Zara: Schmutzige Wäsche und saubere Gewinne


Zwangsarbeit als Grundlage für zwangloses Einkaufen und fröhliches Shoppen

Clean Clothes Campaign: Kampagne für Saubere Kleidung. Mehr Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter, verbesserte Arbeitsbedingungen und gerechtere Entlohnung in der internationalen Bekleidungs- und Sportartikelindustrie.Ich wurde heute als sogenannter “Weltverbesserer” bezeichnet. Nun ja, im Grunde keine schlechte Bezeichnung, doch leider absolut falsch angesichts der Tatsache, dass, solange es Modeketten wie KiK oder Zara gibt, wir froh sein müssen, wenn sich die Welt nicht noch mehr zum Schlechten verändert, was aber wiederum eben bedeutet, dass ich maximal ein “Weltvergleichbleiber” bin und hoffen muss, dass die Modewelt ihre menschenverachtenden Fäden nicht noch weiter spinnt.

Doch eigentlich steht es mir nicht zu, ein Weltunternehmen wie Zara zu kritisieren. Das ehrenwerte Haus steht schließlich schon genug in der Schusslinie, obwohl doch wie immer alles mit rechten Dingen zugeht in dieser heilen Welt der Haute Coiture und natürlich auch Kleider von der Stange. Immerhin sorgt der Textilanbieter dafür, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, dass Familien ein gesichertes Einkommen haben und dadurch Essen, medizinische Versorgung, Schulmaterialien und natürlich auch Kleidung gekauft werden kann. Gut, diejenigen Menschen, welche etwa im brasilianischen Americana in der Nähe von São Paulo für die zur spanischen Inditex-Gruppe gehörende Zara-Kette “Fetzen”, wie in Österreich modische Kleidung salopp heißt, produzieren, kaufen selbstverständlich nicht selbst bei ihrem Ausbeuter ein. Ein gewisses Maß an Distanz zwischen Zwangsarbeitender und Zwangsanbieterin oder Sklave und Herr muss schon sein. Und wenn schon nicht die räumliche Distanz solch ein Shopping-Vergnügen verhindert, dann fällt spätestens mit der Preisauszeichnung für eine echte Zara-Jeans der textile Vorhang.

Denn so ein gutes Stück ist selbst im wohlstandsgeschwängerten Europa nicht gerade billig. Auch wenn Zara paradoxerweiseKampagne für saubere Kleidung. Gegen Unterdrückung, die Ausbeutung und den Mißbrauch der ArbeitnehmerInnen in dieser Industrie. seine textilen Beutestücke in Billiglohnländern wie Brasilien durch oftmals illegal im Land lebende Menschen aus Bolivien produzieren lässt, kostet so ein gutes Stück aus dem ehrenwerten Hause Zara dann doch um die 50,- Euro, wie ich mich auf der deutschen Website, übrigens sehr ansprechend gestaltet und mit entzückend hübschen Models frei von schmutziger Wäsche, informiert habe. Aber bei einem monatlichen Verdienst der in Zara-Diensten stehenden MusikerInnen, denn der “Preis macht halt die Musik“, wie es nicht nur in Kreisen der Modebranche so zynisch heißt, zwischen 156,- und 290,- amerikanischen Dollar (ja, stimmt schon, monatlich, nicht wöchentlich!) stehen seltsamerweie andere Bedürfnisse im Vordergrund als so ein modisches und äußerst kleidsames Beinkleid aus dem ehrenwerten Hause Zara. Wenn wir dann weiterhin wissen, dass eigentlich in Brasilien ein durchschnittliches Monatseinkommen von 344,- Dollar in die familiären Haushaltskassen wandert, wird die Sache mit der Jeans noch unerreichbarer. (The Guardian: Zara accused in Brazil sweatshop inquiry)

Und außerdem stehen zwischen der Illegalität aus Bolivien, Paraguay oder Peru und den ehrenwerten Zara-Brutstätten Produktionsstätten dann auch noch andere ehrenwerte Damen und meist Herren, welche unter dem Sammelbegriff “Coyotes” in freier Wildbahn laufen, aber in unseren Kreisen eher unter dem Pseudonym “Menschenschlepper” ihre wohlfeilen Dienste anbieten. Und um diese menschlichen Koyoten wieder loszuwerden, heißt es erst einmal drei bis vier Monate im ehrenwerten Zara-Haus schuften, um deren Spesen und Auslagen für den illegalen Grenzübertritt ins brasilianische Wirtschafts-Paradies zu finanzieren. Was aber angesichts der Tatsache, dass die zwangsarbeitende Belegschaft sowieso erst um Erlaubnis fragen muss, wenn sie nach einem 16-Stunden Arbeitstag zwischen sich und das Zara-Zwangsarbeiter-Paradies etwas Distanz bringen möchte. (Economics Newspaper: A Brazilian company is subcontracted by Zara used slave labor) 

Und weil die Entfernung zwischen Herrchen Amancio Ortega, welcher als einstiger Gründer und gegenwärtiger Mehrheitsaktionär sowie Vorstandsvorsitzender von IndustriasAmancio Ortega: Gründer und gegenwärtiger Mehrheitsaktionär sowie Vorstandsvorsitzender von Industrias de Diseño Textil Sociedad Anónima (Inditex) und von Zara. Reichster Mann Spaniens und laut Forbes im Ranking der reichsten Menschen 2011 der Welt auf dem 7. Platz. de Diseño Textil Sociedad Anónima (Inditex) und damit auch von Zara, natürlich noch größer ist als jene zwischen Sklavenbetrieb und Schlafgemach der für das ehrenwerte Haus Zara produzierenden Frauen, Männer und sogar Kinder und ich im ebenso fernen Österreich von der ganzen Ausbeute, den hygienischen katastrophalen Zuständen und nicht zuletzt von den Arbeitsbedingungen (Standard: Unvorstellbare Arbeitsbedingungen oder Augsburger Allgemeine: Ermittlungen gegen Zara: Verdacht auf Zwangsarbeit) überhaupt nichts weiß, was zumindest die einzige Gemeinsamkeit zwischen mir und den Zara-Nichtwissenden darstellt, lassen wir die ganze Geschichte doch auf sich beruhen.

Außerdem erleichtert es die ganze Sache sicherlich ungemein, dass der ehrenwerte Herr Amancio Ortega in Sachen Geld als reichster Mann Spaniens gilt und auch weltweit laut Forbes (siehe Klick auf nebenstehendes Schaubild) mit einem geschätzten Vermögen von 31 Milliarden Dollar im Ranking der reichsten Menschen dieses Planeten einen guten, wenngleich für ihn vielleicht nicht befriedigenden siebten Platz belegt. Wieviel Illegale man sich damit wohl ins Land holen könnte, welche dann weiterhin für das ehrenwerte Haus Zara und eigentlich auch andere ausbeutende Kaliber der Modeindustrie Geld in fremde oder eben in die ganz legalen Taschen scheffeln müssen, wage ich mir gar nicht auszurechnen. Aber es müssen eine ganz schön große Menge sein!

Dass ich mit meiner Schreiberei die (Mode)Welt und andere Teile dieses im Großen und Ganzen doch sehr schönen Planeten nicht verbessern kann, ist selbst mir klar. Aber dass ich einem ehrenwerten Haus wie Zara meine Referenz nicht erweisen werde und diesen Wunsch nach “Betreten (freiwillig) verboten!” auch meiner Familie, Freunden und Bekannten näherbringen werde und bereits getan habe, dürfte genauso selbstverständlich sein. Und möglicherweise kann ich auch Sie zu diesem Vorhaben ermuntern. Gemeinsam können wir vielleicht die Welt ein kleines bisschen verbessern.  

 

4 comments for “Zara: Schmutzige Wäsche und saubere Gewinne

  1. 21.8.2011 at 18:50

    Zara habe ich, wie schon H&M und ähnliche Ketten, seit Jahren nicht mehr betreten – und nach den obigen Infos werde ich das auch weiterhin so halten! :-)

  2. 21.8.2011 at 20:07

    Peter, bei Dir ist mir das sowieso klar. Ich habe aber, eben auf Informationssuche zu diesem Thema, im Internet einen Blog einer jungen Dame, lassen wir Verlinkung und Name aus dem Spiel, entdeckt, welcher in den höchsten Tönen die neuesten Schnäppchen und Käufe der wohl auch jungen Leserschaft der jungen Dame näherbrachte. Und sie war dabei ganz entzückt von irgendeinem “Zara-Fetzen”, wie es eben bei uns umgangssprachlich heißt, welchen sie natürlich gleich vorstellen musste. Natürlich konnte ich mich eines dementsprechenden kritischen Kommentares und einem Verweis auf die Problematik nicht enthalten. Nun, die Reaktion darauf bestand darin, dass der nächste Kommentar irgendeine braune wunderschöne Jacke von H&M zum Gegenstand hatte. Dass unsere konsumgeschädigte Gesellschaft solch Probleme nicht an sich heranlassen möchte, mag zwar angesichts des Marketing-Bombardements nachvollziehbar sein, doch es stimmt schon nachdenklich.
    Wenn ich andererseits an jene Zeit meines eigenen Jungseins zurückdenke, haben mich natürlich auch andere Dinge beschäftigt als unsichtbare und nicht greifbare Probleme einer Welt, welche sich außerhalb unseres Radarbereiches befindet. Vielleicht gehört auch dies zum ewigen Lernen und Dazulernen der Gattung Homo sapiens.
    So sende ich zum wiederholten Male liebe Grüße aus Wien in den tiefen Norden, wenn ich die Meereshöhe Wien – Kiel als Maßstab für die Begriffe “tief” oder “hoch” dieser Betrachtung zugrundelege.
    Paul

  3. 27.8.2011 at 12:59

    Tja, also diese Non-Reaktion von Konsum-zentrierten Menschen habe ich auch schon des öfteren beobachten müssen, auch im Bekanntenkreis, wo es dann Leute gibt, die (wie in klischeebeladenen Soaps) aus Frust shoppen gehen und nur auf Markenlabel achten und sich dabei keine Gedanken über die Folgen ihres Verhaltens machen wollen. Spricht man sie darauf an, erntet man nur Unverständnis oder das Ganze wird in einem knappen Satz der Art “Dann kann man ja bald gar nichts mehr kaufen!” abgetan.
    Übrigens findest Du solche Geschichten, wie Du sie da über die Zara/H&M-Bloggerin schreibst, auch gerne bei kleiderkreisel.de, wo man dann auch schon mal stolz ein 2€-Kleid von Kik vorstellt und schreibt, wie toll das doch trotz des Preises aussähe. Das ist als kritischer Mensch schwer zu ertragen…

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