Ein Liter Licht: Solarenergie und Abfallwirtschaft vereint



Beleuchtung zum Nulltarif für die Slum-BewohnerInnen von Manila

Da schreibe ich auf meinem Blog über Energiekrisen, berichte über potentielle und bereits realisierte Lösungsansätze aus derselben, philosophiere über Klimaschutz, wettere über fossile und atomare Technologien, stresse Sie mit solch unwichtigen Dingen wie kleinen Öllecks in großen Ölplattformen und glaube, wenn nicht alles, aber doch vieles über unser hoffentlich in Bälde nachhaltig beginnendes post-verschwenderisches Zeitalter der über uns schwebenden Energie-Apokalypse und Umweltzerstörungs-Zerreissprobe zu wissen. Und dann das! Dieses „das“ gibt es in Form eines Videos am Ende dieses Artikels. Doch wehe, sie beginnen jetzt zu scrollen!Ein Liter Licht in Manila. Die MyShelter Foundation von Illac Diaz. Wenn aus Plastikflaschen und Wasser Solarenergie zum Nulltarif produziert wird.

Ein Liter Licht zum Nulltarif. Ja, Sie lesen richtig. Nicht ein Liter Milch, kein Liter Wasser und schon gar nicht ein Liter Roundup, sondern ein Liter Licht. Für lau, gratis, umsonst und vor allem dank erneuerbarer und in diesem Falle ziemlich verschwenderischer Sonnenenergie auch noch ganz im Sinne der nachhaltigen Tüftlerin und des ökologischen Erfinders. Was in unseren industriellen Längen- und hochtechnologisierten Breitengraden vielleicht als zu simpel erscheint, besticht auf den Philippinen gerade durch dieses Prinzip der Einfachheit. Denn die finsteren Räume der Wellblechhütten der Slums von Manila werden durch einfaches Wasser zum Leuchten gebracht. Ordinäres Wasser, welches in alte und gebrauchte Plastikflaschen gefüllt wird und, durch die Beigabe von Bleichmittel, die Algenbildung verhindert. Die Funktionsweise ist ebenso einfach wie genial, ebenso billig wie effektiv.

Ein Loch wird in das Wellblech geschnitten, die Plastikflaschen mit der Mischung aus Wasser und Bleiche befüllt, der Verschluss gegen Regen abgedichtet, die Konstruktion in das Dach gehängt und den Rest erledigt die Sonne. Denn die Lichtbrechung durch das enthaltene Wasser sorgt dafür, dass sich das Sonnenlicht seinen Weg vom lichtdurchfluteten Draußen in das Dunkel der Hütten bahnt und eigentlich nicht anders funktioniert als unsere konventionellen Glühbirnen. Keine Batterien, keine Akkus, keine Stromkabel, keine aufwändige Technik sind nötig, um das von Illac Diaz initiierte Projekt umzusetzen.

Der Sozialunternehmer und Gründer der „MyShelter Foundation“ (Isang Litrong Liwanag) sieht aber noch weitere Vorteile für seine Schützlinge. Denn neben der Tatsache, dass die BewohnerInnen durch diese Erfindung Strom sparen und durch das gesparte Geld neben Reis endlich auch wieder Fisch (KEIN maritimes Bushmeat!!!) auf den Tellern der Filipinos landet, wie ein älterer Mann den wohl größten Vorteil der Energiesparlampe unterstrich, welche laut Diaz mit einer herkömmlichen 50 bis 60 Watt Birne den Vergleich nicht zu scheuen braucht, lassen sich noch weitere Vorteile durch verstärkten Einsatz für die heimischen Menschen finden. Denn nicht nur, dass die Gemeinde die Finanzierung der spektakulär unspektakulären Innenbeleuchtung vollständig übernimmt (bis auf die Plastikflasche), haben sich bereits Menschen wie der 47-jährige Dime Bukas auf den Zusammenbau der „solar bottle light bulbs“ spezialisiert. Mehrere Dutzend baut er pro Tag zusammen und für jede bekommt er 40 Pesos oder umgerechnet 65 Cent. Bei einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 17 200 Pesos nicht schlecht. (Ein Liter Licht, in Plastikflaschen abgefüllt)

Doch eigentlich ist einem anderen Mann als Illac Diaz das entscheidende Licht aufgegangen. Der Brasilianer Alfredo Moser war es 2002 leid, mit ständigen Stromausfällen in seiner Fabrikhalle kämpfen zu müssen. Und so hat er sich eben mit seinen Prototypen autark gemacht. Und so gab sich eine energiegeladenen Hand die andere. Die EntwicklerInnen des Massachusetts Institute of Technology wurde 2008 auf die Technik aufmerksam und baute sie dementsprechend aus. Und Illac Diaz wiederum machte seinen Doktor an jenem Institut. Nun ja, und den Rest von „Ein Liter Licht“ kennen Sie bereits.

Nein, nicht ganz. Denn das wirklich Erstaunliche und für westliche Profitgier Unbegreifliche an der ganzen Geschichte ist die Tatsache, dass die örtlichen Stromversorger das Projekt unterstützen. Doch für den MyShelter Stiftungsgründer ist dieses Paradoxon weniger unbegreiflich als vielmehr logisch. Verbrauchten die Filipinos früher tagsüber Strom für die konventionellen Lichtquellen, welchen sie jedoch nicht bezahlen konnten, so zapfen sie jetzt nur noch dann Strom, wenn die Sonne nachts ihre unschätzbaren Dienste für ein paar Stunden einstellt.

Aber Illac Diaz wäre nicht Sozialunternehmer, wenn er nicht auch dafür schon eine zukünftige Lösung parat hätte. Ab 2012 möchte er der Flaschenlampe ein Eigenleben einhauchen. Sozusagen einen solaren nachtaktiven Flaschengeist mit integriertem Akku und Leuchtdiode, welche durch eine Solarzelle das Sonnenlicht in elektrische Energie umwandelt und auch dann Licht spendet, wenn unser wertvollster Lichtspender auf der anderen Seite der Erdhalbkugel seinen Dienst antritt.

Aber dies ist wieder eine andere Geschichte. 

Ein Liter Licht. Kostenlose Solarenergie aus alten Plastikflaschen. Wie die Slum-BewohnerInnen von Manila ihre Wellblechhütten kostenlos beleuchten.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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