B.A.U.M.: Baum Ab! Baum fällt! Unilever sei Dank!


Wenn einen Blogger die Wirklichkeit rechts ein- und der B.A.U.M.-Umweltpreis links überholt

Die einen engagieren sich permanent für das Tierwohl, die anderen fühlen sich nur dann gesund, wenn sie äußern dürfen: „Die Umwelt geht uns alle an.“ Hand drauf!

Eigentlich hatte ich vor, die Persiflage „Pinocchio macht Werbung für das Waschmittel Brauner Riese„, welche sich auf das im April aufgedeckte Waschmittel-Kartell der drei Konzerne Unilever, Henkel und Procter & Gamble bezieht, erst im Laufe der nächsten Tage auf meinem anderen Blog „Freie Zeit, freie Meinungen und freie Gedanken von Paul Boegle“ zu veröffentlichen. Für all jene, an denen die kartellrechtliche Schmutzkampagne an der Wäscheleine vorbeiging oder in der Waschmaschine unterging: „315 Millionen Euro: Hohe Strafen für Waschmittel-Kartell“ oder auch „Procter, Unilever und Co: Wettbewerbshüter strafen Waschmittel-Kartell ab„. Doch die Realität hat mich schneller als erwartet eingeholt und die Wirklichkeit mit Riesenschritten lniks und rechts überholt. Rettet den Regenwald e.V.: BAUM-AB-Preis an Unilever-Chef Harry J. M. Brouwer für Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien.

Bei Klick auf das Foto: Pressemitteilung zu „Rettet den Regenwald e.V.“ verleiht am 23. September 2011 den BAUM-AB-Preis an Unilever-Chef Harry J. M. Brouwer für Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien

Doch angesichts der Tatsache, dass der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e.V. (B.A.U.M.) jetzt den B.A.U.M.-Umweltpreis in der Kategorie Großunternehmen an Harry J. M. Brouwer, welcher Vorsitzender der Geschäftsführung von Unilever Deutschland, Österreich und Schweiz (DACH) ist, vergeben hat, muss die Frage erlaubt sein, ob eine solche Preisverleihung nur anhand umweltpolitischer Aspekte und Taten gekoppelt sein darf und ethische Merkmale für solch einen Preis vollkommen außer Kraft gesetzt werden dürfen. Ein Unternehmen, welches über Jahre hinweg die Verbraucherinnen und Konsumenten durch Preisabsprachen betrogen, getäuscht und über den Tisch gezogen hat, für dieses Verhalten von der EU-Wettbewerbskommission mit einer Geldstrafe von 104 Millionen Euro belangt wurde, steht nach Meinung einer Organisation, von der die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel überzeugt ist, dass diese „den Nachhaltigkeitsgedanken in der deutschen Wirtschaft zu stärken„, jetzt im strahlenden Licht der Öffentlichkeit als Sauberfrau-Saubermann-Konzern mit sauberstem Image da. Da wird einerseits der Bock zum Gärtner gemacht und zusätzlich noch dankenswerterweise mit der kahlschlagenden Axt im Wald für denselben ausgestattet. Dass dies ausgerechnet im proklamierten Jahr der Wälder geschieht, ist entweder umweltpolitischer Affront, wirtschaftliches Hohngelächter oder ein Konglomerat aus diesen Zutaten. 

Und auch wenn jetzt die Gegenargumente kommen, dass es hierbei wohl nicht um arglistige VerbraucherInnentäuschung geht, sondern um Nachhaltigkeit, ressourcenschonendes Handeln oder weiß der Teufel selbst, mit welchen grünen Argumenten hier gemessen wird, steht die Tatsache im preisverdächtigen Raum: Handelt Unilever denn wirklich so engagiert, dass dies den Umweltpreis rechtfertigen würde? Und wiegen diese umweltbewussten Merkmale ein solch unmoralisches und geldgieriges Verhalten überhaupt auf, dass allen Ernstes ein Konzern für einen Preis nicht nur nominiert wird, sondern auch noch als Gewinner gekürt wird, dessen Machenschaften nur dem Umstand zu verdanken ist, dass Konkurrent Henkel als Petze den ganzen Schwindel auffliegen ließ?

Nach Meinung von Robin Wood kann die Antwort darauf nur lauten: „Nein, tun sie leider nicht!“ Denn „der B.A.U.M-Preis für Unilever ist ein Schlag ins Gesicht der Palmölopfer in Indonesien„, sagt Peter Gerhardt, Tropenwaldreferent bei ROBIN WOOD (Umweltpreis für Umweltzerstörer – ROBIN WOOD kritisiert Greenwashing bei Unilever). Und der Verein „Rettet den Regenwald e.V.“ schlägt in dieselbe Tropenholz-Kerbe. Dass dabei der sehr verehrte und noch mehr geehrte Herr Brouwer im Namen von Unlilever nur den Umweltpreis von B.A.U.M. in Empfang nahm, aber die Überreichung des BAUM-AB-Preis verweigerte, macht eigentlich allzu deutlich, inwieweit sich das Unternehmen einer solchen Diskussion öffnet respektive nicht öffnen möchte (Unilever-Chef drückt sich vor „Baum ab-Preis“-Verleihung).

Im Rahmen eines Wirtschaftsempfangs unter dem Motto „Nachhaltigkeit zahlt sich aus“ zur Begrüßung des Hamburger Umwelthauptstadtjahres im Unilever-Haus brachte Harry Brouwer das Thema auf den Punkt: „Die Umwelt geht uns alle an.“ Steht zumindest so in der Aussendung von B.A.U.M. wortwörtlich drin. Aber Papier ist schließlich genauso geduldig wie frisch gepflanzte Palmölplantagen. Auch wenn diese kein Recyclingpapier liefern, sondern nur weitere Rohstoffe für jene, welchen die Umwelt so sehr am Herzen liegt und genauso sehr an einer etwas tiefer liegenden Körperregion vorbeigeht. 

Zum Schluss noch ein paar Worte des B.A.U.M.-Vorsitzenden und ­Mitgründers Prof. Dr. Maximilian Gege: „Wer sich die Mühe macht, sich die Geschichte des mittlerweile zum 19. Mal vergebenen B.A.U.M.-Umweltpreises anzuschauen, kommt zu einem anderen Ergebnis, da die große Anzahl der Preisträger aus kleinen und mittelständischen Unternehmen und aus Institutionen kommt, die nachweislich als Vorreiter einer nachhaltigen Entwicklung zu bezeichnen sind„. (UmweltDialog: „B.A.U.M. Preisverleihung löst breite Kontroverse aus„). Und wer sich nicht einmal die Mühe macht, die in Frage kommenden Preisträger anhand nachvollziehbarer und transparenter Merkmale auszuwählen, verliert schnell an Glaubwürdigkeit. Nicht nur in der Umweltstadt Hamburg.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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