Die Solarthermie, ein Stiefkind der Sonne 1


Energiepolitische Schattenseiten alternativer Wärmegewinnung

Dass sich mit dem Faktor Sonne auf dem Sektor der erneuerbaren Energien Geld verdienen lässt, hat sich mittlerweile auch auf dem rund 150 Millionen Kilometer entfernten Planeten Erde herumgesprochen. Dass die Photovoltaik dabei als Stromlieferant ganz weit vorne liegt bzw. mittels der auf den Hausdächern liegenden Solarzellen jenes Licht, welches acht Minuten benötigt, um vom solaren Heimathafen zum irdischen Ziel zu kommen, in günstigen und vor allem sauberen Strom umzuwandeln, aufgrund von Überkapazitäten und seit 2008 sinkenden Ölpreisen stagniert (neben anderen Dingen), mag angesichts der trotz alledem guten Auftragslage ein vorübergehendes Tief darstellen. Sasche Rentzing bietet dazu in seinem Artikel „Masse statt Klasse“ interessante Einblicke, weshalb sich der Technologiestandort Deutschland gegenüber den Anbietern aus den USA und China hinsichtlich Photovoltaik auf mittlerweile dünnem Eis bewegt.

Zu dem im Artikel angesprochenen Hersteller „First Solar„, welcher sogenannte Dünnschichtpaneele auf Basis von Cadmium-Tellurid fertigt, soll dabei jedoch nicht auf die hochtoxische Problematik vergessen werden, welche sich durch diesen Fertigungsprozess ergeben (Streit um Gift in Solarzellen entzweit die Branche). Weshalb gerade die Grünen dieses umweltpolitsche Giftproblem relativ gelassen sehen und sich sogar gegen ein Verbot dieser Schwermetalle ausgesprochen haben (Grüne gegen Cadmium-Verbot bei Solarzellen), ist mir dann doch etwas rätselhaft. Dass meine politische Lieblingsfarbe hinsichtlich permanent zu verbessernder Ökobilanzen ansonsten sehr hohe Maßstäbe ansetzt, aber bei solch einem heiklen umweltpolitischen Bereich Milde walten lässt und Gnade vor Recht in gnädiges Recht umsetzt, ist für mich in diesem Falle ungeklärter Giftschlamm auf politischer Ebene, welcher für mich derzeit nicht nachvollziehbar ist.

Deutschland, nicht gerade ein Sonnenscheinland und das Urlaubsparadies Nummer 1 für die schnell angedachte Bräune am goldgelben Sandstrand, erkannte trotz aller Diskussionen um Ausstieg aus Atomkraft und Abkehr von fossiler Energie die Zeichen der Zeit relativ früh und entwickelte sich zur tragenden europäischen Säule in Sachen Solarstrom. Ein stetig steigendes sogenanntes Marktanreizprogramm lockte aus Berlin mit Milliardensummen, spendete reichlich Zuschüsse für regenerative Energieformen, belebte die Nachfrage nach Solarkollektoren, Biomassekesseln, Wärmepumpen oder Biogasaufbereitungsanlagen (Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien). Selbst Griechenland, eines jener Sonnenscheinländer mit Garantie, wenngleich auch fast garantierten Kreditausfällen, hat nun mitbekommen, dass mit der solaren Energie zwar eine Triple A Bonität in nächster Zeit nicht zu erreichen sein wird, aber zumindest hat Athen erkannt, dass mit grünem Strom auch neue Geldströme zum Leben zu erwecken sind (Athen will Solarstrom verkaufen: Mit Sonnenschein aus der Krise?).

Doch scheinbar hat sich Deutschland nun entschieden, den Renner Photovoltaik wie bisher zu forcieren, aber der nicht ganz so bekannten Solarthermie den Laufpass zu geben. Der bereits angesprochene hohe Ölpreis verlangte förmlich nach Alternativen, um einerseits nicht vom Regen in die Traufe zu kommen oder, wer wie ich als Warmduscher über alle Grenzen hinweg sein fröstelndes Dasein frönt, um weiterhin kostengünstig das Wasser auf angenehme Betriebstemperatur zu bringen. Allerdings bringt der bereits angesprochene Sascha Rentzing in seinem lesenswerten Artikel „Kaltgestellte Sonnenwärme“ noch weit mehr Gründe ins Spiel, warum nicht alleine der gefallene Ölpreis das Thema Solarthermie in die Schlagzeilen bringt und für siedendheiße Diskussionen um die schwindenden Anreize für Investitionen in erneuerbare Wärme sorgt.

Wie konnte das passieren? Auf den ersten Blick gibt es dafür nur eine plausible Erklärung: Der Ölpreis fiel von Juni bis Oktober 2008 im Zuge der Wirtschaftskrise in kürzester Zeit unter 40 Dollar pro Barrel. Damit verschwand auch der Anreiz, in umweltfreundliche Wärmeerzeugung zu investieren.

Wenn es so einfach wäre und die Marktgesetze aufgrund dieser linearen Tatsache reagieren würden, wäre es sicherlich ein Einfaches, die sinkenden Umsätze der Anbieter, welche wiederum für rückläufige Neuinvestitionen in neue Technologien und fehlendes Geld in Neuentwicklungen verantwortlich sind, durch staatliche Förderung zu kompensieren. Doch so einfach ist es eben nicht, wie Rentzing erklärt. Dass aber die Solarthermie als zukunftsträchtige Schlüsseltechnologie für beträchtliche CO2-Einsparungen ausschlaggebender Faktor sein wird, steht außer Frage. Die Erzeugung von Wärme für die privaten Haushalte und die Industrie ist für einen CO2-Ausstoß von 30 Prozent der Gesamtbelastung verantwortlich. Wenn man dann noch zugrundelegt, dass Solarenergie eine wesentlich höhere Effizienz in puncto eingesetzter Energie zu nutzbarer Energie hat als herkömmliche Energiegewinnung aus z.B. Braunkohlekraftwerken und selbst nach Abzug der CO2-Emissionen für die eingesetzten Ressourcen zur Herstellung von Sonnenkollektoren ein dickes Plus unterm Strich bleibt, macht dies die Entscheidung der deutschen Bundesregierung umso fragwürdiger.

Und letztendlich bleibt noch die Feststellung, dass eine bisher solch konsequent gefahrene Linie auch einige tausend „Green Jobs“, also Arbeitsplätze im erneuerbaren Energiesektor, mit sich brachte. Aber möglicherweise werden diese drohenden Arbeitsplatzverluste durch fehlende Gelder in nachhaltige Zukunftsprojekte erst wieder bei den nächsten Wahlen ein Thema. Und möglicherweise kann auch nur ein deutlich steigender Ölpreis die Politik dazu bewegen, sich wieder dem grünen Fortschritt zu öffnen. Aber dieses Szenario würde natürlich auch kontrapoduktive Folgen nach sich ziehen. WirtschaftsanalystInnen sagen zwar für die nächsten 15 bis 20 Jahre ein Anziehen der Weltmarktpreise mit sicherer Wahrscheinlichkeit voraus (Die Ölpreisentwicklung ist von vielen Faktoren abhängig), doch ob sich bis dahin noch die Sonne dazu durchringen kann, den Unsicherheitsfaktor Mensch mit emissionsfreier Energie zu beliefern, wird sich erst noch zeigen müssen.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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