Hurra, hurra, die Schule brennt 1


Extrabreit und die extra dünnen Bio-Angebote an Österreichs Schulen

Bevor sich nun einige SchülerInnen der Illusion hingeben, dass aus diesem Wunsch Wirklichkeit wird und besorgte Eltern händeringend und schubweise Stoßgebete in den Himmel entsenden: Nein, die Schule beginnt wie geplant. Das Bildungsministerium unter Claudia Schmied öffnet zum weitverbreiteten Ärger der Betroffenen wieder Türen und Tore. Aber die Welt ist nun einmal weder fair noch macht sie irgendwelche Ausnahmen. Zumindest in vielen Fällen, wobei Ausnahmen wie die WearFair 2011 in der Tabakfabrik Linz schöne Lichtblicke sind.

Und dies sorgt sogleich für Unmut. Denn Global 2000 fordert in diesem Zusammenhang ein „verpflichtendes Bio-Angebot auf Österreichs Schulbuffets„. Dass diese Forderung nicht unberechtigt ist, zeigen Produkte wie das von BASF vermarktete Herbizid „Prefix C“ und natürlich mein absolutes Lieblingsprodukt „Roundup“ von Monsanto. So darf es Sie nicht verwundern, wenn „Ihr sauberer Wegbegleiter„, in diesem Falle eben das genau so beworbene BASF-Produkt, welches unter anderem im Obst- und Weinbau, im dekorativen Gartenanbau und, Sie werden es nicht für möglich halten, „in der Nähe von Kommunikationsstandpunkten“ und auf Friedhöfen (ein Schelm, wer nun Böses denkt) seine Anwendung findet, neben seiner Funktion als sauberer Wegbegleiter auch ein paar unsaubere Eigenschaften mit sich bringt.

Doch da diese unsauberen Begleiterscheinungen des sauberen Wegbegleiters natürlich nicht an erster Stelle der Herbizid-Lobpreisungen und hausgemachten Arien über die Langzeitwirkung solch probater Pflanzenschutzmittel zu finden sind, müssen wir uns schon selbst um Aufklärung bemühen. Und diese finden wir im Sicherheitsdatenblatt von BASF, welches uns folgende Informationen über das Produkt „Prefix C GR“ liefert. So steht unter Punkt „12. Angaben zur Ökologie“ über Persistenz und Abbaubarkeit, dass das Produkt nach OECD-Kriterien sowohl hinsichtlich der Beurteilung „Bioabbau und Elimination“ als „nicht leicht biologisch abbaubar“ eingestuft wird. Und selbst BASF widerspricht dieser Einstufung nicht einmal, denn unter Punkt 15., welche die Selbsteinstufung (dazu z.B. „Umweltbundesamt: Einstufung von Stoffen und Gemischen in Wassergefährdungsklassen gemäß …) von „Prefix C GR“ verdeutlicht, kommen die BASF-Verantwortlichen selbst zum höchst erkenntnisreichen Ergebnis: „Schädlich für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben.

So weit, so gut. Die Tatsache, dass solche Pflanzenschutzmittel sowohl schädlich für Umwelt als auch für den Organismus der Menschen ist, ist keine bahnbrechende Neuigkeit. Was mich allerdings bei der Sache empfindlich stört, ist folgendes. Das Sicherheitsdatenblatt von BASF wurde am 13.03.2008 überarbeitet, wie oben links allzu deutlich steht. Scrollen wir etwas hinunter, kommen wir zu den Inhaltsstoffen von „Prefix“. Und dort finden wir ein ominöses Mittelchen namens „Dichlobenil (ISO); 2,6-Dichlorbenzonitril„, was uns auch eine weitere und aktuelle Recherche beim Besuch der Seite des Schweizerischen Bundesamtes für Landwirtschaft beweist. Dort finden wir unter „Pflanzenschutzmittelverzeichnis (Stand: 30.06.2011)“ für eben dieses Produkt eine 6,75-prozentige Konzentration von Dichlobenil.

Was aber sicherlich weniger gut ist, ist die Tatsache, dass ich einen Online-Folder von BASF über dies höchst umstrittene Herbizid gefunden habe, welches ich mir am 04. September 2011 (siehe nebenstehendes Bild) von der BASF-Seite über jenen, aber hoffentlich nicht „Ihren sauberen Wegbegleiter“ heruntergeladen habe. Denn wie Sie und ich auf Seite 98 des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit „Liste der zugelassenen Pflanzenschutzmittel in Deutschland mit Informationen über beendete Zulassungen (Stand Juli 2011)“ nachlesen kann, wurde das Produkt „Prefix G Neu“, welches immer noch Dichlobenil als Wirkstoff anführt, „von Amts wegen widerrufen„.

Dass Dichlobenil schon seit einem Jahrzehnt in der Schusslinie steht (Dichlobenil-Metabolit im Wasser gefunden: Zulassung dichlobenil-haltiger Pflanzenschutzmittel ruht) und sich dies auch im Jahr 2008 nach Meinung der europäischen Kommission nicht grundlegend geändert hat (siehe ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 18. September 2008)

(5) Bei der Prüfung dieses Wirkstoffs kam der Ausschuss
unter Berücksichtigung der Anmerkungen der Mitgliedstaaten
zu dem Schluss, dass eindeutig davon auszugehen
ist, dass der Wirkstoff sich schädlich auf die menschliche
Gesundheit und insbesondere auf die Exposition der Verbraucher
durch Trinkwasser auswirkt, da die Exposition
über der ADI („Acceptable Daily Intake“/annehmbare Tagesdosis)
eines relevanten Metaboliten liegt und die Versickerung
ins Grundwasser in allen Modellszenarien für
diesen relevanten Metaboliten den Wert von 0,1 μg/l
überschreitet. Darüber hinaus wurden weitere vom berichterstattenden
Mitgliedstaat in seinem Bewertungsbericht
ermittelte Bedenken in den Beurteilungsbericht für
den Stoff aufgenommen.

Fairtrade Produkte für Kinder. Hurra, hurra die Schule brennt. Nicht ganz, aber Obst und Gemüse ohne Pestizide als bessere Alternative für den Schulweg.macht es deshalb umso verwunderlich, dass BASF seinen sauberen Wegbegleiter immer noch so frisch, fröhlich und frei anpreist. Das lässt für mich nur den Schluss zu: Entweder hat sich die Gesetzeslage wieder geändert, was zugegebenermaßen an mir spurlos vorüber ging. Dies würde den Umkehrschluss zulassen, dass der Wirkstoff Dichlobenil gar nicht so schlimm ist wie alle befürchtet haben. Oder aber es gibt Unterschiede bei der Verwendung dieses Herbizids in den einzelnen Ländern der EU-Mitgliedsstaaten und ich müsste mich schlau machen, wo ich dieses Pflanzenschutzmittel für den eigenen Haus-, Hof-, Wiesen- und Feldgebrauch käuflich erwerben kann. Was ja kein großartiges Problem darstellen dürfte. Bei solch gustiösen Fundstücken, welche sich im Internet finden lassen. Alle anderen Optionen und Mutmaßungen sind für mich natürlich undenkbar.

Denkbar wäre es allerdings, dass Sie als verantwortungsvolle Eltern überhaupt auf pestizidbelastetes Obst und Gmüse verzichten, was allerdings ein schwer zu verwirklichendes Vorhaben ist. Aber auf Fairtrade habe ich zumindest eine schöne Zusammenstellung gefunden, welche Ihnen möglicherweise die Entscheidung in Sachen Kaufverhalten erleichtern kann. Dass dieser Artikel wieder einmal extrabreit ausgefallen ist, bitte ich dabei zu entschuldigen. Und dass ich daraus auch keinen Schulbrand gemacht habe, möge mir der liebe Nachwuchs verzeihen. Aber bei soviel anderen aktuellen Flächenbränden ist ein neues Schuljahr sicherlich nicht das Schlechteste, was euch passieren kann. Und wer noch nichts, und dies betrifft jetzt mehr das lehrende als das lernende Publikum, vom Physik-Lernspiel zum Thema erneuerbare Energien gehört hat und vielleicht in Erwägung zieht, seinen SchülerInnen das Lernen eines solch öden Stoffes wie Physik anhand einer kostenlosen Klassenlizenz dieses 3D-Adventures schmackhafter zu machen, sollte sich jetzt noch meinen Artikel „Bruchlandung auf der Erde: Roboter Ludwig aus dem All“ durchlesen. Sie wollen doch schließlich nichts Anbrennen lassen?


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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