Polare Plusgrade sorgen für polaren Minusrekord 2


MinimalistInnen und Wasserratten werden ihre Freude haben

Wer schon immer einmal vor hatte, den Planeten Erde aus der Vogelperspektive zu betrachten, sei auf die erstklassige Schausammlung „Home“ verwiesen, eine farbenprächtige Leistungsschau von Yann-Arthus Bertrand über jenen Planeten, welchen die Gattung Homo sapiens so leichtfertig als Heimatplaneten bezeichnet und trotzdem tagtäglich das Wasser abgräbt. Wobei! „Das Wasser abgraben“ ist in diesem Zusammenhang wohl eher der falsche Ausdruck. Denn mit jedem QuadratmeterNational Snow And Ice Datacenter (NSIDC): “September 15, 2011 Arctic sea ice at minimum extent.” geschmolzenes Polareis fügen wir eigentlich um so mehr von jenem köstlichen Nass hinzu, welches einerseits wohl in den Kriegsplänen der Zukunft eine führende Rolle spielen wird, aber andererseits in den gegenwärtigen und ebenfalls zukünftigen Forschungsergebnissen und Analysen der KlimaforscherInnen DIE führende Rolle spielt und bereits übernommen hat.

Natürlich werden sich auch andere über die schwindenden Eismassen an den polaren Kältepolen möglicherweise freuen  und jetzt schon erste kalkulatorische Hoch- und Kostenrechnungen ins wohlüberlegte und gut durchdachte gentechnisch manipulierte Kalkül ziehen. Denken wir doch nur daran, welche neuen Abgründe in Form von eisfreien Gründen sich für Firmen wie Monsanto auftun, welche es mit gentechnisch verändertem Saatgut zu bewerfen gilt. Der Nordpol als neue Aufzuchtstation für GVO. Eine horrorvisionäre Vorstellung wohl nicht nur für den kanadischen Bauern Percy Schmeiser, sondern sicherlich für all jene, welche der grünen Gentechnik nicht viel Gutes abgewinnen können. Aber lassen wir solch fortschrittliches und fortschreitendes Denken und Treiben jenen vorbehalten, welche auf Teufel komm raus mit dem Fortschritt Schritt halten möchten und eilen wir dorthin zurück, woher so manches Schiff gerade herkommt.

Denn oh welch freudige Botschaft für alle Frachtschiff- und Freizeitkapitäne. Eine noch niemals dagewesene Konstellation haben uns jene künstlichen Erdtrabanten anhand hochauflösender Bilder geliefert, welche als sogenannte Satelliten mitten durch Ozonloch und andere Hemisphären geschossen über unseren Köpfen schwebend ihren zuverlässigen Dienst verrichten. Denn: „Zwei legendäre polare Schifffahrtsrouten sind gleichzeitig offen – der Nördliche Seeweg vor Russlands Küste und die Nordwestpassage im kanadischen Inselarchipel. Kapitäne wagen sich nun in die schmelzende Arktis vor.“ (Eisschmelze öffnet Arktis für die Schifffahrt)

Warum dies so ist, könnte möglicherweise mit dem Kliamwandel zusammenhängen. Ist selbstverständlich nur eine vage Vermutung und steht sicherlich auch nur in losem Zusammenhang mit jenem vitruvianischen Menschen von John Quigley in der Nähe des Nordpols, welcher langsam an Form und Gestalt verliert und langsam in seiner Zweidimensionalität unter der wärmenden Sonne dahinschmilzt und im Zuge dessen gleich die Dreidimensionalität des Polareises mit sich nimmt. Dass jedoch diese Mehrfachdimension an polarer Kälte von Jahr zu Jahr weniger wird, sollte außer jenen, welche diese eisfreien Seewege als Möglichkeit, noch schneller von A nach B zu kommen und noch billiger Rohstoffe, Menschen und selbstverständlich Konsumgüter von ebenfalls A nach B oder, weil schließlich diese maritimen Straßen von Tag zu Tag breiter werden, auch mühelos und gleichzeitig von B nach A zu liefern, keine große Freude bereiten. Das einzig Erfreuliche für alle AnhängerInnen minimalistischer Minusgrade: Nur im Jahr 2007 war die gemessene Eisfläche seit der 1979 begonnene Auswertung der Bilder jener durch das Ozonloch lüstern spähenden Satelliten (siehe dazu: Media Advisory: Arctic sea ice reaches lowest extent for 2011) auf National Snow And Ice Data Center (NSIDC).

Dass das Abschmelzen des arktischen Meereises nicht zwangsläufig zu einer Erhöhung des Wasserspiegels führen muss, möchte ich der Form halber noch klarstellen. Denn aufgrund der Tatsache, dass diese polaren Eismassen direkt auf dem Wasser schwimmen und nicht, so wie im Falle der schmelzenden Gletscher von Grönland oder der Antarktis, auf darunterliegenden Landmassen liegend zu einer Erhöhung des Meeresspiegels führen, ändert sich sozusagen „nur“ der Aggregatzustand. Was sich aber leider auch mit dieser Tatsache ändert, ist die Fläche an gefrorenem Wasser. Und dies bedeutet eben, dass wesentlich weniger Sonnenlicht reflektiert wird. Denn offenes Wasser nimmt leider viel mehr Sonnenstrahlung auf. Und genau dieser Effekt ist es, welcher zu großen Teilen jene Regionen erwärmt.

Aber die Aussicht, sich in wenigen Jahren in Bikini und Bermuda-Shorts auf der eigenen Hochseejacht in Nähe der geografischen Koordinaten 90° 00′ 00″ N oder auch Nordpol genannt, lassen wir dabei der Einfachheit halber den Nordpol der Unzulänglichkeiten einmal außen vor, lasziv zu räkeln und warmen Meer zu plantschen, hat für viele sonnenanbetende Sonnenhungrige auch einen gewissen Reiz. Wenn da nur nicht diese großen Frachter wären, welche unsere Wege kreuzen. Doch wie sagte schon Archimedes: „Störe meine geschmolzenen Polarkreise nicht„. Oder so ähnlich.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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