Fukushima? Da war doch was?



Vergeben und vergessen: Der 11. März 2011 in Japan

Vielleicht erinnern Sie sich noch vage an jenen 11. März des Jahres 2011 Anno Domini? Natürlich, ich weiß, es ist lange her. Und wer möchte sich schließlich auch jedes Detail, jedes Ereignis, jede Begebenheit merken, welches sich auf einem sich rasend schnell drehenden Planeten namens Erde innerhalb eines einzigen mittleren siderischen Tages, welcher 23 Stunden 56 Minuten und exakt 4,10 Sekunden lang ist, abspielt. Sozusagen also eine Erdumdrehung oder eben ein ganzer Tag mit 24 Stunden, nur etwas genauer. Aber, um auf jenes winzige Detail, klitzekleine Ereignis und diese unbedeutende Begebenheit zurückzukommen und vielleicht einen hilfreichen Hinweis zu geben, welche sich an besagtem Tag auf der Glücksinsel, zumindest steht das japanische „Fukushima“ für dieses deutsche Wort, zugetragen hat, es hat etwas mit einer atomaren Katastrophe zu tun. Macht nichts, man muss sich nicht alles merken. Vergeben und vergessen!

Fukushima 11. März 2011. Eine Nuklearkatastrophe gerät in Vergessenheit. Vergeben und vergessen!Sie können sich wieder erinnern? Richtig, seither essen Sie kein Sushi mehr. Ist aber nur eine Folgeerscheinung. Denn Fukushima steht für eigentlich für eine Nuklearkatastrophe, welche sich doch tatsächlich dort ereignet hat. Schon lange her, muss ich zugeben. Wenn ich bedenke, dass seither die Frauen-Fussball WM mit dem Weltmeister Japan über die Bühne ging, dass die Tour der France auch schon wieder die Blutbeutel und sonstigen leistungssteigernden Präparate eingepackt hat, dass die Klitschko-Brüder oder zumindest einer davon seither im Ring standen, dass Karl Lagerfeld wahrscheinlich schon wieder irgendwelche neuen Kreationen wandelnden Skeletten umgehängt hat und diese damit behängt über irgendwelche Bulimiestege geschickt hat, dass der Juli in Österreich nicht mehr seit dem Jahr 2000 so verregnet war, dass das Fernsehen auch nur ständige Wiederholungen spielt, welche wir lauthals am Arbeitsplatz diskutieren, dass Ute Lemper (wer immer das auch ist) mit 48 Lenzen neuem Mutterglück entgegensieht, dass Jürgen Klinsmann (den kenne sogar ich) Nationaltrainer der geldentfremdeten und komatös in den gemeinsamen Ruin strebenden Vereinigten Staaten wird und dass soviele andere wichtige Dinge passierten in jenen ich weiss nicht wieviel mittleren siderischen Tagen seit jenem ominösen 11. März 2011, kann solch eine Randerscheinung schon untergehen in den Irrungen, Wirrungen und überhaupt wirren Zeiten. Vergeben und vergessen!

Die Gemüter haben sich wieder beruhigt, die erste Aufregung hat sich gelegt, das weltweite Entsetzen hat sich in wohlige Schauer aufgelöst. Die Fernsehbilder bleiben im Osten, die Bevölkerung dort, wo sie hingehört, nämlich symbolisch unter einer dicken Schicht Beschwichtigung und herzlicher Anteilnahme begraben. Wir machen uns frohen Mutes auf, den steinigen Weg Anti-Atom hinein in eine strahlende Zukunft ohne strahlende Zukunft gemeinsam und Hand in Hand zu beschreiten. Mit dem Geigerzähler im Rucksack, den Strahlenanzug lässig über die Schulter gehängt, die Jod-Tabletten vorsichtshalber griffbereit in der Hand blicken wir nach vorne. Hinter uns die Sintflut, welche mit ihrer Brandung gegen die Ruinen von Fukushima schlägt und noch weiter hinter uns Tschernobyl, welches mit einem schmucken Betonmantel bis zum Jahre 2015 in des Kaisers neue Kleider gesteckt wird und jetzt schon durch eine vollkommen neue Art von Tourismus der radioaktive Kassenschlager schlechthin wird. Die atomare Katastrophe als Marktlücke (Katastrophen-Tourismus in der verbotenen Zone von Tschernobyl). Vergeben und Vergessen!

Die Radioaktivität verströmenden Lecks im AKW-Komplex von Daiichi sind notdürftig gestopft, die Millionen Liter radioaktives Wasser mit Strahlenwerten von 1000 Millisievert pro Stunde, normal wäre eine Strahlenbelastung von ein bis zehn Millisievert pro Jahr, fließen lautlos ins Meer vor der japanischen Küste, die restlichen 99 Millionen Liter kontaminiertes Kühlwasser in den Betonbunkern der atomaren Havarien (Fukushima hat „Zeitbombe“ im Keller!) schwappen leise glucksend vor sich hin und warten endlich darauf, sich ebenfalls ihren Weg in die Freiheit der Meere zu erobern. Cäsium in japanischem Rindfleisch, Raps und Weizen. Strontium, welches Leukämie und Knochenmarksschädigungen auslösen kann, im Grundwasser nahe der beiden Reaktoren 1 und 2 nachgewiesen („Knochenkiller“ Strontium im Grundwasser von Fukushima„). Vergeben und vergessen!

Warum schreibe ich überhaupt diesen Artikel? Einen anderer Artikel mit der Überschrift „Das grüne Gedächtnis der Stromkunden ist kurz hat mich nachdenklich gemacht. Die Politik hat das Thema Fukushima für ihre Zwecke ausgeschlachtet, die Grabenkämpfe sind genauso zugeschüttet worden wie die Ängste vor dem drohenden Super-GAU, welcher jetzt als „eh nur halb so schlimm“ maskiert wird und inmitten von Wirtschaftkatastrophen, drohenden Staatsbankrott-Erklärungen und Hungersnöten als eine von vielen Schicksalsschlägen in den Geschichtsbüchern vermerkt und ad acta gelegt wird.

Aber ich hoffe, Sie vergeben mir und vergessen dies ganz schnell wieder. Jetzt habe ich nämlich gerade gelesen, dass die Blütezeit von David Beckham vorbei sein soll. Oh Gott, was soll aus dieser Welt nur werden? 


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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