Ökogas und konventionelles Erdgas: Wo liegt der Unterschied? 2



Grünes Erdgas ist eigentlich gar nicht so „öko“

Die ganze Welt redet täglich über Ökostrom. Und natürlich bleibt es nicht beim Reden, sondern auch beim gutgläubigen Verbrauchen. Denn wer seinen prall gefüllten Fleischtopf oder als vegetarischer Erdenbürger beiderlei Geschlechts die pflanzliche Kost zum Glühen bringen möchte, benötigt dazu nicht unbedingt das Element Feuer in seiner originären Version, aber zumindest adäquate Brennmittel in Form von Strom oder auch Gas.

Wo liegt der Unterschied zwischen konventionellem Erdgas und sogenanntem Ökogas?Und so ist es auch in unseren modernen Ausläufern der Steinzeit mit Echowirkung kein Wunder, dass Öko in Sachen nachhaltiger Strom in ist. Schließlich hat sich der Markt und mit ihm der daherkommende und gemeinhin als moderner Mensch mit aufrechtem Gang bezeichnete Marktführer des Planeten Erde sinnigerweise auf mehr oder weniger (un)sinnige Gütesiegel (dazu mein Artikel Tchibo: Heisses Kaffeewasser dank Ökostrom?) verständigt, welche mittlerweile für die VerbraucherInnen zwar nicht immer leicht und verständlich sind, aber doch mehr und mehr transparente Informationen die Unterschiede zum konventionellen Strom fossiler Energieträger und Nuklearstrom deutlich machen. Dass dabei immer noch mit Verschleierungstaktiken besonders durch den für mich unbegreiflichen Handel mit RECS-Zertifikaten „Schmutziger Strom“ durch einfachste Tricks in Ökostrom umetikettiert werden darf, ist allerdings eine ganz andere Sache (siehe dazu z.B. den schon etwas älteren, aber trotzdem sehr guten Artikel Telepolis: Die Ökostrom-Lüge oder Strommagazin: Ökostrom Zertifikate und Gütesiegel: Was ist wirklich öko?strom Zertifikate und Gütesiegel: Was ist wirklich). Aber dies soll eben heute nicht Gegenstand des Artikels sein.

Nachdem sich ja nun die Anzeichen verdichten, dass sich die Europäische Gemeinschaft weiterhin in die Abhängigkeit von Erdgas auf geradezu opernhafte Weise (Nabucco: Babylonische Gefangenschaft asiatischer Gaslieferungen), sozusagen eine gasförmige Oper durch halb Europa, begeben will, stellt sich die Frage: „Gibt es nachhaltig produziertes Erdgas in Form von sogenanntem Ökogas mit ähnlichen Standards, wie sie für das Pendant Ökostrom gelten?“ Die Antwort darauf: „Ja, die gibt es. Zumindest auf dem Papier.

Dass die Buchstaben, Kennzahlen, Daten und Fakten, mit welchen diese Papiere bedruckt wurden, jedoch kaum grüne Farbe bekennen und mehr verblassend als erleuchtend zur Orientierung dienen, wurde mir nach Durchsicht einiger Quellen bald klar. Wirklich verpflichtende Standards für Erdgas bzw. die Auszeichnung als Ökogas gibt es bis zum heutigen Zeitpunkt keine. Es gibt weder Qualitätsrichtlinien noch verpflichtende Zertifizierungen, weder ausgearbeitete Dokumentationen noch transparente Gütesiegel, welche nur annähernd dem unbedarften Menschen wie ich es bin, auf befriedigende und anschauliche Weise die signifikanten Unterschiede zwischen Erd- und Ökogas näherbringen.

Sicherlich existieren unzählige Rechenmodelle und Vereinbarungen. Es finden sich wunderschöne Ökogas-Tarife und zur Schau gestellte Emissionszertifikate der Gasversorger und Anbieter, doch letztendlich bleibt für mich nur die Erkenntis, dass ich wenig begriffen habe. Das Kyoto-Protokoll hat zwar zwei brauchbare Standards (zumindest für ExpertInnen) namens Clean Development Mechanism (CDM) und Joint Implementation-Projekte (JI) als Entscheidungshilfe zu Tage gefördert, welche die Kompensation klimaschädlicher Auswirkungen von Erdgas (Förderung, Transport, Verarbeitung) weg von nationaler Ebene und mehr auf globale Sicht hin ausgerichtet hat, doch letztendlich laufen diese Bemühungen wieder auf jenes Problem hinaus, welches bereits bei sogenanntem Ökostrom in der Sackgasse endet. Die Anbieter von Ökogas-Tarifen verpflichten sich um Wiedergutmachung dieser Schäden, doch in vielen Fällen bedeutet dies einen finanziellen Ausgleich. Sprich, auch hier wird auf praktikable Weise mit Emissionszertifikaten hantiert, welche in meinen Augen ein einfaches Kompensationsgeschäft darstellen und weder umweltschützende Maßnahmen darstellen noch nachhaltiges Verhalten zugrunde legen. Dazu auch: Ökogas: Keine aussagekräftigen Gütesiegel, aber immerhin etablierte Standards.

Im deutschsprachigen Raum haben sich mittlerweile zwei oder sogar drei, wenn man den vom WWF mit entworfenen Gold Standard dazuzählt, einigermaßen etabliert. Der TÜV Nord bezeichnet seine beiden Zertifizierungen mit „Klimaneutrale Gasverbrennung“ oder „Klimaneutrales Gasprodukt„, der TÜV Süd spricht dagegen vom „Verified Emission Reduction“ (Standard VER/VER+), was einer freiwillig geprüften Emissionsreduktion, welche durch unabhängige GutachterInnen durchgeführt wird, gleichkommt. Aber wenn Sie sich näher mit diesen verschiedenen Standards, richtlinien und Qualitätsmerkmalen auseinandersetzen möchte, darf ich Ihnen als Einstieghilfe in Sachen Ökogas die entsprechende titelgebende Seite Ökogas – Qualitätsmerkmale und internationale Standards mitgeben. 

Ich habe nun mit wahrscheinlich ebenso vielen und für den Laien schwer verständlichen Begriffen aus dem Ökogas-Dschungel jongliert, dass ich Ihnen als Resümee eines mit auf den Weg geben kann: „Ich kenne mich immer noch nicht aus. Der Unterschied zwischen konventionellem Erdgas und grün angehauchtem Ökogas bleibt für mich marginal. Dass hierbei dringender Handlungsbedarf herrscht, lasse ich jetzt einmal im luftleeren und gasgeschwängerten Raum schweben.“  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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2 Gedanken zu “Ökogas und konventionelles Erdgas: Wo liegt der Unterschied?

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Naja, Peter, auch da bin ich ein etwas streitbarer Geist. Die Idee von Greenpeace ist insofern richtig und gut, durch Windanlagen in einem chemischen Prozess (als Laie bin ich bezüglich der genauen Aufspaltungsprozesse Wasser -> Wasserstoff -> Methan natürlich auch nicht gerade der hellste Kopf) grüne Energie herzustellen. Aber da dieses Verfahren zum einen noch nicht verfügbar ist (Greenpeace spricht von ersten Einspeisungen im Herbst 2011) und zum zweiten die daraus gewonnene Energie sukzessive in das bestehende Erdgasnetz gespeist werden soll, was aber auch wiederum ein auf dem Papier bestehender Plan für 2012 und später ist, bleibt bis auf weiteres immer noch die Tatsache, dass es sich um eine Durchmischung handelt. Zumindest, wenn ich die Studie von Fraunhofer (http://www.greenpeace-energy.de/fileadmin/docs/sonstiges/Greenpeace_Energy_Gutachten_Windgas_Fraunhofer_Sterner.pdf) richtig verstanden habe. Natürlich stellt das Konzept ein Startsignal für die gesamte Energiewirtschaft dar, aber für eine Komplettversorgung reicht es leider noch nicht. Inwieweit der erste Schritt (bis zu 5% reiner Wasserstoff) dann durch die weitere Methanisierung (Wasserstoff in Erdgas CH4 umwandeln) technisch realisiert werden kann, werden uns die nächsten zwei Jahre zeigen. Bis dahin bleibt Windgas für mich leider auch nur ein Substitut, wenngleich ein sinnvolles. Aber ob es nicht bessere Möglichkeiten gibt, kinetische Energie durch ständige Umwandlung vor großen Verlusten zu schützen, darf schon hinterfragt werden. Norwegen hat da, irgendwo habe ich das mal gelesen, durch sein Projekt NorGer schon Fortschritte gemacht, wobei die wiederum aufgrund irgendwelcher rechtlicher Probleme mit der Bundesrepublik Deutschland auch in der Schusslinie stehen.
    Bis es also zu einer wirklich ökologisch und ökonomisch mach- und auch vertretbaren Umsetzung kommt, wird sicherlich noch sehr viel konventionelles Erdgas die VerbraucherInnen erreichen.
    Liebe Grüße aus Wien von Paul.