dunkelgrauen Lied „Geh spuck den Schnuller aus“ so schön morbid besingt. Doch der Geochemiker Richard Nevle von der US-Universität Stanford hat sich mit jenem Zeitalter der sogenannten „Kleinen Eiszeit“ beschäftigt und stellt eine revolutionäre Konkurrenzhypothese in Sachen Klimawandel auf. Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit schon einmal über das sogenannte Maunder Minimum berichtet, welches KlimaforscherInnen immer noch als Erklärungsmodell dafür dient, wie sich die Inaktivität unseres Licht- und Lebensspenders Sonne wohltuend auf unser Klima auswirken kann. Andere Hypothesen sehen die vermehrte Aktivität von Vulkanen und die Absorption des Sonnenlichtes durch die großen Eisflächen der Polarzonen zumindest als weiteren wesentlichen Faktor neben den diesem Minimum an Sonnenflecken für das Abkühlen der Erdoberfläche als Grund, aber dies nur nebenbei erwähnt. Was aber, zumindest im Falle des Maunder Minimums, wie von Dr. Georg Feulner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung eiskalt aufgezeigt, eine mehr als nur trügerische Hoffnung ist.

Nevle hat die schon erwähnte Kleine Eiszeit, ein Zeitraum zwischen Mitte des 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts, welcher in den Jahrzehnten 1570 bis 1630 und 1675 bis 1715 besonders frostig ausfiel, auf mögliche Ursachen untersucht und kommt zu einem vollkommen neuen Schluss. Denn die Ursachen, welche die Themse zufrieren ließen, die Kanäle der Niederlande mit Eis bedeckten oder ganze alpenländische Bergdörfer unter den sich ausdehnenden Gletschern begraben wurden, sind nicht in Europa zu suchen, sondern in Nord-, Mittel- und ganz besonders in Südamerika! Denn der Wissenschaftler sieht die Entdeckung Amerikas, zumindest jene Entdeckung, wie sie uns die Geschichtsschreibung und die Geschichtsbücher vorgeben, als Ursache dieser kalten Periode der jüngsten Erdgeschichte. Klingt seltsam? Ist es auch. Wenngleich der Wissenschaftler, zugegebenermaßen, gute Gründe für seine Theorie anführt.

Auf der Jahrestagung der Geological Society of America trug er jedenfalls seine Vermutungen vor Publikum vor. Was unter anderem Science News zum Anlass, diese Spekulationen ebenfalls aufzugreifen. Unter „Columbus‘ arrival linked to carbon dioxide drop. Depopulation of Americas may have cooled climate“ von Devin Powell finden sich folgende Kernaussagen des Wissenschaftlers wieder.

The European conquest of the Americas decimated the people living there, leaving large areas of cleared land untended. Trees that filled in this territory pulled billions of tons of carbon dioxide from the atmosphere, Stanford University geochemist Richard Nevle reported October 11 at the Geological Society of America annual meeting. Such carbon dioxide removal could have diminished the heat-trapping capacity of the atmosphere and cooled the climate, Nevil and his colleagues have previously reported. …

By the end of the 15th century, between 40 million and 100 million people are thought to have been living in the Americas. Many of them burned trees to make room for crops, leaving behind charcoal deposits that have been found in the soils of Mexico, Nicaragua and other countries.

About 500 years ago, this charcoal accumulation plummeted as the people themselves disappeared. Smallpox, diphtheria and other diseases from Europe ultimately wiped out as much as 90 percent of the indigenous population.

Trees returned, reforesting an area at least the size of California, Nevle estimated. This new growth could have soaked up between 2 billion and 17 billion metric tons of carbon dioxide from the air.

Die im Schlepptau von Kolumbus ins Land eingefallenen (spanischen) Konquistadoren und Eroberer haben durch eingeschleppte Krankheiten aus Europa also dazu beigetragen, dass 90 Prozent der ursprünglichen Bevölkerung starb. Dieser These ist nicht zu widersprechen, haben doch Diphterie, Pocken oder die Grippe das Immunsystem der indigenen Stämme in Amerika dermaßen geschwächt, dass tatsächlich diesen Krankheiten viele zum Opfer fielen. Dass Brandrodung damals wie heute ein beliebtes und vor allem effektives Mittel ist, innerhalb kürzester Zeit Lebensraum und Anbauflächen für landwirtschaftliche Produkte zu gewinnen, lässt sich ebenfalls nicht bestreiten. Nevle kommt durch dieses Zusammenspiel von aussterbenden Menschen und der damit verbundenen Tatsache, dass jetzt auf einmal niemand mehr für Brandrodungen „zuständig“ ist, zu dem folgenreichen Ergebnis: Die Wälder konnten sich erholen und eine ungeplante Aufforstung der Baumbestände fand statt.

Die Tatsache, dass aus der Antarktis im leider nicht mehr ewigen Eis eingeschlossene Luftproben einen signifikanten Rückgang des Kohlendioxids von geschätzten zwei bis zu 17 Milliarden Tonnen ergaben, erklärt der Geochemiker damit, dass die wiedererstarkte Waldlandschaft auf dem amerikanischen Kontinent für die jetzt wieder saubere Luft verantwortlich war. Oder kurz und bündig: Keine Urvölker, kein Nahrungsmittelanbau, keine Treibhausgase. Dass andere Klimaforscher wie Jed Kaplan diese Hypothese des Beginns der Kleinen Eiszeit im Moment nicht unterstützen und lieber durch die konventionellen Erklärungsversuche Vulkanismus, Sonnenflecken und Gletschermassen zu erklären versuchen, sei auch wiederum nur nebenbei erwähnt. Allerdings sehen auch sie den Menschen (nicht die Urvölker!!!) als Hauptursache des Klimawandels. Und auch sie bestreiten nicht, dass die Einflussnahme auf unser Klima schon weit vor Beginn der industriellen Revolution ihren Anfang nahm.

„Humans didn’t wait for the industrial revolution to provoke environment and climate change. They have been having an influence for at least 8000 years.“ Jed Kaplan is putting forward a new interpretation of the history of humans and their environment. This professor at EPFL and his colleague Kristen Krumhardt have developed a model that demonstrates the link between population increase and deforestation. The method enables a fairly precise estimate of human-origin carbon emissions before the advent of industrialization. (Science Daily: Humans Have Been Provoking Climate Change for Thousands of Years, Carbon History Shows)   

Die von Richard Nevle aufgestellten Szenarien lassen jetzt natürlich die Fragestellung zu: „Müssen wir die indigenen Stämme und letzten Restbestände an Urvölkern ausrotten, um in Zukunft signifikante Verbesserungen unseres Erdklimas zu spüren zu bekommen?“ Die Antwort darauf lässt sich relativ einfach finden: „Nein, müssen wir nicht!“ Denn das tun wir bereits Tag für Tag erfolgreich. Wir vertreiben diese Menschen aus ihren angestammten Lebensräumen, nehmen ihnen die Luft zum Atmen, den Platz zum Jagen und das Land zum Anbauen, ohne jedoch Sorge dafür zu tragen, neue Grundlagen für die Wegnahme dieser Landflächen zu schaffen. Wir bauen Staudämme, graben nach Bodenschätzen, bohren nach Erdöl und pflanzen Monokulturen von apokalyptischen Ausmaßen. Hat sich also, nachdem wir genau das machen und in Form unserer eroberungswütigen Ahnen bereits getan haben, nämlich die geplante Vertreibung dieser indigene Stämmen aus dem angestammten Paradies, das Weltklima erholt und verbessert? Nein, hat es nicht. Was also dann tun? Vielleicht sollten wir den letzten verbliebenen indigenen Völkern diese Aufgabe übertragen und sie bitten, mit dem Auslöschen der Industrienationen zu beginnen. Wäre doch zumindest einen Versuch wert, um dann irgendwann in ferner Zukunft zu der Überzeugung zu kommen, dass die von Richard Nevle aufgestellten Hypothesen ja doch nicht so falsch waren wie immer (von mir) behauptet wurde.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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