Grüner Gockel statt roter Hahn: Öko-Pfarre Dechantskirchen
Kirchliche Umweltliebe statt unchristliche Nächstenliebe
Mit der Tatsache, dass ich der Kirche nicht viel Gutes abgewinnen kann, was aber auch für gewisse bohrenden Tätigkeiten in der Nordsee und anderen maritimen Lebensräumen dieses Planeten seine Gültigkeit hat, stehe ich mittlerweile hier wie dort sicherlich nicht mehr alleine da. Doch manchmal heißt es auch für mich über den eigenen atheistisch kontaminierten seelenlosen Schatten springen und den Herrn preisen. Dass in diesem speziellen Fall der Herr nicht ER ist, sondern ein irdischer Mann, weltlicher Seelenhirte und Pfarrer namens Wolfgang Fank, macht für meine angedachten Lobpreisungen die Sache natürlich wesentlich leichter, da es sich über säkularisierte Tatsachen einfacher schreiben und berichten lässt.
Nun gut, über die grüne Steiermark im leider nicht immer grünen Österreich, man denke nur an die blaue Donau, welche im nachbarlichen Kärnten zwar nicht fließt, aber doch dort ganz besonders braun-blaue Seitenarme ausgeprägt hat, ausgehend vom braun-blauen Donaudelta Wien, über diesen schönen Landesteil habe ich schon manches Wort verloren. Sollten sie einige dieser Silben selbst auf meinem Blog wiederfinden wollen, empfiehlt sich dazu etwa der Bericht über den steirischen und nicht minder weltlichen Wanderapostel in Sachen erneuerbare Energieformen Leo Riebenbauer. Aber heute eben darf ich der oststeirischen Kirchengemeinde Dechantskirchen meine Wertschätzung in der gleichen Sache erneuerbare Energie und dem damit verbundenen Klimaschutz erweisen.
Mit dem sogenannten EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) Award 2011 wurde die Pfarre jetzt ausgezeichnet. Dieser von der EU seit 1993 vergebene Preis für
besonderes Umweltmanagement in der Wirtschaft und Verwaltung wird an Organisationen vergeben, welche hinsichtlich Nachhaltigkeit anders denken und anders handeln.Und Pfarrer Fank denkt und handelt anders. Denn aus dem ursprünglichen Plan, das marode Kirchendach einfach nur zu renovieren, entwickelte sich dank der heimischen Jugend ein ganz besonderes Projekt. Eine Fotovoltaikanlage sollte her.
Doch weil das Denkmalamt anders dachte als der “grüne Pfarrer” und seine nicht minder grünen jungen Schäfchen, wurde die Solaranlage kurzerhand und ohne Einwände vor das alte Schulhaus plaziert und produziert dort den grünen Strom. Für die Kosten von 34 000,- Euro musste Fank dann allerdings Überzeugungsarbeit bei seinen 1600 EinwohnerInnen leisten. “Ich habe selbst bei meinen Predigten darauf hingewiesen“. (Und auf dem Kirchendach thront der Grüne Gockel). Doch in Dechantskirchen soll die Sonne nicht nur über den Gläubigen scheinen. 2012 soll es weitergehen. Eine Fotovoltaikanlage über dem Sandplatz des örtlichen Kindergartens wird aus der begonnenen Nachhaltigkeit eine nachhaltige Nachhaltigkeit machen. Und dann? Ja, dann wäre da noch der alte Fußballplatz. Eine Gemeinschaftssolaranlage mit Bürgerbeteiligung soll die erneuerbare Säkularisierung, zumindest in Stromdingen, weiterführen. Und diese pastorale Schöpfungsverantwortung wurde jetzt mit dem EMAS belohnt (EMAS-Award 2011 an Pfarre Dechantskirchen). Da sage sogar ich, dass manches Mal die Kirche ihrem seelsorgerischen Auftrag bestens nachkommt.
Abschließend allerdings noch eines. Die Erzdiözese Wien braucht sich trotz all dieser lobenden Worte nicht um meine “Mitgliedschaft” bemühen. Denn wenn Pfarrer Wolfgang Fank richtigerweise feststellte “Wir haben die Erde von unseren Kindern geliehen und müssen, wenn wir unseren Glauben ernst nehmen, verantwortungsvoll damit umgehen”, bedeutet dies für mich, dass hier ein Mensch mit Weitblick seinen “Job” als StaffelträgerIn ernst nimmt und jenen Nachlass namens Erde, welchen unsere Erben von uns übernehmen werden, schon zu Lebzeiten ökologisch sinnvoll geregelt hat und hoffentlich weiterhin nachhaltig regeln wird. Dass dies in irgendeiner Art und Weise mit Glaubensfragen zu tun hat, ist dementsprechend richtig. Doch es bleibt die Tatsache bestehen, dass der Imperativ “Gott ist tot!” für mich weiterhin seine Gültigkeit besitzt, wie schon Nietzsche so treffend resümierte. Dass wir, und in diesem Falle stellvertretend Pfarrer Wolfgang Fank, durch unser Tun und Handeln Mutter Erde dieses Schicksal ersparen sollten und auch können, impliziert deshalb auch keine überirdischen Fakten, sondern eine rein menschliche Ratio.



