Deutsches Goldhähnchen trifft lokalen Gockel


Ein Arbeitsessen zwischen Hühnerschenkeln und Hühnerbeinen

Vorab eines: Der folgende Beitrag könnte durchaus satirische Elemente enthalten. Also soll er auch als solche verstanden werden. Wobei, naja, also bei näherer Betrachtung, sozusagen rein tierisch betrachtet ist der Artikel natürlich weniger lustig. Nein, wissen Sie was, lassen wir es bei der Satire.

Der gute Newsroom von Wiesenhof lebt! Möglicherweise ist die hauseigene Plattform für das Zeitgeschehen rund um Federn mit Vieh oder Vieh, welches Federn lässt oder eben Federvieh aus dem Hause Wiesenhof sogar manches Mal lebendiger als jenes gefiederte Vieh in den subunternehmerischen Hühnerställen. Aber das ist natürlich nur eine konjunktivistische Mutmaßung. Was aber höchst erfreulich ist: „Nach der Ausstrahlung der ARD Reportage hatte Unternehmerin Sina Trinkwalder einen offenen Brief an Paul-Heinz Wesjohann geschrieben. Nun haben sich die bloggende Unternehmerin und Paul-Heinz Wesjohann persönlich getroffen.“ Steht dort wortwörtlich und deshalb zitierenderweise unter „manomama trifft Wiesenhof„. Das pfeift ordentlich. Kritisierende Bloggerin trifft kritisierten Unternehmer. Jetzt muss ich natürlich, fieberhaft nagt die Neugierde am eigenen bloggenden Hühnerbein, wissen, was im offenen Brief steht, welcher Herrn Wesjohann dazu veranlasst, sich mit dem schreibenden Volk zu treffen. Natürlich können Sie den Inhalt auch selbst unter „Jeder muss mal Federn lassen“ ohne viel Federlesen nachlesen, aber so in komprimierter Form und inhaltlich lässt sich sagen, dass Sina Trinkwalder das schreibt, was sich wohl jeder Mensch nach dem Bericht der ARD (ARD-Mediathek: Das System Wiesenhof) dachte und selbstverständlich anhand der gezeigten Bilder empfand.

Aber der Seniorchef macht jetzt das, was wohl jede vorzügliche Firmeninhaberin und jeder gute Unternehmer in so einem Fall tun würde: Er lädt sich die kritischen Parteien ein und zeigt sich von seiner Schokoladenseite. Und gefilmt wird das Ganze natürlich auch. Nicht durch die Firma Wiesenhof, sondern durch einen befreundeten Filmemacher der Bloggerin, welcher auch noch erklärter und aktiver Wiesenhof-Gegner ist (manomama trifft Wiesenhof). Und Sina macht gleich einen epochalen Vorschlag. Nicht im Hühnerstall soll diskutiert werden, sondern beim gemeinsam zubereiteten Essen lässt es sich doch viel besser philosophieren. Der Menüplan? Sie werden es nicht glauben: Zwei Hühnchen stehen auf dem Speiseplan. Und weil die gewinnmaximierende Wiesenhof-Welt und dieser gegenüber die bloggende Welt von manomama eine faire und glückliche ist, stehenoder besser liegen als „Opfer“, wie sich die Bloggerin wortwörtlich ausdrückt, ein hübsch verpacktes deutsches Goldhähnchen aus dem eigenen Massentierhaltungsstall und ein lokaler Gockel als Magenfüller parat.

Na, das fängt gut an!„, denke ich mir und lobe den genialen Schachzug, um gleich einmal die latente Spannung zu Anfang zu nehmen, um dann sicherlich mit bohrenden Fragen das Messer in die Wunde von Herrn Wesjohann zu stechen. Salz und Pfeffer inklusive! Da sind gerade einmal 60 Sekunden des knapp 59-minütigen Videos vorbei. Nun, dann beginnt das große Frage und Antwort Spiel. Ich erspar’s Ihnen. Nach 15 Minuten und fünf Sekunden betritt ein Mann die Bühne. „Schau, schau, wahrscheinlich ein radikaler Tierschützer von PETA, welcher mit einem großen Messer bewaffnet gleich auf den freundlichen älteren Mann losgehen wird„, denke ich mir und freue mich auf das geniale Blutbad nach dem genialen Schachzug. Nein, doch nicht! Die haben einen Koch engagiert, welcher mit gekonnten Säbelschnitten die beiden Opfer ausnimmt. Muss ich nochmal zurückspulen, dachte nämlich, die wollen das Federvieh ohne Federn selber zubereiten. War zwar so angedacht, aber scheinbar haben sich die Pläne geändert. Nun, macht nichts, also kein geniales Blutbad, also wieder vorspulen

Das große Frage und Antwort Spiel geht weiter! Ich erspar’s Ihnen. So, fast 19 Minuten sind vorbei. Der Koch ist fertig mit seiner Arbeit und lehnt ganz lässig neben den beiden, eine Hand auf dem Holzbrett aufgestützt. „Hoffentlich sind da keine Salmonellen drauf!“ denke ich mir und freue mich nach dem verpassten genialen Blutbad durch den PETA-Aktivisten, der ja keiner war, auf eine anständige geniale Salmonellenuntersuchung. „Schei..e!“, denke ich, denn nach 19 Minuten und so cirka 20 Sekunden verlässt der falsche PETA-Aktivist das Küchenstudio. Das Messer bleibt da, das Frage und Antwort Spiel ebenfalls. Ich erspar’s Ihnen.

„Schau, schau!“, denke ich mir und lobe insgeheim das geniale Drehbuch. Der PETA-Aktivist, der sich als Koch getarnt hat, kann auch andersherum gewesen sein, kommt wieder herein. Wahrscheinlich hat er sein Messer still und heimlich gewetzt und ich freue mich auf das geniale Blutbad nach der abgesagten Salmonellenuntersuchung. Jetzt geht es ans Eingemachte. Das eine Fleisch ist dunkler, das andere heller. Da herrscht eindeutig genialer Erklärungsbedarf. Kommt natürlich auch sofort. Ich erspar’s Ihnen. Die Hähnchenteile wechseln auf dem Brett hin und her wie die Hütchenspieler ihre Becher. „Sagenhaft, endlich investigativer Journalismus„, denke ich mir und kaue an den Fingernägeln, innerlich frohlockend, dass dem genialen Blutbad wohl nichts mehr im Wege steht. Höchstens die verschobene Salmonellenuntersuchung.

Genau 30 Minuten sind vorbei. „Oh Gottogott, nein bitte nicht!„, denke ich mir und und stiere fassungslos auf den Bildschirm. Paul-Heinz Wesjohann hat zum Messer gegriffen. Wahrscheinlich hat er jetzt doch irgendwie Lunte gerochen und bringt gleich den verkappten PETA-Aktivisten und danach Sina Trinkwalder um. Nein, einfach genial, dieses Drehbuch. Der Hausherr schneidet einen Kürbis, glaube ich zumindest, in schöne kleine Würfel. Der Neid frisst mich schön langsam von innen auf und höhlt mich aus. „Verdammt gut, der Spannungsbogen„, denke ich und kaue an den bereits abgekauten Fingernägeln. Schmecken irgendwie nach Hühnchen. Könnten natürlich auch Salmonellen sein, wer weiß das schon so genau.

46 Minuten zeigt die Uhr an. Zwischen zwei Fragen fährt die Interviewerin in die silberne Schüssel, schüttelt den Inhalt liebevoll auf, um dann sofort wieder Blickkontakt mit dem Unternehmer aufzunehmen. Noch ein kurzer genialer Schüttler und weiter gehts. Die sonore Stimme von Herrn Wesjohann erklärt, was so alles „schief gegangen“ ist. Im Hintergrund lärmt der PETA-Aktivist. Wahrscheinlich vergnügt er sich mit den beiden Hühnern bei irgendwelchen obszönen Spielen. „Schei..e, warum schwenkt die Kamera nicht nach hinten„, denke ich mir und wische mir die sabbernden Mundwinkel aus. Hoffentlich waren meine Finger nicht mit Salmonellen kontaminiert. Nicht auszudenken, wenn jetzt das Blutbad beginnt und ich vor lauter Dünnpfiff das dicke Ende nicht mitbekomme. Aber glücklicherweise zeigt sich Herr Wesjohann von seiner Schokoladenseite und steht ruhig Rede und Antwort im genialen Frage und Antwort Spiel.

49 Minuten und 51 Sekunden „Gemma servieren!“ Sina Trinkwalder spricht das Geheimwort und plötzlich stürzt sich der genial verkleidete PETA-Aktivist auf den Wiesenhof-Chef. Er zieht ein riesiges Messer unter seiner blütenweißen Kochjacke hervor und sticht wie von Sinnen auf den sympathischen Mann ein. Dann werde ich plötzlich wieder wach. „Sekundenschlaf kann tödlich sein!„, denke ich und wische mir meine sabbernden Mundwinkel ab. Auf die Salmonellen habe ich völlig vergessen.

50 Minuten und ich weiß nicht mehr wieviel Sekunden. „Wo kommt der vierte Mann her?„, denke ich und freue mich auf ein noch größeres Blutbad. Ein zweiter PETA-Aktivist hat sich zum ersten dazugesellt und jetzt sitzen sie zu viert am Tisch. „Der alte Mann ist zäh, da braucht es schon zwei gewetzte Messer für so einen gewitzten Esser„, denke ich und schaue den vieren genau auf die fettfreien Finger. Vor ihnen liegen die beiden Opfer. Vielleicht können Sie sich noch daran erinnern? Das war so etwa vor 49 Minuten. „Genial, wie die Zeit vergeht„, denke ich mir und sabbere ohne Unterlass weiter. Die Salmonellen haben wahrscheinlich schon Besitz von mir ergriffen, denn es regt sich Widerstand.

51 Minuten des Videos sind vergangen. „Haben Sie Enkel?“ „Sechs.“ „Sechs Enkel! Sauber!“ Die Frage war einfach genial. Sozusagen der Fangschuss. Ich rutsche vorsorglich im Sessel nach oben und verlagere mein Gewicht nach vorne. Die Spannung hat ihren Siedepunkt erreicht, die toten Hähnchen auf den Tellern wenden sich entsetzt ab. Das Grauen hat einen Namen. Der neue PETA-Aktivist ist bedächtig weiter, der alte lehnt sich erschöpft zurück. Das Thema wechselt von Hühnern zu Brieftauben. „Aha, mit denen werden die wohl in Zukunft die Schweiz beliefern. Raffiniert, aber nicht gut genug„, denke ich und überlege, wer wohl nach dem Blutbad die Wiesenhof-Geschäfte führen wird. Wahrscheinlich die sechs Enkel, wenn der Opa nicht mehr ist, entscheide ich spontan und sabbernd.

52 Minuten und acht Sekunden. SHOWTIME!!!! „Wir haben ein Problem!“ Jetzt hat Frau Trinkwalder den netten Herrn endlich dort, wo sie ihn haben möchte. Denn wer so etwas sagt, steckt ganz schön tief in der Sie wissen schon wo. Endlich, Houston hat sein Hühner-Problem. Und der Wiesenhof-Chef gibt es auch noch unumwunden zu. Genial, was sage ich, einfach grenzgenial. Und dann spricht Herr Wesjohann aus, was ich schon immer wusste: Die Geflügelpest wütet in Deutschland. Keine Salmonellen, kein Blutbad, sondern die schreckliche Wahrheit lautet „Geflügelpest“. Die beiden verkleideten PETA-Aktivisten nehmen langsam die auf dem Tisch liegenden Messer und richten sich selbst. „Na also, geht doch!“, denke ich und überlege, ob ich über diesen Film hier auf meinem Blog berichten soll. Schließlich kennen wir jetzt die ganze Wahrheit über den sozial verantwortlichen und tierliebenden Geflügelproduzenten Wiesenhof.

Abspann: Herzlichen Dank an Bernd Bässler vom Schlossrestaurant Untermeitingen. „Verdammt nochmal, wo kommt der jetzt her? Wahrscheinlich auch einer dieser PETA-Leute, der Undercover gearbeitet hat und in den ganzen 58 Minuten und 58 Sekunden nicht ein einziges Mal sein Messer gewetzt hat„, denke ich und entleere meinen genialen Darm. Und die Welt sieht doch gleich viel besser aus. Den Rest erspare ich Ihnen.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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