Keine Woche ohne Wiesenhof 1


Kein Bundesverdienstkreuz für Wiesenhof-Chef!

Meine Frau stellte mir, manches Mal sieht mir beim Schreiben für einen kurzen Moment über die Schulter, die Frage, ob ich denn jetzt einen privaten Feldzug gegen den Konzern führe. „Nein, mein Schatz, das mache ich sicherlich nicht.“ Aber die Bilder der ARD-Reportage sind doch immer noch gegenwärtig und müssen selbst von mir erst einmal aufgearbeitet werden und da ich dieses Ventil am besten beim Schreiben öffnen kann, nutze ich dementsprechend diese Möglichkeit. So fällt allerdings für diese Woche die „Wöchentliche Wiesenhof Rundschau“ aus, um das ganze Thema einmal aus politischer Sicht zu hinterfragen.

Jetzt habe ich allerdings von einer Aktion Wind bekommen, welche der Vegetarierbund Deutschland unter dem Titel Vegetarierbund fordert die Aberkennung des Bundesverdienstkreuzes vom Wiesenhof-Chef “ initiiert hat. Selbstverständlich mache ich auch auf das Begehren dieser Petition aufmerksam, füge allerdings hinzu, dass es wahrscheinlich von solch Erfolg gekrönt sein wird wie der Versuch, ein Grillhähnchen wiederzubeleben, um es in den lebenden Kreislauf der Massentierhaltung zurückzuführen. Macht aber nichts, zumindest hat der Vegetarierbund meine Aufmerksamkeit (und sicherlich die anderer Menschen genauso) geweckt, dass hier ein Mensch mit dem sogenannten „Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland„, wie der Orden offiziell heißt, ausgezeichnet wurde, welcher doch mit bestimmten Voraussetzungen verbunden ist und wohl auch gewisse Verpflichtungen mit sich bringt, welcher eine solche Verleihung nach Meinung der politischen Verantwortlichkeit rechtfertigt.

Ich habe dazu eine Meldung des „Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung“ gefunden. Wortwörtlich steht dort in „Minister Ehlen übergibt Verdienstkreuz an Paul-Heinz Wesjohann“ geschrieben:

Paul-Heinz Wesjohann hat sich durch sein vielfältiges und langjähriges Engagement sowohl in seinem Unternehmen als auch in verschiedensten ehrenamtlichen Positionen um das Wohl der Allgemeinheit verdient gemacht. Minister Ehlen verwies in seiner Laudatio auf die vorausschauende Führung der Paul-Heinz Wesjohann-Gruppe (PHW-Gruppe) durch Wesjohann. Ihm sei es zu verdanken, dass in dem Unternehmen bereits seit 1995 ein integriertes System mit lückenlosem Herkunftsnachweis im Bereich der Geflügelwirtschaft angewendet werde.

Auch mit Blick auf den frühzeitigen Verzicht auf Tiermehle oder Antibiotika attestierte Minister Ehlen dem Unternehmer eine wichtige Rolle für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. …

Dieser Artikel und wohl auch die damit verbundene Ehrung von Herrn Paul-Heinz Wesjohann entstammt dem Jahre 2004. Es hat sich seither vieles verändert. Ob die Machenschaften des Geflügelproduzenten Wiesenhof und von Herrn Wesjohann als Repräsentant dieses Konzern zum damaligen Zeitpunkt schon „part of the game“ waren, wie ein österreichischer Politiker aus dem schönen Bundesland Kärnten so gewählt formulieren würde, werden die Verantwortlichen des Unternehmens genauso vehement bestreiten wie sie die meisten der mehr als sieben Jahre danach gezeigten Vorwürfe jetzt bestreiten, beschönigen, beschwichtigen, abwiegeln, in Abrede stellen oder welche
Wortwahl auch immer Ihnen dazu einfällt.

Die Forderung, dem Geehrten im Nachhinein das Verdienstkreuz jetzt nachträglich abzuerkennen, wird deshalb wohl oder übel ins Leere laufen. Denn dies käme einem Schuldeingeständnis gleich und würde durch die Argumentation, „dass damals aber alles vollkommen anders ausgeschaut hat und man ja schließlich nicht wissen konnte, was die Zukunft so mit sich bringt“ (auch hier haben Sie wieder freie Wahl bei Ihrer Wortwahl) entkräftet werden. Die politische Bühne hat leider andere Aufgaben als ProtagonistInnen, welche nach Meinung der Öffentlichkeit, und wer wenn nicht die BürgerInnen selbst repräsentieren in demokratisch gewählten Systemen diese Verleihungen durch die politische FunktionsträgerInnen an wirtschaftliche oder menschliche Allgemeinwohlplätze, diesem nachträglichen Unrechtsempfinden nachzugeben und korrigierend in eine einmal getroffene Entscheidung einzugreifen.

Der Verdienstorden wird seinen seit 2004 angestammten Platz behalten. Ob er dabei das Büro von Herrn Wesjohann ziert oder über dem Kaminsims, sollte denn einer vorhanden sein, hängt und vom warmen Schein des wohlig-warmen Kaminfeuers beschienen wird oder seinen Allgemeinplatz im Dienste des Allgemeinwohles wo auch immer bekommen hat, spielt dabei keine große Rolle. Ich glaube, eine Rückforderung würde deshalb keinen großen Unterhaltungswert für die Öffentlichkeit bieten, da eine solche Entscheidung, welche jedoch außerhalb des Möglichen im hypothetischen Raume schwebt, wiederum andere fragwürdige Entscheidungen nach sich ziehen würde und einen Prozess der Reinigung in Gang setzen würde. Und das kann un will sich weder Politik und schon gar nicht die Wirtschaft leisten.

Lassen wir also gemeinsam Paul-Heinz Wesjohann sein Stückchen metallenes Glück oder aus welchem Material auch immer diese Anerkennung für vielfältiges Engagement um das Wohl der Allgemeinheit gefertigt ist. „Geben ist seliger denn nehmen“ schrieb ich erst gestern als Atheist in Gottes Namen. Dass das niedersächsische Ministerium neben den Themenbereichen „Ernährung“, „Landwirtschaft“ und „Landesentwicklung“ auch dem „Verbraucherschutz“ seine Aufmerksamkeit schenkt, ist im Sinne des Allgemeinwohles eben genauso eine Tatsache wie das Ereignis aus dem Jahre 2004.

Dass ich jetzt meinen eigenen Orden gestaltet habe, welcher sich im Büro, über dem Kaminssims, sollte denn einer vorhanden sein, oder an welchem Allgemeinplatz zum Allgemeinwohl des gemeinen Volkes schmückendes Beiwerk für solcherlei Verdienste gut machen würde, soll dabei nur meine gelebte und geschriebene Intention „Geben ist seliger und so weiter und so fort“ nur unterstreichen. Dass geteiltes Leid nur halbes (Hühner)Leid ist, lassen wir angesichts solcher Lobpreisungen geflissentlich außen vor.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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