Bio Natur - Der Weblog

20.8.2011

Zara: Schmutzige Wäsche und saubere Gewinne

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 13:07


Zwangsarbeit als Grundlage für zwangloses Einkaufen und fröhliches Shoppen

Clean Clothes Campaign: Kampagne für Saubere Kleidung. Mehr Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter, verbesserte Arbeitsbedingungen und gerechtere Entlohnung in der internationalen Bekleidungs- und Sportartikelindustrie.Ich wurde heute als sogenannter “Weltverbesserer” bezeichnet. Nun ja, im Grunde keine schlechte Bezeichnung, doch leider absolut falsch angesichts der Tatsache, dass, solange es Modeketten wie KiK oder Zara gibt, wir froh sein müssen, wenn sich die Welt nicht noch mehr zum Schlechten verändert, was aber wiederum eben bedeutet, dass ich maximal ein “Weltvergleichbleiber” bin und hoffen muss, dass die Modewelt ihre menschenverachtenden Fäden nicht noch weiter spinnt.

Doch eigentlich steht es mir nicht zu, ein Weltunternehmen wie Zara zu kritisieren. Das ehrenwerte Haus steht schließlich schon genug in der Schusslinie, obwohl doch wie immer alles mit rechten Dingen zugeht in dieser heilen Welt der Haute Coiture und natürlich auch Kleider von der Stange. Immerhin sorgt der Textilanbieter dafür, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, dass Familien ein gesichertes Einkommen haben und dadurch Essen, medizinische Versorgung, Schulmaterialien und natürlich auch Kleidung gekauft werden kann. Gut, diejenigen Menschen, welche etwa im brasilianischen Americana in der Nähe von São Paulo für die zur spanischen Inditex-Gruppe gehörende Zara-Kette “Fetzen”, wie in Österreich modische Kleidung salopp heißt, produzieren, kaufen selbstverständlich nicht selbst bei ihrem Ausbeuter ein. Ein gewisses Maß an Distanz zwischen Zwangsarbeitender und Zwangsanbieterin oder Sklave und Herr muss schon sein. Und wenn schon nicht die räumliche Distanz solch ein Shopping-Vergnügen verhindert, dann fällt spätestens mit der Preisauszeichnung für eine echte Zara-Jeans der textile Vorhang.

Denn so ein gutes Stück ist selbst im wohlstandsgeschwängerten Europa nicht gerade billig. Auch wenn Zara paradoxerweiseKampagne für saubere Kleidung. Gegen Unterdrückung, die Ausbeutung und den Mißbrauch der ArbeitnehmerInnen in dieser Industrie. seine textilen Beutestücke in Billiglohnländern wie Brasilien durch oftmals illegal im Land lebende Menschen aus Bolivien produzieren lässt, kostet so ein gutes Stück aus dem ehrenwerten Hause Zara dann doch um die 50,- Euro, wie ich mich auf der deutschen Website, übrigens sehr ansprechend gestaltet und mit entzückend hübschen Models frei von schmutziger Wäsche, informiert habe. Aber bei einem monatlichen Verdienst der in Zara-Diensten stehenden MusikerInnen, denn der “Preis macht halt die Musik“, wie es nicht nur in Kreisen der Modebranche so zynisch heißt, zwischen 156,- und 290,- amerikanischen Dollar (ja, stimmt schon, monatlich, nicht wöchentlich!) stehen seltsamerweie andere Bedürfnisse im Vordergrund als so ein modisches und äußerst kleidsames Beinkleid aus dem ehrenwerten Hause Zara. Wenn wir dann weiterhin wissen, dass eigentlich in Brasilien ein durchschnittliches Monatseinkommen von 344,- Dollar in die familiären Haushaltskassen wandert, wird die Sache mit der Jeans noch unerreichbarer. (The Guardian: Zara accused in Brazil sweatshop inquiry)

Und außerdem stehen zwischen der Illegalität aus Bolivien, Paraguay oder Peru und den ehrenwerten Zara-Brutstätten Produktionsstätten dann auch noch andere ehrenwerte Damen und meist Herren, welche unter dem Sammelbegriff “Coyotes” in freier Wildbahn laufen, aber in unseren Kreisen eher unter dem Pseudonym “Menschenschlepper” ihre wohlfeilen Dienste anbieten. Und um diese menschlichen Koyoten wieder loszuwerden, heißt es erst einmal drei bis vier Monate im ehrenwerten Zara-Haus schuften, um deren Spesen und Auslagen für den illegalen Grenzübertritt ins brasilianische Wirtschafts-Paradies zu finanzieren. Was aber angesichts der Tatsache, dass die zwangsarbeitende Belegschaft sowieso erst um Erlaubnis fragen muss, wenn sie nach einem 16-Stunden Arbeitstag zwischen sich und das Zara-Zwangsarbeiter-Paradies etwas Distanz bringen möchte. (Economics Newspaper: A Brazilian company is subcontracted by Zara used slave labor) 

Und weil die Entfernung zwischen Herrchen Amancio Ortega, welcher als einstiger Gründer und gegenwärtiger Mehrheitsaktionär sowie Vorstandsvorsitzender von IndustriasAmancio Ortega: Gründer und gegenwärtiger Mehrheitsaktionär sowie Vorstandsvorsitzender von Industrias de Diseño Textil Sociedad Anónima (Inditex) und von Zara. Reichster Mann Spaniens und laut Forbes im Ranking der reichsten Menschen 2011 der Welt auf dem 7. Platz. de Diseño Textil Sociedad Anónima (Inditex) und damit auch von Zara, natürlich noch größer ist als jene zwischen Sklavenbetrieb und Schlafgemach der für das ehrenwerte Haus Zara produzierenden Frauen, Männer und sogar Kinder und ich im ebenso fernen Österreich von der ganzen Ausbeute, den hygienischen katastrophalen Zuständen und nicht zuletzt von den Arbeitsbedingungen (Standard: Unvorstellbare Arbeitsbedingungen oder Augsburger Allgemeine: Ermittlungen gegen Zara: Verdacht auf Zwangsarbeit) überhaupt nichts weiß, was zumindest die einzige Gemeinsamkeit zwischen mir und den Zara-Nichtwissenden darstellt, lassen wir die ganze Geschichte doch auf sich beruhen.

Außerdem erleichtert es die ganze Sache sicherlich ungemein, dass der ehrenwerte Herr Amancio Ortega in Sachen Geld als reichster Mann Spaniens gilt und auch weltweit laut Forbes (siehe Klick auf nebenstehendes Schaubild) mit einem geschätzten Vermögen von 31 Milliarden Dollar im Ranking der reichsten Menschen dieses Planeten einen guten, wenngleich für ihn vielleicht nicht befriedigenden siebten Platz belegt. Wieviel Illegale man sich damit wohl ins Land holen könnte, welche dann weiterhin für das ehrenwerte Haus Zara und eigentlich auch andere ausbeutende Kaliber der Modeindustrie Geld in fremde oder eben in die ganz legalen Taschen scheffeln müssen, wage ich mir gar nicht auszurechnen. Aber es müssen eine ganz schön große Menge sein!

Dass ich mit meiner Schreiberei die (Mode)Welt und andere Teile dieses im Großen und Ganzen doch sehr schönen Planeten nicht verbessern kann, ist selbst mir klar. Aber dass ich einem ehrenwerten Haus wie Zara meine Referenz nicht erweisen werde und diesen Wunsch nach “Betreten (freiwillig) verboten!” auch meiner Familie, Freunden und Bekannten näherbringen werde und bereits getan habe, dürfte genauso selbstverständlich sein. Und möglicherweise kann ich auch Sie zu diesem Vorhaben ermuntern. Gemeinsam können wir vielleicht die Welt ein kleines bisschen verbessern.  

 

19.8.2011

“Home” von Yann Arthus-Bertrand

Abgelegt unter: Naturfotos — Paul Boegle @ 14:46


Atemberaubende Luftaufnahmen des wunderbaren Planeten Erde

Für mich stellt “Home” sicherlich ein, wenn nicht sogar das Highlight in puncto Landschaftsaufnahmen, Tierdokumentation, Städtearchitektur und nicht zuletzt menschlicher Portraits dar. Eine Dokumentation über den Reichtum, die Vielfalt und die verschwenderische Fülle unseres Heimatplaneten,ohne jedoch die tiefgreifenden Probleme zu vergessen, für welche jene, welche sich tagtäglich diese Erde als irdische Untertanen selbst und vielfach unbeherrscht untertan machen, die Verantwortung tragen.

Wer wissen will, wie sich wohl Ikarus auf seinem Weg zur Sonne gefühlt haben muss, bevor ihn die Hölle namens Erde wieder in ihren Fängen willkommen hieß, wird mit “Home” durch geradezu psychedelische Luftaufnahmen einerseits zum fliegenden Träumen und traumhaftem Schweben animiert. Doch Yann Arthus-Bertrand vergisst genauso wenig, jene andere Erde, den von Menschenhand zu großen Teilen vernichteten Planeten zu zeigen. Immer von oben, immer im Schwebezustand, immer aus der Distanz des Bodenlosen. Der Film berührt, ohne jedoch selbst zu berühren. 90 Minuten ohne einen einzigen Schritt auf der Erde selbst zu tun, macht sich Yann Arthus-Bertrand auf den Weg, vier Milliarden Erdgeschichte und jenen verschwindend geringen Zeitraum von 200 000 Jahren Menschheitsgeschichte aus der Perspektive eines teilnahmslos teilnehmenden Betracht“Home” von Yann Arthus-Bertrand: Eine Luftreise durch 50 Länder dieser Erde.ers, welcher wort- und sprachlos, aber umso bildgewaltiger diese Momentaufnahmen einfängt, um sie dann in atemberaubend schöne Bilder zu verpacken.

Der Filmemacher blättert und entblättert, facettenreich und detailgetreu bietet er der Zuschauerin und dem Betrachter Einblicke, welche uns so wohl für immer verborgen blieben und möglicherweise zukünftig bleiben. Denn und doch genau hier liegt sein unterschwelliger Appell, welcher den Film jede Sekunde begleitet: Wir, die wir uns ohne Einwilligung aufgemacht haben, Flora und Fauna in einem rücksichtslosen Verdrängungswettbewerb untertan zu machen und in weiten Teilen dieses brachiale Werk bereits vollendet haben, sind aufgefordert, unsere eigenen Entscheidungen genauestens zu überdenken, um diese Heimat auch weiterhin zu erhalten, zu verbessern und in einem Zustand des Gleichgewichtes zwischen Nehmen und Geben zu hinterlassen.

Die Verantwortung, welche wir Lebenden heutzutage tragen, die Auswirkungen, welche unser heutiges Wirken in naher oder ferner Zukunft nach sich ziehen wird, wird erst nachfolgenden Generationen (Stichwort Generationengerechtigkeit) bewusst werden. Wir werden uns dieser Verantwortung in den meisten Fällen nicht mehr selbst stellen müssen. Und wenn doch, wird die ganze Tragweite dieses Tuns erst zu einem Zeitpunkt zur Geltung kommen, welcher nicht mehr in unser Bewußtsein dringen wird und uns dann dorthin zurückgeführt hat, woher wir einst kommen. Aus dem Staub einer gottlosen Masse, welche in Milliarden von Jahren und mithilfe von Milliarden von Zufällen das geschaffen hat, von dem wir so unbedacht Tag für Tag Besitz ergreifen.

Es würde für diesen Beitrag eigentlich genügen, jetzt die Bilder des Films “Home” (Link am Ende des Artikels bei klick auf das Schaubild) für sich selbst sprechen zu lassen. Aber, um die Intention und Botschaft, welche Yann Arthus-Bertrand mit seinen traumhaften Aufnahmen uns, jenem gierigen und zerstörerischen Lebewesen namens Homo sapiens, mitteilen möchte, lasse ich noch den Künstler selbst zu Wort kommen.  

Wir leben in einer alles-entscheidenden Zeit. Wissenschaftler sagen uns, wir hätten nur 10 Jahre um unsere Lebensweise zu ändern, um das Aufzehren von Rohstoffen zu verhindern und um eine katastrophale Entwicklung des Weltklimas zu verhindern.
Jeder Einzelne muss an dieser gemeinsamen Anstrengung teilnehmen ; und um so viele Leute wie möglich darauf aufmerksam zu machen, habe ich den Film HOME gedreht.
Damit der Film die größt-mögliche Verbreitung erhält, muss er um sonst sein ; unser Sponsor, die PPR Gruppe hat dies ermöglicht. EuropaCorp, der den Vertrieb sicherstellt, hat sich bereiterklärt, keinen Gewinn aus HOME erwirtschaften zu wollen, weil der Film nicht auf wirtschaftlichen Erfolg angelegt ist.
Ich hätte gerne, dass HOME auch Ihr Film wird. Verteilen Sie ihn weiter. Und handeln Sie.

Yann Arthus-Bertrand

Home, ein atemberaubender Film über die Schönheit unserer Erde von Yann Arthus-Bertrand.

 

18.8.2011

Grüner Gockel statt roter Hahn: Öko-Pfarre Dechantskirchen

Abgelegt unter: Erneuerbare Energie — Paul Boegle @ 09:42


Kirchliche Umweltliebe statt unchristliche Nächstenliebe

Mit der Tatsache, dass ich der Kirche nicht viel Gutes abgewinnen kann, was aber auch für gewisse bohrenden Tätigkeiten in der Nordsee und anderen maritimen Lebensräumen dieses Planeten seine Gültigkeit hat, stehe ich mittlerweile hier wie dort sicherlich nicht mehr alleine da. Doch manchmal heißt es auch für mich über den eigenen atheistisch kontaminierten seelenlosen Schatten springen und den Herrn preisen. Dass in diesem speziellen Fall der Herr nicht ER ist, sondern ein irdischer Mann, weltlicher Seelenhirte und Pfarrer namens Wolfgang Fank, macht für meine angedachten Lobpreisungen die Sache natürlich wesentlich leichter, da es sich über säkularisierte Tatsachen einfacher schreiben und berichten lässt.

Nun gut, über die grüne Steiermark im leider nicht immer grünen Österreich, man denke nur an die blaue Donau, welche im nachbarlichen Kärnten zwar nicht fließt, aber doch dort ganz besonders braun-blaue Seitenarme ausgeprägt hat, ausgehend vom braun-blauen Donaudelta Wien, über diesen schönen Landesteil habe ich schon manches Wort verloren. Sollten sie einige dieser Silben selbst auf meinem Blog wiederfinden wollen, empfiehlt sich dazu etwa der Bericht über den steirischen und nicht minder weltlichen Wanderapostel in Sachen erneuerbare Energieformen Leo Riebenbauer. Aber heute eben darf ich der oststeirischen Kirchengemeinde Dechantskirchen meine Wertschätzung in der gleichen Sache erneuerbare Energie und dem damit verbundenen Klimaschutz erweisen.

Mit dem sogenannten EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) Award 2011 wurde die Pfarre jetzt ausgezeichnet. Dieser von der EU seit 1993 vergebene Preis fürÖko-Pfarre Dechantskirchen. Der grüne Pfarrer Wolfgang Fank auf dem heiligen Pfad der Nachhaltigkeit. besonderes Umweltmanagement in der Wirtschaft und Verwaltung wird an Organisationen vergeben, welche hinsichtlich Nachhaltigkeit anders denken und anders handeln.Und Pfarrer Fank denkt und handelt anders. Denn aus dem ursprünglichen Plan, das marode Kirchendach einfach nur zu renovieren, entwickelte sich dank der heimischen Jugend ein ganz besonderes Projekt. Eine Fotovoltaikanlage sollte her.

Doch weil das Denkmalamt anders dachte als der “grüne Pfarrer” und seine nicht minder grünen jungen Schäfchen, wurde die Solaranlage kurzerhand und ohne Einwände vor das alte Schulhaus plaziert und produziert dort den grünen Strom. Für die Kosten von 34 000,- Euro musste Fank dann allerdings Überzeugungsarbeit bei seinen 1600 EinwohnerInnen leisten. “Ich habe selbst bei meinen Predigten darauf hingewiesen“. (Und auf dem Kirchendach thront der Grüne Gockel). Doch in Dechantskirchen soll die Sonne nicht nur über den Gläubigen scheinen. 2012 soll es weitergehen. Eine Fotovoltaikanlage über dem Sandplatz des örtlichen Kindergartens wird aus der begonnenen Nachhaltigkeit eine nachhaltige Nachhaltigkeit machen. Und dann? Ja, dann wäre da noch der alte Fußballplatz. Eine Gemeinschaftssolaranlage mit Bürgerbeteiligung soll die erneuerbare Säkularisierung, zumindest in Stromdingen, weiterführen. Und diese pastorale Schöpfungsverantwortung wurde jetzt mit dem EMAS belohnt (EMAS-Award 2011 an Pfarre Dechantskirchen). Da sage sogar ich, dass manches Mal die Kirche ihrem seelsorgerischen Auftrag bestens nachkommt. 

Abschließend allerdings noch eines. Die Erzdiözese Wien braucht sich trotz all dieser lobenden Worte nicht um meine “Mitgliedschaft” bemühen. Denn wenn Pfarrer Wolfgang Fank richtigerweise feststellte “Wir haben die Erde von unseren Kindern geliehen und müssen, wenn wir unseren Glauben ernst nehmen, verantwortungsvoll damit umgehen”, bedeutet dies für mich, dass hier ein Mensch mit Weitblick seinen “Job” als StaffelträgerIn ernst nimmt und jenen Nachlass namens Erde, welchen unsere Erben von uns übernehmen werden, schon zu Lebzeiten ökologisch sinnvoll geregelt hat und hoffentlich weiterhin nachhaltig regeln wird. Dass dies in irgendeiner Art und Weise mit Glaubensfragen zu tun hat, ist dementsprechend richtig. Doch es bleibt die Tatsache bestehen, dass der Imperativ “Gott ist tot!” für mich weiterhin seine Gültigkeit besitzt, wie schon Nietzsche so treffend resümierte. Dass wir, und in diesem Falle stellvertretend Pfarrer Wolfgang Fank, durch unser Tun und Handeln Mutter Erde dieses Schicksal ersparen sollten und auch können, impliziert deshalb auch keine überirdischen Fakten, sondern eine rein menschliche Ratio.

17.8.2011

Stresstest für Ölplattformen: Wen leckt schon ein Ölleck?

Abgelegt unter: Wasserwelten — Paul Boegle @ 18:16


WWF fordert zukünftig Überprüfung von Ölbohrungen

Nachdem sich in letzter Zeit die Meldungen und die damit implizierten Forderungen über Stresstests für alles Mögliche häufen, haben Umweltschutzorganisationen, in diesem speziellen Fall der WWF in einer Vorreiterrolle, die schwimmenden maritimen Erdölausbeutungsstationen mit Hang zum Havarieren oder kurz und bündig Ölplattformen im Visier. Keine Frage, dass dies dringend notwendig wäre, um BP (über Deepwater Horizon erneut zu berichten hieße Eulen nach Athen tragen), Shell (That S Hell: Schwarze Jahrzehnte in Nigeria), dem JET-TankstellenbetreiberConoco-Philips (siehe Penglai 19-3: Ölkatastrophe wochenlang verschwiegen) und der mit ölverschmierten Fingern und geldgierigen Händen tief im Meeresboden wühlenden Lobby auf die rücksichtslos drehenden Bohrgestänge zu schauen. Doch aus diesem lauten Getöse wird, in Anlehnung an meine gestrige “Welt im stillen Tanz“, wohl ebenfalls ein dichter Deckmantel des zukünftigen Schweigens.

Stefan Lutter vom WWF zu den im Zusammenhang mit der in der Nordsee stationierten Shell-Plattform Gannet Alpha und den verschwiegenen Öllecks, hierzu gibt es mittlerweile ebenfass genügend Informationen, welche es wiederum überflüssig machen, Eulen nach Athen, ölverschmierte Basstölpel, Dreizehenmöwen oder andere bereits durch die neuerliche Ölpest tote Meeresbewohner in Auffangstationen zu tragen: “Das Unglück zeigt, wie allgegenwärtig die Risiken der Ölförderung sind. Daher müssen auch bei der Vorsorge alle rechtlichen Register gezogen werden. Ein Stresstest für Ölförderanlagen in der Nordsee ist legitimiert und nötig.” (WWF fordert Stresstest für Ölförderung in der Nordsee)

Ich habe vor nicht allzu langer Zeit eben ähnliche Worte über die lauthals und vehement geforderten Stresstest über Atomkraftwerke verbreitet. Nein, habe ich nicht. Denn eigentlich war ich nur der anti-atomare Wasserträger und nicht-nukleare Hermes dieser Überzeugungen und sonoren politischen Lippenbekenntnisse nach Fukushima. Ich hatte diesen Artikel mit dem Untertitel “Gödöllö: Das Märchenschloss und die europäischen Märchenerzähler ins Netz gestellt. Warum, können Sie bei Bedaf selbst nachlesen.

Und jetzt fordert der WWF, was ich jedoch im Gegensatz zu anderen Dingen um den Pandabären, was Sie aber ebenfalls auf meinem Blog nachlesen können, ganz und gar unterstütze. Doch leider werden die Öllecks auch weiterhin ungebremst, unkontrolliert, ungemeldet und für kurze oder lange Zeit von der Öffentlichkeit unbemerkt in die Weltmeere fließen, aus undichten Rohren sickern und Fauna und Flora mit einem erstickenden Ölfilm überziehen. Stefan Lutter abschließend zu seiner Forerung nach der Einführung von Stresstests für Ölplattformen: “Es liegt an den Regierungen der Anrainerstaaten dies umzusetzen.

Richtig! Genau daran liegt es. Und jene Regierungen, welche milliardenschwere Beträge durch die erdölfördernde und -verarbeitende Industrie erhalten, werden einen Teufel daran tun, diese kontraproduktiven Interessen von UmweltschützerInnen umzusetzen. Nur wenn das Erdöl aus dem Meeresboden in die bereitgestellten Öltanker an der Oberfläche fließt und von dort in den sicheren Bilanzhafen von BP, Agip, Shell, Exxon, Esso, Royal Dutch und wen auch immer ich hier vergessen habe oder wer auch immer bei den genannten Firmen auch untereinander verbandelt ist, können die Staaten ihre Hände aufhalten und ebenfalls am großen Geldfluß teilhaben.

Es gab nach der Havarie der Deepwater Horizon bis Mitte des Jahres 2010 immer wieder die lautstarke Forderung nach einem sogenannten Moratorium für Tiefseebohrungen. Deutschlands Umweltminister Röttgen forderte die Nordsee-Anrainerstaaten auf, sich an den gemeinsamen Tisch zu setzen, um aus den 700 Millionen Litern ausgeflossenen Erdöls im Golf von Mexico (WDR: Der Aral-Check) zu lernen und über Sicherheitsvorkehrungen zu verhandeln. Und am 17. September 2010 hieß es dann kurz und bündig von deutscher Seite, dass “ein entsprechender Antrag des Umweltministeriums für die nächste Woche beginnende Ministerkonferenz zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks (OSPAR) auf Druck des FDP-geführten Wirtschaftsministeriums praktisch wirkungslos gemacht” wurde, wie es KlimaWANDEL.de ebenso kurz und bündig zusammenfasst.

Ganz ehrlich! Würden Sie als verantwortliche Ministerpräsidentin oder regierender Staatschef auf Milliarden von Euros in Zeiten wie diesen verzichten? Griechenland am Sand, Portugal am Boden, Spanien hängt in der Luft, Irland mehr leichenblass als grün und die USA fast zahlungsunfähig. Und da kommen ein paar dahergelaufene UmweltschützerInnen daher und fordern, diese Öl- und damit verbundenen Geldreserven zu stoppen. Da ist es doch viel gescheiter, in den Medien lautstark zu proklamieren, was es alles zu tun gäbe und den damit einhergehenden Konjunktiv dann stillschweigend auf dem politischen Nähr- und Meeresboden der gesellschaftlichen Tiefsee zu versenken. Von Fukushima spricht schließlich auch kein Mensch mehr, oder? Hätten Sie gewusst, dass diese Katastrophe am 11. März 2011 über die Weltbühne ging? Na also!

16.8.2011

Silent Climate Parade: Die Welt im stillen Tanz

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 13:41


Silent Climate Parade: Ein Tag abschalten, um die erneuerbare Zukunft einzuschalten. Emissionsfrei und mit Ökostrom tanzen und Musik mit Kopfhörern genießen.Bewege das Weltklima: Hirn und Erneuerbare Energien einschalten!

Im Moment scheine ich irgendwie und sowieso, sozusagen und weil dies andere so sagen, als kleiner grüner Ökofaschist eben, ein Faible für Berlin zu entwickeln. Was aber nicht bedeutet, dass ich als Wiener Würstchen, wobei die bei uns in Wien allerdings Frankfurter heißen, aber dies ist jetzt zu kompliziert, mich nicht auch für andere deutsche Städte, was ich mit Dortmund bewiesen habe, erwärmen kann. So, die ersten Verschachtelungen sind auf elektronischem Papier, also will ich es einfacher machen.

Am 24. September macht Berlin das, was urbane Menschen eigentlich nicht von “ihren” städtischen Molochen gewohnt sind: Sie lassen Ruhe und Stille in den Alltag einkehren. Und, um dem Ganzen noch eins draufzusetzen, die MacherInnen der 3. Silent Climate Parade in Berlin laden trotzdem zu Musik, Tanz und Spaß ein, ohne diesen an die ohnehin schon viel zu laute Oberfläche unserer Umgebung dringen zu lassen. Damit aber immer noch nicht genug. Denn dieser Lärm, welcher eigentlich gar keiner ist, wird auch noch (fast) völlig emissionsfrei über auf die ökostrombetriebene Bühne des sogenannten Silent-Climate-Elektromobils gehen. Wie das geht?

Einfach einen Kopfhörer schnappen (Vorab-Reservierungen der Kopfhörer für die Climate Parade sind noch möglich), am 24. September aufsetzen und einen Tag lang bei feinster Musik abschalten und gleichzeitig für eine klimagerechte Welt die erneuerbare Zukunft einschalten. Und das ganze Klimagehopse, wie ein älterer Herr meines Formates diese vorbildliche Aktion aufgrund abgenutzter Bandscheiben neidisch nennt, ist natürlich durch eine Parade mit Spaßfaktor-Garantie. Denn Verzicht bedeutet in Berlin, in Wien und hoffentlich auch überall, am 24. September, am 25. September und hoffentlich auch für die Zukunft einzig und allein den dauernden Verzicht auf fossile Energieträger, auf Atomstrom und auf weitere Stillhalteabkommen durch Politik und Wirtschaft.

Und was bedeutet diese ominöse Zahl “350″ im Logo? Dies zu erklären verzichte ich nun. Denn das kann die Initiative350.org ist eine internationale Kampagne mit dem Ziel eine Bewegung aufzubauen, die die Welt durch Auswege aus der Klimakrise vereint – Auswege, die die Gerechtigkeit verlangt.350.org” wesentlich besser als ich. Dass es aber um die Bewältigung und Lösungsvorschläge für oder besser gegen die globale Klimakrise geht, macht das nebenstehende Schaubild sicherlich mehr als deutlich. Und wer dementsprechend auf das Bild bzw. Diagramm klickt, wird unter anderem erfahren, warum 350 ppm (Teilchen pro Million) CO2-Konzentration das absolute Maximum an CO2-Molekülen im Verhältnis zu anderen Gasmolekülen in unserer Atmosphäre ist. Rein rechnerisch gesehen, denn leider hat unser Klima diese Konzentration schon weit überschritten.

Und deshalb sollt ihr bei der Silent Climate Parade auch nicht schreiten, sondern durch euer Tanzen Grenzen überschreiten. Denn es ist zu großen Teilen eure eigene (erneuerbare) Zukunft, welche auf dem Spiel steht. Und so wünsche ich euch aus der Ferne Wiens viel Vergnügen beim Tanz auf dem grünen und kreativen Vulkan. Und wenn ihr irgendwelche störenden Geräusche hört, keine Angst: Dies sind nur die knirschenden Bandscheiben eines älteren Herrn.

14.8.2011

Grüne (Un)Vernunft: Nationalsozialistische Vergleiche

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 22:32


Paul Boegle und seine ökofaschistische Grundhaltung gegen Genjuden

Inspiriert zu diesem Beitrag hat mich Carola Mohr durch ihren sehr lesenswerten Artikel ”Gentechnik – Seilschaften im Visier. InnoPlanta-Forum 2011: Preise für Gentechnik-Lobbyisten“. Bin ich also ein gefährlicher oder zu bezugnehmend auf meinen gestern veröffentlichten Artikel ein gefairlicher Ökofaschist? Traurig, aber wahr, zumindest wenn ein kleiner grüner fremd-geouteter und eigenbestimmter Faschist wie ich solche Worte aus solch berufenem Munde wie jenem des Schweizer Prof. Dr. Klaus Amman vernehmen muss, welcher ja als thesenanschlagender Luther der Neuzeit (Grüne Vernunft vs. Greenpeace: Prof. Klaus Ammann auf den Spuren des Martin Luther) durch deutsche und wohl auch andere Lande lustwandelnd seine Spuren der grünen irdischen Vernunft und eines damit einhergehenden gentechnischen Himmelfahrtskommandos hinterlässt.

Die “Nutzung der Grünen Gentechnik ist ethisch geboten” lautete der Titel einer vom Forum Grüne Vernunft abgehaltenen Pressekonferenz, welche sich dank des bereits erwähnten Herrn Ammann und seines Kollegen Prof. em. Dr. Dr. Dr. Ingo Potrykus, welcher auch den höchst zweifelhaften Titel “Vater des Goldenen Reises” trägt (dazu sehr interessant Gen-ethisches Netzwerk: Das Internationale Reisjahr, Überschrift “Goldener Reis” im Verlauf des Textes) zu einer Abrechnung mit gentechnischen KritikerInnen gestaltete und eben unter anderem solch wunderschöne Allgemeinplätze und verbale Abrechnungen wie Leute mit “ökofaschistischer Grundhaltung” vom Rednerpult katapultierte. Als “Genjuden” sehe sich Professor Ammann. Verfolgt von jenen Agrogentechnik-GegnerInnen, mit denen vernünftiges Reden nicht möglich sei und die einzig und allein ihm und Gleichgesinnten das Leben schwer machen, weil sie vollkommen fachunspezifisch und kenntnislos ihre ideologischen Positionen vertreten. (Gentechnik-Seilschaften und ihre Durchhalteversuche oder auch ngo-online: Terrorismusphrasen und Nazivergleiche Gentechnik - Seilschaften | Monsanto). Zu Monsanto gibt es übrigens auch wieder Neuigkeiten, wobei es zum amerikanischen Gentechnikkonzern eigentlich immer irgendwelche unangenehmen Dinge zu berichten gibt. In diesem Falle aber zum bevorstehenden Launch eines dreifach genmanipulierten Süßmaises, welcher ab Herbst seinen Siegeszug (Süßmais: Der 3-fach genmanipulierte Monsanto-Rittberger: Ein neuer süßer Gruß von Monsanto) in die Verkaufsregale amerikanischer Supermarktketten antreten soll. Monsanto macht also Schluß mit lustig und geht nun den Weg der direkten gentechnischen Belieferung der KonsumentInnen anstatt wie bisher über den Umweg von gentechnisch veränderter Futtermittel für Tiere, welche dann auf Umwegen auf unseren Tellern landeten.

Weiterhin ist es umso befremdlicher, dass der emeritierte Professor im Juli 2006, damals noch als Direktor des Botanischen Gartens an der Universität Bern, anlässlich einer Ringvorlesung zum Thema “Armut” sagte: “Ich bin weder Befürworter der Gentechnologie noch ein Gegner der Bioproduktion. … Der Grabenkrieg fruchte nichts.” (ETH Life: Alte Gräben neu ausgehoben). Und als Konklusion daraus stand für ihn damals fest, dass sich die Fronten auflösen würden. Dass dem nicht so ist, beweist Ammann eigentlich nur fünf Jahre später. Ob dies möglicherweise mit dem Ruhestand des Mannes zu tun hat, vermag ich weder zu sagen und schon gar nicht zu behaupten. Aber scheinbar hat er sich entschlossen, nun selbst Hand anzulegen und die bereits ausgeworfenen Gräben zwischen den beiden Parteien noch tiefer auszuheben. 

Abschließend möchte ich deshalb eines anmerken. Ich bin ein, zumindest wenn ich Herrn Ammann als Vergleich, sicherlich nicht als Maßstab, heranziehe, als ein im Jahre 1968 geborener Mann gegenüber dem “1940er” Ammann junger Mensch. Ich habe glücklicherweise weder den Zweiten Krieg noch die daran anschließende Aufbauphase mit all den Begleiterscheinungen Hunger, Kälte, Armut oder Heimkehr aus Kriegsgefangenschaft am eigenen Leib erfahren müssen. Ich kenne das Dritte Reich, die furchtbare  Vernichtungsmaschinerie des Dritten Reiches und die unvorstellbaren Grausamkeiten gegenüber Juden, politischen Gegnern des Nationalsozialismus, Andersdenkenden und all jenen Menschen, welche dieser wohl schwärzesten Zeit menschlichen Daseins zum opfer fielen, nur aus literarischen Werken, Bilddokumenten, Fernsehberichten oder den Erzählungen meines bereits verstorbenen Großvaters und anderen ebenfalls nicht mehr unter uns lebenden Menschen.

Wenn sich Prof. Ammann bemüßigt fühlt, seiner Liebe und den Vorzügen der Gentechnik freien Lauf zu lassen, ist dies eine und seine Sache. Wenn er aber im Zuge dieser diskussionswürdigen und mehr als nur kritisch zu hinterfragenden Thematik Worte wie “Genjude” nicht nur in den Mund nimmt, sondern sich selbst sogar als solchen aufgrund der Kritik an seiner Person als solchen bezeichnet, muss die Frage erlaubt sein, ob hier überhaupt die Voraussetzungen vorliegen, sich bezüglich der konträren ideologischen Standpunkte an einen gemeinsamen Tisch zu setzen. Dass ich nicht das notwendige Fachwissen habe, um mich wirklich überzeugend über sämtlichen gentechnischen Forschungen, Erkenntnisse oder Fortschritte dieser Wissenschaft informieren und auch artikulieren zu können, steht außer Frage. Doch mich dann als, und als erklärter Gegner der Gentechnik sehe ich mich ebenfalls als Mensch mit “ökofaschistischer Grundhaltung“, wie Ammann solche Wesen zu bezeichnen pflegt, auf eine diffamierende Art und Weise zu bezeichnen, bedeutet für mich wiederum, ihn als ein Armutszeugnis menschlichen Daseins zu sehen, welcher eigentlich seinen Platz in einer ignoranten Gesellschaft jener Zeiten bestens ausgefüllt hätte, welche den Faschismus als einzige Heilsbringung verkündeten und Millionen von Juden der Vernichtung preisgaben.

Dass “braun” und “grün” in heutiger Zeit schon oftmals unheilvolle Allianzen (siehe dazu auch meinen Artikel “Grünes Handeln - braunes Denken: Ökologisch ungesund am rechten Rand“) eingegangen sind, ist für diesen Artikel natürlich nicht von Relevanz. Aber mein grünes Denken und die damit verbundene Ablehnung gegen Gentechnik mit faschistischen Ideologien unter einen Hut bringen zu wollen, ist schon ein starkes Stück.        

13.8.2011

Dortmund: Fairer Handel im Übertagebau auf der Fair 2011

Abgelegt unter: Erdreich — Paul Boegle @ 15:24


Die FA!R2011: Deutschlands größte Messe für Fairen Handel öffnet ihre Pforten

Nachdem ich Ihnen gestern die Möglichkeit vorgestellt habe, sich aktiv bis zum 09. September an der Preisverleihung für die oder den größten Lobbyisten beiderlei Geschlechts zu beteiligen und diesen von LobbyControl initiierten Preis ohne Namen kurzerhand und eigenmächtig ”Lobby Dick” getauft habe, muss ich als durch und durch altruistischer Mensch natürlich Ihren restlichen Terminkalender ausfüllen. Dass ich dabei gleichzeitig meinen Blog mit neuen Inhalten füllen kann, lasse ich, Sie wissen schon, der Altruismus wird bei mir und gewissen Süßmais-Produzenten groß geschrieben, aus platzsparenden Gründen dabei außen vor. Aber weil der Ruhrpott nicht nur aus den Königsblauen aus Schalke und dem unversöhnlichen Reviernachbarn Borussia Dortmund besteht, machen wir heute trotzdem einen kleinen Ausflug in den nachhaltigen Übertagebau.

Fair2011 in der Westfalenhalle Dortmund: Messe zum und für Fairen Handel.Also, Sie haben, da die Nominierung nur bis zum 09.09.2011 möglich ist, am 10. September 2011 eigentlich keine Termine, wenn ich mich richtig entsinnen kann? Sie dürfen mich selbstverständlich berichtigen oder auch mit geeigneten Gegenvorschlägen kommen, sollte Ihnen das jetzt Kommende nicht zusagen. Fakt ist aber, dass am 08. September in der Westfalenhalle Dortmund, halt, halt, noch nicht auf das Logo klicken, erst weiterlesen, oder glauben Sie, ich schreibe hier einfach nur zum Spaß(!), Deutschlands größte Messe für Fairen Handel die Türen und die Tore öffnet und dies drei Tage lang auch offen hält. Am Eröffnungstag zwar nur für Fachbesucher, aber an den beiden Folgetagen haben auch EndverbraucherInnen die Möglichkeit, von 10:00 - 18:00 Uhr (09.09.2011) bzw. 10:00 - 17:00 Uhr (10.09.2011) die Vielfalt und hoffentlich auch bunte Welt des Fairen Handels und fairen Handelns kennenzulernen.

Dass Dortmund als zweifache “Hauptstadt des Fairen Handels“, einem bundesweiten Wettbewerb für mehr verantwortungsvolles Handeln und lokales Engagement auf Kommunalebene, in den Jahren 2003 und 2005 schon genügend Erfahrung in Sachen “fairbessern” mitbringt, macht die Sache sicherlich umso interessanter für Aussteller und MesserbesucherInnen. Dieses “fairbessern” ist übrigens keine Eigenkreation, sondern stammt aus dem Slogan der Bewerbung der Hansestadt Bremen als Hauptstadt des Fairen Handels 2011. (Einen lieben Gruß in den Norden unseres großen Nachbarn und ein Dankeschön für die Inspiration und viel Glück bei Eurer Bewerbung sendet Euch Paul Bögle aus Wien deshalb so nebenbei). Und auch so nebenbei vielleicht als kleiner Ansporn für deutsche Städte, Gemeinden und Kommunen: Die Fünf Fairsten Preisträger können sich über ein sattes Preisgeld von 100 000,- Euro freuen, was Fairen Handel eigentlich doch wirklich und im wahrsten Sinne des Wortes lohnenswert macht, was jetzt aber nicht verstanden werden soll, sich nur des Geldes wegen zu bewerben.

Dass der Faire Handel mittlerweile auf der Erfolgs- und vielerort schon auf der Überholspur ist, beweisen die vielen Messen, Veranstaltungen und Konzepte, welche ich immer wieder auf meinem Blog vorstelle. Egal, ob es sich dabei um Zukünftiges wie die ebenfalls im September laufende Faire Woche handelt oder um vergangene und wohl auch zukünftige Projekte wie die Ende Mai 2011 abgehaltene Goodgoods in Bremens nachbarlicher Hansestadt Hamburg, die weit hinter dem Weißwurstäquator, quasi dem Machtzentrum der Weißwürste, in München beendete und am 22./23. Oktober 2011 neuerlich stattfindende Öko-Messe für fair gehandelte Produkte und nachhaltiges Leben namens Fairena oder auch Wien, wo sich auf dem Heldenplatz Ende Juni (Der Regen war sicherlich eine Hemmschwelle für viele Interessierte) dieses Jahres mehr als 50 000 Menschen in und auf den neuen Zukunftswelten und Visionen zum Thema Nachhaltigkeit auf der greenExpo vergnügten.

So, jetzt habe ich eigentlich schon wieder mehr geschrieben als ich eigentlich wollte. Aber im Sinne und selbstverständlich zum Wohle Ihrer Freizeitgestaltung und PlanungAktion von TransFair: Weltrekordversuch im fairen Kaffee-Trinken auf. An einem Tag mindestens 500.000 Tassen Fairtrade-Kaffee. Mitmachen, denn: “Jede Tasse zählt!” fremder, also wiederum Ihrer, Terminkalender bedarf es doch einer gewissen Reichhaltigkeit zum Thema Nachhaltigkeit. Und jetzt dürfen Sie natürlich auf das oben eingefügte Logo der FA!R2011 klicken. Würde ich zwar auch gerne tun, aber im Moment schmerzen die Finger vom Schreiben. Also seien Sie zumindest für diesen einen Moment und vielleicht noch den einen oder anderen Augenblick jenen gegenüber fair, welchen Fairer Handel zugute kommen sollte. Auch wenn Sie zwischen dem 08. und 10. September 2011 andere Pläne haben oder einfach nur den ausgezeichneten Plan haben, am 30. September eine gute Tasse Kaffee zu trinken. Welchen und warum? Dazu klicken Sie am besten das nebenstehende Schaubild.

12.8.2011

Worst Lobbying Award: Der “Lobby Dick” für negativen Lobbyismus

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 15:10


LobbyControl verleiht den Negativpreis für fragwürdige Einflussnahme

Nachdem bis zum Jahr 2010 in Brüssel, die Stadt wäre in meinen Augen eigentlich weiterhin prädestiniert für die Verleihung eines solchen Hochkaräters, die Überreichung einer so wohltuend förderlichen und vor allem förderungswürdigen Preisverleihung in Form des sogenannten “Worst EU Lobbying Award” über die kontaktreiche, aber meist lichtscheue Bühne der europäischen Vernetzungsapparatur ging, findet 2011 die (Negativ)Preisverleihung zum ersten Male in Berlin statt. Nachdem ich erst vor kurzer Zeit lauthals und mit vollem vegetarischen Munde skandiert habe ”Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!” wird dies jenen Nominierten wahrscheinlich umso schwerer über die einflussreichen Lippen voller wohldurchdachter und bestens kalkulierter Lippenbekenntnisse ohne entsprechenden Wahrheitsgehalt kommen.

Doch wer im wirtschaftlichen Trüben mit entsprechenden politischen Treibnetzen fischt, sollte meiner Meinung auch entsprechend dafür belohnt werden. Und weil in diesem Falle meine eigene Meinung eigentlich diejenige von LobbyControl ist und ich deshalb nur als Wasserträger fungiere, um im Jargon der lobbyistischen Hochseefischerei auf den Kommandobrücken politisch-wirtschaftlicher Bodenlosigkeit zu bleiben, aber solche Preisverleihungen (natürlich auch Jahr für Jahr die milch-schnittige Übergabe des Goldenen Windbeutels) äußerst gerne sehe und dementsprechend auch weitertrage, betätige ich mich also jetzt als unheiliger Apostel gegen Machtungleichgewichte und Einflussnahme wider des guten Geschmacks.

Sollten Sie also, und wer hat das eigentlich in lobbyistischen Brüsseler und anderen Zeiten wie diesen nicht, noch geeignete Kandidatinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, der Öffentlichkeit, von mir aus auch dem Sport (man denke nur an die Ma-FIFA) für eine Empfehlung haben, welche sich durch besonders manipulative, irreführendes oder im Dunstkreis vor sich hin dunstendes Verhalten in den Jahren 2010 und 2011 hervorgetan haben und sich ergo für eine Nominierung für den Preis ohne Namen, auch hier können Sie noch intervenierend mit all Ihrer schöpferischen Kraft eingreifen, dann zögern Sie nicht länger und reichen Sie Ihren Vorschlag noch bis zum 09. September 2011 ein.

Selbstredend muss es sich bei den eingereichten Fällen um mit hinreichend nachprüfbaren Fakten belegte Vorkommnisse handeln, welche, um es den LobbyControlistInnen zu erleichtern, am besten durch entsprechende Dokumentation begleitet werden. Und ab November heißt es dann abstimmen und online voten. Die fünf heißesten eiskalten LobbyistInnen stehen dann zur Disposition, denn schließlich muss es auch einen absoluten Siegertypen geben, welcher dann in der ersten Dezemberwoche im Rahmen einer bisher noch nicht näher definierten Veranstaltung in Berlin zum Lobbyisten der Lobbyisten, im Sinne der Genderisierung freue ich natürlich genauso über weiblichen Lobbyismus, mit dem Lorbeerkranz oder gerne auch Pokal zum Ritter der Schwafelrunde ernannt wird. Dass dann der Slogan “Berlin ist immer eine Reise wert” sicherlich nicht für alle teilnehmenden Personen, sofern sie dann auch erscheinen, Gültigkeit besitzt, mag zwar bedauerlich, aber in meinen Augen auch nicht weiter dramatisch erscheinen.

Wenn Sie also mitmachen wollen und aussichtsreiche TitelanwärterInnen haben, schicken Sie Ihre Vorschläge an kontakt@lobbycontrol.de oder informieren Sie sich besser noch etwas ausführlicher über den Ablauf auf der Seite von LobbyControl. Ob mein eigener eingesandter Vorschlag für den Namen des bisher noch namenlosen Preises “Lobby Dick - Call me Lobbyist“, in Anlehnung an den ersten Satz von Melvilles “Moby Dick”, der da lautet “Call me Ishmael“, dann auch titelgebend sein wird, wage ich zwar zu bezweifeln, aber einen Versuch war es auf alle Fälle wert.

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