Stresstest für Ölplattformen: Wen leckt schon ein Ölleck? 1



WWF fordert zukünftig Überprüfung von Ölbohrungen

Nachdem sich in letzter Zeit die Meldungen und die damit implizierten Forderungen über Stresstests für alles Mögliche häufen, haben Umweltschutzorganisationen, in diesem speziellen Fall der WWF in einer Vorreiterrolle, die schwimmenden maritimen Erdölausbeutungsstationen mit Hang zum Havarieren oder kurz und bündig Ölplattformen im Visier. Keine Frage, dass dies dringend notwendig wäre, um BP (über Deepwater Horizon erneut zu berichten hieße Eulen nach Athen tragen), Shell (That S Hell: Schwarze Jahrzehnte in Nigeria), dem JET-TankstellenbetreiberConoco-Philips (siehe Penglai 19-3: Ölkatastrophe wochenlang verschwiegen) und der mit ölverschmierten Fingern und geldgierigen Händen tief im Meeresboden wühlenden Lobby auf die rücksichtslos drehenden Bohrgestänge zu schauen. Doch aus diesem lauten Getöse wird, in Anlehnung an meine gestrige „Welt im stillen Tanz„, wohl ebenfalls ein dichter Deckmantel des zukünftigen Schweigens.

Stefan Lutter vom WWF zu den im Zusammenhang mit der in der Nordsee stationierten Shell-Plattform Gannet Alpha und den verschwiegenen Öllecks, hierzu gibt es mittlerweile ebenfass genügend Informationen, welche es wiederum überflüssig machen, Eulen nach Athen, ölverschmierte Basstölpel, Dreizehenmöwen oder andere bereits durch die neuerliche Ölpest tote Meeresbewohner in Auffangstationen zu tragen: „Das Unglück zeigt, wie allgegenwärtig die Risiken der Ölförderung sind. Daher müssen auch bei der Vorsorge alle rechtlichen Register gezogen werden. Ein Stresstest für Ölförderanlagen in der Nordsee ist legitimiert und nötig.“ (WWF fordert Stresstest für Ölförderung in der Nordsee)

Ich habe vor nicht allzu langer Zeit eben ähnliche Worte über die lauthals und vehement geforderten Stresstest über Atomkraftwerke verbreitet. Nein, habe ich nicht. Denn eigentlich war ich nur der anti-atomare Wasserträger und nicht-nukleare Hermes dieser Überzeugungen und sonoren politischen Lippenbekenntnisse nach Fukushima. Ich hatte diesen Artikel mit dem Untertitel „Gödöllö: Das Märchenschloss und die europäischen Märchenerzähler ins Netz gestellt. Warum, können Sie bei Bedaf selbst nachlesen.

Und jetzt fordert der WWF, was ich jedoch im Gegensatz zu anderen Dingen um den Pandabären, was Sie aber ebenfalls auf meinem Blog nachlesen können, ganz und gar unterstütze. Doch leider werden die Öllecks auch weiterhin ungebremst, unkontrolliert, ungemeldet und für kurze oder lange Zeit von der Öffentlichkeit unbemerkt in die Weltmeere fließen, aus undichten Rohren sickern und Fauna und Flora mit einem erstickenden Ölfilm überziehen. Stefan Lutter abschließend zu seiner Forerung nach der Einführung von Stresstests für Ölplattformen: „Es liegt an den Regierungen der Anrainerstaaten dies umzusetzen.

Richtig! Genau daran liegt es. Und jene Regierungen, welche milliardenschwere Beträge durch die erdölfördernde und -verarbeitende Industrie erhalten, werden einen Teufel daran tun, diese kontraproduktiven Interessen von UmweltschützerInnen umzusetzen. Nur wenn das Erdöl aus dem Meeresboden in die bereitgestellten Öltanker an der Oberfläche fließt und von dort in den sicheren Bilanzhafen von BP, Agip, Shell, Exxon, Esso, Royal Dutch und wen auch immer ich hier vergessen habe oder wer auch immer bei den genannten Firmen auch untereinander verbandelt ist, können die Staaten ihre Hände aufhalten und ebenfalls am großen Geldfluß teilhaben.

Es gab nach der Havarie der Deepwater Horizon bis Mitte des Jahres 2010 immer wieder die lautstarke Forderung nach einem sogenannten Moratorium für Tiefseebohrungen. Deutschlands Umweltminister Röttgen forderte die Nordsee-Anrainerstaaten auf, sich an den gemeinsamen Tisch zu setzen, um aus den 700 Millionen Litern ausgeflossenen Erdöls im Golf von Mexico (WDR: Der Aral-Check) zu lernen und über Sicherheitsvorkehrungen zu verhandeln. Und am 17. September 2010 hieß es dann kurz und bündig von deutscher Seite, dass „ein entsprechender Antrag des Umweltministeriums für die nächste Woche beginnende Ministerkonferenz zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks (OSPAR) auf Druck des FDP-geführten Wirtschaftsministeriums praktisch wirkungslos gemacht“ wurde, wie es KlimaWANDEL.de ebenso kurz und bündig zusammenfasst.

Ganz ehrlich! Würden Sie als verantwortliche Ministerpräsidentin oder regierender Staatschef auf Milliarden von Euros in Zeiten wie diesen verzichten? Griechenland am Sand, Portugal am Boden, Spanien hängt in der Luft, Irland mehr leichenblass als grün und die USA fast zahlungsunfähig. Und da kommen ein paar dahergelaufene UmweltschützerInnen daher und fordern, diese Öl- und damit verbundenen Geldreserven zu stoppen. Da ist es doch viel gescheiter, in den Medien lautstark zu proklamieren, was es alles zu tun gäbe und den damit einhergehenden Konjunktiv dann stillschweigend auf dem politischen Nähr- und Meeresboden der gesellschaftlichen Tiefsee zu versenken. Von Fukushima spricht schließlich auch kein Mensch mehr, oder? Hätten Sie gewusst, dass diese Katastrophe am 11. März 2011 über die Weltbühne ging? Na also!


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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