Der vitruvianische Mensch schmilzt am Nordpol



Homo sapiens gegen Homo ad quadratum und Homo ad circulum

Dass die Nachricht über das Schmelzen der Pole wahrscheinlich die Schlussfolgerung zulässt, dass ich mit deren Verbreitung unzählige nutzlose, weil zahlenmäßig schon überzahlmäßig vorhanden, klimawandelnde Eulen nach Athen befördere, ist sicherlich richtig, wenngleich leider wahr. Dass sich Aristophanes vor weit mehr als 2000 Jahren mit diesem Problem der vom Eise befreiten Polkappen, welche Johann Wolfgang von Goethe bei seinem Osterspaziergang etliche Jahrhunderte später als Aristophanes mit holdem und verklärtem Blick in Form von vom Eise befreiten Strömen und Bächen noch verklären durfte, noch nicht beschäftigen musste, mag ihm retrospektiv zu gönnen sein.

John Quigley in Diensten von Greenpeace. Der moderne Homo sapiens gegen den Homo ad quadratum und Homo ad circulum von Leonardo da Vinci. Der vitruvianische Mensch im Zeichen des Klimawandels und schmelzender Polkappen.

Bei Klick auf das Bild kommen Sie zum gesamten Bericht „Kunst im schmelzenden Eis“ von Greenpeace Schweiz, welches neben dem nebenstehenden Bild die gesamte Bilddokumentation über die Aktion und die Expedition der „Arctic Sunrise“ beinhaltet.

Wollen wir diese Vergleiche auf die massentierhaltende Spitze treiben, könnte ich natürlich auch anführen, dass es genauso nutzlos wäre, der Firma Wiesenhof mehr Platz zur Verfügung zu stellen, um damit das Problem der Massentierhaltung aufzulösen. Sie würden den gewonnenen Platz nur mit noch mehr Hühnern füllen und wir stünden wieder dort, wo die Arktis vor etwa 2,7 Millionen Jahren stand. Nämlich am Anfang der Entstehung arktischer Eismassen, hervorgerufen durch die beginnende Eiszeit auf der nördlichen Erdhalbkugel. Doch zurück zu Aristophanes.

Und so stand die von ihm gestellte Frage „Wer hat die Eule nach Athen gebracht?“ auch eher symbolisch im hellenistischen und reichlich mit Silbermünzen überladenen Raum der Antike. Wobei anzunehmen ist, dass, bedingt durch die post-antike oder eben gegenwärtige griechische Finanzkrise, heutzutage wohl kein Mensch etwas dagegen hätte, reichlich mit Silbermünzen behangene Eulen in den Großraum Athen zu tragen, doch dies soll uns in diesem Artikel nicht uns beschäftigen.

Der Künstler John Quigley wiederum, ein Greenpeace-Aktivist und Homo sapiens unserer Zeit, hat sich auf den Weg gemacht, die turbulente Zeit der Reniassance wieder auferstehen zu lassen, um diese aber sogleich am Nordpol wieder zum Abschmelzen zu bringen. Und welches Genie würde sich als vergänglich vergangener Botschafter besser eignen als Leonardo da Vinci. Quigley, an Bord des Expeditionsschiffes „Arctic Sunrise“ mit auf dem Weg in die langsam schwindenden Gründe des ehemaligen ewigen Eises, hat eine riesige Abbildung jenes perfekten aufrecht gehenden Menschen auf der Oberfläche der langsam schmelzende Landschaft des arktischen Meereises nachgebildet.

Doch was bei da Vinci als Synonym für die Perfektion zwischen menschlichem Körperaufbau und den geometrischen Formen Kreis und Quadrat stand, verwandelt sich bei Quigley in eine Anklage gegen den durch die Menschheit betriebenen schonungslosen Raubbau am Planeten Erde. Der vitruvianische Mensch versinnbildlicht dabei jene so perfekt gestaltete Kreatur namens moderner Mensch, welche mit ausgebreiteten Armen direkt den eigenen Untergang willkommen heißt. Denn die „Artic Sunrise“ ist wie jedes Jahr mit der Vermessung der Eisdicke rund um den Nordpol beschäftigt. Und weil unsere natürliche Klimaanlage zur Regulierung des Weltklimas dieses Jahr möglicherweise einen historischen Tiefstand bzw. die dünnste jemals gemessene Eisstärke erreichen wird, macht dies auch nicht vor unserem von da Vinci geschaffenen Ideal menschlicher Schönheit halt.

Der Künstler: „Wir haben hier den schmelzenden vitruvianischen Menschen nach da Vinci’s berühmter Zeichnung nachgestellt, weil sich der Klimawandel förmlich in unsere Zivilisation hineinfrisst. Als da Vinci die Zeichnung anfertigte, war die Zeit der Renaissance – das innovative Zeitalter, welches bis heute anhält, aber durch unsere Nutzung fossiler Brennstoffe stark bedroht wird.

Dass das in der Renaissance gültige Schönheitsideal mit meinen eigenen Maßstäben von Perfektion und stilisierter Verherrlichung der menschlichen Rasse in Form von messbaren Proportionen und anderen geometrischen Maßen zur Bestimmung des allgemeingültigen Homo sapiens nicht deckungsgleich ist, habe ich bereits in meinem Artikel „Männersache: Visagisten dringend gefordert!“ unterschwellig offensichtlich zum Ausdruck gebracht. Was ich aber oberschwellig und in diesem Falle eiskalt zum Ausdruck bringen möchte: „Die Pole sind die am empfindlichsten auf den Klimawandel reagierenden Regionen auf der Erde. Das Abschmelzen des arktischen Eises ist eine der sichtbarsten Folgen der klimatischen Instabilität. Um diese dramatischen Veränderungen sichtbar zu machen, ist Greenpeace zusammen mit John Quigley auf dem Eis. Das entstandene Bild soll veranschaulichen wie stark unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen die Balance zwischen Mensch und Natur beeinflusst.“Dabei handelt es sich nicht um meine eigenen Worte, sondern um jene von Frida Bengtsson, welche die Expedition zur Vermessung des sommerlichen Eisminimums leitet. Doch die Grundhaltung bleibt ident.


Über Paul Boegle

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