Bio Natur - Der Weblog

31.8.2011

Hubertus Buchstein: Braune Ökologien

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 21:27


Umweltpolitik in Diktaturen und Demokratien: Sinn und Unsinn von Öko-Diktaturen

Braune Ökolgie: Wenn Öko-Diktatur zum Heilsversprechen rechtsextrimistischer Parteien verkommt. Die populistischen Versprechen von NPD, FPÖ und anderen, welche gegen alles sind.Zum leider immer noch wenig behandelten Thema meiner Überschrift gibt es einen wirklich lesenswerten Artikel von Prof. Dr. Hubertus Buchstein, welcher an der Universität Greifswalde Politikwissenschaften lehrt. Dieser Vorabdruck (aus der Bandreihe “Braune Ökologien”, ab Ende September in der “Reihe Demokratie” erhältlich)  mit dem Titel “Umweltpolitik in Diktaturen und Demokratien: Neue Befunde zur Kontroverse“, welcher auf der “Heinrich-Böll-Stiftung: Die grüne politische Stiftung” nachzulesen ist und auch als PDF-Download zur Verfügung steht, geht Hubertus Buchstein jener Frage nach, welche Beweggründe und welche Motivationen rechte Parteien wie die NPD dazu bringt, sich dem Thema Umweltschutz anzunehmen.

Da ich mich selbst bereits dem Thema “Ökologisch ungesund am rechten Rand” genähert habe, dem neuzeitlichen Begriff einer ökologischen Allzweckwaffe namens “Öko-Diktatur” einen kurzen Artikel gewidmet habe und erst unlängst verwundert feststellen musste, dass sich mittlerweile auch Menschen wie Prof Ammann, welcher sich scheinbar auf einem persönlichen Kreuzzug gegen die GegnerInnen von Gentechnologie befindet und dabei auch nationalsozialistische Phrasen nicht scheut (”Grüne (Un)Vernunft: Nazionalsozialistische Vergleiche), glaubte ich doch vieles bereits zu wissen.

Doch das Exzerpt von Buchstein macht jetzt schon Lust auf Kommendes in Form des Ende September erscheinenden Buches. Gerade die Tatsache, dass sich der doch sehr nebulöse Begriff einer “Öko-Diktatur” bereits mit Aufflammen der ersten amerikanischen Umweltbewegungen in den Köpfen der Menschen festgesetzt hatte, durch die aufkommenden Probleme der Bevölkerungsexplosion und den damit geringer werdenden Nahrungsmittelressourcen (chinesische Ein-Kind-Politik als Ausprägung einer Öko-Diktatur) abgelöst wurde und in den 70-ern in der Bekämpfung der Ölkrise als autoritäres Steuerelement seinen ersten wirklichen Höhepunkt fand, macht es lohnenswert, sich den Artikel zur Gänze durchzulesen.

Wenn wir heute den Terminus verwenden, denken wir oftmals in erster Linie an jene Restriktionen, welche uns durch politische Systeme, welche sich jedoch in den meisten Fällen auf demokratischem Boden bewegen, vorgegeben werden. Fassen wir den Begriff umso enger, können wir jede noch so kleine Maßnahme zur Regulierung unserer schwindenden Ressourcen und Bekämpfung des Klimawandels als eine Art Öko-Diktatur auslegen. Die Diskussion der Limitierung des Wasserdurchflusses von Duschköpfen, welche im Moment in den Medien steht, die Abschaffung der 60-Watt Glühbirnen, die Begrenzung des Schadstoffaustosses von Autos, wir leben tagtäglich mit irgendeiner Form von Öko-Diktatur, ohne uns jedoch bewusst zu sein, dass es sich dabei um eine Weiterentwicklung dieser Form staatlicher Lenkung und Einmischung handelt.

Doch was in vernunftbegabten Köpfen nicht auf Widerstand stößt, versuchen sich eben auch jene politischen Extreme wie die deutsche NPD oder die österreichische FPÖ zunutze zu machen. Aus der Überzeugung der mittlerweile modern gewordenen WutbürgerInnen, dass die heutigen politischen Systeme an ihrer Unfähigkeit des Lösens von relevanten Problemen scheitern, versuchen diese meist in der Opposition sitzenden ideologischen Fragwürdigkeiten durch eine “Hau-drauf-Politik” Nutzen zu ziehen. Doch was anfänglich mit brachialen Methoden geschah, entwickelt sich immer mehr zu einem Spiel mit sehr subtilen Methoden.

Was aber dabei verborgen bleibt, ist die Tatsache, dass das Äußern dieser Enttäuschung und die öffentliche Zurschaustellung des Unmuts über das ganzheitliche Versagen der Politik hinsichtlich Klimaschutz oder Welthunger eben nur in demokratischen Systemen publiziert, gesagt oder in Zeiten des Web 2.0. geposted werden kann. Die Crux an der Geschichte besteht darin, dass gerade ein Land wie China, welches oftmals als leuchtendes Beispiel für ein Funktionieren solcher Maßnahmen und Gegensteuern der Weltprobleme herangezogen wird, hinsichtlich demokratischer Prinzipien sicherlich nicht zu jenen staaten gehört, welche freie Meinungsäußerung ohne weiteres zulassen. Wir möchten einerseits selbst als mündige BürgerInnen Stellung beziehen, ohne im Hintergrund etwaige Sanktionen befürchten zu müssen, schreien aber andererseits nach einer autoritären Instanz, welche anstelle der demokratischen Grundhaltung als Problemlöser fungieren soll.

Buchstein kommt zu dem Ergebnis, dass es nicht sehr plausibel erscheint, einer autoritären Machthaberschaft die Lösung in die Hand zugeben, da solch ein politisches Konstrukt, wie er anhand der Geschichte anführt, wohl genauso versagen wird wie es die demokratisch gewählten VolksvertreterInnen an den Tag legen. Möglich wäre dies unter Umständen, wenn ein sogenannter “wohlmeindender Diktator” die Geschicke in die Hand nehmen würde. Von einer “wohlmeinenden Diktatorin” nimmt Buchstein Abstand, weil diese Vorstellung einer weiblichen Regentschaft aus anders gelagerten Ängsten der Rechten wohl kaum mit dem immer noch vorherrschenden Ideologie und den Vorstellungen des Patriarchats schlecht in Einklang zu bringen sein dürfte. Doch ein Diktator, welcher nur aus rein altruistischen Beweggründen handelt und die gemeinschaftlichen Interessen seiner UntertanInnen im Blick hat? Die Geschichte hat uns anderes gelehrt und zeigt uns aufgrund der tiefgreifenden Umwälzungen in Nordafrika, dass dies auf Dauer wohl kaum zu verwirklichen sein dürfte.

Was bliebe schlussendlich als Alternative, welche diese beiden Intentionen unter einem Dach zielgerichteten Handelns zusammenführt. Welche Option hat die Gesellschaft also, um einerseits die akuten Probleme zu lösen, welche immer drängender werden und andererseits dieses unter die lenkende Hand einer Demokratie zu stellen, welche die lauter werdenden Rufe nach einem allmächtigen Öko-Diktator wieder verstummen lassen? Vielleicht stehen wir am Anfang zu einer von Prof. Buchstein als “asketische Demokratie”bezeichneten neuen Form politischen, gesellschaftlichen und auch wirtschaftlichen Miteinanders. Wie diese Umsetzung zu erfolgen hat, wird sicherlich von der politischen Lernfähigeit nicht nur der mit politischen Ämtern Betrauten abhängen, sondern sich auch zu einer staatsbürgerlichen Pflicht wandeln. Dass hierbei noch viele Fragen offen bleiben und weitere unzählige Fragen bei dringend benötigten Reformen aufgeworfen werden, befriedigt zwar nicht.

Dass aber der Forderung nach einer Öko-Diktatur nicht nachgegeben werden kann und niemals werden darf, sollte uns bewußt sein. Dass die eigene Meinungsfreiheit eines der höchsten Güter darstellt, wird wohl nur jenen klar, welche dieses Recht nicht besitzen. Dass Parteien wie die NPD oder die FPÖ diese Rechte, unter dem Deckmantel einer heilsversprechenden Lösung für all unsere Probleme, der BürgerInnen beschneiden, sollten wir niemals vergessen.

Wenn allerdings der Soziologe Ulrich Beck zu dem Ergebnis kommt: “Atomenergie ist hierarchisch, Sonnenenergie ist demokratisch.” (FAZ: Will er jetzt den Sonnengott spielen?), wirft dies meines Erachtens die Frage auf, ob solch ein Statement nicht ebenfalls kontraproduktiv ist. Dies würde den Schluss zulassen, dass Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland und andere Demokratien in starren autoritären Hierarchien verankert sind, was im Falle der Atom-Lobby allerdings seine Berechtigung hat. Aber genau dies lässt eine vehement geforderte Öko-Diktatur wiederum in den Blickpunkt der Rechtsextremen rücken, welche ja mit solch demagogischen Ausagen selbst ihre Propaganda verbreiten und damit fadenscheinig argumentieren, solch ein bestehendes System zum Wohle aller abzuschaffen. Doch nur mit den Ängsten der Menschen zu spielen und lautstark den populistischen Grundsatz “Wir sind grundsätzlich gegen alles!” , ohne adäquate Lösungen anzubieten, in die Öffentlichkeit zu brüllen, macht aus diesen Parteien genau das, wofür sie konzipiert wurden. Gegen alles sein. Und besonders gegen die Menschen und ihre Bedürfnisse. Gegen demokratische Grundsätze und gegen das Recht des Einzelnen, sich mit legalen Mitteln gegen die herrschenden Zustände zur Wehr zu setzen. Dafür braucht es keiner Öko-Diktatur. 

30.8.2011

Qualität, Sicherheit, Transparenz: Konsumpf und Wiesenhof

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 16:00

Ein arbeitender Blogger macht es kurz

Da ich heute absolut keine Zeit zum Bloggen habe, sieht frau und man(n) einmal von diesen wenigen Zeilen ab, mache ich es mir ganz einfach und verlinke auf einen (nicht minder langen) Artikel von Peter Marwitz mit dem Titel “Fernsehtipp: Wiesenhof: Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und Umwelt ausbeutet“. Und was hat das Ganze nun mit Qualität, Sicherheit und Transparenz zu tun? Einfache Antwort: Bei Peter und seinem Blog “Konsumpf” überzeuge ich mich durch (fast) tagtägliches Lesen, welches mir oftmals selbst Ideen, Material und Inspiration für eigene Blogartikel gibt, von der Glaubwürdigkeit dieser drei Attribute. Bei Wiesenhof? Warten wir ab, drehen wir am 31.08. um 21:45 Uhr (ARD) die Glotze auf und lassen uns überraschen. Schließlich haben uns auch schon Panda-Bären manch (un)schöne Überraschung gebracht.

Und bis ich selbst wieder neue Artikel produziere, könnten Sie mit den letzten Berichten “Das Öl-Zeitalter: Denken und Handeln der Menschheit” oder mit den “Krokodilen im Getriebe” vorlieb nehmen. Hat zwar nichts mit Hühnerställen zu tun, aber so ein kleines Schweinestall der Menschheit ist schließlich auch nicht zu verachten.

“Fair User” (siehe Kommentar unten) hat mich im Sinne objektiver Berichterstattung auf ein Youtube-Video aufmerksam gemacht, welche die “andere” Seite, also die betroffene Firma Wiesenhof zu Wort kommen lässt. Und das verpflichtet mich natürlich, auch auf dieses Video in Form der Verlinkung zu diesem Video mit dem Titel “ARD-exclusiv: Faire Recherche?” unter http://www.youtube.com/watch?v=UfM2r9xU514&feature=youtu.be hinzuweisen. Ich bin deshalb umso gespannter, was uns die Dokumentation bringen bzw. zeigen wird und freue mich jetzt schon auf eine lebhafte Diskussion auf meinem Blog.

Unter folgendem Link findet sich mein sehr ausführlicher Bericht zur Reportage “ARD-exclusiv: Das System Wiesenhof. Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet“.  

29.8.2011

Das Öl-Zeitalter: Denken und Handeln der Menschheit

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 17:10


Was mit Rockefeller begann und mit dem letzten Öl-Barrel einmal endet

Wer sich schon immer dafür interessiert hat, möglichst schnell an möglichst große Reichtümer zu kommen, braucht für die Umsetzung dieses Planes eigentlich nicht besonders viel Können vorweisen. Sie brauchen dafür eigentlich nur den notwendigen Biss, ordentliche Krallen und eine dicke Portion Skrupellosigkeit (Bio-Sprit: Alligatorenfett soll unsere Motoren der Zukunft antreiben), was sich aber erfahrungsgemäß von selbst einstellt, sobald sie die ersten beiden Eigenschaften erlangt haben. Und weil Paul Boegle aus tiefstem Herzen all jenen Menschen mit solch monetären Ambitionen wohlgesonnen ist und Hilfestellung bei der erfolgreichen VerfolgungDas Öl-Zeitalter. 1. Teil: Die Welt wird geteilt. 2.Teil: Zeit für Manipulationen. Wie das Erdöl das Denken und Handeln der Menschheit bestimmt. dieser Bestrebungen leisten möchte, dem eigenen Ziel von Geld, Geld und weil Geld natürlich nicht alles auf dieser Welt ist, auch dem Geld, Geld und Geld näherzukommen, habe ich mich entschlossen, den geheimsten Geheimplan aller Geheimpläne hier und heute preiszugeben.

Also, Frau und Herr Rockefeller in spe aufgepasst! Als erste Maßnahme benötigen Sie unbedingt den Film “Das-Öl-Zeitalter”. Das ist sozusagen von elementarer Bedeutung, denn ohne diese Dokumentation bringen Sie es zu nichts. Der Zweiteiler lief zwar am 27.08.2011 auf Phoenix und ich muss mich deshalb bei all jenen Ölprinzessinnen und Schmierfinken entschuldigen, welche diesen Tage möglicherweise auf der hauseigenen Ölplattform, ob im Golf von Mexico, in China oder auch nur in den rauhen Nordsee, verbrachten und deshalb nicht zur Fernbedienung greifen konnten oder vielleicht auch mit der Erdöl-Zapfanlage irgendwelche Probleme hatten. Selbstverständlich ist es auch durchaus denkbar, dass das gelieferte Bohrgestänge verbogen war und deshalb der geldgeile Blick statt auf den Fernseher auf den Daumen gerichtet war, welcher vor lauter hektischem Geradeklopfen des Stangenwaldes schelmisch immer wieder dem Hammer im Wege stand und keinesfalls auf Feindberührung aus war. Stellen Sie sich als Rockefellerin und Rockefeller der ölverschmierten Zukunftvor, Sie treffen das zum Zählen der Geldscheine notwendige fünfte Rad am Wagen oder in diesem Falle den fünften Finger an der Hand? Nicht auszudenken! Da hilft dann auch nicht die schönste Bilanz, wenn es heißt: “Der Hammer war schneller zu Däumling Rockefeller!

Aber ich sehe, ich muss höllisch aufpassen, dass ich nicht auf dieser schmierigen Straße der Ölsardinen (Ein Bestseller der Sonderklasse, sozusagen ein Buch mit Bestseller Petroleum-Format) ausrutsche, denn ich komme schon wieder vom Ölteppich ab und verliere mich in den von Ölbindemitteln gereinigten Gefilden der industriellen Revolution und was danach auch immer kam und noch kommen möge. Wo auch immer diese im Moment ihr Unwesen treiben, die Erdöl-Revoluzzer meine ich in diesem Falle, vermag ich dabei nicht vorherzusagen, da sie meist solange von den ihnen nahestehenden Erdöl-Fördergesellschaften verschwiegen werden, bis das Verschweigen nahtlos in ein “Eh nichts passiert. Alles halb so schlimm!” übergeht.

Wissen Sie was! Ich mache es jetzt wieder einmal kurz. Sie brauchen für das, was Sie vorhaben, also Geld, Geld und ein kleines bisschen Geld, zuerst den schon angesprochenen Film “Das Öl-Zeitalter” und der Rest ergibt sich wie von selbst. Heuern Sie einfach nach eingehendem Studium beim CIA an, bewerben Sie sich bei General Motors und vergessen Sie nicht, in Saudi-Arabien oder ähnlichen Staaten Ihre Aufwartung zu machen. Naja, als US-Präsident vom Format eines Herrn Bush haben Sie es natürlich noch leichter, wobei Sie nach meinem Dafürhalten auch andere höchste Regierungsämter in anderen Staaten ins Auge fassen können. Aber ich würde vorschlagen, Sie beginnen erst einmal mit Schritt eins.

Fazit: Die Doku ist absolut sehenswert und zeigt auf sehr erschreckende Art und Weise, wie das Erdöl das Denken und Handeln der Menschen in den letzten mehr als einhundert Jahren bestimmt hat. Angefangen von besagtem Herrn Rockefeller, hin zur wohl größten Kartellbildung und skrupellosesten Aufteilung des Planeten Erde im Zeichen des schwarzen Goldes über die Verstrickungen der amerikanischen Wirtschaft mit Hitler-Deutschland bis in das Jahr 1943 (also zwei Jahre, nachdem die USA bereits in den Krieg gegen die Nazis eingetreten waren) über den Irak-Krieg gegen Saddam Hussein, die besondere Stellung von Sausi-Arabien und anderer erdöl-fördernder Staaten in den Überlegungen der Wirtschaftsmächte. Der Film geht ohne Weltverschwörungstheorien, sondern nüchtern und sachlich jener Frage nach, weshalb sich die Menschheit auf Gedeih und Verderb in die Geiselhaft Erdöl begeben hat. Sehenswert!

Ich gebe nun bewußt keine Verlinkung für die Doku mit, da ich weder auf Phoenix noch auf Arte, wo der Film bereits 2010 lief, gefunden habe. Aber wer “Das Öl-Zeitalter” suchet, der findet. Oder sollte ich in diesem Fall besser “der wird fündig” schreiben?

27.8.2011

Bio-Sprit: Statt Tiger im Tank Krokodil im Getriebe

Abgelegt unter: Erneuerbare Energie — Paul Boegle @ 18:27


Alligatorenfett als Substitut für Bio-Treibstoff

Weil ich mich gestern so richtig an der Idee von Illac Diaz und seinen leuchtenden Plastikflaschen für die BewohnerInnen Manilas erfreut habe, setze ich dem Ganzen heute gleich noch eines drauf. Und wieder geht es um Recycling, aber dieses Mal im Dienste und zum Wohle der autofahrenden Menschheit.

Alligatorenfett als Ersatz für Soja und andere Energiepflanzen für Bio-Treibstoff. Wenn der ökologische Tiger im Tank durch die nicht verwertbaren Reste von Krokodilleder-Handtaschen und Alligatorensteaks ersetzt wird.Die Wissenschaft treibt mittlerweile schon die seltsamsten Blüten aus, wenn es um die Erforschung nachhaltiger Energieträger geht. Aber im US-amerikanischen Lafayette an der dort beheimateten University of Louisiana nehmen es die Forscher mit dem Begriff “fossile Energieträger” jetzt ganz genau (Potential of Alligator Fat as Source of Lipids for Biodiesel Production). Dass ich die Gattung der Alligatoren aus der Familie der Krokodile aufgrund der Tatsache, dass sie unseren schönen Planeten bereits vor 30 bis 40 Millionen Jahren bevölkerten, dementsprechend zu den lebenden Fossilien zähle, die sich gegen die unbarmherzige Evolution behaupten konnten, soll deshalb für den ersten Teil der Bezeichnung “fossile Energieträger” herhalten.

Dass aber jetzt diese wunderschönen Reptilien auch für unsere Autotanks herhalten sollen und das Krokodilfett als Komponente für den sowieso in der Kritik stehenden Bio-Sprit als Ersatz für Soja und andere Energiepflanzen dienen soll, grenzt schon an ein sehr makaberes Tötungsszenario der neuesten Generation (Gator in Your Tank: Alligator Fat as a New Source of Biodiesel Fuel oder auf deutsch: Aufgespießt: Krokodil-Diesel). Natürlich muss gesagt werden, dass die WissenschaftlerInnen der Universität von Louisiana keine lebenden Alligatoren für ihre Experimente der nächsten Tankfüllung hernahmen, sondern sich aus den nicht verwertbaren Abfällen der Alligatorenfarmen bedienten. Und bei rund 7000 Tonnen Alligatorenfett, welches jährlich auf dem Müll landet, können sie natürlich aus dem Vollen schöpfen. Denn was die Industrie nicht für die modebewusste Dame in Form von Handtaschen und den nimmersatten Herrn von Welt in anderer Form, nämlich als köstliches Steak, verwerten kann, wurde bisher eben stillschweigend auf dem großen Abfallhaufen der Menschheitsgeschichte und der stetig mahlenden Tötungsmaschinerie namens Profitgier entsorgt.

Aber weil der Mensch sich ja vom naturzuständlerischen Leviathan ohne Recht, Gesetz und Ordnung des Thomas Hobbes zu einem denkenden und vernünftigen Sozialwesen der Moderne entwickelt hat und dieses “ius naturale” eben nur noch im Tierreich und damit einhergehend auch unter den Krokodilen und Alligatoren seine Gültigkeit hat, macht er eben aus einem guten Zustand die allerbeste Weltordnung im Sinne der Nachhaltigkeit. Und dazu gehört selbstverständlich auch Recycling. Also was tun mit jenem Reptilienfett, welches da so unbeachtet seinen Weg alles Irdischen geht und als dekadentes Gammelfleisch-Nebenprodukt der höchsten Gewinnstufe solch ein kärgliches Dasein fristet? Wiederverwerten!

Dies macht Sinn. Denn einerseits bekämpfen wir so den Welthunger, weil schließlich die immer rarer werdenden Anbauflächen wieder in den originären Zustand der Gewinnung von Nahrungsmitteln überführt werden und andererseits dient das viele schöne Alligatorenfett endlich einem tieferen Sinn. Denn wer sich nicht mit Alligatorensteaks anfreunden kann, hat endlich die Möglichkeit, ganz umweltbewußt zum nächsten Drive-In zu fahren und sich dort zu verköstigen. Und bezahlt wird ganz tierlieb mit dem Geldbörsel aus Krokodil-Imitat.

Die Idee mit dem neuen Bio-Treibstoff ist einfach phänomenal. Wir fahren am Wochende ans nahe Wasser, machen vielleicht noch ein schönes Picknick mit den Kindern und den frischen Krokodilsteaks im Gepäck, welche gleichzeitig (die Kinder selbstverständlich)  noch etwas über die grausamen Naturgesetze von Fressen und Gefressen werden lernen, laden uns  den Lebend-Treibstoff hinten auf die Ladefläche, fahren abends wieder heim und ziehen den Alligatoren das Fell oder besser das Leder über die Ohren und die Wertschöpfungskette nimmt ihren gewohnten Gang.

Auf die Idee, keine Handtaschen aus Krokodilleder zu kaufen und Dinge zu essen, welche früher einmal nicht gebissen haben, kommen wir natürlich nicht. Warum auch? Schließlich haben wir jetzt den Tiger im Tank und das Krokodil im Getriebe. Und die Welt? Ja, die Welt hungert so wie früher. Aber eben nicht mehr im Naturzustand, sondern recycelt und wiederverwertet.

Der künftige Hunger macht bereits jetzt schon den Menschen hungrig.” Aber was kümmert uns schon so ein bisschen Zukunft.


26.8.2011

Ein Liter Licht: Solarenergie und Abfallwirtschaft vereint

Abgelegt unter: Erneuerbare Energie — Paul Boegle @ 15:31


Beleuchtung zum Nulltarif für die Slum-BewohnerInnen von Manila

Da schreibe ich auf meinem Blog über Energiekrisen, berichte über potentielle und bereits realisierte Lösungsansätze aus derselben, philosophiere über Klimaschutz, wettere über fossile und atomare Technologien, stresse Sie mit solch unwichtigen Dingen wie kleinen Öllecks in großen Ölplattformen und glaube, wenn nicht alles, aber doch vieles über unser hoffentlich in Bälde nachhaltig beginnendes post-verschwenderisches Zeitalter der über uns schwebenden Energie-Apokalypse und Umweltzerstörungs-Zerreissprobe zu wissen. Und dann das! Dieses “das” gibt es in Form eines Videos am Ende dieses Artikels. Doch wehe, sie beginnen jetzt zu scrollen!Ein Liter Licht in Manila. Die MyShelter Foundation von Illac Diaz. Wenn aus Plastikflaschen und Wasser Solarenergie zum Nulltarif produziert wird.

Ein Liter Licht zum Nulltarif. Ja, Sie lesen richtig. Nicht ein Liter Milch, kein Liter Wasser und schon gar nicht ein Liter Roundup, sondern ein Liter Licht. Für lau, gratis, umsonst und vor allem dank erneuerbarer und in diesem Falle ziemlich verschwenderischer Sonnenenergie auch noch ganz im Sinne der nachhaltigen Tüftlerin und des ökologischen Erfinders. Was in unseren industriellen Längen- und hochtechnologisierten Breitengraden vielleicht als zu simpel erscheint, besticht auf den Philippinen gerade durch dieses Prinzip der Einfachheit. Denn die finsteren Räume der Wellblechhütten der Slums von Manila werden durch einfaches Wasser zum Leuchten gebracht. Ordinäres Wasser, welches in alte und gebrauchte Plastikflaschen gefüllt wird und, durch die Beigabe von Bleichmittel, die Algenbildung verhindert. Die Funktionsweise ist ebenso einfach wie genial, ebenso billig wie effektiv.

Ein Loch wird in das Wellblech geschnitten, die Plastikflaschen mit der Mischung aus Wasser und Bleiche befüllt, der Verschluss gegen Regen abgedichtet, die Konstruktion in das Dach gehängt und den Rest erledigt die Sonne. Denn die Lichtbrechung durch das enthaltene Wasser sorgt dafür, dass sich das Sonnenlicht seinen Weg vom lichtdurchfluteten Draußen in das Dunkel der Hütten bahnt und eigentlich nicht anders funktioniert als unsere konventionellen Glühbirnen. Keine Batterien, keine Akkus, keine Stromkabel, keine aufwändige Technik sind nötig, um das von Illac Diaz initiierte Projekt umzusetzen.

Der Sozialunternehmer und Gründer der “MyShelter Foundation” (Isang Litrong Liwanag) sieht aber noch weitere Vorteile für seine Schützlinge. Denn neben der Tatsache, dass die BewohnerInnen durch diese Erfindung Strom sparen und durch das gesparte Geld neben Reis endlich auch wieder Fisch (KEIN maritimes Bushmeat!!!) auf den Tellern der Filipinos landet, wie ein älterer Mann den wohl größten Vorteil der Energiesparlampe unterstrich, welche laut Diaz mit einer herkömmlichen 50 bis 60 Watt Birne den Vergleich nicht zu scheuen braucht, lassen sich noch weitere Vorteile durch verstärkten Einsatz für die heimischen Menschen finden. Denn nicht nur, dass die Gemeinde die Finanzierung der spektakulär unspektakulären Innenbeleuchtung vollständig übernimmt (bis auf die Plastikflasche), haben sich bereits Menschen wie der 47-jährige Dime Bukas auf den Zusammenbau der “solar bottle light bulbs” spezialisiert. Mehrere Dutzend baut er pro Tag zusammen und für jede bekommt er 40 Pesos oder umgerechnet 65 Cent. Bei einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 17 200 Pesos nicht schlecht. (Ein Liter Licht, in Plastikflaschen abgefüllt)

Doch eigentlich ist einem anderen Mann als Illac Diaz das entscheidende Licht aufgegangen. Der Brasilianer Alfredo Moser war es 2002 leid, mit ständigen Stromausfällen in seiner Fabrikhalle kämpfen zu müssen. Und so hat er sich eben mit seinen Prototypen autark gemacht. Und so gab sich eine energiegeladenen Hand die andere. Die EntwicklerInnen des Massachusetts Institute of Technology wurde 2008 auf die Technik aufmerksam und baute sie dementsprechend aus. Und Illac Diaz wiederum machte seinen Doktor an jenem Institut. Nun ja, und den Rest von “Ein Liter Licht” kennen Sie bereits.

Nein, nicht ganz. Denn das wirklich Erstaunliche und für westliche Profitgier Unbegreifliche an der ganzen Geschichte ist die Tatsache, dass die örtlichen Stromversorger das Projekt unterstützen. Doch für den MyShelter Stiftungsgründer ist dieses Paradoxon weniger unbegreiflich als vielmehr logisch. Verbrauchten die Filipinos früher tagsüber Strom für die konventionellen Lichtquellen, welchen sie jedoch nicht bezahlen konnten, so zapfen sie jetzt nur noch dann Strom, wenn die Sonne nachts ihre unschätzbaren Dienste für ein paar Stunden einstellt.

Aber Illac Diaz wäre nicht Sozialunternehmer, wenn er nicht auch dafür schon eine zukünftige Lösung parat hätte. Ab 2012 möchte er der Flaschenlampe ein Eigenleben einhauchen. Sozusagen einen solaren nachtaktiven Flaschengeist mit integriertem Akku und Leuchtdiode, welche durch eine Solarzelle das Sonnenlicht in elektrische Energie umwandelt und auch dann Licht spendet, wenn unser wertvollster Lichtspender auf der anderen Seite der Erdhalbkugel seinen Dienst antritt.

Aber dies ist wieder eine andere Geschichte. 

Ein Liter Licht. Kostenlose Solarenergie aus alten Plastikflaschen. Wie die Slum-BewohnerInnen von Manila ihre Wellblechhütten kostenlos beleuchten.

25.8.2011

Mehr wissen! Mehr tun!: Tu’s einfach am “Tu’s Day”

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 15:45


Nachhaltigkeit kann jeder. Nicht nur am 20. September

Zugegeben, ich selbst komme am 20. September dieses Jahres ganz schön in Schwierigkeiten. Und mehr noch: Ich bringe auch Sie in ordentliche Kalamitäten. Nicht imÄrzte ohne Grenzen. Medecins sans frontieres. Als erste in Krisengebieten und die Letzten, welche die hilfreichen Türen wieder verschließen. ursprünglichen Sinne, denn der Dreißigjährige Krieg ist glücklicherweise seit Jahrhunderten in den Annalen der Geschichte untergegangen und zumindest dieses große Unglück oder eben diese Kalamität hat sich in Wohlgefallen aufgelöst, wenngleich die gegenwärtigen Kriege dieser Welt Millionen von KalamitosInnen, also jene Menschen, welche durch eine Kalamität ins Unglück und Verderben gestürzt werden, auf ihrer grenzenlosen Flucht über Grenzen hinweg tagtäglich hungernd, durstig und krankmachend begleiten. Von Kalamitäten in der Forstwirtschaft und dem natürlichen Feind des Baumes, dem Borkenkäfer, möchte ich jetzt gar nicht reden, wobei ich ja gestern schon über andere künstlich eingefärbte Waldbewohner geschrieben habe.

Keine Angst, denn dieser Artikel soll auch kein Spendenaufruf für “Ärzte ohne Grenzen” sein, wobei Sie sich durchaus einen Ruck geben dürfen und einmal ganz unverbindlich und unverfänglich dort vorbeischauen dürfen. Rein symblolisch gesprochen, mehr metaphorisch geschrieben. Aber genug der Kalamitäten in einer Welt voller Absurditäten und zahlloser anderer “-itäten“.

Mehr wissen! Mehr tun! Der “Tu’s Day” am Tuesday oder Dienstag, den 20. September 2011. Aktionstag für mehr Nachhaltigkeit in unserem Leben.Am 20. September, was zufälligerweise ein Dienstag oder im englischen Sprachgebrauch ein “Tuesday” ist, was Sie aber nach dem respektvollen Lesen meines Artikels “Tag des Respekts: Mehr Toleranz, weniger Respektlosogkeit” sowieso schon wissen, findet der sogenannte “Tu’s Day” statt. Sie werden insgeheim denken: Was soll ich denn noch in mein Smartphone gedankenunterstützend schreiben oder, wenn Sie es so machen wie ich, ganz profan in meinem Terminkalender handschriftlich notieren. Keine Frage, eine gute und nicht von der schreibenden Hand zu weisende Frage. Aber weil sich Nachhaltigkeit leider nur durch nachhaltige Berichterstattung und dementsprechend noch nachhaltigere Aktionen und tatkräftige Gedankenunterstützung auf Dauer in unser aller Leben manifestierend einbrennen lässt, habe ich oder eigentlich in diesem Falle die Initiative “Mehr wissen! Mehr tun!” den “Tu’s Day” am Tuesday oder, weil es eine deutschsprachige Mitmachaktion ist, am so ordinären umgangssparachlichen Dienstag jenes 20. Septembers 2011 ausgerufen.

Und weil Ausrufen auch ein gewisses Aufrufen und das wiederum ein noch gewissenhafteres MitmachenMehr wissen! Mehr tun! Die Initiative „Mehr wissen! Mehr tun!“ möchte über Nachhaltigkeit informieren, zum nachhaltigen Nachdenken anregen und deine Lust auf nachhaltiges Tun und Handeln wecken. und Teilnehmen impliziert, mache ich Ihren Terminkalender noch ein Stückchen voller und das Smartphone, oder welch geistige Gedankenunterstützung Sie auch immer verwenden, noch ein bisschen speicherbelegender, sofern es diesen Ausdruck überhaupt im deutschen Sprachgebrauch gibt. Und weil sich aus der verbalen imperativen Formel “Mehr wissen! Mehr tun!” die nicht-mathematische Ableitung, wobei ich mit Kurvendiskussionen und anderen Mitternachtsformeln zeitlebens auf Kriegsfuß stand und immer noch stehe, sozusagen eine ganz persönliche Kalamität des Paul Boegle, welche sogar die Dimensionen eines Dreißigjährigen Krieges mittlerweile um ein gutes Jahrzehnt gesprengt hat, schließe ich mit der sicherlich nicht weniger diskussionswürdigen Feststellung: “Nachhaltigkeit kann jede(r). Ich tu’s! Und Du?”  

24.8.2011

Künstliche Farbenpracht: Ameisen im Zuckerwasser-Rausch

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 21:53


Die farbigen Erleuchtungen von Frau Shameem und Herrn Mohamed Babu

Ob Frauen wirklich die bessere Beobachtungsgabe besitzen, kann ich als kurzsichtiger Blogger mit losem Bodenkontakt zur Realität nicht beurteilen. Will ich eigentlich auch gar nicht, sonst würde ich, entweder bei einem behaupteten “Nein” von meiner Seite, die Frauenrechtlerinnen auf den Plan rufen und, was noch weit schlimmer wäre, würde ich diese Hypothese bejahen, würde ich irgendwie und indirekterweise die These der allerbesten Gattin dieser Welt unterstützen, welche doch tatsächlich zu gegebenem Anlass von sich gibt, dass ich “einfach nicht klar sehe“. So zolle ich lieber und ganz unverfänglich beiden Parteien den notwendigen Respekt und schreibe über Ameisen. Ja, über Ameisen! Wobei in diesem Mikrokosmos eigentlich von vornherein klar ist, wer hier die Hosen anhat.

Sie sehen, ein eitler grüner Gockel wie ich macht sich nur FeindInnen. Da spielt die Tatsache, dass ich unterschwellig zum Boykott gegen die Modekette Zara aufrufe, auchFrau Shameem Babu und ihr Gatte Dr. Mohamed Babu. Regenbogen-Ameisen nach dem Trinken von eingefärbtem Zuckerwasser. Frau Babu verschüttet Milch und enrdeckt, dass sich die Hinterteile der Ameisen weiß verfärben. schon keine Rolle mehr. Aber weil eben jeder Mensch Zuneigung braucht, schaue ich mich beizeiten nach geeigneten FreundInnen um. Und wenn diese aus dem Tierreich kommen und darüberhinaus auch noch schön bunt und vor allem von körperlich geringerem Wuchs als ich es bin, so ist damit meinem Ego Genüge getan und dann gebe ich sämtliche Widerstände auf.

Jetzt schreibe ich und schreibe ich und Sie wissen immer noch nicht, zu welchem Zwecke ich dies mache. Also, zum Behufe dieses Zweckes wäre es zweckdienlich, wenn ich endlich zur Sache käme. Und da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz und wir stehen am Anfang da. Denn die aufmerksame Gattin Shameem des indischen Wissenschaftlers und, wie sie selbst sehen, auch mit der Kamera vertrauten Dr. Mohamed Babu beobachtete zuhause, wie sich die transparenten Hinterteile von Ameisen weiß verfärbten. Nein, nicht einfach so aus heiterem blauem Himmel oder anderer unerklärlicher Phänomene, sondern aufgrund der Tatsache, dass sie verschüttete Milch süffelten. Aus einer Unachtsamkeit von Frau Babu, welche für das Verschütten der Milch, das Beobachten der Konsequenz der verschütteten Milch und schließlich für die Weitergabe der Konsequenz der verschütteten Milch an Herrn Babu verantwortlich zeichnete, entstand dann folgende Erkenntnis. Klare Sache: Die Milch ist weiß, wie selbst ich weiß und was die Ameise selbst nicht weiß, macht sich zwar nicht heiß, aber eben weiß. So oder ähnlich dachte vielleicht auch Herr Babu und startete ein kleines Experiment.

Der rote Hintern eines Pavians im kenianischen Nationalpark Tsavo East. Paul Boegle findet diesen Hintern genauso entzückend wie die eingefärbten Hinterteile der Ameisen von Dr. Mohamed Babu.Er träufelte Zuckerwasser in verschiedenen Farben vor die Naschkatzen aus dem Reich der Hautflügler oder noch grober gesagt aus dem Reich der Insekten und wartete mit gezücktem Fotoapparat. Und, zumindest glaube ich, dass es so war, aus seinem Gezücken entwickelte sich alsbald ein Verzücken. Denn die Hinterteile der Ameisen nahmen mit jedem Schlückchen jene Farbtöne an, welche sie eben gerade in sich hineinsüffelten. Und weil sich einige der Tierchen nicht nur mit einer Farbe begnügten, entstanden sogar richtig schöne Regenbogen-Ameisen. Und noch etwas glaubte Dr. Babu erkannt zu haben. Die hellen Farbtöne des Zuckerwassers, also gelb oder grün, würden auf die staatenbildenden Insekten anziehender wirken als dunkle Farben wie blau oder rot (Tasting the rainbow: The ants whose multi-coloured abdomens show exactly what they’ve been eating).

Was lernen wir nun aus der Tatsache, dass Ameisen mit bunten Hintern sicher genauso entzückend sind wie ein Pavian mit rotem Hinterteil? Dass es doch immer wieder erstaunlich ist, was alles ans Tageslicht kommt, wenn eine Frau zu genau hinsieht. Ob uns dies jetzt zukünftig für weitere wissenschaftliche Erkenntnisse hilfreich ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber nach meinem Empfinden wäre es schade, äußerst schade sogar, wenn wir solche Zwergstaaten wie Ameisen oder Bienen durch Pestizide und ähnliche Dinge einfach so mir nichts, dir nichts auslöschen würden.

21.8.2011

Tag des Respekts: Mehr Toleranz, weniger Respektlosigkeit

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 16:22


Respekt.net ruft zu mehr Respekt auf. Am 20. September findet der erste Tag des Respekts statt.Wir feiern, was normal sein sollte

Es ist eigentlich schon absurd, wenn die westliche Welt oder auch sonstige Menschheit nun einen sogenannten “Tag des Respekts” ausruft. Nicht, weil Respekt seinen Mitmenschen, aber genauso sich selbst gegenüber eigentlich etwas Selbstverständliches sein sollte, sondern weil es seltsam anmutet, solches Verhalten durch spezielle Aktionen wie diese in Erinnerung zu rufen. Doch weil mir andererseits fast nichts mehr fremd ist, werde ich also am 20. September mitfeiern.

Angesichts solch textiler Abgründe wie sie bei Zara (und nicht nur dort) herrschen, drängt sich allerdings unweigerlich die Vermutung mit topmodisch geschnittener Hemdsärmeligkeit in den Vordergrund, ob hier der Respekt nicht vollständig im Hintergrund sein unbeachtetes Dasein fristet und unter Unmengen von menschenverachtenden Schnittplänen und ausbeuterischen Stoffballen bis zur Unkenntlichkeit begraben liegt und vergessen, verdrängt und verkauft von eben jener westlichen Dekadenz-Maßschneiderei seinem Ende entgegenfiebert.

Es stellt sich aber und trotz meiner verfrühten Feierlaune die sehr respektierliche Frage: “Was, bitteschön, mache ich die restlichen 364 Tage des Jahres, wenn gerade KEIN Tag des Respekts ausgerufen wird?” Darf oder muss ich dann respektlos durch die Weltgeschichte torkeln und meinen Mikrokosmos mit Unverschämtheiten drangsalieren? Habe ich womöglich die Verpflichtung, mich mit beiden Ellenbogen möglichst effektiv durch die Nachbarschaft zu bewegen und akkurat darauf zu schauen, dass ich auch niemanden übersehe, um sie/ihn/es/euch und welche Personalpronomen auf einem, zwei, vier oder wieviel Beinen auch immer durch meine menschlichen Schaltkreise stolpern, schleichen, humpeln und sich auf jede nur erdenkliche Art und Weise von mir weg und auf mich zu bewegen, mit dem gebührenden Nicht-Respekt zu empfangen und gleich darauf wieder zu entfernen? Was, wenn mir aus Versehen ein “Entschuldigung“, aus welchen Gründen auch immer, morgen schon unbedachterweise entfleucht und mein Gegenüber mich aus verständnislosen Augen anblickt? Bin ich dann auf alle und ewige Zeiten als respektvoller Respektloser mit Hang zu mehr Respekt gebrandmarkt und muss vielleicht sogar um mein Leben, um das Leben von Frau und Tochter oder, noch viel schlimmer, um das Leben unserer Katze fürchten?

Oh nein, ich sehe, 2012 kommt ein Schaltjahr auf mich mit Riesenschritten zu und ich habe sogar noch einen weiteren respektlosen Tag im nächsten Jahr zu überbrücken. Soviel Respektlosigkeit in einem einzigen Jahr kann furchtbar anstrengend sein, glauben Sie mir. Da wäre es durchaus legitim, dass ich mich von all den Verpflichtungen zur nicht befohlenen Respektlosigkeit oder besser gesagt zum genau festgesetzen befohlenen Respekt irgendwo erhole. Vielleicht in Japan? Denn die feiern den “Tag des Respekts vor Älteren” schon seit dem Jahre 1963. Gefeiert wird dieser Ehrentag übrigens immer amTag des Respekts. Wir feiern, was normal sein sollte. Paul Boegle versteht die respektlose Welt nicht mehr! dritten Montag im September.

Natürlich stellen sich da für mich auch wieder Fragen. Vorläufig derer zwei. Was hat Japan eigentlich vor 1963 gemacht? Wahrscheinlich lag da wie in unseren Breitengraden das ganze Jahr das ganze Land ganz respektlos brach. Und was wäre passiert, wenn die Katastrophe von Fukushima nicht am 11. März, das war übrigens kein respektvoller dritter Montag, sondern glücklicherweise ein vollkommen respektloser zweiter Freitag, stattgefunden hätte? Hätte sich die japanische Regierung oder zumindest Tepco im Zuge der Nuklearkatastrophe der Bevölkerung gegenüber respektvoll verhalten? Nein, nicht der ganzen Bevölkerung gegenüber, nur den Älteren natürlich.

Und was werden unsere Regierungen und all die liebenswerten Wirtschaftstreibenden, die Gentechnik-Konzerne und erdölfördernden Unternehmen, die LobbyistInnen und Verflechtungs-VerfechterInnen, die Banken und AKW-Betreiber und wer sonst noch im Dienste der Menschheit 365 bis 366 Tage im Jahr unterwegs ist, was werden also all diese Respektlosen am 20. September machen? Den Tag einfach streichen und ersatzlos zum 21. September übergehen wäre die einfachste Lösung. Danach könnten sie immer noch sagen: “Wir wussten von diesem Tag des Respekts und so vielen anderen Dingen ja gar nichts!

Und für uns “normale” Menschen gilt in erster Linie, dass dies wohl eine schöne Einrichtung ist, aber wer sich nur auf dieses Datum fixiert und beschränkt, hat meinen Respekt leider nicht verdient. Der 20. September fällt übrigens auf einen Dienstag. Hoffen wir, dass uns Fukushima erspart bleibt. Auch wenn viele von uns nichts mehr davon wissen (wollen).

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