Global Overshoot Day: Willkommen auf Erde Nummer 2 1


Der Welterschöpfungstag fällt auf einen Dienstag

Vor fast genau zwei Jahren hatte ich schon einmal über den Welterschöpfungstag berichtet. Heute hat die kommentierende Menschheit nämlich wieder etwas zu feiern. Und zwar die Tatsache, dass Erde Nummer 2 Geburtstag hätte. Hätte, wenn und aber, denn Erde Nummer 2 gibt es nach dem bisherigen Stand der Forschung nicht. Aber nichtsdestotrotz haben wir mit heutigem Tage all unsere Ressourcen aufgebraucht, welche uns nach menschlichem Ermessen, wissenschaftlichem Vermessen und ökologischem Fußabdruckmessen für das gesamte Jahr zustehen würden.

Und was bedeutet dies für den Rest des Jahres? Nun ja, eigentlich nichts anderes, als dass wir ab nun für Gottes Lohn arbeiten und besonders unsere globalen Ressourcen verbrauchen müssten. Was viele Staaten sowieso schon seit langer Zeit machen, nämlich auf Pump leben, macht die gesamte Menschheit nun ebenfalls. Die globale Menschheit hat mit dem heutigen Tage die produktiven Grenzen für das komplette Jahr erreicht, welche uns Mutter Erde eigentlich bis zum Silvestertag zugestehen würde. Wir haben all unsere CO2-Emissionen in die Luft geblasen, die Rohstoffe der Erde verbraucht, die Kapazitäten der Meere erschöpft. Punkt Aus Ende. Ab heute leben wir in Saus und Braus und können dafür nicht bezahlen.

Wir reden über finanzielle Schuldenkrisen, anhaltende Weltwirtschaftskrisen, wirtschaftliche Staatsbankrotte und kapitalträchtige Hilfspakete. Dass wir jedoch eine Schuldenkrise der Nachhaltigkeit, eine Weltwirtschaftskrise vollständiger atmosphärischer Störungen, einen übergreifenden Staatsbankrott an Kohlendioxid-Ausstoß haben, aber das zugehörige Hilfspaket dafür erst wieder am 01.01.XXXX abrufbar ist, stört uns ebensowenig wie die Tatsache, dass diese Zuwendungen von Jahr zu Jahr weniger werden und von Mal zu Mal noch früher zu Ende gehen und dieser sogenannte Global Overshoot Day in immer weitere Ferne vom jährlichen Silvestertag rückt.

Oder, damit es auch jene Menschen vestehen, welche in wirtschaftlichen Dimensionen denken und anhand nackter Zahlen und Fakten im Konsumrausch schwelgen: „Den Rest des Jahres werden wir heuer von der Substanz zehren und weiter CO2 in der Atmosphäre anreichern. Das ist etwa so, als ob wir unser Jahreseinkommen schon Ende September ausgegeben hätten und nur mehr von den Ersparnissen leben, die unweigerlich zu Ende gehen!“ (Mathias Wackernagel, Präsident von Global Footprint Network)

Dass wir überhaupt noch bis Ende September unserem gesellschaftlich luxuriösen Leichtsinn frönen dürfen, haben wir übrigens nicht unserer ach so nachhaltigen und auf ressourcenschonendes Handeln und Denken ausgerichteten Lebensweise zu verdanken. Einzig und allein die Dritte Welt, die ärmsten und wirtschaftlich unterentwickelten Nationen, jene, welche nicht auf großem Fuß den Overshoot und Overkill des Planeten vorantreiben, sind für diese Tatsache verantwortlich. Noch! Denn würde sich jeder Staat, jede Erdenbürgerin, jeder menschliche Global Player so verhalten, wie es gesamtwirtschaftlich und hinsichtlich des Faktors Biokapazität betrachtet etwa Österreich samt seiner acht Millionen VerschwenderInnen vormacht, würden wir den Welterschöpfungstag hierzulande bereits am 18. Mai „feiern“. Deutschland müsste mit den Feierlichkeiten fünf Tage warten. Aber keine Sorge, liebe NachbarInnen, auch am 23. Mai hätte die Bundesrepublik die ihnen zustehenden Ressourcen für das komplette Jahr erledigt. Die Schweiz würde an diesem Tage schon in den Startlöchern stehen, um nur drei Tage später selbst ihren Overshoot einzuläuten (Hintergrundinformation zum Earth Overshoot Day).

Übersee wiederum würde zu diesem Zeitpunkt nur noch neidisch auf Europa schauen. Denn die NordamerikanerInnen würde sich Ende Mai eigentlich schon für den nächsten Welterschöpfungstag rüsten. Statistisch gesehen, rechnerisch betrachtet, CO2-technisch und ressourcenverschwenderisch umgelegt würde der Kontinent jenseits des Atlantik einen riesengroßen Aprilscherz hinter sich haben. Denn mit 01. April lebt die USA und Kanada auf Pump. Australien würde seine eigenen Spuren nur sechs Tage später in den viel zu großen ökologischen Fußabdruck der NordamerikanerInnen setzen. Die Spitze des geschmolzenen Eisberges? Nein!

Den substantiell verzehrendsten und damit auch verheerendesten Schlingerkurs defizitärer Biokapazitäten fährt die erdölbeladene Titanic der Vereinigten Arabischen Emirate. Das Emirat kollidiert bereits am 9. März mit dem Global Overshoot Day. Und jene, welche dafür verantwortlich sind, dass wir für unsere Verantwortungslosigkeit nicht schon viel früher zur Rechenschaft gezogen werden? Nun, Afrika und Asien brauchen sich über solche Termine keine großen Sorgen machen. Hier wird dieses Jahr nicht gefeiert. Mag vielleicht daran liegen, dass Hungerkrisen und medizinische Unterversorgung ein erschöpfendes Feiern dieses Welterschöpfungszustandes gar nicht zulassen. Mag vielleicht aber auch daran liegen, dass das Konsumverhalten auf diesen beiden Kontinenten aus für Industrienationen unerfindlichen Gründen etwas anders gelagert ist und Playstation, Smartphone und Pkw nicht den Stellenwert besitzen wie z.B. eine Schüssel Reis, ein dringend benötigter Impfstoff, ein Dorfbrunnen oder trockenes Brennholz. Sei es, wie es will: Asien besitzt noch 44 Tage Ressourcenreserven und in Afrika beträgt die eiserne Reserve sogar stolze 153 Tage.

Es stellen sich natürlich abschließend zwei Fragen. Was machen diese beiden Kontinente mit jenen nicht beanspruchten Ressourcen, wenn diese eigentlich so schön brach in der Weltgeschichte herumliegen? Und was machen jene Staaten des März, April und Mai, wenn diese Staaten auf die Idee kommen, in Zukunft ins große Geschäft des Konsums mit einzusteigen und selbst beschließen, einen Welterschöpfungstag einzuführen? Beide Fragen lassen sich relativ leicht beantworten. Die nicht beanspruchten Ressourcen werden eben von jenen Ländern verschwendet, welche im März, April und Mai bereits jene Ressourcen verschendet haben, welche zu verschwenden ihnen zustehen und die dringend neue Verschwendungsmöglichkeiten suchen. Und sollten die afrikanischen und asiatischen Länder irgendwann einmal vorhaben, selbst einen Welterschöpfungstag begehen zu wollen, werden sie leider mit leeren Händen dastehen. Denn bis dahin werden jene Länder, welche ohne eiserne Reserven dastehen, auch jene eisernen Reserven aufgebraucht haben, welche jene Länder, welche in Vorfreude des zu feiernden Erschöpfungszustandes der Erde vom angesparten CO2 und den nicht verwendeten Ressourcen bis dahin mit leeren Händen und nicht weniger leerem Magen ihr Dasein gefristet haben, dann einfordern wollen.

Aber bis dahin werden wiederum jene Länder, welche diese bis dahin unerschöpflichen Reserven vollständig ausgeschöpft haben, um erschöpfende Antworten nicht verlegen sein. Land in Sicht? Ja sicherlich! Aber eben nur bis zum März, April oder Mai. Aber auch dies wird sich in Zukunft ändern.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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