CO2-Abgabe für Menschen mit und ohne Flugangst


Im Vergleich: CO2-Rechner für Emissionen bei Flugreisen

Da ich selbst kein unbeschriebenes Blatt im Wind bin, wenn es darum geht, das Flugzeug zu verwenden, habe ich trotzdem das Bedürfnis, mein schlechtes Gewissen etwas zu beruhigen. Und weil dies eben noch, sehe ich von der richtigsten und plausibelsten Variante des Nichtfliegens und der nicht schlechten Option des Bahnfahrens ab, am besten durch eine CO2-Abgabe möglich ist, war es für mich wieder einmal interessant, welche CO2-Rechner denn aktuell auf dem virtuellen Markt Internet welche Ergebnisse liefern. Und vor allem interessierte mich eines: Liefern diese mathematischen Berechnungen auch dieselben Ergebnisse? Denn angesichts der Tatsache, dass das Polareis den zweitniedrigsten Stand seit der Auswertung von Satellitenbildern im Jahre 1979 erreicht hat, bedeutet Fliegen für mich mittlerweile nicht mehr das ultimative Symbol grenzenloser Freiheit. 

Dass im Moment bei den Eidgenossen eine neuerliche Diskussion über Sinn und Unsinn, Zweck und Nichtzweck, Ja oder Nein und was sonst noch im Laufe solcher konträrer Standpunkte auf den fliegenden Teppich kommt und mit laufenden verbalen Turbinen einmal abhebt, um dann im nächsten Moment wieder auf dem harten Boden der Realität zu landen, sei nur nebenbei und im Vorbeisegeln erwähnt. Dass es im konkreten Fall nicht um Flugbenzin, sondern um die Einführung einer CO2-Abgabe auf Benzin und Diesel in der Schweiz geht, mag zwar marginale Unterschiede besitzen, doch wie stellte die Schweizer Umweltministerin Doris Leuthard so treffend nüchtern fest: „Aber ich bin ja auch nicht naiv, und wir stehen in einem Wahljahr …“ (Basler Zeitung: „CO2-Abgabe fällt im Nationalrat durch„)

Ebenfalls nicht unerwähnt möchte ich einen sehr schönen und aktuellen Artikel von Björn Lohmann lassen, welcher auf SciLogs unter „CO2-Abgabe für Flugzeuge – Scheindebatte ums Kohlendioxid“ zu dem nicht unbedingt falschen Schluss kommt, dass Gegner der CO2-Abgabe oftmals mehr mit der eigenen Hirnkapazität und den dort beheimateten unterkühlten Hirnströmungen zu kämpfen haben als vielleicht mit Fallwinden oder warmen Höhenströmungen, welche umgangssprachlich auch als Föhn bezeichnet werden. Wobei ich anmerken darf, dass Björn Lohmann diese Wortwahl nicht verwendete, sondern diese lose Aneinanderreihung von Buchstaben einzig und allein meiner Hirnrinde entsprungen ist.

Doch eigentlich wollte ich ein praktisches Beispiel anführen. Also habe ich mich auf die Suche nach Informationen über diese sogenannten CO2-Rechner gemacht, welche mir einerseits das schöne Fliegen weiterhin schmackhaft machen sollen, aber andererseits nicht mein schlechtes Gewissen ob dieser modernen und post-ikarus’schen Errungenschaft geistiger und technischer Höhenflüge unter den Unmengen an Kohlendioxid begraben, welche mein Drang nach Freiheit über den Wolken mit sich bringt. Unter „CO2-Abgabe fürs Fliegen: Nur drei Anbieter gut“ wurde ich dann zumindest einmal fündig. Also habe ich mich einmal auf solch einen mathematischen Ablasshandel eingelassen, mich für Atmosfair entschieden und noch ein eigenes Suchergebnisse für CO2-Rechner (ARKTIK) hinzugefügt. Um dabei möglichst aufschlussreiche Ergebnisse zu bekommen, habe ich zwei Varianten gewählt. Als erstes einen Kurzstreckenflug Wien – Berlin ohne Umsteigen und als Mensch ohne Angst vor Thrombose den Langstreckenflug Frankfurt -Saigon mit Umsteigen in Kuala Lumpur. Und ich oder besser meine kleinen Helfer sind zu folgenden Ergebnissen gekommen.

1. Emissionsrechnung von Atmosfair (siehe auch „Atmosfair: Fluglinien im CO2-Vergleich„)

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Emissionsrechner von Atmosfair für die Flugstrecke Wien nach Berlin.Flug Wien – Berlin Die Berechnung des CO2-Austosses auf der Flugstrecke Wien - Saigon mit Umsteigen in Kuala Lumpur mit dem Emissionsrechner von Atmosfair. Flug Frankfurt – Saigon

2. ARKTIK CO2 Ausgleich für Flugreisen

Emissionsrechner von ARKTIK: CO2 Ausgleich für eine Flugreise von Wien nach Berlin. Flug Wien – Berlin Emissionsrechner von ARKTIK. Berechung des CO2-Ausstosses für einen Flug von Frankfurt nach Saigon über Kuala Lumpur. Flug Frankfurt Saigon

Schauen wir uns das Resultat an. Würde ich mit Atmosfair mein Gewissen beruhigen wollen, müsste ich im Vergleich zu ARKTIS ganz schön tief in die Tasche greifen. Auf der Kurzstrecke Wien – Berlin ist der Unterschied nicht gravierend und doch für mich völlig unverständlich. So fordert Atmosfair für die Kompensation von insgesamt 340 kg CO2 9,- Euro von mir, während der Konkurrent gerade einmal auf einen Kohlendioxid-Ausstoß von 184 kg kommt und, zahlen wir bereitwillig den Mindermengenzuschlag, von mir 6,88 Euro verlangt. Wohlgemerkt, es handelt sich hier um dieselbe Strecke.

Mache ich allerdings Urlaub in Südost-Asien, sieht die Sache mit der CO2-Berechnung gleich einmal ganz anders aus. 7,8 Tonnen CO2 werden bei Atmosfair fällig und diese Belastung hat natürlich ihren Preis. Satte 181,- Euro müsste ich in geeignete Klimaschutzprojekte investieren, um ruhigen Gewissens zu Ho Chi Minhs Nachfahren zu fliegen. Da lasse ich doch lieber von ARKTIS mein Gewissen beruhigen. Nicht nur, dass mir hier mehr als zwei Tonnen weniger CO2 (5624 kg) berechnet werden, komme oder besser fliege ich auch dementsprechend um 63,- Euro billiger weg.

Ich lasse diese Ergebnisse nun unkommentiert. Aber nicht aus dem einfachen Grund, weil ich eine faule „Sie wissen schon was“ bin, sondern um Sie aktiv zum Mitmachen zu bewegen. In diesem Falle bedeutet dies jedoch nicht nur, sich als Fluggast durch einen finanziellen Beitrag von den eigenen Flugsünden loszukaufen, sondern auch, sich anhand des Artikels „Gutes Gewissen zum Schnäppchenpreis“ im Greenpeace-Magazin 4.08, welcher auch online verfügbar ist, die mit einer vernünftigen Berechnung verbundenen Probleme und verschiedenen Sichtweisen vor Augen zu führen. Welcher CO2-Rechner letztendlich der einzig wahre oder endgültig richtige ist, wird sich für einen Laien wie mich wohl kaum wirklich erschließen. Doch dieses Problem hatte ich bereits mit meiner Auseinandersetzung zwischen den Unterschieden von konventionellem Erdgas und sogenanntem Ökogas.

Einzig über eine Tatsache kann ich nicht kommentarlos und schweigend hinwegsehen. Der in Mode gekommene Aufruf bzw. das verlockend klingende Versprechen, für irgendwelche Vorhaben und eben aus Gründen der Kompensation werden so und soviele Bäume gepflanzt, weil dies schließlich eine besonders effektive Methode ist, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, mag auf den ersten Blick ein unschlagbares Allheilmittel sein. Denn wir wissen alle: Regenwälder werden abgeholzt, Monokulturen breiten sich aus und vom Waldsterben hat mittlerweile auch schon jeder etwas gehört. Haben Sie aber schon einmal bedacht, wie lange es eigentlich dauert, bis ein eben eingepflanzter junger Baumtrieb jene Größe erreicht hat, um als CO2-Schlucker seine Dienste zu verrichten? Dass die Menschheit in die Zukunft blickt, ist sicherlich ein schöner Zug, welcher von Optimismus zeugt. Aber leider läuft uns die Zeit jetzt im Moment davon. Die Wissenschaft spricht in diesem Zusammenhang auch vom Problem der „tipping points“, Kippprozessen des Klimasystems (tipping elements) oder Klimaspiralen. Aber all diesen Begriffen liegt zugrunde, dass es sich um eine geringfügige Änderung eines Faktors handelt, welcher aber drastische Auswirkungen nach sich zieht (sehr gut dazu: Anders Levermann: Sicherheitsrisiko Klimaspiralen – Are we „tumbling down the rabbit hole“?).

Ob dieser „point of no return“ bereits erreicht ist oder ob sich der Klimawandel noch aufhalten lässt, vermag die Forschung nicht zu beantworten. Doch dass das Pflanzen von Bäumen eine mehr oder eher sehr viel weniger erfolgsversprechende Maßnahme ist, zu dieser Überzeugung und Einsicht bin ich leider gekommen. Langfristiges Denken in allen Ehren, doch hinsichtlich der aktuellen Lage bedarf es kurzfristiger Entscheidungsprozesse.

Und morgen? Sie wissen schon! Am 20. September ist der Tag des Respekts.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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