FleischfreiTag: Fleischfreier Tag nicht unbedingt am Freitag


Politische Einladung an besserungswillige FleischtigerInnen

Man (oder zumindest ich) kann ja über so manch politisch motivierte Entscheidung streiten. Man (oder zumindest ich) muss schließlich mittlerweile ständig hinterfragen, welche Motive und Beweggründe politische EntscheidungsträgerInnen mit sogenannten Empfehlungen und Vorgaben, in diesem Falle spricht der oberösterreichische Grünen-Umweltlandesrat Rudi Anschober gar nur von einer harmlosen „Einladung“ an das gemeine Volk, für solcherlei allgemeinwohliges Tun und und sozial verträglich erscheinendes Denken verantwortlich sind. Man (oder zumindest ich) ist in korrupten (österreichische) Zeiten wie diesen immer sorgsam darauf bedacht, jede noch so harmlos klingendeFleischfreiTag: Eine Initiative des öberösterreichischen Umweltressorts für mehr fleischlose Essenszeit. Wer das Klima schützen möchte, sollte nicht nur sein Auto ab und zu stehen lassen,sondern auch sein Schnitzel. Denn durch die Produktion von tierischen Lebensmitteln entstehen laut FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations, 2006) mehr klimaschädliche Treibhausgase als durch den gesamten globalen Verkehr – inklusive Schiffs- und Flugverkehr. politische Einladung gründlichst zu hinterfragen und auf etwaige Haken, Ösen und andere Fallstricke zu untersuchen. Überhaupt dann, wenn diese Einladungen mit geltenden Unschuldsvermutungen überladen sind und ihre politisch anrüchigen Kondensstreifen menschlicher Gier hinter sich her ziehen, was aber in diesem Falle glücklicherweise nicht zutrifft. 

Nun, im Falle von Oberösterreichs Umweltressort-Leiter Anschober würde also vieles dafür sprechen, dieser „Einladung“ zu folgen, wenn ich denn nicht schon sowieso ein sogenannter „Follower“ in Sachen fleischfreie, fleischlose und gemüseüberladene Essenszeit wäre. Zugegebenermaßen, nicht immer, doch immer öfter landet auf dem Tisch weder Fisch und Fleisch, sondern Gemüseauflauf und andere vegetarische Zusammenrottungen oder revolutionäre fleischlose Zellen bilden die Grundlage für meinen ökologischen Rausch. Aber, und hier belehren mich Statistiken eines Besseren, es gibt in Österreich und selbstverständlich in anderen Industrienationen doch noch eine erschreckend große Zahl derer, welchen der tagtägliche Fleischkonsum den besonderen Kick zu geben scheint.

Die interaktive „Weltkarte: Wo am meisten Fleisch gegessen wird“ auf Spiegel online (ich weiß, ich verlasse mich und verlinke deshalb schon wieder auf ein Schwergewicht des Internets, doch die Karte ist sehr anschaulich) macht dabei deutlich, wo der Fleischhammer hängt. Und in Europa hängt er in Österreich ziemlich weit oben. Was wir seit Jahrzehnten nicht nehr schaffen, nämlich den großen Bruder aus der Bundesrepublik im Fußball zu schlagen, gelingt uns dafür in Sachen Fleischverzehr pro Kopf und Jahr umso müheloser. Dass es dabei eine Unterscheidung zwischen Fleischverzehr und Fleischverbrauch gibt, wurde mir auch erst nach Studium der Tabellen auf der Seite des „Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie e.V.“ klar.       

Doch die Tatsache, dass der tagtägliche Sonntagsbraten auch dem Weltklima einen tagtäglichen Tritt gibt, macht es vielleicht interessant, den Zahlen über die Emission von Treibhausgasen durch die Landwirtschaft von Alexander Popp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) doch zukünftig mehr Beachtung zu schenken als bisher. Denn der Umstand, dass sich der bedenken- und hemmungslose Fleischverzehr auf unser Klima negativ auswirkt, wird zwar eine wohl nie enden wollende Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Ernährungsweise bleiben. Im Hinblick auf die Klimabilanz bleibt es aber unbestritten, dass die lebendigen Fleischberge, nämlich jene Nutztiere, welchen wir solch liebevolle Namen wie „Alma„, „Berta„, „Resi“ oder am liebsten „Susi“ geben (Bayerische Kühe haben einen Namen), mit dem in den Kuhmägen produzierten Methan und Lachgas ihrem Namen mehr als nur alle Ehre machen und dafür Sorge tragen, dass ein „Geringerer Fleischkonsum reduziert CO2-Ausstoß um 10%“ mit unseren Essgewohnheiten nicht zu vereinbaren ist.

Klare Sache! Solange solche Papiere wie „Wege aus der Hungerkrise: Die Erkenntnisse des Weltagrarberichtes und seine Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen“ jenen Interessen der Bauernverbände und der daran gekoppelten verarbeitenden Industrie, seien es nun Erzeuger von landwirtschaftlichen Maschinen, die Schlachtereibetriebe, Futtermittelproduzenten und nicht zuletzt die Supermärkte, welche möglichst billiges Fleisch in ihren Kühlregalen haben wollen, konträr gegenüberstehen, werden wir wohl weiterhin unseren täglichen Bedarf an Nahrung durch einen Großteil Fleisch und Wurstwaren decken. Und dass die Politik und hier besonders die ÖVP den Agrarbetrieben die Stange hält und sich mit den immer wieder schlagkräftigen Argumenten Arbeitsplätze, Grundversorgung, Selbstversorgung und der überdurchschnittlich hohe europäische Anteil an Bio-Landwirtschaft vor Karren, Traktor und Pflug spannen lässt, macht ein Umdenken in Sachen fleischlose Ernährung nicht gerade einfacher. Die unbestrittene Tatsache, dass der ökologische Fußabdruck jener landwirtschaftlichen Betriebe, welche auf „Bio“ umstellen, gegenüber den konventionellen Landwirtschaftsbetrieben beträchtlich ressourcenschonender ist (Ökologischer Fußabdruck der Bio-Landwirtschaft und ihrer Produkte), mag durchaus tröstlich erscheinen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Alma„, „Berta„, „Resi“ und das bayerische Lieblings-Rindvieh „Susi“ für eine höchst anrüchige Klimabilanz verantwortlich sind.

Dass in Berlin am Prenzlauer Berg der erste Supermarkt mit veganem Vollsortiment für leere Fleischtöpfe, doch sicherlich nicht ebensolch leere Kassen sorgt, könnte doch für potentielle InvestorInnen ein Anreiz sein, sich auch einmal in österreichischen Gefilden als Karotten-Jane und Spargel-Tarzan zu versuchen. Ich setz‘ mich bei Bedarf auch gerne an die Kassa aus Kraut und Rüben. Und da wären wir wieder am Anfang unseres Artikels. Korruption ist überall und die unvermeidlichen Unschuldsvermutungen nicht weit. 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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