Dolby-Surround, 16:9 und andere cineastische Höhepunkte 1


Die Kaffeeplantagen wachsen nicht in den schauspielerischen Himmel

Heute also der Schlussbaustein einer wohl unendlichen Geschichte, welchen ich Ihnen gestern unter „Vom Rollstuhl ins Cafe zur Schlachtbank“ angekündigt hatte und welcher eigentlich als Treffen zwischen einem deutschen Goldhähnchen und einem lokalen Gockel seinen Anfang nahm.

Nun, viele von Ihnen kennen die derzeitige, möglicherweise jedoch auch schon wieder im so ziemlich alles vergessenden Sand der Geschichte verlaufenden Diskussion um UNO-Botschafter George Clooney und sein äußerst fragwürdiges Engagement für Nespresso. Der Friedensbotschafter mit dem unglaublich guten Aussehen, zumindest wenn man dazu die geschmacklichen Definitionen von Boulevardpresse und Hollywood als Maßstab heranzieht, hat also aufgrunddessen von der gegen Nespresso federführenden Schweizer Organisation Solidar Suisse jene mehr als 40 000 Emails und 10 000 persönlichen Botschaften erhalten, welche ihrem Unmut gegen dieses unvereinbare Handeln freien Lauf gelassen haben.

Vor einem Monat haben wir unsere Kampagne „Fair Trade – What else?“ lanciert.

Fast 1’000’000 Personen haben unseren Spot dazu angesehen. 40’728 Personen sind unserer Aufforderung nachgekommen und haben George Clooney eine E-Mail geschickt. Rund 10’000 Personen haben George zudem eine persönliche Botschaft geschickt.

Es freut uns, dass unsere Kampagne so grosse Aufmerksamkeit erhielt. Vor allem aber freut uns, dass unsere Forderung an Nespresso und Nestlé, endlich konsequent Fairtrade-Kaffee anzubieten, von derart vielen Menschen mitgetragen wird.

George Clooney hat bislang noch nicht auf unsere E-Mails reagiert. Wir sorgen aber dafür, dass er die Botschaften in den nächsten Tagen dennoch erhält. Lassen Sie sich überraschen! (Quelle: Solidar Suisse: Fairtrade – What else?)

Woran mag es also liegen, dass jene Menschen, welche sich für eine faire Welt einsetzen, immer noch auf Antwort von einem Menschen, welcher sich scheinbar ebenso für bessere Lebensbedingungen einsetzt, warten? Eigentlich erstaunlich, denn ansonsten reagieren die Mechanismen der unmittelbar davon betroffenen Unternehmen, in diesem Falle also Nestlé, relativ schnell, wenn es darum geht, Kritik mit entsprechenden fadenscheinigen Argumenten und schön ausformulierten Presseerklärungen im schon erwähnten im so ziemlich alles vergessenden Sand der Geschichte versickern zu lassen. Und so wäre es meines Erachtens nicht überraschend gewesen, wenn ein kurz darauf erscheinendes Statement von George Clooney, egal ob nun von ihm, seiner Presseabteilung oder von Nestlé im Namen von George erschienen wäre, um im Brustton der Überzeugung zu erklären: „Ja, liebe Leute, wir haben Eure Botschaften erhalten. Und selbstverständlich nehmen wir Eure Sorgen und Wünsche ernst.

Doch in diesem Fall kein Dementi. Keine Botschaft des UNO-Botschafters auf die zehntausenden Botschaften von Nicht-UNO-BotschafterInnen. Keine säuselnde Erklärung, keine schönen Worte, kein volltönendes Statement. Weshalb dieser Weg des Stillschweigens? Mag es daran liegen, dass sich Herr Clooney immer noch vor Schmerzen am Boden krümmt und die lädierten Weichteile massieren muss? Oder gar daran, dass Nespresso im Moment nicht so recht weiß, wie auf die geäußere Kritik reagieren? Ich glaube, weder das eine und schon gar nicht das andere dürfte der Fall sein.

Ich bin im Süddeutsche Zeitung Magazin auf einen Artikel von Michaela Haas gestoßen. Unter „George Clooney For President“ gibt sie verschiedene Sätze wider, welche der Star auf die (anderen) Hoffnungen des gemeinen Volkes von sich gab, um den damit verbundenen Wünschen, Clooney möge doch in die Politik wechseln, von vornherein gleich einmal aus dem Wege zu gehen. Und nicht genug dieser Hoffnungen. Das amerikanische Magazin Time schlägt in dieselbe Bresche. Unter „The Ides of March: Ladies and Gentlemen, President George Clooney“ finde ich folgende salbungsvollen Worte über den neuen Hoffnungsträger demokratischen Sendungsbewußtseins:

Democrats a have no such problem imagining a dream candidate, should Obama decide he’s has enough. Of course that’s George Clooney; half the liberals I know want him to be President of their fantasy United States. The affable dreamboat has the wit and charisma of a born politician, and is solidly left of center — or left of the right, which these days is the center — to appeal to Democrats who have slunk into despondency watching Obama first capitulate to Republicans, then be rejected by them. For now the star seems content in the job of Hollywood’s liberal ambassador to America. But just to tantalize and tweak his political base, he offers the smart political drama The Ides of March, which he directed, cowrote and costars in.

Ja, wäre doch zu schön gewesen, wenn sich ein neuer UNO-Heilsbotschafter vom Format eines George Clooney gefunden hätte, die Probleme dieser Welt cineastisch eindrucksvoll, aber wirklichkeitsnah umso effektiver mit einem Schlag vom Tisch zu fegen. Von mir aus in 3-D und mit Dolby Surround, gerne auch in 16:9 und hochauflösend. Doch der smarte Schauspieler hat sich entschlossen, die Rolle des integeren Poltikers und Mannes für alle Fälle nur auf dem Papier oder besser auf der Leinwand zu spielen. „Doch so sehr sich manche auch danach sehnen, dass aus Fiktion Wirklichkeit wird: Clooney winkt ab. Für eine echte Kandidatur fehle ihm die Kompromissbereitschaft, meint er: “Ich bin nicht besonders gut, wenn es darum geht, die Kompromisse zu machen, die man machen muss, um gewählt zu werden”, sagte er bei der Premiere (Anm.: Die Iden des März) in New York.“ steht in der Süddeutschen geschrieben. Und weiter erklärt der Schauspieler: „Wir leben in einer Zeit besonders extremer politischer Gegnerschaft. Sehr bemühte, kluge Menschen auf beiden Seiten haben eine sehr schwere Zeit, irgendetwas gebacken zu kriegen.

Die Kompromissbereitschaft kam ihm also abhanden bzw. war niemals vorhanden. Deshalb keine amerikanische Präsidentschaftskandidatur, deswegen kein politisches Verantwortungsbewußtsein. Natürlich ist es ein leichtes, sich im Dienste der UNO für die Menschenrechte einzusetzen. Eine große Organisation, welche einem die notwendige Rückendeckung verleiht, um dahinter als Mensch mit hehren Zielen und moralisch sauberen Wertvorstellungen zu stehen und im Bedarfsfall aus dem Schatten ins Licht der Öffentlichkeit zu treten, wenn der Zeitpunkt gerade passend erscheint. Das ist einfach, Herr Clooney. Im Film den Mann für alle Lebenslagen zu verkörpern, welcher idealisierend angetreten ist, sich den Problemen dieser Welt zu stellen und diese gar lösen zu wollen. Das ist einfach, Herr Clooney. Sich damit zufriedenzugeben, zu erklären, politische Verantwortung würde daran scheitern, dass zuviele Drogen und zuviel Beischlaf mit zu vielen Frauen dies unmöglich machen. Das ist einfach, Herr Clooney. Festzustellen, dass bemühte kluge Köpfe schlichtweg überfordert sind, in Zeiten wie diesen irgendetwas verändern zu können. Das ist einfach, Herr Clooney. Doch daraus die persönliche Konsequenz zu ziehen, zumindest verantwortungsvoll zu handeln oder die Bereitschaft zu zeigen, dieses zu wollen. Das ist schwierig, Herr Clooney. Nicht nur in Amerika. Nicht in anderen Teilen dieser Welt. Auch bei mir. 

Und Europa? Nun, good old Europe wartet ebenso auf seine großartigen Heilsverkünderinnen und Problemlöser in allen Lebenslagen. Arnold Schwarzenegger hat wohl der Politik für immer den breiten Rücken gekehrt, Til Schweiger hat sich nicht deklariert, der Politik das schauspielernde Händchen zu reichen, Vanessa Redgrave hat sich mit ihren Protesten gegen Vietnamkrieg oder Nuklearwaffen selbst aus dem Rennen genommen, um für höchste politische Ämter kandidieren zu können und „Mr. Bean“ Rowan Atkinson wird wohl in nächster Zeit im Dienste des Kinopublikums weiterhin in den Fußstapfen von 007 weiterstolpern. Kein schauspielerisches Land am politisch aufklarenden Himmel. Wobei Drehbücher genug vorhanden wären. Doch was nützt das beste Script, wenn die dafür notwendigen Aktricen und Akteure nicht bereit stehen, um sich auf die Rolle ihres Lebens vorzubereiten?

Fukushima? Da war doch was?schrieb ich am 01. August 2011. Nun, ich denke, in einigen Wochen, Monaten oder welchen Zeitraum wir auch immer im so ziemlich alles vergessenden Sand der Geschichte wählen, werden wir dann sagen: „Nespresso? Da war doch was? Aber was?Übrigens, ganz am Schluss des oben angeführten Artikels im Magazin der Süddeutschen Zeitung findet sich ein Zitat von Martin Sheen, welcher die Hoffungen des irischen Volkes, aufgrund seiner überzeugenden Rolle des Kennedy im gleichnamigen Film für die Präsidentschaft Irlands zu kandidieren, von vornherein begräbt: Ich bin einfach nicht qualifiziert. Ihr verwechselt Berühmtheit mit Glaubwürdigkeit.Und dann die Festellung: „Dieser Satz hätte wiederum auch gut von George Clooney stammen können.In Sachen Werbeengagement für Nespresso gibt es da eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.  

So, so soll für heute Schluss sein. Sie vermissen die in der Überschrift angekündigte Schlachtbank. Einerseits richtig, andererseits aber finden Sie diesen vorgezogenen Artikel bereits veröffentlicht unter „Deutsches Goldhähnchen trifft lokalen Gockel: Ein Arbeitsessen zwischen Hühnerschenkeln und Hühnerbeinen„, was ich aber zu Anfang bereits geschrieben hatte.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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