Percy Schmeiser: Kanadischer Bauer vs. Monsanto 1



Wenn die Ohnmacht eines Einzelnen auf die Macht der Gentechnik trifft

“Dieser Film macht Mut. Mut all denjenigen, die fürchten, man hätte als Einzelner keine Macht gegen die Politik, die Großkonzerne oder die Wirtschaft.” „David gegen Monsanto“ beweist das Gegenteil. Percy Schmeiser – David gegen Monsanto. Ein Film von Bertram Verhaag.Dieser Film macht Mut. Mut all denjenigen, die fürchten, man hätte als Einzelner keine Macht gegen die Politik, die Großkonzerne oder die Wirtschaft.

Percy und seine Ehefrau Louise Schmeiser haben viel getan. Das kanadische Ehepaar hat fünf Kinder in die Welt gesetzt, Percy war Bürgermeister und Abgeordneter in der Provinz Saskatchewan und die beiden betreiben seit Jahrzehnten in Kanada ihre eigene Farm. Und das Ehepaar Schmeiser hat noch etwas getan. Sie haben sich gegen Monsanto zur Wehr gesetzt. (Dazu vielleicht auch interessant der Kampf von Imker Bablok gegen den Freistaat Bayern im Falle von genverseuchtem Honig mit MON 810 Saatgut ebenfalls von Monsanto).

Die Dokumentation von Bertram Verhaag zeigt auf geradezu erschreckende Weise, mit welchen Geschäftspraktiken der Gentechnik-Konzern Monsanto sich das holt, was nach Meinung dieser weltumspannenden Krake von Agent Orange, Roundup und gentechnisch verändertem Saatgut rechtens ist. Mit allen Mitteln werden die aus den Lizenzverträgen mit Kleinbauern entstandenen Schuldverschreibungen herausgepresst. Auch Schmeiser bekam dies zu spüren.

Denn im Jahr 1998 verklagte der Konzern den Bauern. Auf seinen eigenen Feldern wuchs Raps. Gentechnisch veänderter Raps aus dem Hause Monsanto (dazu auch: 3-fach genmanipulierter Süßmais aus dem Hause Monsanto für amerikanische VerbraucherInnen jetzt in den Supermarktregalen), wie anhand von Proben zweifelsfrei festgestellt wurde. Doch Schmeiser hatte weder Saatgut von Monsanto bestellt, gekauft und schon gar nicht auf den eigenen Feldern ausgesäht. Pollenflug von einem benachbarten Feld, ein vorbeifahrender LKW mit dem kontaminierten Monsanto-Raps, Vögel, welchen den Samen im Gefieder mit sich trugen. Woher das Saatgut kam und plötzlich auf seinen Feldern wuchs, wusste der Bauer nicht. Und er wollte den verseuchten Raps auch nicht. Denn durch seine eigenen Feldversuche und die konventionelle Zuchtarbeit hatte Schmeiser Sorten auf seinen Feldern, welche ohne Roundup und vor allem ohne Monsanto gediehen.

Percy Schmeiser erkannte zeitig, dass die Versprechungen von Monsanto genauso inhaltsleer waren wie das Saatgut voll mit Gentechnik. Höhere Erträge sollten erzielt werden, ein sinkender Bedarf an Pestiziden und Herbiziden (Der saubere Wegbegleiter Prefix C von BASF) damit verbunden sein und die angeblich höhere Nachfrage der VerbraucherInnen nach solch köstlichen Produkten aus den Laborküchen der Gentechnikkonzerne die Zukunft der Bauern sichern. Dass heutzutage die Erträge durch den inflationären Einsatz wesentlich niedriger sind, ein Vielfaches der Herbizide auf den Feldern gespritzt werden muss, um auf dieselben Ertragsmengen zu kommen und bestehende Importverbote von gentechnisch veränderten Landwirtschaftsprodukten diese Heilsverkündungen in ihr Gegenteil aufstrebender Absatzmärkte verkehrt haben, diese Weitsicht hatte der Landwirt schon damals.

Doch Monsanto hatte andere Interessen. Entweder Schmeiser verpflichtet sich zur Unterzeichnung einer jener Lizenzverträge, welchen schon Tausende andererThe Right Livelihood Award for outstanding vision and work on behalf of our planet and its people. Percy and Louise Schmeiser (Canada) for their courage in defending biodiversity and farmers’ rights, and challenging the environmental and moral perversity of current interpretations of patent laws. unterschreiben mussten oder Monsanto würde durch einen Prozess die Forderungen einklagen. Durch den auf seinen Feldern wachsenden Monsanto-Samen profitiere der Bauer nach Meinung des Unternehmens nämlich ungemein und dies müsse schließlich mit entsprechenden Lizenzzahlungen abgegolten werden. So dachte Monsanto. Und der Gentechnik-Konzern dachte noch weiter. Die Unterzeichnung solch eines Kontraktes beinhaltet ebenso, dass keinerlei öffentliche Kritik und Stellungnahme zu den vereinbarten Klauseln möglich sei. Ansonsten: Klage und Schadensersatzansprüche. So kalkulierte Monsanto.

Doch Percy Schmeiser hatte andere Interessen, dachte anders und kalkulierte nicht im Sinne von Monsanto. Er erhob sich und zog ins genmanipulierte Feld. Er verklagte Monsanto seinerseits wegen Zerstörung seiner Zuchtarbeit. Er ließ seine Felder von den kontaminierten Feldern freiräumen, schickte die Rechnung über 600 kanadische Dollar an den Konzern und bat höflich um Begleichung der entstandenen Kosten. Und Monsanto? Einem kleinen Bauern ein paar hundert Dollar zahlen kommt sicherlich nicht in Frage. Wir werden dem Aufmüpfigen in einem langwierigen und teuren Prozess schon zeigen, wo der genmanipulierte Hammer hängt. Nun, das Pendel schlug zurück. Kurz vor Beginn der Verhandlung akzeptierte das Unternehmen sämtliche Forderungen des Landwirts, übernahm die Verantwortung für die Kontamination seiner Felder und gestattete Schmeiser, über die genauen Abläufe die Öffentlichkeit zu informieren.

Paul Boegle: Der kanadische Bauer Percy Schmeiser gegen den Gentechnik-Konzern Monsanto. Perseus Percy gegen die Medusa Monsanto.Doch die Öffentlichkeit ist immer noch nicht genügend über die Praktiken von Monsanto und Co im Bilde. Wir alle haben die Möglichkeit, uns gegen solche Konzerne zur Wehr zu setzen. Doch dazu bedarf es einer weitreichenden Aufklärung. Dass das Ehepaar Lousie und Percy Schmeiser 2007 für ihr bedingungsloses Engagement gegen die Willkür und die Einschüchterungsversuche von Politik und Wirtschaft mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, zeigt, dass der richtige Weg nicht in ohnmächtigen Sackgassen enden muss. Doch wer sich den Film bis zum Ende ansieht, wird leider auch mit der Erkenntnis von Percy Schmeiser konfrontiert, dass er selbst es wohl nicht mehr erleben wird, irgendwann in seinem Leben noch gentechnikfreie Landwirtschaftsprodukte auf den Tisch zu bekommen. Die Krake Gentechnik hat ihre Tentakeln schon viel zu weit im Erdreich ausgestreckt, als dass die nahe Zukunft noch ein gentechnikfreies Leben möglich mache.

Doch selbst Medusa war eine sterbliche Gorgone. Und Perseus hatte jenen verspiegelten Schild, mit welchem es ihm gelang, das Monster zu enthaupten. Ohne geflügelte Schuhe und ohne Tarnkappe gelang dies nun einem kleinen Bauern namens Percy Schmeiser. Er hat nicht das komplette Ungeheuer Gentechnik vernichtet, doch er erstarrte nicht zu Stein, sondern zeigte Flagge und machte das Unmögliche wahr.

Ich hatte das „Vergnügen“, in einer Fernsehkritik zu lesen, die Dokumentation „David gegen Monsanto“ sei einseitig und lasse die andere Seite nicht zu Wort kommen. Das mag völlig richtig sein, doch ich denke, dass diese andere Seite Monsanto keinerlei Berechtigung hat, das Wort an die Öffentlichkeit zu richten geschweige denn sich zu rechtfertigen. Wer mit solchen skrupellosen Methoden und amoralischen Geschäftspraktiken die Rechte des Einzelnen knebelt und stranguliert und in weiterer Folge die Mehrheit in Geiselhaft nimmt, negiert und verweigert selbst die Anwendung demokratischer Prinzipien und stellt sich ins Abseits moralischer Integrität.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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