Email von Solidar Suisse: Kinderarbeit im Nespresso? 2


What else?“ Über aromatisch geröstete und herrlich duftende Weichteile

Nachbetrachtung und gleichzeitige Vorschau zu meinem veröffentlichten Beitrag „Sorry George: UNO-Botschafter Clooney vs. fairer Kaffee„, welcher auch das Adbusting-Video von Solidar Suisse enthält, welches die Gemüter und das Kaffeewasser von Nestlé respektive Nespresso jetzt so zum Kochen bringt. Was natürlich in Anbetracht langsam vor sich hin schmelzender vitruvianischer Menschen und ebensolcher Polkappen ein Affront ist. Doch da die geometrischen Strukturen dieses Weltgefüges und die damit verbundenen sozial-gesellschaftlichen Verantwortungen der in diesem monetär asymmetrisch verschobenen Weltgefüge hausenden sozial Unverantwortlichen mehr und mehr von der einseitig drehenden Zentrifugalkraft namens Profitgier verschlungen werden, soll uns etwas kochendes Wasser, welches zwar nicht für das aromatische Rösten unserer herrlich duftenden konsumorientierten Weichteile von Nutzen ist, sondern mehr einem permanenten Weichkochen unserer Gehirne dienlich ist, auch nicht weiter radioaktiv oder fernseh-passiv belasten.

Nachdem ich im Zuge meines Artikels „Qualität, Sicherheit, Transparenz: Konsumpf und Wiesenhof“ von einem Leser um faire und objektive Berichterstattung gebeten wurde, bitte ich, den hier veröffentlichten Inhalt jenes Emails an mich als Informationsweitergabe zu betrachten und auf das zu warten, was Nestlé zu sagen oder womöglich auch nicht hat. Wobei ich ganz ehrlich gestehen muss, dass mir immer öfter eine objektive Sicht abhanden kommt und zu der Einsicht gekommen bin, dass sich Probleme weder aussitzen lassen, nach einer Nacht drüberschlafen anders aussehen und schon gar nicht durch schön formulierte Dementis und schmückende Formulierungen der Betroffenen aus der Welt schaffen lassen. Von Lösungen will ich deshalb erst gar nicht reden und schreiben.

Kinderarbeit im Nespresso? Email von Solidar Suisse an Paul Boegle zur Adbusting-Kampagne und den Protest gegen den UNO-Botschafter George Clooney, welcher für die Nespresso-Kapseln Werbung macht.

Doch um diese Zeit jetzt sinnvoll zu überbrücken, habe ich mir einmal die verschiedenen Verlinkungen und selbstverständlich auch den begleitenden Videoausschnitt (am Ende des Artikels) der an mich gerichteten Email von Solidar Suisse angesehen, welchen ich Ihnen deshalb auch mit auf den eigenen Weg gebe.

Dass es sich bei dieser Sequenz nur um einen verschwindend geringen Teil der Gesamtreportage „ARD exclusiv – Kinderschinder – Der Preis für eine Tasse Kaffee“ handelt und deshalb von manchen KritikerInnen solch „voyeuristischer“ Schreiberei, wie ich sie betreibe, als einseitige Berichterstattung angesehen wird, mag ich nicht einmal abstreiten, Deshalb, um auch hier fair zu bleiben und um Ihnen die Möglichkeit zu verschaffen, sich die komplette Reportage anzusehen und dazu begleitend ein eigenes Bild über die herrschenden Zu-, Um- und vor allem Missstände über die (minderjährigen) KaffeepflückerInnen zu machen, hier die beiden Youtube-Videos: 3sat – ARD exclusiv – Kinderschinder – Der Preis für eine Tasse Kaffee (1/2) und 3sat – ARD exclusiv – Kinderschinder – Der Preis für eine Tasse Kaffee (2/2).

Doch um der Fairness willen habe ich mich natürlich auch bei Nespresso umgesehen und habe folgende Stellungnahme des Unternehmens zu den Anschuldigungen gefunden, welche ich Ihnen unter dem Link „Nespresso answer to Solidar Switzerland“ deshalb auch nicht schuldig bleiben möchte.Die deutsche Version findet sich beim Hinunterscrollen unter der englischen. Und für all meine LeserInnen, welche nur kurz einen Espresso hinunterstürzen wollen und sich nicht die Zeit für eine große Tasse Kaffee gönnen möchten, hier die ersten Sätze des Statements von Nespresso bzw. Nestlé:

Viele von Ihnen haben den Humor des Films, genannt „„[sic] Der geheime Clooney-Spot, den Nespresso verbieten will…“ genossen. Wir möchten Ihnen mitteilen, dass wir zu keiner Zeit das Recht der Organisationen ihre Meinung zu veröffentlichen in Frage gestellt haben. Auch wenn wir grundsätzlich die Bedenken von Solidar Schweiz hinsichtlich fairer Arbeitsbedingung und der Sicherheit der Arbeiter auf Kaffeefarmen teilen, verurteilen wir aufs schärfste die Art und Weise in der Solidar Schweiz diese Kampagne führt und hinterfragen die aufgestellten Behauptungen. Seit Jahren haben wir uns zu nachhaltigem Einkauf von Rohkaffee verpflichtet und sich bereit Nespresso’s Reputation zu verteidigen.

Und weiterhin habe ich diese nachtschlafene Zeit dazu genutzt, mich in das von Solidar Suisse kritisierte „Nespresso AAA+ Sustainability Programm“ hineinzulesen. Dass ich dabei meinen Kaffeekonsum wieder einmal in ungeahnte und völlig Nespresso-freie Höhen habe schnellen lassen, soll hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Auch hierzu habe ich Ihnen bei Klick auf das nebenstehenden Schaubild den Link bereits zur eigenen Meinungsbildung bereitgestellt. Und weil ich sowieso vor lauter Koffein nicht schlafen konnte, habe ich gleich weitergelesen und mich mit der von Solidar Suisse kritischen Betrachtung dieser auf den ersten Blick wunderschön ausformulierten Firmenphilosophie (soll ich es gleich Manifest nennen?) auseinandergesetzt. Und, wie könnte es anders sein, auch hierzu finden Sie die direkte Verlinkung unter „Fairtrade – What else: Was kritisiert Solidar Suisse an Nespresso?“ 

Was bleibt mir nun als Resümee? Zumindest die Feststellung, dass ich das Problem nicht aus der Welt geschafft habe, in dem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, wenn Sie sich das Veröffentlichungsdatum oben links unter der Überschrift ansehen. Gut, ausgesessen habe ich es natürlich weidlich während des Verfassens dieses Artikels. Objektiv? Wohl eher nicht, sofern sich bei angeprangerter Kinderarbeit überhaupt eine Objektivität einstellen soll bzw. überhaupt zur lästigen Gewohnheit werden darf. Und die Lösung dieses Problems? Ich glaube, hier ist jetzt nicht nur Nestlé gefordert. Wer oder was sonst? George Clooney würde zwar „What else?“ sagen, doch in Anbetracht der Causa wären Handlungsalternativen jetzt dringend notwendig. Und möglichst schnell und ohne Fragezeichen. Oder ist ein Tritt in die aromatisch gerösteten und herrlich duftenden Weichteile nicht genug?

Sozusagen im Lichte schmerzverzerrter fairer und spekulativ objektiver Berichterstattung betrachtet. Und jetzt? Vielleicht noch eine letzte Tasse Kaffee. Oder eine vorletzte. Oder vorvor und so weiter eben.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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2 Gedanken zu “Email von Solidar Suisse: Kinderarbeit im Nespresso?

  • Jana

    Guten Tag!

    Nachdem ich bei meinem ersten Versuch, Ihnen einen Kommentar zu hinterlassen, kläglich an der Addition von 8 und 7 gescheitert bin, versuche ich es erneut.

    Der Inhalt meines letzten Kommentares:
    Ich hätte nicht gedacht, dass ich (bei all den Blogs, die ich so täglich lese) doch noch einmal den Unleserlichsten von allen entdecken sollte. Heute hat sich dies geändert.
    Ihre Beiträge sind wichtig und interessant, Aufmachung und Verlinkung zwingen mich jedoch, ernsthaft über ein Ritalin-Rezept nachzudenken, sollte ich Ihren spannenden Inhalten weiter folgen wollen.

    Beste Grüße
    Jana

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Bei der Einnahme aber unbedingt darauf achten, dass genügend gegessen und getrunken wird, weil es besonders im Anfangsstadium zu Appetitlosigkeit und verminderter Flüssigkeitsaufnahme kommen kann. Nein, jetzt ernsthaft. Kritik wird natürlich auch von mir ernst genommen. Es ist eben oftmals bei meinen Beiträgen der Fall, dass ich selbst beim Schreiben mich sehr vieler externer Quellen bediene und diese dementsprechend dann auch in die Artikel mit einfließen lasse. Einerseits, um denjenigen, welche sich noch weiter in die jeweilige Materie hineinlesen möchten, gleich weitere Informationen mitzuliefern, andererseits aber auch möchte ich natürlich damit kenntlichmachen, dass ich mich mit den jeweiligen Kernpunkten der entsprechenden Themen auseinandergesetzt habe. Es wäre deshalb schwierig, ab jetzt Besserung zu geloben, da ich dies schwerlich einhalten und umsetzen kann. Aber, das nehme ich mir jedoch auch schon länger vor, ich werde versuchen, durch Zwischenüberschriften eine etwas bessere Struktur in meine Beiträge hineinzubringen. Natürlich auch wiederum nicht so leicht, denn wenn ich einmal mit dem Schreiben beginne, was jetzt im Moment auch wieder so geschieht, dann beginnt ein Automatisierungsprozess, welcher auf kürzestem Wege vom Hirn zu den Fingern und von dort in die Tasten seinen Lauf nimmt und dann nur noch sehr selten endet, bis eben jener erste Teil dieser Kette sagt: „So, Bögle, jetzt aber stopp!“
    Was jetzt auch wieder der Fall ist. Ich hoffe aber trotzdem, dass Sie nach entsprechendem Konsum leistungssteigernder Mittel wieder einmal bei mir hereinschauen. Wobei ich der Meinung und auch das beste Beispiel bin, dass solche Mittelchen im Regelfall eigentlich nicht unbedingt notwendig sind.
    Liebe Grüße aus Wien.
    Paul