Kalter Nespresso-Kaffee und heißes Grillhuhn-Eisen 2



Was gibt es Neues bei Wiesenhof und Nespresso?

Ich habe mich nun doch spontan entschlossen, noch einmal umzudisponieren. Dies soll bedeuten, ich werde weder Weihnachten als Konsum-Geburtshelfer zur Seite stehen und schon gar nicht Ostern zu wundersamer monetärer und sklavischer Auferstehung verhelfen. Also kein Nespresso-Kaffee mit dem rotgewandeten Paul Boegle: Kalter Kaffee von Nespresso und Geschmacklosigkeiten von Wiesenhof.Weihnachtsmann oder gut betuchten und nicht minder gutbetuchten George Clooney und auch kein falscher Hase, ja nicht einmal eine kleine falsche Wimper bzw. einen echten Hähnchenschenkel aus dem Hause Wiesenhof in nächster Zeit und wohl auch zur weihnachtlichen Osterzeit oder österlichen Weihnachtszeit.

Gut, im ersteren dieser beiden subsumierten Wenn-Dann-Aber-Und so weiter-Fälle möchte ich kundtun, dass sich Solidar Suisse und die Nespresso-Verantwortlichen zumindest einmal an einen Tisch gesetzt haben und die verschiedenen Standpunkte auf denselben gelegt haben. Solidar Suisse hat den nach Meinung des Kaffeeanbieters ketzerischen Titel „Der geheime Clooney-Spot, den Nespresso verbieten will…“ adaptiert und so firmiert dieser Spot jetzt unter der Überschrift „Der geheime Clooney-Spot, der Nespresso geschockt hat…“ (Zu sehen unter oben angeführtem Link „kein Nespresso-Kaffee„). Und im Gegenzug sprach Nespresso eine Einladung an Solidar Suisse aus, das kritisierte „Nespresso AAA+ Sustainability Programm“ (siehe dazu meinen Artikel: „Email von Solidar Suisse: Kinderarbeit im Nespresso?„) vor Ort in Kolumbien selbst zu begutachten und zu beurteilen. Gut, deshalb heißt es erst einmal abwarten und Tee trinken.

Und was macht Firma Wiesenhof. Nun, im Moment wahrscheinlich riesengroße Hühneraugen. Denn wie ich unter „Schweiz: Diskounter boykottiert Wiesenhof“ oder auch „Schweiz: Discounter Denner listet Wiesenhof-Geflügelprodukte aus“ zu lesen bekam, machen jetzt ausgerechnet jene gegen den Geflügelfabrikanten mobil, von denen ich es eigentlich am wenigsten erwartet hätte. Die sonst so verrufenen Supermarktketten räumen die Regale. „Sozusagen alles muss raus!“ Und das nicht nur zur Weihnachtszeit, wie vielleicht auch Heinrich Böll geschrieben hätte, wenn er es denn nicht sogar geschrieben hat. Natürlich trennen sich die Schweizer Billiganbieter Denner, Migros und Coop nicht von sämtlichen Warenbeständen, sondern nur von jenen der Marke Wiesenhof. Also praktisch jetzt ein Haus ohne Wiesenhof-Güter, um auch weiterhin auf Augenhöhe mit Heinrich Böll zu bleiben. Was andere nur allzu leicht und unbedacht als verbalen Boykott in den vollen Mund nehmen, wird tatsächlich in der Schweiz nun Programm. „Ab heute nimmt Denner bis auf weiteres Pouletprodukte des deutschen Lieferanten Wiesenhof aus seinem Sortiment„, teilte das Unternehmen aufgrund der erhobenen Vorwürfe über die Verletzung von Tierschutzstandards von Wiesenhof mit.

Dass dabei ein etwas schaler Beigeschmack bleibt, möchte ich allerdings nicht verhehlen. Denn irgendwie muss der Rubel und der Schweizer Franken schließlich weiter rollen. Und so werden die aussortierten Wiesenhof-Produkte schnellstmöglich durch inländische Substitute ersetzt. Die unterschwellige Drohung, dass aufgrund dessen auch die Preise für das im Regelfall teurere Schweizer Geflügel gesenkt werden mussten, macht die Sache schon wieder weniger schmackhaft. Denn dies würde den Umkehrschluss zulassen, dass den Schweizer Geflügelproduzentinnen und Bauern wieder einmal die Pistole auf die (Hühner)Brust gesetzt wurde. „Entweder ihr liefert zu unseren Konditionen oder …?“ Was nach diesem „oder“ kommt, möchte ich mir jetzt gar nicht vorstellen. Vielleicht täusche ich mich, aber ob dies das Gelbe vom Ei ist, wage ich zu bezweifeln. Warum nicht die Preise erhöhen und zwei, drei oder ein ganzes Bataillon Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Die Bauern bekommen vernünftige Preise und können weiter zu vernünftigen Bedingungen und ebensolchen Standards produzieren. Die KonsumentInnen bekommen Produkte aus artgerechter Tierhaltung. Die Discounter vereinen diese beiden Guppen unter ihrem Dach und partizipieren ebenfalls an zufriedenen Lieferanten und konsumfreudigen Kunden. Und Wiesenhof? Naja, die könnten in der Zwischenzeit den ganzen Mist wegräumen und sich bei gegebener Zeit wieder melden. Aber glücklicherweise gibt es außerhalb der Schweiz noch genügend Supermarktketten, welche sich lieber wie die Sau im Trog wälzen, dabei wie die Katze um den heißen Einheitsbrei schleichen und sich in den eigenen Fäkalien pudelwohl fühlen. Oder eben die Bremer Stadtmusikanten für Fortgeschrittene. Ob dabei ein Esel oder eine Sau das tragende Gerüst ist, spielt eigentlich keine große Rolle. Und ob das liebe Federvieh ganz oben steht oder unter der dicken stinkenden Schicht begraben wird, macht den Hühnerbraten auch nicht mehr fett.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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2 Gedanken zu “Kalter Nespresso-Kaffee und heißes Grillhuhn-Eisen

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Da danke ich für die Blumen, lieber Matthias. Aber mit Bezug auf den damit verbundenen Artikel sind solche virtuellen Hammerschläge auch bitter notwendig, um zumindest ein bisschen Aufmerksamkeit zu erreichen. Und so ziehe ich mich jetzt wieder in meine dunklen Höhlen zurück und gestalte weitere sinnlos sinnvolle Collagen. Aber etwas Eigenwerbung kann natürlich auch nicht schaden. Sollten Dir solche brachiale Bilder gefallen, findest Du auf meinem weit gedankenfreieren Blog http://freie-zeit.at/ noch weit schlimmere Dinge des guten Geschmacks.
    Liebe Grüße aus Wien von Paul