Die wöchentliche Wiesenhof Rundschau


Ungelegte Eier nach dem Schweizer Boykott

Nachdem sich ja die großen Schweizer Diskounter tatsächlich zum einem teilweisen Boykott der Geflügelprodukte von Wiesenhof (Wiesenhof zieht Konsequenzen! Und die Konsequenzen? sowie Kalter Nespresso-Kaffee und heißes Grillhuhn-Eisen) entschlossen haben und ich mich gestern mit der oberösterreichischen politischen Einladung zu weniger Fleischkonsum befasst habe, wäre es doch wieder einmal an der Zeit, dem Wiesenhof-Newsroom eine kurze Stippvisite abzustatten. Ein kurzer wöchentlicher Blick im virtuellen Hühnerstall sozusagen. Und siehe da: Es gibt Neues zu vermelden. Datiert mit 21.09.2011 findet sich ein kurzer Hinweis mit entsprechendem Zeitungsausschnitt, dass Firmengründer Paul-Heinz Wesjohann in einem Interview mit dem Oldenburgische Volkszeitung („Engagieren uns permanent für das Tierwohl„) Stellung zu den geäußerten Vorwürfen und Tierschutzverstößen bezieht.

Nun, Vorsicht ist die Mutter des Hühnereis und so begebe ich mich eben höchstselbst zu verlinktem Artikel, welchen Sie sich aber auch gerne selbst bei Klick auf das nebenstehende Faksimile wie aus dem sprichwörtlichen Ei gepellt durchlesen können. Ich will jetzt auch gar nicht ins Horn von Herrn Wesjohann stoßen: Neutrale, unangemeldeten [sic] Kontrollen vom Landkreis Cloppenburg und von der Qualitätssicherungsfirma QS sagen uns, dass der Vorfall in Höltinghausen ein Einzelfall ist.“ … „Wir engagieren uns permanent für das Tierwohl, aus Gründen des Tierschutzes und aus ökonomischen Gründen.“ … „Ich habe Verständnis für die Sorgen von Anwohnern, die eine Absenkung des Grundwassers befürchten.

Besonders interessant ist, dass es scheinbar schon eine konkrete Vorstellung von Herrn Wesjohann gibt, wie er sich den zukünftigen Wasserverbrauch für sein Unternehmen vorstellt. Jetzt hat mich natürlich die langjährige Erfahrung eines gelehrt. Wenn sich jemand mit konkreten Vorstellungen und Plänen an die Öffentlichkeit wendet, muss in vielen Fällen schon vorher etwas gewesen sein. Denn als Familienvater erinnert dies frappierend an die Tatsache, dass sich die eigene Tochter oftmals dann verteidigt hat, wenn ich es am wenigsten erwartet habe. Im Fall Wiesenhof geht es mir ähnlich. Die ARD-Reportage wurde am 31.08.2011 ausgestrahlt und bereits drei Wochen später liegen fix und fertig Pläne auf dem Tisch, welche das Problem zukünftig lösen sollen. Da stimmt etwas nicht.

Und grabe ich tiefer, so finde ich in derselben Zeitung einen Artikel vom 31.07.2011 mit dem Titel „Der schwierige Umgang mit Wiesenhof„. Besonders ein Kommentar eines Herrn Dr. Lutz Neubauer vom 19.08.2011 ist dabei interessant:

1. Die Wasserversorgung von Wiesenhof muss anders geregelt werden. In Brägel sind die Grundwasserstände dramatisch gesunken. In Südlohne muss dies verhindert werden. Im Schutz des Grundwassers dürfen Bürgerinitiativen nicht auf sich gestellt bleiben. Wenn es um Gegengutachten oder gar um juristische Fragen geht, haben Bürgerinitiativen meist nicht genügend Geld. Darauf wartet eine PHW-Gruppe nur. Daher ist eine Aufgabe der Kommunalpolitik sich um den Schutz des Grundwassers intensiv zu kümmern.
2. Es ist gemeinsame Position von Lohne wählt sich die Geruchsbelästigung durch Wiesenhof abzustellen. Dies betrifft die Bräterei und den Abwassertransport.
3. Eine weitere Erhöhung der Schlachtzahlen wird durch Lohne wählt sich einheitlich abgelehnt und hierfür werden wir im Rat für eine Mehrheit sorgen.
4. Lohne wählt sich wird im Rat durchsetzen, dass nach langjähriger „Flickschusterei“ in dem Wiesenhofareal endlich eine Bestandsaufnahme erfolgt, die zu einem eindeutigen und verbindlichen Bebauungsplan führt. Das bisherige planerische „Unding“ muss beseitigt werden.

Wiesenhof war sich also schon sehr viel früher der Problematik bewusst, welcher durch den unkontrollierten Wasserverbrauch für Unmut bei der Bevölkerung sorgte. „Südlohner wehren sich gegen Wiesenhof“ oder „Kein Wasser für Wiesenhof & Co.“ sind sogar Beiträge noch älteren Datums. Doch scheinbar dürfte erst die Reportage die Verantwortlichen dazu bewogen haben, in ungewohnt schneller Weise zu reagieren. Es ist seltsam, dass oftmals erst dann Handlungsbedarf herrscht, wenn sich die Massenmedien durch entsprechende „Öffentlichkeitsarbeit“ einem bestimmten Thema annehmen und die breite Masse informieren. Dass nach Ausstrahlung der Sendung Stimmen laut wurden, welche von einseitiger Berichterstattung sprachen, macht leider deutlich, dass eine kleine Gruppe direkt Betroffener sich selten Gehör verschaffen kann. Also müssen eben weiterhin solch brachiale Methoden herhalten, um den Wünschen der Wählerinnen und Bedürfnissen der Bürger Nachdruck zu verleihen.
Zum Schluss deshalb noch ein Leserbrief von Torsten Mennewisch, Bündnis 90 / Die Grünen, Kreisverband Vechta, welcher mir ganz gut gefallen hat und welchen ich im folgenden Wortlaut wiedergebe:

Warum hört man in Lohne immer den Vorwurf, man fühle sich von der Politik im Stich gelassen? Bei einer 70%-igen CDU-Megamehrheit im Rat, sollte sich doch niemand wundern, dass die CDU Bürgernähe, also das Werben um Zustimmung der Bevölkerung für poltische Lösungen, nicht für notwendig hält. Die 30-Prozent-Opposition wird dabei oft ebenfalls einfach übergangen. Die Verantwortung für eine solche Mehrheit überfordert die CDU einfach. Egal wo man hinschaut – auch dort, wo es Bürgerprotest gab und gibt – die CDU konnte stets mit einer überwältigenden Zustimmung rechnen. Darauf baut sie auch in Zukunft, und das wird sich sicherlich so auch wieder bei der nächsten Kommunalwahl im September zeigen. Liebe Lohner Leute, es reicht nicht, vor der Wahl seinen Unmut zu zeigen und trotzdem CDU zu wählen in der Hoffnung, „man (die CDU) habe verstanden“. Die CDU kann man nicht „erziehen“, man kann sie nur abwählen, indem man andere wählt! Besser noch: Selber politisch aktiv werden.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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