Bio-Sprit: Statt Tiger im Tank Krokodil im Getriebe



Alligatorenfett als Substitut für Bio-Treibstoff

Weil ich mich gestern so richtig an der Idee von Illac Diaz und seinen leuchtenden Plastikflaschen für die BewohnerInnen Manilas erfreut habe, setze ich dem Ganzen heute gleich noch eines drauf. Und wieder geht es um Recycling, aber dieses Mal im Dienste und zum Wohle der autofahrenden Menschheit.

Alligatorenfett als Ersatz für Soja und andere Energiepflanzen für Bio-Treibstoff. Wenn der ökologische Tiger im Tank durch die nicht verwertbaren Reste von Krokodilleder-Handtaschen und Alligatorensteaks ersetzt wird.Die Wissenschaft treibt mittlerweile schon die seltsamsten Blüten aus, wenn es um die Erforschung nachhaltiger Energieträger geht. Aber im US-amerikanischen Lafayette an der dort beheimateten University of Louisiana nehmen es die Forscher mit dem Begriff „fossile Energieträger“ jetzt ganz genau (Potential of Alligator Fat as Source of Lipids for Biodiesel Production). Dass ich die Gattung der Alligatoren aus der Familie der Krokodile aufgrund der Tatsache, dass sie unseren schönen Planeten bereits vor 30 bis 40 Millionen Jahren bevölkerten, dementsprechend zu den lebenden Fossilien zähle, die sich gegen die unbarmherzige Evolution behaupten konnten, soll deshalb für den ersten Teil der Bezeichnung „fossile Energieträger“ herhalten.

Dass aber jetzt diese wunderschönen Reptilien auch für unsere Autotanks herhalten sollen und das Krokodilfett als Komponente für den sowieso in der Kritik stehenden Bio-Sprit als Ersatz für Soja und andere Energiepflanzen dienen soll, grenzt schon an ein sehr makaberes Tötungsszenario der neuesten Generation (Gator in Your Tank: Alligator Fat as a New Source of Biodiesel Fuel oder auf deutsch: Aufgespießt: Krokodil-Diesel). Natürlich muss gesagt werden, dass die WissenschaftlerInnen der Universität von Louisiana keine lebenden Alligatoren für ihre Experimente der nächsten Tankfüllung hernahmen, sondern sich aus den nicht verwertbaren Abfällen der Alligatorenfarmen bedienten. Und bei rund 7000 Tonnen Alligatorenfett, welches jährlich auf dem Müll landet, können sie natürlich aus dem Vollen schöpfen. Denn was die Industrie nicht für die modebewusste Dame in Form von Handtaschen und den nimmersatten Herrn von Welt in anderer Form, nämlich als köstliches Steak, verwerten kann, wurde bisher eben stillschweigend auf dem großen Abfallhaufen der Menschheitsgeschichte und der stetig mahlenden Tötungsmaschinerie namens Profitgier entsorgt.

Aber weil der Mensch sich ja vom naturzuständlerischen Leviathan ohne Recht, Gesetz und Ordnung des Thomas Hobbes zu einem denkenden und vernünftigen Sozialwesen der Moderne entwickelt hat und dieses „ius naturale“ eben nur noch im Tierreich und damit einhergehend auch unter den Krokodilen und Alligatoren seine Gültigkeit hat, macht er eben aus einem guten Zustand die allerbeste Weltordnung im Sinne der Nachhaltigkeit. Und dazu gehört selbstverständlich auch Recycling. Also was tun mit jenem Reptilienfett, welches da so unbeachtet seinen Weg alles Irdischen geht und als dekadentes Gammelfleisch-Nebenprodukt der höchsten Gewinnstufe solch ein kärgliches Dasein fristet? Wiederverwerten!

Dies macht Sinn. Denn einerseits bekämpfen wir so den Welthunger, weil schließlich die immer rarer werdenden Anbauflächen wieder in den originären Zustand der Gewinnung von Nahrungsmitteln überführt werden und andererseits dient das viele schöne Alligatorenfett endlich einem tieferen Sinn. Denn wer sich nicht mit Alligatorensteaks anfreunden kann, hat endlich die Möglichkeit, ganz umweltbewußt zum nächsten Drive-In zu fahren und sich dort zu verköstigen. Und bezahlt wird ganz tierlieb mit dem Geldbörsel aus Krokodil-Imitat.

Die Idee mit dem neuen Bio-Treibstoff ist einfach phänomenal. Wir fahren am Wochende ans nahe Wasser, machen vielleicht noch ein schönes Picknick mit den Kindern und den frischen Krokodilsteaks im Gepäck, welche gleichzeitig (die Kinder selbstverständlich)  noch etwas über die grausamen Naturgesetze von Fressen und Gefressen werden lernen, laden uns  den Lebend-Treibstoff hinten auf die Ladefläche, fahren abends wieder heim und ziehen den Alligatoren das Fell oder besser das Leder über die Ohren und die Wertschöpfungskette nimmt ihren gewohnten Gang.

Auf die Idee, keine Handtaschen aus Krokodilleder zu kaufen und Dinge zu essen, welche früher einmal nicht gebissen haben, kommen wir natürlich nicht. Warum auch? Schließlich haben wir jetzt den Tiger im Tank und das Krokodil im Getriebe. Und die Welt? Ja, die Welt hungert so wie früher. Aber eben nicht mehr im Naturzustand, sondern recycelt und wiederverwertet.

Der künftige Hunger macht bereits jetzt schon den Menschen hungrig.“ Aber was kümmert uns schon so ein bisschen Zukunft.



Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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