Grüne (Un)Vernunft: Nationalsozialistische Vergleiche



Paul Boegle und seine ökofaschistische Grundhaltung gegen Genjuden

Inspiriert zu diesem Beitrag hat mich Carola Mohr durch ihren sehr lesenswerten Artikel „Gentechnik – Seilschaften im Visier. InnoPlanta-Forum 2011: Preise für Gentechnik-Lobbyisten„. Bin ich also ein gefährlicher oder zu bezugnehmend auf meinen gestern veröffentlichten Artikel ein gefairlicher Ökofaschist? Traurig, aber wahr, zumindest wenn ein kleiner grüner fremd-geouteter und eigenbestimmter Faschist wie ich solche Worte aus solch berufenem Munde wie jenem des Schweizer Prof. Dr. Klaus Amman vernehmen muss, welcher ja als thesenanschlagender Luther der Neuzeit (Grüne Vernunft vs. Greenpeace: Prof. Klaus Ammann auf den Spuren des Martin Luther) durch deutsche und wohl auch andere Lande lustwandelnd seine Spuren der grünen irdischen Vernunft und eines damit einhergehenden gentechnischen Himmelfahrtskommandos hinterlässt.

Die „Nutzung der Grünen Gentechnik ist ethisch geboten“ lautete der Titel einer vom Forum Grüne Vernunft abgehaltenen Pressekonferenz, welche sich dank des bereits erwähnten Herrn Ammann und seines Kollegen Prof. em. Dr. Dr. Dr. Ingo Potrykus, welcher auch den höchst zweifelhaften Titel „Vater des Goldenen Reises“ trägt (dazu sehr interessant Gen-ethisches Netzwerk: Das Internationale Reisjahr, Überschrift „Goldener Reis“ im Verlauf des Textes) zu einer Abrechnung mit gentechnischen KritikerInnen gestaltete und eben unter anderem solch wunderschöne Allgemeinplätze und verbale Abrechnungen wie Leute mit „ökofaschistischer Grundhaltung“ vom Rednerpult katapultierte. Als „Genjuden“ sehe sich Professor Ammann. Verfolgt von jenen Agrogentechnik-GegnerInnen, mit denen vernünftiges Reden nicht möglich sei und die einzig und allein ihm und Gleichgesinnten das Leben schwer machen, weil sie vollkommen fachunspezifisch und kenntnislos ihre ideologischen Positionen vertreten. (Gentechnik-Seilschaften und ihre Durchhalteversuche oder auch ngo-online: Terrorismusphrasen und Nazivergleiche Gentechnik – Seilschaften | Monsanto). Zu Monsanto gibt es übrigens auch wieder Neuigkeiten, wobei es zum amerikanischen Gentechnikkonzern eigentlich immer irgendwelche unangenehmen Dinge zu berichten gibt. In diesem Falle aber zum bevorstehenden Launch eines dreifach genmanipulierten Süßmaises, welcher ab Herbst seinen Siegeszug (Süßmais: Der 3-fach genmanipulierte Monsanto-Rittberger: Ein neuer süßer Gruß von Monsanto) in die Verkaufsregale amerikanischer Supermarktketten antreten soll. Monsanto macht also Schluß mit lustig und geht nun den Weg der direkten gentechnischen Belieferung der KonsumentInnen anstatt wie bisher über den Umweg von gentechnisch veränderter Futtermittel für Tiere, welche dann auf Umwegen auf unseren Tellern landeten.

Weiterhin ist es umso befremdlicher, dass der emeritierte Professor im Juli 2006, damals noch als Direktor des Botanischen Gartens an der Universität Bern, anlässlich einer Ringvorlesung zum Thema „Armut“ sagte: „Ich bin weder Befürworter der Gentechnologie noch ein Gegner der Bioproduktion. … Der Grabenkrieg fruchte nichts.“ (ETH Life: Alte Gräben neu ausgehoben). Und als Konklusion daraus stand für ihn damals fest, dass sich die Fronten auflösen würden. Dass dem nicht so ist, beweist Ammann eigentlich nur fünf Jahre später. Ob dies möglicherweise mit dem Ruhestand des Mannes zu tun hat, vermag ich weder zu sagen und schon gar nicht zu behaupten. Aber scheinbar hat er sich entschlossen, nun selbst Hand anzulegen und die bereits ausgeworfenen Gräben zwischen den beiden Parteien noch tiefer auszuheben. 

Abschließend möchte ich deshalb eines anmerken. Ich bin ein, zumindest wenn ich Herrn Ammann als Vergleich, sicherlich nicht als Maßstab, heranziehe, als ein im Jahre 1968 geborener Mann gegenüber dem „1940er“ Ammann junger Mensch. Ich habe glücklicherweise weder den Zweiten Krieg noch die daran anschließende Aufbauphase mit all den Begleiterscheinungen Hunger, Kälte, Armut oder Heimkehr aus Kriegsgefangenschaft am eigenen Leib erfahren müssen. Ich kenne das Dritte Reich, die furchtbare  Vernichtungsmaschinerie des Dritten Reiches und die unvorstellbaren Grausamkeiten gegenüber Juden, politischen Gegnern des Nationalsozialismus, Andersdenkenden und all jenen Menschen, welche dieser wohl schwärzesten Zeit menschlichen Daseins zum opfer fielen, nur aus literarischen Werken, Bilddokumenten, Fernsehberichten oder den Erzählungen meines bereits verstorbenen Großvaters und anderen ebenfalls nicht mehr unter uns lebenden Menschen.

Wenn sich Prof. Ammann bemüßigt fühlt, seiner Liebe und den Vorzügen der Gentechnik freien Lauf zu lassen, ist dies eine und seine Sache. Wenn er aber im Zuge dieser diskussionswürdigen und mehr als nur kritisch zu hinterfragenden Thematik Worte wie „Genjude“ nicht nur in den Mund nimmt, sondern sich selbst sogar als solchen aufgrund der Kritik an seiner Person als solchen bezeichnet, muss die Frage erlaubt sein, ob hier überhaupt die Voraussetzungen vorliegen, sich bezüglich der konträren ideologischen Standpunkte an einen gemeinsamen Tisch zu setzen. Dass ich nicht das notwendige Fachwissen habe, um mich wirklich überzeugend über sämtlichen gentechnischen Forschungen, Erkenntnisse oder Fortschritte dieser Wissenschaft informieren und auch artikulieren zu können, steht außer Frage. Doch mich dann als, und als erklärter Gegner der Gentechnik sehe ich mich ebenfalls als Mensch mit „ökofaschistischer Grundhaltung„, wie Ammann solche Wesen zu bezeichnen pflegt, auf eine diffamierende Art und Weise zu bezeichnen, bedeutet für mich wiederum, ihn als ein Armutszeugnis menschlichen Daseins zu sehen, welcher eigentlich seinen Platz in einer ignoranten Gesellschaft jener Zeiten bestens ausgefüllt hätte, welche den Faschismus als einzige Heilsbringung verkündeten und Millionen von Juden der Vernichtung preisgaben.

Dass „braun“ und „grün“ in heutiger Zeit schon oftmals unheilvolle Allianzen (siehe dazu auch meinen Artikel „Grünes Handeln – braunes Denken: Ökologisch ungesund am rechten Rand„) eingegangen sind, ist für diesen Artikel natürlich nicht von Relevanz. Aber mein grünes Denken und die damit verbundene Ablehnung gegen Gentechnik mit faschistischen Ideologien unter einen Hut bringen zu wollen, ist schon ein starkes Stück.        


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Kommentar erstellen