Bio Natur - Der Weblog

30.9.2011

Die Solarthermie, ein Stiefkind der Sonne

Abgelegt unter: Erneuerbare Energie — Paul Boegle @ 04:20


Energiepolitische Schattenseiten alternativer Wärmegewinnung

Die Solarthermie, ein Stiefkind der Sonne. Photovoltaik als subventionswürdiger nachhaltiger Renner staatlicher Förderung, doch die Solarthermie hat in den energiepolitischen Visionen der Bundesrepublik Deutschland möglicherweise keine Zukunft.Dass sich mit dem Faktor Sonne auf dem Sektor der erneuerbaren Energien Geld verdienen lässt, hat sich mittlerweile auch auf dem rund 150 Millionen Kilometer entfernten Planeten Erde herumgesprochen. Dass die Photovoltaik dabei als Stromlieferant ganz weit vorne liegt bzw. mittels der auf den Hausdächern liegenden Solarzellen jenes Licht, welches acht Minuten benötigt, um vom solaren Heimathafen zum irdischen Ziel zu kommen, in günstigen und vor allem sauberen Strom umzuwandeln, aufgrund von Überkapazitäten und seit 2008 sinkenden Ölpreisen stagniert (neben anderen Dingen), mag angesichts der trotz alledem guten Auftragslage ein vorübergehendes Tief darstellen. Sasche Rentzing bietet dazu in seinem Artikel “Masse statt Klasse” interessante Einblicke, weshalb sich der Technologiestandort Deutschland gegenüber den Anbietern aus den USA und China hinsichtlich Photovoltaik auf mittlerweile dünnem Eis bewegt.

Zu dem im Artikel angesprochenen Hersteller “First Solar“, welcher sogenannte Dünnschichtpaneele auf Basis von Cadmium-Tellurid fertigt, soll dabei jedoch nicht auf die hochtoxische Problematik vergessen werden, welche sich durch diesen Fertigungsprozess ergeben (Streit um Gift in Solarzellen entzweit die Branche). Weshalb gerade die Grünen dieses umweltpolitsche Giftproblem relativ gelassen sehen und sich sogar gegen ein Verbot dieser Schwermetalle ausgesprochen haben (Grüne gegen Cadmium-Verbot bei Solarzellen), ist mir dann doch etwas rätselhaft. Dass meine politische Lieblingsfarbe hinsichtlich permanent zu verbessernder Ökobilanzen ansonsten sehr hohe Maßstäbe ansetzt, aber bei solch einem heiklen umweltpolitischen Bereich Milde walten lässt und Gnade vor Recht in gnädiges Recht umsetzt, ist für mich in diesem Falle ungeklärter Giftschlamm auf politischer Ebene, welcher für mich derzeit nicht nachvollziehbar ist.

Deutschland, nicht gerade ein Sonnenscheinland und das Urlaubsparadies Nummer 1 für die schnell angedachte Bräune am goldgelben Sandstrand, erkannte trotz aller Diskussionen um Ausstieg aus Atomkraft und Abkehr von fossiler Energie die Zeichen der Zeit relativ früh und entwickelte sich zur tragenden europäischen Säule in Sachen Solarstrom. Ein stetig steigendes sogenanntes Marktanreizprogramm lockte aus Berlin mit Milliardensummen, spendete reichlich Zuschüsse für regenerative Energieformen, belebte die Nachfrage nach Solarkollektoren, Biomassekesseln, Wärmepumpen oder Biogasaufbereitungsanlagen (Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien). Selbst Griechenland, eines jener Sonnenscheinländer mit Garantie, wenngleich auch fast garantierten Kreditausfällen, hat nun mitbekommen, dass mit der solaren Energie zwar eine Triple A Bonität in nächster Zeit nicht zu erreichen sein wird, aber zumindest hat Athen erkannt, dass mit grünem Strom auch neue Geldströme zum Leben zu erwecken sind (Athen will Solarstrom verkaufen: Mit Sonnenschein aus der Krise?).

Doch scheinbar hat sich Deutschland nun entschieden, den Renner Photovoltaik wie bisher zu forcieren, aber der nicht ganz so bekannten Solarthermie den Laufpass zu geben. Der bereits angesprochene hohe Ölpreis verlangte förmlich nach Alternativen, um einerseits nicht vom Regen in die Traufe zu kommen oder, wer wie ich als Warmduscher über alle Grenzen hinweg sein fröstelndes Dasein frönt, um weiterhin kostengünstig das Wasser auf angenehme Betriebstemperatur zu bringen. Allerdings bringt der bereits angesprochene Sascha Rentzing in seinem lesenswerten Artikel “Kaltgestellte Sonnenwärme” noch weit mehr Gründe ins Spiel, warum nicht alleine der gefallene Ölpreis das Thema Solarthermie in die Schlagzeilen bringt und für siedendheiße Diskussionen um die schwindenden Anreize für Investitionen in erneuerbare Wärme sorgt.

Wie konnte das passieren? Auf den ersten Blick gibt es dafür nur eine plausible Erklärung: Der Ölpreis fiel von Juni bis Oktober 2008 im Zuge der Wirtschaftskrise in kürzester Zeit unter 40 Dollar pro Barrel. Damit verschwand auch der Anreiz, in umweltfreundliche Wärmeerzeugung zu investieren.

Wenn es so einfach wäre und die Marktgesetze aufgrund dieser linearen Tatsache reagieren würden, wäre es sicherlich ein Einfaches, die sinkenden Umsätze der Anbieter, welche wiederum für rückläufige Neuinvestitionen in neue Technologien und fehlendes Geld in Neuentwicklungen verantwortlich sind, durch staatliche Förderung zu kompensieren. Doch so einfach ist es eben nicht, wie Rentzing erklärt. Dass aber die Solarthermie als zukunftsträchtige Schlüsseltechnologie für beträchtliche CO2-Einsparungen ausschlaggebender Faktor sein wird, steht außer Frage. Die Erzeugung von Wärme für die privaten Haushalte und die Industrie ist für einen CO2-Ausstoß von 30 Prozent der Gesamtbelastung verantwortlich. Wenn man dann noch zugrundelegt, dass Solarenergie eine wesentlich höhere Effizienz in puncto eingesetzter Energie zu nutzbarer Energie hat als herkömmliche Energiegewinnung aus z.B. Braunkohlekraftwerken und selbst nach Abzug der CO2-Emissionen für die eingesetzten Ressourcen zur Herstellung von Sonnenkollektoren ein dickes Plus unterm Strich bleibt, macht dies die Entscheidung der deutschen Bundesregierung umso fragwürdiger.

Und letztendlich bleibt noch die Feststellung, dass eine bisher solch konsequent gefahrene Linie auch einige tausend “Green Jobs”, also Arbeitsplätze im erneuerbaren Energiesektor, mit sich brachte. Aber möglicherweise werden diese drohenden Arbeitsplatzverluste durch fehlende Gelder in nachhaltige Zukunftsprojekte erst wieder bei den nächsten Wahlen ein Thema. Und möglicherweise kann auch nur ein deutlich steigender Ölpreis die Politik dazu bewegen, sich wieder dem grünen Fortschritt zu öffnen. Aber dieses Szenario würde natürlich auch kontrapoduktive Folgen nach sich ziehen. WirtschaftsanalystInnen sagen zwar für die nächsten 15 bis 20 Jahre ein Anziehen der Weltmarktpreise mit sicherer Wahrscheinlichkeit voraus (Die Ölpreisentwicklung ist von vielen Faktoren abhängig), doch ob sich bis dahin noch die Sonne dazu durchringen kann, den Unsicherheitsfaktor Mensch mit emissionsfreier Energie zu beliefern, wird sich erst noch zeigen müssen.

29.9.2011

Keine Woche ohne Wiesenhof

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 23:23


Kein Bundesverdienstkreuz für Wiesenhof-Chef!

Meine Frau stellte mir, manches Mal sieht mir beim Schreiben für einen kurzen Moment über die Schulter, die Frage, ob ich denn jetzt einen privaten Feldzug gegen den Konzern führe. “Nein, mein Schatz, das mache ich sicherlich nicht.” Aber die Bilder der ARD-Reportage sind doch immer noch gegenwärtig und müssen selbst von mir erst einmal aufgearbeitet werden und da ich dieses Ventil am besten beim Schreiben öffnen kann, nutze ich dementsprechend diese Möglichkeit. So fällt allerdings für diese Woche die “Wöchentliche Wiesenhof Rundschau” aus, um das ganze Thema einmal aus politischer Sicht zu hinterfragen.Vegetarierbund Deutschland: Kein Bundesverdienstkreuz für Wiesenhof-Chef! Petition zur Aberkennung dieser Auszeichnung von Paul-Heinz Wesjohann durch den Bundespräsidenten.

Jetzt habe ich allerdings von einer Aktion Wind bekommen, welche der Vegetarierbund Deutschland unter dem Titel Kein Bundesverdienstkreuz für Wiesenhof-Chef!” initiiert hat. Selbstverständlich mache ich auch auf das Begehren dieser Petition aufmerksam, füge allerdings hinzu, dass es wahrscheinlich von solch Erfolg gekrönt sein wird wie der Versuch, ein Grillhähnchen wiederzubeleben, um es in den lebenden Kreislauf der Massentierhaltung zurückzuführen. Macht aber nichts, zumindest hat der Vegetarierbund meine Aufmerksamkeit (und sicherlich die anderer Menschen genauso) geweckt, dass hier ein Mensch mit dem sogenannten “Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland“, wie der Orden offiziell heißt, ausgezeichnet wurde, welcher doch mit bestimmten Voraussetzungen verbunden ist und wohl auch gewisse Verpflichtungen mit sich bringt, welcher eine solche Verleihung nach Meinung der politischen Verantwortlichkeit rechtfertigt.

Ein Hühnerorden am Bande und an der Hühnerkralle für besondere Verdienste im Sinne des Allgemeinwohles für Wiesenhof-Chef Paul-Heinz Wesjohann.Ich habe dazu eine Meldung des “Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung” gefunden. Wortwörtlich steht dort in “Minister Ehlen übergibt Verdienstkreuz an Paul-Heinz Wesjohann” geschrieben:

Paul-Heinz Wesjohann hat sich durch sein vielfältiges und langjähriges Engagement sowohl in seinem Unternehmen als auch in verschiedensten ehrenamtlichen Positionen um das Wohl der Allgemeinheit verdient gemacht. Minister Ehlen verwies in seiner Laudatio auf die vorausschauende Führung der Paul-Heinz Wesjohann-Gruppe (PHW-Gruppe) durch Wesjohann. Ihm sei es zu verdanken, dass in dem Unternehmen bereits seit 1995 ein integriertes System mit lückenlosem Herkunftsnachweis im Bereich der Geflügelwirtschaft angewendet werde.

Auch mit Blick auf den frühzeitigen Verzicht auf Tiermehle oder Antibiotika attestierte Minister Ehlen dem Unternehmer eine wichtige Rolle für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. …

Dieser Artikel und wohl auch die damit verbundene Ehrung von Herrn Paul-Heinz Wesjohann entstammt dem Jahre 2004. Es hat sich seither vieles verändert. Ob die Machenschaften des Geflügelproduzenten Wiesenhof und von Herrn Wesjohann als Repräsentant dieses Konzern zum damaligen Zeitpunkt schon “part of the game” waren, wie ein österreichischer Politiker aus dem schönen Bundesland Kärnten so gewählt formulieren würde, werden die Verantwortlichen des Unternehmens genauso vehement bestreiten wie sie die meisten der mehr als sieben Jahre danach gezeigten Vorwürfe jetzt bestreiten, beschönigen, beschwichtigen, abwiegeln, in Abrede stellen oder welche
Wortwahl auch immer Ihnen dazu einfällt.

Die Forderung, dem Geehrten im Nachhinein das Verdienstkreuz jetzt nachträglich abzuerkennen, wird deshalb wohl oder übel ins Leere laufen. Denn dies käme einem Schuldeingeständnis gleich und würde durch die Argumentation, “dass damals aber alles vollkommen anders ausgeschaut hat und man ja schließlich nicht wissen konnte, was die Zukunft so mit sich bringt” (auch hier haben Sie wieder freie Wahl bei Ihrer Wortwahl) entkräftet werden. Die politische Bühne hat leider andere Aufgaben als ProtagonistInnen, welche nach Meinung der Öffentlichkeit, und wer wenn nicht die BürgerInnen selbst repräsentieren in demokratisch gewählten Systemen diese Verleihungen durch die politische FunktionsträgerInnen an wirtschaftliche oder menschliche Allgemeinwohlplätze, diesem nachträglichen Unrechtsempfinden nachzugeben und korrigierend in eine einmal getroffene Entscheidung einzugreifen.

Der Verdienstorden wird seinen seit 2004 angestammten Platz behalten. Ob er dabei das Büro von Herrn Wesjohann ziert oder über dem Kaminsims, sollte denn einer vorhanden sein, hängt und vom warmen Schein des wohlig-warmen Kaminfeuers beschienen wird oder seinen Allgemeinplatz im Dienste des Allgemeinwohles wo auch immer bekommen hat, spielt dabei keine große Rolle. Ich glaube, eine Rückforderung würde deshalb keinen großen Unterhaltungswert für die Öffentlichkeit bieten, da eine solche Entscheidung, welche jedoch außerhalb des Möglichen im hypothetischen Raume schwebt, wiederum andere fragwürdige Entscheidungen nach sich ziehen würde und einen Prozess der Reinigung in Gang setzen würde. Und das kann un will sich weder Politik und schon gar nicht die Wirtschaft leisten.

Lassen wir also gemeinsam Paul-Heinz Wesjohann sein Stückchen metallenes Glück oder aus welchem Material auch immer diese Anerkennung für vielfältiges Engagement um das Wohl der Allgemeinheit gefertigt ist. “Geben ist seliger denn nehmen” schrieb ich erst gestern als Atheist in Gottes Namen. Dass das niedersächsische Ministerium neben den Themenbereichen “Ernährung”, “Landwirtschaft” und “Landesentwicklung” auch dem “Verbraucherschutz” seine Aufmerksamkeit schenkt, ist im Sinne des Allgemeinwohles eben genauso eine Tatsache wie das Ereignis aus dem Jahre 2004.

Dass ich jetzt meinen eigenen Orden gestaltet habe, welcher sich im Büro, über dem Kaminssims, sollte denn einer vorhanden sein, oder an welchem Allgemeinplatz zum Allgemeinwohl des gemeinen Volkes schmückendes Beiwerk für solcherlei Verdienste gut machen würde, soll dabei nur meine gelebte und geschriebene Intention “Geben ist seliger und so weiter und so fort” nur unterstreichen. Dass geteiltes Leid nur halbes (Hühner)Leid ist, lassen wir angesichts solcher Lobpreisungen geflissentlich außen vor.

28.9.2011

Wir sind doch nicht blöd! Ökologisch und fair

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 14:44


Ein Atheist in Gottes Namen

Die “Christliche Initiative Romero” stellt den Imperativ: “Wir sind doch nicht blöd!” Wenn sich KonsumentInnen über die erschreckenden Zustände in den Weltmarktfabriken, in den Kohleminen und auf den Blumenplantagen informieren, taucht häufig die Frage auf: „Was kann ich dagegen tun?“Dass Menschsein nicht mit Christentum und Menschlichkeit schon gar nicht mit christlicher Glaubenslehre in unmittelbarer Nachbarschaft stehen muss, nehme ich anhand meiner eigenen Person als Grundlage für eine solche Sichtweise in Anspruch. Doch mehr möchte ich zu dieser Thematik schon nicht mehr äußern. Und trotzdem bekomme ich in regelmäßiger Folge Post von der “Christlichen Initiative Romero“. Gewollt, weil angefordert. Nicht per Email, sondern so richtig altmodisch durch die Post. In Papierform, zum Anfassen, Begreifen, als raschelndes Zeugnis. Keine Frage, als bloggender Mensch fühlt man sich geradezu herausgefordert, solch handgreifliche Dinge des ansonsten virtuellen Alltags besonders genau unter die Lupe zu nehmen.

Und weil mir das, was ich zu lesen bekam, sehr zusagte, muss ich natürlich gleich die virtuelle Feder spitzen und jene Dinge weitergeben, welche ich für Gottes Lohn in Gottes Namen, was jetzt nicht als sardonische Redensart oder sarkastisches Daherschreiben begriffen werden soll, der Internet-Gemeinde weiterreichen. Dieses “Gottes Lohn” passt deshalb, weil ich es gestern schon verwendete und damit die Gelegenheit nutzen möchte, treffender- und sinnigerweise auf meinen letzten Artikel zu verlinken, welchen Sie eben unter “Gottes Lohn” in irdischer Form zu Gesicht bekommen. Wenngleich der Inhalt jenes Artikels schon mehr in Richtung “Gottes Werk und Teufels Beitrag” von John Irving tendiert, wobei hier die Wahl zwischen Geburt und Abtreibung wohl schon lange nicht mehr zur Disposition steht, sondern eher die Frage, wielange sich wohl das Kind Erde noch am Leben erhalten lässt.Christliche Initiative Romero: “Vielen Dank für die Blumen!” Arbeitsbedingungen in einer globalisierten Welt. Ökologisch und fair - wie geht das?

Aber auch dies ist wieder eine andere Geschichte. Und damit dieser Artikel jetzt nicht zu einer Art Schöpfungsgeschichte ausufert, bitte ich doch, auf die beiden Bilder zu klicken, um die tiefere Bedeutung des eingangs gestellten Imperativs “Wir sind doch nicht blöd!” zu erfassen. Oder, um retrospektiv zu enden: Was ich in raschelnder Form bereits in Händen halte und an ebensolche Menschen mit nicht blöder Gesinnung verteile, könnte auch bald im selben Zustand des materiellen Widerstandes gegen den herrschenden derzeitigen materiellen Zustand in ihrem Besitz sein. Natülich auch nur für kurze Zeit. Denn “Geben ist seliger denn nehmen!“, um jetzt endgültig mit biblischen Worten zu schließen, ohne jedoch die weltlichen Themen aus dem Auge zu verlieren.

Da geht jetzt doch noch was. Wenn schon Welt, dann z.B. die strahlend reine Welt der Waschmittelindustrie. Oder um Ihre Neugierde zu wecken: Warum Pinocchio der ideale Werbepartner für Henkel, Procter & Gamble oder Unilever wäre.  

27.9.2011

Global Overshoot Day: Willkommen auf Erde Nummer 2

Abgelegt unter: Erdreich — Paul Boegle @ 09:13


Der Welterschöpfungstag fällt auf einen Dienstag

Vor fast genau zwei Jahren hatte ich schon einmal über den Welterschöpfungstag berichtet. Heute hat die kommentierende Menschheit nämlich wieder etwas zu feiern. Und zwar die Tatsache, dass Erde Nummer 2 Geburtstag hätte. Hätte, wenn und aber, denn Erde Nummer 2 gibt es nach dem bisherigen Stand der Forschung nicht. Aber nichtsdestotrotz haben wir mit heutigem Tage all unsere Ressourcen aufgebraucht, welche uns nach menschlichem Ermessen, wissenschaftlichem Vermessen undGlobal Overshoot Day: Willkommen auf Erde Nummer 2. Die globale Menschheit hat mit dem heutigen Tage die produktiven Grenzen für das komplette Jahr erreicht, welche uns Mutter Erde eigentlich bis zum Silvestertag zugestehen würde. Wir haben all unsere CO2-Emissionen in die Luft geblasen, die Rohstoffe der Erde verbraucht, die Kapazitäten der Meere erschöpft. Punkt Aus Ende. Ab heute leben wir in Saus und Braus und können dafür nicht bezahlen. ökologischem Fußabdruckmessen für das gesamte Jahr zustehen würden.

Und was bedeutet dies für den Rest des Jahres? Nun ja, eigentlich nichts anderes, als dass wir ab nun für Gottes Lohn arbeiten und besonders unsere globalen Ressourcen verbrauchen müssten. Was viele Staaten sowieso schon seit langer Zeit machen, nämlich auf Pump leben, macht die gesamte Menschheit nun ebenfalls. Die globale Menschheit hat mit dem heutigen Tage die produktiven Grenzen für das komplette Jahr erreicht, welche uns Mutter Erde eigentlich bis zum Silvestertag zugestehen würde. Wir haben all unsere CO2-Emissionen in die Luft geblasen, die Rohstoffe der Erde verbraucht, die Kapazitäten der Meere erschöpft. Punkt Aus Ende. Ab heute leben wir in Saus und Braus und können dafür nicht bezahlen.

Wir reden über finanzielle Schuldenkrisen, anhaltende Weltwirtschaftskrisen, wirtschaftliche Staatsbankrotte und kapitalträchtige Hilfspakete. Dass wir jedoch eine Schuldenkrise der Nachhaltigkeit, eine Weltwirtschaftskrise vollständiger atmosphärischer Störungen, einen übergreifenden Staatsbankrott an Kohlendioxid-Ausstoß haben, aber das zugehörige Hilfspaket dafür erst wieder am 01.01.XXXX abrufbar ist, stört uns ebensowenig wie die Tatsache, dass diese Zuwendungen von Jahr zu Jahr weniger werden und von Mal zu Mal noch früher zu Ende gehen und dieser sogenannte Global Overshoot Day in immer weitere Ferne vom jährlichen Silvestertag rückt.

Oder, damit es auch jene Menschen vestehen, welche in wirtschaftlichen Dimensionen denken und anhand nackter Zahlen und Fakten im Konsumrausch schwelgen: “Den Rest des Jahres werden wir heuer von der Substanz zehren und weiter CO2 in der Atmosphäre anreichern. Das ist etwa so, als ob wir unser Jahreseinkommen schon Ende September ausgegeben hätten und nur mehr von den Ersparnissen leben, die unweigerlich zu Ende gehen!” (Mathias Wackernagel, Präsident von Global Footprint Network)

Dass wir überhaupt noch bis Ende September unserem gesellschaftlich luxuriösen Leichtsinn frönen dürfen, haben wir übrigens nicht unserer ach so nachhaltigen und auf ressourcenschonendes Handeln und Denken ausgerichteten Lebensweise zu verdanken. Einzig und allein die Dritte Welt, die ärmsten und wirtschaftlich unterentwickelten Nationen, jene, welche nicht auf großem Fuß den Overshoot und Overkill des Planeten vorantreiben, sind für diese Tatsache verantwortlich. Noch! Denn würde sich jeder Staat, jede Erdenbürgerin, jeder menschliche Global Player so verhalten, wie es gesamtwirtschaftlich und hinsichtlich des Faktors Biokapazität betrachtet etwa Österreich samt seiner acht Millionen VerschwenderInnen vormacht, würden wir den Welterschöpfungstag hierzulande bereits am 18. Mai “feiern”. Deutschland müsste mit den Feierlichkeiten fünf Tage warten. Aber keine Sorge, liebe NachbarInnen, auch am 23. Mai hätte die Bundesrepublik die ihnen zustehenden Ressourcen für das komplette Jahr erledigt. Die Schweiz würde an diesem Tage schon in den Startlöchern stehen, um nur drei Tage später selbst ihren Overshoot einzuläuten (Hintergrundinformation zum World Overshoot Day 2011, 27.September 2011).

Übersee wiederum würde zu diesem Zeitpunkt nur noch neidisch auf Europa schauen. Denn die NordamerikanerInnen würde sich Ende Mai eigentlich schon für den nächsten Welterschöpfungstag rüsten. Statistisch gesehen, rechnerisch betrachtet, CO2-technisch und ressourcenverschwenderisch umgelegt würde der Kontinent jenseits des Atlantik einen riesengroßen Aprilscherz hinter sich haben. Denn mit 01. April lebt die USA und Kanada auf Pump. Australien würde seine eigenen Spuren nur sechs Tage später in den viel zu großen ökologischen Fußabdruck der NordamerikanerInnen setzen. Die Spitze des geschmolzenen Eisberges? Nein!

Den substantiell verzehrendsten und damit auch verheerendesten Schlingerkurs defizitärer Biokapazitäten fährt die erdölbeladene Titanic der Vereinigten Arabischen Emirate. Das Emirat kollidiert bereits am 9. März mit dem Global Overshoot Day. Und jene, welche dafür verantwortlich sind, dass wir für unsere Verantwortungslosigkeit nicht schon viel früher zur Rechenschaft gezogen werden? Nun, Afrika und Asien brauchen sich über solche Termine keine großen Sorgen machen. Hier wird dieses Jahr nicht gefeiert. Mag vielleicht daran liegen, dass Hungerkrisen und medizinische Unterversorgung ein erschöpfendes Feiern dieses Welterschöpfungszustandes gar nicht zulassen. Mag vielleicht aber auch daran liegen, dass das Konsumverhalten auf diesen beiden Kontinenten aus für Industrienationen unerfindlichen Gründen etwas anders gelagert ist und Playstation, Smartphone und Pkw nicht den Stellenwert besitzen wie z.B. eine Schüssel Reis, ein dringend benötigter Impfstoff, ein Dorfbrunnen oder trockenes Brennholz. Sei es, wie es will: Asien besitzt noch 44 Tage Ressourcenreserven und in Afrika beträgt die eiserne Reserve sogar stolze 153 Tage.

Es stellen sich natürlich abschließend zwei Fragen. Was machen diese beiden Kontinente mit jenen nicht beanspruchten Ressourcen, wenn diese eigentlich so schön brach in der Weltgeschichte herumliegen? Und was machen jene Staaten des März, April und Mai, wenn diese Staaten auf die Idee kommen, in Zukunft ins große Geschäft des Konsums mit einzusteigen und selbst beschließen, einen Welterschöpfungstag einzuführen? Beide Fragen lassen sich relativ leicht beantworten. Die nicht beanspruchten Ressourcen werden eben von jenen Ländern verschwendet, welche im März, April und Mai bereits jene Ressourcen verschendet haben, welche zu verschwenden ihnen zustehen und die dringend neue Verschwendungsmöglichkeiten suchen. Und sollten die afrikanischen und asiatischen Länder irgendwann einmal vorhaben, selbst einen Welterschöpfungstag begehen zu wollen, werden sie leider mit leeren Händen dastehen. Denn bis dahin werden jene Länder, welche ohne eiserne Reserven dastehen, auch jene eisernen Reserven aufgebraucht haben, welche jene Länder, welche in Vorfreude des zu feiernden Erschöpfungszustandes der Erde vom angesparten CO2 und den nicht verwendeten Ressourcen bis dahin mit leeren Händen und nicht weniger leerem Magen ihr Dasein gefristet haben, dann einfordern wollen.

Aber bis dahin werden wiederum jene Länder, welche diese bis dahin unerschöpflichen Reserven vollständig ausgeschöpft haben, um erschöpfende Antworten nicht verlegen sein. Land in Sicht? Ja sicherlich! Aber eben nur bis zum März, April oder Mai. Aber auch dies wird sich in Zukunft ändern.

26.9.2011

Von schreibenden Trollen und tollwütigen Schreibenden

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 04:52

Leo Lagercrantz: Vom Elend der Nutzerkommentare

Auf den NachDenkSeiten wurde ich auf einen Artikel aufmerksam, welcher sich im Original auf der Online-Plattform der Süddeutschen wiederfindet. Unter dem Titel “Meinung im Internet: Vom Elend der Nutzerkommentare” beschreibt der schwedische (jetzt) freie Journalist Leo Lagercrantz, welche seltsame und höchst gefährlichen Stilblüten und Auswüchse die ach so beliebten Kommentarfunktionen mit sich bringen können.

Und als unmittelbar betroffener Mensch und aktiver Blogger mit zugänglicher Kommentarfunktion gibt der Artikel schon zu denken. Denn wer sich als schreibende(r) MeinungsäußererIn, MeinungsveräußererIn, MeinungsentledigerIn, MeinungskundtuerIn und sonstige(r) MeinungspubliziererIn nicht selbst über kommentierte Beiträge freut, straft sich selbst Lügen. Absolut lesenswert nicht nur für jene, welche selbst bloggen, kommentieren und ihre Meinung anonym hinter vorgehaltener Hand und gut versteckt im dichten virtuellen Blätterdach der internetten Gesellschaft äußern möchten.

Dass letztendlich das Dauerfeuer von Leserkommentaren den Journalisten dazu bewogen hat, seinen Job aufzugeben, kann mir aufgrund meiner spärlich genutzten Kommentarfunktion wohl auf längere Sicht betrachtet nicht passieren. Aber trotzdem stellte ich mir nach Beendigung der Lektüre: “Was wäre, wenn …?” Denn besonders seine schlussendliche Erkenntnis über sein vermeintliches Scheitern darf oder muss sogar nachdenklich stimmen: “Persönlich verstärkte das Massaker in Norwegen mein Gefühl, gescheitert zu sein. Nicht weil ich “zensierte”. Sondern weil ich es nicht früher und entschlossener tat.

25.9.2011

B.A.U.M.: Baum Ab! Baum fällt! Unilever sei Dank!

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 21:47


Wenn einen Blogger die Wirklichkeit rechts ein- und der B.A.U.M.-Umweltpreis links überholt

Die einen engagieren sich permanent für das Tierwohl, die anderen fühlen sich nur dann gesund, wenn sie äußern dürfen: “Die Umwelt geht uns alle an.” Hand drauf!

Eigentlich hatte ich vor, die Persiflage “Pinocchio macht Werbung für das Waschmittel Brauner Riese“, welche sich auf das im April aufgedeckte Waschmittel-Kartell der drei Konzerne Unilever, Henkel und Procter & Gamble bezieht, erst im Laufe der nächsten Tage auf meinem anderen Blog “Freie Zeit, freie Meinungen und freie Gedanken von Paul Boegle” zu veröffentlichen. Für all jene, an denen die kartellrechtliche Schmutzkampagne an der Wäscheleine vorbeiging oder in der Waschmaschine unterging: “315 Millionen Euro: Hohe Strafen für Waschmittel-Kartell” oder auch “Procter, Unilever und Co: Wettbewerbshüter strafen Waschmittel-Kartell ab“. Doch die Realität hat mich schneller als erwartet eingeholt und die Wirklichkeit mit Riesenschritten lniks und rechts überholt. Rettet den Regenwald e.V.: BAUM-AB-Preis an Unilever-Chef Harry J. M. Brouwer für Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien.

Bei Klick auf das Foto: Pressemitteilung zu “Rettet den Regenwald e.V.” verleiht am 23. September 2011 den BAUM-AB-Preis an Unilever-Chef Harry J. M. Brouwer für Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien

Doch angesichts der Tatsache, dass der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e.V. (B.A.U.M.) jetzt den B.A.U.M.-Umweltpreis in der Kategorie Großunternehmen an Harry J. M. Brouwer, welcher Vorsitzender der Geschäftsführung von Unilever Deutschland, Österreich und Schweiz (DACH) ist, vergeben hat, muss die Frage erlaubt sein, ob eine solche Preisverleihung nur anhand umweltpolitischer Aspekte und Taten gekoppelt sein darf und ethische Merkmale für solch einen Preis vollkommen außer Kraft gesetzt werden dürfen. Ein Unternehmen, welches über Jahre hinweg die Verbraucherinnen und Konsumenten durch Preisabsprachen betrogen, getäuscht und über den Tisch gezogen hat, für dieses Verhalten von der EU-Wettbewerbskommission mit einer Geldstrafe von 104 Millionen Euro belangt wurde, steht nach Meinung einer Organisation, von der die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel überzeugt ist, dass diese “den Nachhaltigkeitsgedanken in der deutschen Wirtschaft zu stärken“, jetzt im strahlenden Licht der Öffentlichkeit als Sauberfrau-Saubermann-Konzern mit sauberstem Image da. Da wird einerseits der Bock zum Gärtner gemacht und zusätzlich noch dankenswerterweise mit der kahlschlagenden Axt im Wald für denselben ausgestattet. Dass dies ausgerechnet im proklamierten Jahr der Wälder geschieht, ist entweder umweltpolitischer Affront, wirtschaftliches Hohngelächter oder ein Konglomerat aus diesen Zutaten. 

Und auch wenn jetzt die Gegenargumente kommen, dass es hierbei wohl nicht um arglistige VerbraucherInnentäuschung geht, sondern um Nachhaltigkeit, ressourcenschonendes Handeln oder weiß der Teufel selbst, mit welchen grünen Argumenten hier gemessen wird, steht die Tatsache im preisverdächtigen Raum: Handelt Unilever denn wirklich so engagiert, dass dies den Umweltpreis rechtfertigen würde? Und wiegen diese umweltbewussten Merkmale ein solch unmoralisches und geldgieriges Verhalten überhaupt auf, dass allen Ernstes ein Konzern für einen Preis nicht nur nominiert wird, sondern auch noch als Gewinner gekürt wird, dessen Machenschaften nur dem Umstand zu verdanken ist, dass Konkurrent Henkel als Petze den ganzen Schwindel auffliegen ließ?

Nach Meinung von Robin Wood kann die Antwort darauf nur lauten: “Nein, tun sie leider nicht!” Denn “der B.A.U.M-Preis für Unilever ist ein Schlag ins Gesicht der Palmölopfer in Indonesien“, sagt Peter Gerhardt, Tropenwaldreferent bei ROBIN WOOD (Umweltpreis für Umweltzerstörer - ROBIN WOOD kritisiert Greenwashing bei Unilever). Und der Verein “Rettet den Regenwald e.V.” schlägt in dieselbe Tropenholz-Kerbe. Dass dabei der sehr verehrte und noch mehr geehrte Herr Brouwer im Namen von Unlilever nur den Umweltpreis von B.A.U.M. in Empfang nahm, aber die Überreichung des BAUM-AB-Preis verweigerte, macht eigentlich allzu deutlich, inwieweit sich das Unternehmen einer solchen Diskussion öffnet respektive nicht öffnen möchte (Unilever-Chef drückt sich vor „Baum ab-Preis“-Verleihung).

Im Rahmen eines Wirtschaftsempfangs unter dem Motto „Nachhaltigkeit zahlt sich aus“ zur Begrüßung des Hamburger Umwelthauptstadtjahres im Unilever-Haus brachte Harry Brouwer das Thema auf den Punkt: “Die Umwelt geht uns alle an.” Steht zumindest so in der Aussendung von B.A.U.M. wortwörtlich drin. Aber Papier ist schließlich genauso geduldig wie frisch gepflanzte Palmölplantagen. Auch wenn diese kein Recyclingpapier liefern, sondern nur weitere Rohstoffe für jene, welchen die Umwelt so sehr am Herzen liegt und genauso sehr an einer etwas tiefer liegenden Körperregion vorbeigeht. 

Zum Schluss noch ein paar Worte des B.A.U.M.-Vorsitzenden und ­Mitgründers Prof. Dr. Maximilian Gege: “Wer sich die Mühe macht, sich die Geschichte des mittlerweile zum 19. Mal vergebenen B.A.U.M.-Umweltpreises anzuschauen, kommt zu einem anderen Ergebnis, da die große Anzahl der Preisträger aus kleinen und mittelständischen Unternehmen und aus Institutionen kommt, die nachweislich als Vorreiter einer nachhaltigen Entwicklung zu bezeichnen sind“. (UmweltDialog: “B.A.U.M. Preisverleihung löst breite Kontroverse aus“). Und wer sich nicht einmal die Mühe macht, die in Frage kommenden Preisträger anhand nachvollziehbarer und transparenter Merkmale auszuwählen, verliert schnell an Glaubwürdigkeit. Nicht nur in der Umweltstadt Hamburg.

23.9.2011

Die wöchentliche Wiesenhof Rundschau

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 22:16


Ungelegte Eier nach dem Schweizer Boykott

Nachdem sich ja die großen Schweizer Diskounter tatsächlich zum einem teilweisen Boykott der Geflügelprodukte von Wiesenhof (Wiesenhof zieht Konsequenzen! Und die Konsequenzen? sowie Kalter Nespresso-Kaffee und heißes Grillhuhn-Eisen) entschlossen haben und ich mich gestern mit der oberösterreichischen politischen Einladung zu weniger Fleischkonsum befasst habe, wäre es doch wieder einmal an der Zeit, dem Wiesenhof-Newsroom eine kurze Stippvisite abzustatten. Ein kurzer wöchentlicher Blick im virtuellen Hühnerstall sozusagen. Und siehe da: Es gibt Neues zu vermelden. Datiert mit 21.09.2011 findet sich ein kurzer Hinweis mit entsprechendem Zeitungsausschnitt, dass Firmengründer Paul-Heinz Wesjohann in einem Interview mit dem Oldenburgische Volkszeitung (”Engagieren uns permanent für das Tierwohl“) Stellung zu den geäußerten Vorwürfen und Tierschutzverstößen bezieht.

Firmengründer Paul-Heinz Wesjohann in einem Interview mit dem Oldenburger Volksanzeiger: “Engagieren uns permanent für das Tierwohl”Nun, Vorsicht ist die Mutter des Hühnereis und so begebe ich mich eben höchstselbst zu verlinktem Artikel, welchen Sie sich aber auch gerne selbst bei Klick auf das nebenstehende Faksimile wie aus dem sprichwörtlichen Ei gepellt durchlesen können. Ich will jetzt auch gar nicht ins Horn von Herrn Wesjohann stoßen: Neutrale, unangemeldeten [sic] Kontrollen vom Landkreis Cloppenburg und von der Qualitätssicherungsfirma QS sagen uns, dass der Vorfall in Höltinghausen ein Einzelfall ist.” … “Wir engagieren uns permanent für das Tierwohl, aus Gründen des Tierschutzes und aus ökonomischen Gründen.” … “Ich habe Verständnis für die Sorgen von Anwohnern, die eine Absenkung des Grundwassers befürchten.

Besonders interessant ist, dass es scheinbar schon eine konkrete Vorstellung von Herrn Wesjohann gibt, wie er sich den zukünftigen Wasserverbrauch für sein Unternehmen vorstellt. Jetzt hat mich natürlich die langjährige Erfahrung eines gelehrt. Wenn sich jemand mit konkreten Vorstellungen und Plänen an die Öffentlichkeit wendet, muss in vielen Fällen schon vorher etwas gewesen sein. Denn als Familienvater erinnert dies frappierend an die Tatsache, dass sich die eigene Tochter oftmals dann verteidigt hat, wenn ich es am wenigsten erwartet habe. Im Fall Wiesenhof geht es mir ähnlich. Die ARD-Reportage wurde am 31.08.2011 ausgestrahlt und bereits drei Wochen später liegen fix und fertig Pläne auf dem Tisch, welche das Problem zukünftig lösen sollen. Da stimmt etwas nicht.

Und grabe ich tiefer, so finde ich in derselben Zeitung einen Artikel vom 31.07.2011 mit dem Titel “Der schwierige Umgang mit Wiesenhof“. Besonders ein Kommentar eines Herrn Dr. Lutz Neubauer vom 19.08.2011 ist dabei interessant:

1. Die Wasserversorgung von Wiesenhof muss anders geregelt werden. In Brägel sind die Grundwasserstände dramatisch gesunken. In Südlohne muss dies verhindert werden. Im Schutz des Grundwassers dürfen Bürgerinitiativen nicht auf sich gestellt bleiben. Wenn es um Gegengutachten oder gar um juristische Fragen geht, haben Bürgerinitiativen meist nicht genügend Geld. Darauf wartet eine PHW-Gruppe nur. Daher ist eine Aufgabe der Kommunalpolitik sich um den Schutz des Grundwassers intensiv zu kümmern.
2. Es ist gemeinsame Position von Lohne wählt sich die Geruchsbelästigung durch Wiesenhof abzustellen. Dies betrifft die Bräterei und den Abwassertransport.
3. Eine weitere Erhöhung der Schlachtzahlen wird durch Lohne wählt sich einheitlich abgelehnt und hierfür werden wir im Rat für eine Mehrheit sorgen.
4. Lohne wählt sich wird im Rat durchsetzen, dass nach langjähriger „Flickschusterei“ in dem Wiesenhofareal endlich eine Bestandsaufnahme erfolgt, die zu einem eindeutigen und verbindlichen Bebauungsplan führt. Das bisherige planerische „Unding“ muss beseitigt werden.

Wiesenhof war sich also schon sehr viel früher der Problematik bewusst, welcher durch den unkontrollierten Wasserverbrauch für Unmut bei der Bevölkerung sorgte. “Südlohner wehren sich gegen Wiesenhof” oder “Kein Wasser für Wiesenhof & Co.” sind sogar Beiträge noch älteren Datums. Doch scheinbar dürfte erst die Reportage die Verantwortlichen dazu bewogen haben, in ungewohnt schneller Weise zu reagieren. Es ist seltsam, dass oftmals erst dann Handlungsbedarf herrscht, wenn sich die Massenmedien durch entsprechende “Öffentlichkeitsarbeit” einem bestimmten Thema annehmen und die breite Masse informieren. Dass nach Ausstrahlung der Sendung Stimmen laut wurden, welche von einseitiger Berichterstattung sprachen, macht leider deutlich, dass eine kleine Gruppe direkt Betroffener sich selten Gehör verschaffen kann. Also müssen eben weiterhin solch brachiale Methoden herhalten, um den Wünschen der Wählerinnen und Bedürfnissen der Bürger Nachdruck zu verleihen.
Zum Schluss deshalb noch ein Leserbrief von Torsten Mennewisch, Bündnis 90 / Die Grünen, Kreisverband Vechta, welcher mir ganz gut gefallen hat und welchen ich im folgenden Wortlaut wiedergebe:

Warum hört man in Lohne immer den Vorwurf, man fühle sich von der Politik im Stich gelassen? Bei einer 70%-igen CDU-Megamehrheit im Rat, sollte sich doch niemand wundern, dass die CDU Bürgernähe, also das Werben um Zustimmung der Bevölkerung für poltische Lösungen, nicht für notwendig hält. Die 30-Prozent-Opposition wird dabei oft ebenfalls einfach übergangen. Die Verantwortung für eine solche Mehrheit überfordert die CDU einfach. Egal wo man hinschaut - auch dort, wo es Bürgerprotest gab und gibt - die CDU konnte stets mit einer überwältigenden Zustimmung rechnen. Darauf baut sie auch in Zukunft, und das wird sich sicherlich so auch wieder bei der nächsten Kommunalwahl im September zeigen. Liebe Lohner Leute, es reicht nicht, vor der Wahl seinen Unmut zu zeigen und trotzdem CDU zu wählen in der Hoffnung, „man (die CDU) habe verstanden“. Die CDU kann man nicht „erziehen“, man kann sie nur abwählen, indem man andere wählt! Besser noch: Selber politisch aktiv werden.

22.9.2011

FleischfreiTag: Fleischfreier Tag nicht unbedingt am Freitag

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 16:19


Politische Einladung an besserungswillige FleischtigerInnen

Man (oder zumindest ich) kann ja über so manch politisch motivierte Entscheidung streiten. Man (oder zumindest ich) muss schließlich mittlerweile ständig hinterfragen, welche Motive und Beweggründe politische EntscheidungsträgerInnen mit sogenannten Empfehlungen und Vorgaben, in diesem Falle spricht der oberösterreichische Grünen-Umweltlandesrat Rudi Anschober gar nur von einer harmlosen “Einladung” an das gemeine Volk, für solcherlei allgemeinwohliges Tun und und sozial verträglich erscheinendes Denken verantwortlich sind. Man (oder zumindest ich) ist in korrupten (österreichische) Zeiten wie diesen immer sorgsam darauf bedacht, jede noch so harmlos klingendeFleischfreiTag: Eine Initiative des öberösterreichischen Umweltressorts für mehr fleischlose Essenszeit. Wer das Klima schützen möchte, sollte nicht nur sein Auto ab und zu stehen lassen,sondern auch sein Schnitzel. Denn durch die Produktion von tierischen Lebensmitteln entstehen laut FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations, 2006) mehr klimaschädliche Treibhausgase als durch den gesamten globalen Verkehr – inklusive Schiffs- und Flugverkehr. politische Einladung gründlichst zu hinterfragen und auf etwaige Haken, Ösen und andere Fallstricke zu untersuchen. Überhaupt dann, wenn diese Einladungen mit geltenden Unschuldsvermutungen überladen sind und ihre politisch anrüchigen Kondensstreifen menschlicher Gier hinter sich her ziehen, was aber in diesem Falle glücklicherweise nicht zutrifft. 

Nun, im Falle von Oberösterreichs Umweltressort-Leiter Anschober würde also vieles dafür sprechen, dieser “Einladung” zu folgen, wenn ich denn nicht schon sowieso ein sogenannter “Follower” in Sachen fleischfreie, fleischlose und gemüseüberladene Essenszeit wäre. Zugegebenermaßen, nicht immer, doch immer öfter landet auf dem Tisch weder Fisch und Fleisch, sondern Gemüseauflauf und andere vegetarische Zusammenrottungen oder revolutionäre fleischlose Zellen bilden die Grundlage für meinen ökologischen Rausch. Aber, und hier belehren mich Statistiken eines Besseren, es gibt in Österreich und selbstverständlich in anderen Industrienationen doch noch eine erschreckend große Zahl derer, welchen der tagtägliche Fleischkonsum den besonderen Kick zu geben scheint.

Die interaktive “Weltkarte: Wo am meisten Fleisch gegessen wird” auf Spiegel online (ich weiß, ich verlasse mich und verlinke deshalb schon wieder auf ein Schwergewicht des Internets, doch die Karte ist sehr anschaulich) macht dabei deutlich, wo der Fleischhammer hängt. Und in Europa hängt er in Österreich ziemlich weit oben. Was wir seit Jahrzehnten nicht nehr schaffen, nämlich den großen Bruder aus der Bundesrepublik im Fußball zu schlagen, gelingt uns dafür in Sachen Fleischverzehr pro Kopf und Jahr umso müheloser. Dass es dabei eine Unterscheidung zwischen Fleischverzehr und Fleischverbrauch gibt, wurde mir auch erst nach Studium der Tabellen auf der Seite des “Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie e.V.” klar.       

Doch die Tatsache, dass der tagtägliche Sonntagsbraten auch dem Weltklima einen tagtäglichen Tritt gibt, macht es vielleicht interessant, den Zahlen über die Emission von Treibhausgasen durch die Landwirtschaft von Alexander Popp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) doch zukünftig mehr Beachtung zu schenken als bisher. Denn der Umstand, dass sich der bedenken- und hemmungslose Fleischverzehr auf unser Klima negativ auswirkt, wird zwar eine wohl nie enden wollende Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Ernährungsweise bleiben. Im Hinblick auf die Klimabilanz bleibt es aber unbestritten, dass die lebendigen Fleischberge, nämlich jene Nutztiere, welchen wir solch liebevolle Namen wie “Alma“, “Berta“, “Resi” oder am liebsten “Susi” geben (Bayerische Kühe haben einen Namen), mit dem in den Kuhmägen produzierten Methan und Lachgas ihrem Namen mehr als nur alle Ehre machen und dafür Sorge tragen, dass ein “Geringerer Fleischkonsum reduziert CO2-Ausstoß um 10%” mit unseren Essgewohnheiten nicht zu vereinbaren ist.

Klare Sache! Solange solche Papiere wie “Wege aus der Hungerkrise: Die Erkenntnisse des Weltagrarberichtes und seine Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen” jenen Interessen der Bauernverbände und der daran gekoppelten verarbeitenden Industrie, seien es nun Erzeuger von landwirtschaftlichen Maschinen, die Schlachtereibetriebe, Futtermittelproduzenten und nicht zuletzt die Supermärkte, welche möglichst billiges Fleisch in ihren Kühlregalen haben wollen, konträr gegenüberstehen, werden wir wohl weiterhin unseren täglichen Bedarf an Nahrung durch einen Großteil Fleisch und Wurstwaren decken. Und dass die Politik und hier besonders die ÖVP den Agrarbetrieben die Stange hält und sich mit den immer wieder schlagkräftigen Argumenten Arbeitsplätze, Grundversorgung, Selbstversorgung und der überdurchschnittlich hohe europäische Anteil an Bio-Landwirtschaft vor Karren, Traktor und Pflug spannen lässt, macht ein Umdenken in Sachen fleischlose Ernährung nicht gerade einfacher. Die unbestrittene Tatsache, dass der ökologische Fußabdruck jener landwirtschaftlichen Betriebe, welche auf “Bio” umstellen, gegenüber den konventionellen Landwirtschaftsbetrieben beträchtlich ressourcenschonender ist (Ökologischer Fußabdruck der Bio-Landwirtschaft und ihrer Produkte), mag durchaus tröstlich erscheinen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Alma“, “Berta“, “Resi” und das bayerische Lieblings-Rindvieh “Susi” für eine höchst anrüchige Klimabilanz verantwortlich sind.

Dass in Berlin am Prenzlauer Berg der erste Supermarkt mit veganem Vollsortiment für leere Fleischtöpfe, doch sicherlich nicht ebensolch leere Kassen sorgt, könnte doch für potentielle InvestorInnen ein Anreiz sein, sich auch einmal in österreichischen Gefilden als Karotten-Jane und Spargel-Tarzan zu versuchen. Ich setz’ mich bei Bedarf auch gerne an die Kassa aus Kraut und Rüben. Und da wären wir wieder am Anfang unseres Artikels. Korruption ist überall und die unvermeidlichen Unschuldsvermutungen nicht weit. 

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