Bio Natur - Der Weblog

20.7.2011

Wheelmap.org: Mobilmachung mit Hindernissen

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 21:39


Ein kleiner Schritt für mich, aber ein (zu) großer Sprung für RollstuhlfahrerInnen

Die erste bemannte Mondlandung hat seit dem 21. Juli auch schon wieder ihren 42. Jahrestag hinter sich. Doch was den einstigen Helden Armstrong und Aldrin damals trotz all der Schwierigkeiten als selbstverständlich erschien, nämlich auf einer schmalen Leiter eine darunterliegende Ebene zu erreichen und später in umgekehrter Richtung diese horizontale Verbindung auch wieder zu erklimmen, bedeutet auch vier Jahrzehnte später für andere Menschen ein oftmals unüberbrückbares Hindernis. Oder in Anlehnung an meinen letzten Beitrag: Viele Menschen gehen selbst in der schönsten Badesaison baden, obwohl ihnen keinesfalls danach ist.

Wir sprechen von Menschen, welche in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind und aufgrund dieses Handicaps mitunter vor offenen und trotzdem verschlossenen TürenWheelmap.org: Raúl Krauthausen und die Berliner Sozialhelden für eine behindertengerechte und barrierefreie Welt. stehen respektive im Rollstuhl sitzen. Doch nicht nur jene, welche den Rollstuhl als hauptsächliches Fortbewegungsmittel nutzen müssen, haben mit der Barrierefreiheit einer grenzenlosen Welt ihre liebe Mühe. Alte Menschen mit Krücken und Mütter oder Väter mit dem Nachwuchs im Schlepptau, welcher sich an oder besser in der Reissleine namens Kinderwagen befindet, bewegen sich vielfach mehr stolpernd und polternd als flüssig rollend durch die Restriktionen fehlender Rampen, nicht behindertengerechter Aufzüge und durch Stufen abgetrennter Supermärkte. Eine schöne Melange in einem Wiener Kaffeehaus? An und für sich eine feine Sache, wenn da nur nicht die viel zu schmale Türe wäre. Die dringende Notdurft verrichten? Manchmal eine geradezu herrliche Sache, wenn neben den wunderschönen Fliesen und den auf Hochglanz polierten Armaturen auf dem WC zumindest eine Behinderten-Toilette eingebaut wäre.

Raúl Krauthausen ist durch die Glasknochenkrankheit selbst auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch das hindert ihn nicht, für mehr Bewegungsfreiheit zu kämpfen. Zusammen mit den Sozialhelden, dessen Mitgründer er selbst auch ist, einem gemeinnützigen Verein aus Berlin, hat er sich daran gemacht, all jene verrückten Ideen umzusetzen, welche andere Menschen als “schlicht unmöglich” abtun würden. Und eine dieser Ideen war es, anhand einer Karte online jene Antworten darauf zu geben, welche Institutionen, Supermärkte, Sehenswürdigkeiten, Gasthäuser, Banken, U-Bahn-Stationen und und und behinderten Menschen durch bedarfsgerechte Hilfestellungen das Leben erleichtern oder eben das Leben nur aus der Sicht des “unabhängigen” Menschen betrachten.

Ein Ampelsystem zeigt dabei, wo es sich auszahlt, doch einmal vorbeizuschauen oder welche Plätze aus Sicht der Betroffenen mit unüberbrückbaren Hindernissen und Barrieren vom Alltagsleben ausgrenzen. Und, Sie werden es schon erahnen, weshalb ich diesen Artikel schreibe, das größte Hindernis für den Ausbau und die Weiterentwicklung sind wie so oft die fehlenden Mittel für solche sozialen Projekte. Wenn ich lese, dass die Kärntner Landesregierung unter Führung der Freiheitlichen der Caritas 92 000,– Euro ersatzlos streichen, welche dringend für die Obdachlosenbetreuung benötigt werden, aber im Gegenzug ein Zuschuss von 300 000,– Euro für die sogenannte “Starnacht am Wörthersee” locker gemacht werden soll (Blauer Förderregen für “Starnacht am Wörthersee”), könnte sich einem wie mir schon die Frage nach dem Grad der geistigen Behinderung mancher ZeitgenossInnen aufdrängen. “Könnte” wohlgemerkt, schließlich möchte ich ja nicht als Nestbeschmutzer für die kulturpolitischen Belange, Vorhaben und Vorgaben mancher hochwichtiger Veranstaltungen dastehen. Außerdem hat so ein makellos ausgerollter, faltenfreier und meist roter Teppich für Politik, Wirtschaft, Stars und Sternchen auch den unschätzbaren Vorteil, dass sich darauf auch mit einem Rollstuhl wunderbar fahren lässt. Vorausgesetzt natürlich, die fehlende Einladungskarte stellt nicht die letzte Barriere auf dem Weg dorthin dar.  

19.7.2011

Badesaison: Weiches Wasser und Kunststoffweichmacher

Abgelegt unter: Wasserwelten — Paul Boegle @ 22:55


Schadstoffe in Badeutensilien für Kinder

Gesundheitsgefährdende Stoffe in Badeutensilien für Kinder. Studie der Arbeiterkammer Burgenland und dem Umweltbundesamt.Auch wenn Sie mit oder ohne Kinderschar gerade dabei sind, den heimischen Schmetterlingen Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen, was aber in Anbetracht der Tatsache, dass Sie diese Zeilen lesen, eigentlich eher unwahrscheinlich ist, ist es vielleicht gut zu wissen, dass Baden gerade dort schädlich sein kann, wo wir es am wenigsten vermuten. Doch wer ins kalte oder in meinem Falle doch lieber wohlig warme Wasser springt und schwimmenderweise zu neuen Ufern aufbricht, sollte besonders dem schon erwähnten Nachwuchs besondere Aufmerksamkeit schenken.

Im vorliegenden Falle weniger, weil die Gewässer zu tief sind oder die Wasserqualität zu schlecht ist, sondern weil andere Gründe sich als gesundheitsschädlich herausstellen könnten. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phthalate (Kunststoffweich­macher) lauten jene möglichen Inhaltsstoffe in Luftmatratzen, Badeschuhen und Schwimmflügeln, welche auf den ersten Blick kein Wässerchen trüben können, aber bei Hautkontakt in den Körper eindringen können und dort für mehr als nur unbedenkliche Badefreuden sorgen. (Weiterführend dazu Umweltbundesamt: PAK und DEHP in Produkten und oftmals auch problematisch in elektronischen Erzeugnissen, wie in meinem Artikel “Der grüne Elektronik-Ratgeber von Greenpeace” kurz angerissen). 

Die Arbeiterkammer Burgenland im schönen wasserreichen Österreich hat aus diesem Grund eine Studie in Auftrag gegeben, welche 17 verschiedene Badeartikel, welche in neun verschiedenen Handelsketten erhältlich sind, hinsichtlich dieser gesundheitsschädlichen Stoffe untersucht hat. Kein Grund zur Panikmache, denn 14 dieser Produkte waren diesbezüglich o.k. und von diesen wiederum waren 50 Prozent von ausgezeichneter Qualität. Aber es tummelten sich eben auch drei schwarze Schafe unter den Testprodukten, welche bezüglich der Produktsicherheit durch enthaltenen krebserzeugendes PAK und Weichmacher dann auch mit “ungenügend” abgekanzelt wurden. Wer sich und besonders seinen Kindern unangenehme Überraschungen, das Leben birgt genügend andere, ersparen möchte, sollte vielleicht immer im Hinterkopf behalten, dass auch das Baden mehr Gefahren beinhaltet als Sonnenbrand und Glasscherben.

So, wie ich sehe oder mir zumindest vorstelle, dass ich Sie sehen sehe, warten Sie selbstverständlich auf weiterführende Informationen und die geprüften Produkte. Da wäre zum einen der Artikel Gesundheitsgefährdende Stoffe in Badeutensilien für Kinder oder falls Sie sofort die Ergebnisse sehen möchten, bei Klick auf das Bild die Weiterleitung auf die entsprechende Produktliste. 

18.7.2011

Abenteuer Faltertage: Bilanz der fliegenden Rüssel

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 14:01


Schmetterlinge im Bauch und Schmetterlinge zählen

BUND bittet zur Zählung der Schmetterlinge: Das Abenteuer Faltertage.Was tun mit den lieben Kleinen? Die Sommerferien sind noch endlos lange, aber die Tage werden jedoch schon wieder kürzer. Die Freibäder sind mit sonnenölverschmiertenAbenteuer Faltertage mit dem BUND. Schmetterlinge im Bauch durch Schmetterlinge zählen. Leibern bis zum Bersten gefüllt, die Sitzplätze der Eissalons brechen unter der Last der BesucherInnen. Wissen Sie was? Gehen Sie doch einmal Schmetterlinge zählen, anstatt den Nachwuchs permanent vor den Fernseher oder Computer zu setzen. Bereits zum siebten Male ruft der BUND dazu auf, aktiv die Abenteuer Faltertage zu unterstützen. Keine Angst, weder Geld wird gefordert noch unmöglich Unmenschliches verlangt.

Jagen Sie einfach gemeinsam im eigenen Garten, auf einer nahen Streuobstwiese, im etwas weiter entfernten öffentlichen Park oder welchen Lieblingsplatz Sie und Ihr Nachwuchs auch immer auserkoren haben, jenen lautlosen flatterhaften Wesen nach, deren Anwesenheit leider immer öfter auf der Roten Liste bedrohter Tierarten zu finden ist anstatt in freier Wildbahn.

Warum Schmetterlinge zählen? Der BUND ist auf diese Daten angewiesen, um dadurch einerseits auf die fortschreitende Zerstörung der Lebensräume dieser Gaukler der Lüfte aufmerksam zu machen. Aber viel wichtiger noch, die durch diese Zählaktionen aggregierten Zahlen und Fakten bilden die Grundlage für die Entwicklung der Schmetterlingsbestände und damit auch ein wichtiges Instrument, geeignete Maßnahmen zum Schutz und Erhalt der Schmetterlinge, insbesondere der Tagfalter, zu finden. Und weil ein altbekanntes Sprichwort davon spricht, dass die sich die wohligen Schmetterlinge im Bauch meistens nur im Frühling einstellen, bietet die Zählaktion doch eine höchst willkommene Gelegenheit, dieses schöne Gefühl doch bis in den Herbst hinein zu verlängern.

Stecken Sie den eigenen Rüssel deshalb einmal in jenes Reich der fliegenden Rüssel. Nicht dorthin, wo sich Fuchs und Hase “Gute Nacht!” sagen, sondern wo der Kleine Fuchs sein Tagwerk verrichtet. Und dass eine einzige Schwalbe noch lange keinen Sommer macht, ist zwar bekannt, doch ein Schwalbenschwanz im sommerlichen Gras kann einen Sommertag gleich viel bunter machen. Sie werden überrascht sein, welche Unterschiede sich beim männlichen und weiblichen Zitronenfalter entdecken lassen. Oder auch beim Aurorafalter. Und dass das sogenannte Landkärtchen des Frühlings ganz anders aussieht wie die sommerliche Variante, war auch mir bis dato unbekannt. 

16.7.2011

Collaborative Consumption oder Gemeinschaftskonsum

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 13:34


Paul Bögle: Col­la­bo­ra­tive Con­sump­tion oder GemeinschaftskonsumIch zeig Dir meins und Du gibst mir Deins!

Auch wenn sich Ausstellungen wie jene im niederösterreichischen Krems gezeigten “magischen Abfälle” nur marginal als Problemlöser für den durch unsere tagtäglich gelebte Religion namens Konsumwahnsinn und die damit verbundenen Folgeschäden an Fauna, Flora und seelischem Gleichgewicht erweisen, schöpfen kreative Köpfe pausenlos neue Möglichkeiten aus dem schier unendlichen Zauberhut Gehirn, um den drohenden Kollaps wenn schon nicht abzuwenden, so zumindest zu verlangsamen. Und so macht seit einiger Zeit ein neuer Ansatz die Runde. “Col­la­bo­ra­tive Con­sump­tion“ lautet das nächste Allheilmittel für all unsere meist selbst verursachten Probleme. Und eben jener uneingeschränkte Konsum als Massenwahnsinn auf singulärer Ebene soll durch Gemeinschaftskonsum in neue Bahnen gelenkt werden.

Weg von der EinzelkämpferInnen-Mentalität “Kauf ich, brauch ich, brauch ich nicht mehr, werf ich weg” und hinüber ins bisher weitgehend unerforschte Lager altruistischer Mehrfach-Verwendung mit marktwirtschaftlicher Grundhaltung. So zumindest suggeriert es uns dieses neudeutsche Wortspiel Col­la­bo­ra­tive Con­sump­tion“, welches aber bei näherer Betrachtung gar nicht so weltneu ist. Denn Ebay bietet seit langer Zeit das beste Beispiel, wie aus nicht mehr benötigten Artikeln, nutzlos gewordenen Produkten und unbrauchbaren Dingen (z.B. Kinderwagen, Babykleidung etc.) der Wegwerfprozess unterbrochen wird und stattdessen ein neuer Wertschöpfungsprozess in Gang gesetzt wird. Dass dabei finanzielle Interessen im Vordergrund stehen, ist unbestritten. Dass aber gleichzeitig Verbrauchsgüter zu neuen Gebrauchsgütern umgewandelt werden und anstatt auf dem unüberschaubaren Müllberg der Geschichte oder bestenfalls dem etwas kleineren Gipfel der Mülltrennung zu landen, anderen Menschen nützliche Dienste erweisen, wird vielfach übersehen. Dies ist beileibe keine Werbung für Ebay oder ähnliche Plattformen, sondern soll anhand eines anschaulichen Beispiels verdeutlichen, welchen Ansatz die Britin Rachel Botsman wählt.

Wenn Sie jetzt übrigens schon genug von meinen singulären “Schreib ich, veröffentlich ich, habe ich abgehandelt, schreib ich eben was Neues” Tiraden haben, können Sie selbstverständlich auch gleich zu jenem Video von Frau Botsman Rachel Botsman: The case for collaborative consumption wechseln. Natürlich wäre ich ziemlich böse, wenn Sie mich mit meinen Ausführungen so einfach sitzen ließen, aber ich kann es nicht ändern. Schließlich hätte ich ja den Link zum Video ganz am Schluss plazieren können, um Sie zum Weiterlesen zu animieren. Ach, Sie lesen trotzdem weiter? Nun gut, dies bedeutet, irgendwann wird Ihnen Ihre Neugierde zum Verhängnis, aber es gibt schlimmere Dinge.

Zu Anfang ihrer Ausführungen stellt sie an das Publikum die Frage und bittet um Handzeichen, wieviele der Anwesenden zuhause irgenRachel Botsman: Collaborative Consumption. Gemeinschaftskonsum als Lösungsvorschlag gegen Umweltprobleme und Müllberge.dwelche CDs, Bücher oder Videos herumliegen haben, welche eigentlich keinerlei Verwendung mehr haben. Was kommt, brauche ich wohl kaum weiter auszuführen. Alle anwesenden Personen im Publikum heben das zarte Konsumpatscherchen. Jeder Mensch, zumindest jeder Mensch der sogenannten Ersten Welt oder eben ehrenwertes Mitglied einer Industrienation, hat unzählige Staubfänger in den überladenen Regalen, längst vergessene Konsumleichen in den Kellern und was eben sonst noch so im Laufe der Jahre seinen Platz irgendwo findet oder als unliebsames Weihnachtsgeschenk in der untersten Schublade landet.

Wegwerfen wäre die eine Möglichkeit, Ebay als Beispiel die andere. Doch mittlerweile hat sich dieser Gemeinschaftskonsum auch in anderen Bereichen unseres Alltags breitgemacht. Denken Sie an sogenannte Citybikes, welche von Menschen geliehen werden, um nach Gebrauch von anderen Menschen wieder benutzt zu werden. Fahrgemeinschaften wären rein theoretisch ein gutes Beispiel, wenn es denn funktionieren würde. Das unlängst auf meinem Blog vorgestellte Projekt über Obstallmende dagegen ist ein wundersames Beispiel, wie sich Güter von Einzelnen, sei es nun Privatperson oder Kommune, in den Dienst der Allgemeinheit stellen lassen. Ebenfalls nicht unerwähnt lassen möchte ich dabei das auch schon von mir kurz angerissene Carrot Mobbing. Secondhandläden, Umsonstgeschäfte oder das Couchsurfing, welches die Gastfreundschaft von Menschen zu Hilfe nimmt. Col­la­bo­ra­tive Con­sump­tion begegnet uns eigentlich schon an vielen Ecken und Enden, ohne dass wir dies bewusst wahrnehmen. Doch dieser Subkonsum kann weiterentwickelt werden. Wie oft im Leben brauchen wir etwa eine Bohrmaschine? Oder was machen wir mit unserem Stückchen Garten, wenn uns der grüne Daumen fehlt, die Nachbarsfamilie mit eben diesem Öko-Händchen gesegnet ist, dafür aber nicht über das entsprechende Fleckchen Erde verfügt? Genau, wir teilen!

Wie schon gesagt. Rachel Botsman hat nicht das Rad neu erfunden. Aber wenn sich durch solche Ideen auf der einen Seite unser Konsumzwang und -wahnsinn zügeln und andererseits der von den Anbietern und Herstellern forcierte Konsumrausch und -terror effektiv bekämpfen lässt, sollten wir Col­la­bo­ra­tive Con­sump­tion doch in Erwägung ziehen. Dass wir dadurch unsere Haushaltskasse schonen können, ist sicherlich kein unliebsamer Nebeneffekt. Die von Frau Botsman geäußerte Aussage “Im 20. Jahrhundert gab es den Hyper-Konsum. Das 21. wird das Jahrhundert des Gemeinschaftskonsums” (siehe dazu Das Ende des Konsumterrors CSCP Konferenz zu nachhaltigen Lebensstilen in Köln) ist dementsprechend keine Phrasendrescherei, sondern umreißt meines Erachtens vielmehr in kurzen Worten, welcher Weg uns eigentlich vorgegeben ist.

Dass hierbei die neuen Möglichkeiten und Formen der Kommunikation und die rasante Entwicklung von Netzwerktechnolgien von Vorteil für diese Art gemeinschaftlicher Nutzung von Gütern und wohl auch Dienstleistungen sind, mag sicherlich richtig sein. Wenn Rachel Botsman jedoch zu dem Schluss kommt, dass für eine erfolgreiche Umsetzung solcher Ziele das menschliche Vertrauen eine fast schon zwingende Voraussetzung ist, wird es meiner Meinung nach schon schwieriger. Wenn es dann noch unabdinglich ist, dass sich solch ein Vertrauen auf einer Ebene wildfremder Menschen entwickeln muss, wird die Sache noch problematischer. Und wenn schlussendlich Botsman zum Ergebnis kommt, dass der Antriebsmotor für dieses zugrundelgelegte Vertrauen das Bedürfnis der Menschheit ist, Teil einer Gemeinschaft zu sein oder wenigstens zukünftig zu werden, sehe ich jetzt viele gemeinschaftlichen Felle langsam im Güterstrom davonschwimmen. Aber möglicherweise bin es ja gerade ich, welcher dem innewohnenden Vertrauen der Menschheit zuviel Misstrauen entgegenbringt.

Aber da darf ich zu meiner Entschuldigung vielleicht anmerken, dass schon 1935 die “Kirschen in Nachbars Garten” bei Liesl Karlstadt, Karl Valentin und anderen zu erheblichen Streitigkeiten, Anschuldigungen und Anfeindungen geführt haben. Ob dabei ein gelegtes Entenei wie in jenem Film ein Allheilmittel darstellt, wage ich zu bezweifeln. Aber möglicherweise irre ich auch hier wiederum. Hat nicht auch bereits Columbus durch solch profane Hilfsmittel wie ein Ei die Welt davon überzeugt, dass alle hätten Amerika entdecken können, aber nur er hat letztendlich diesen Konjunktiv in die Tat umgesetzt.

Ausgewählte Informationen bietet die sehr umfangreiche Studie (war selbst mir zuviel) WIE KOMMEN NACHHALTIGE THEMEN VERSTÄRKT IN DIE MEDIEN?, die beiden englischsprachigen Seiten Collaborative Consumption Hub, SPREAD Substainable Lifestyles 2050 oder das Institute Collaborating Centre on Substainable Consumption and Production (CSCP). Und ganz besonders zu empfehlen ist Matthias Edler-Golla.

14.7.2011

Magischer Abfall: Künstlerische Ader der Umweltbelastung

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 09:38


Die nützliche Seite des Nutzlosen in der Kunsthalle Krems

Kunsthalle Krems Forum Frohner: Die Ausstellung “Magischer Abfall”.Nachdem für diesen und wohl auch die darauf folgenden nächsten Augenblicke die Magie nebst verzauberter Luft aus dem WWF-Pandabären heraus ist, nutze ich die Gelegenheit, wieder einmal für Österreich etwas Werbung zu betreiben.

Also, ich bitte sie, meine lieben Leserinnen und Leser aus dem benachbarten Deutschland. Den RecyclingDesignpreis, welcher sich auf ähnliche Weise mit der Wiederverwertung menschlicher und industrieller Abfälle in unserer Wegwerf- und Überflussgesellschaft beschäftigt, habe ich doch bereits auf meinem Blog vorgestellt. Also wieder einmal zurück nach Österreich und ausnahmsweise nicht nach Wien, sondern in das niederösterreichische Krems an der (meist) noch schönen blauen Donau. Wer mich übrigens in der Schweiz oder anderen Ländern liest, darf mir gute Vernstaltungstipps ebenfalls zukommen lassen, denn nur mit vereinten Kräften können wir etwas bewegen. Gutes jüngstes Beispiel dazu ist selbstverständlich Italien, wo ein gewisser selbstherrlicher Berlusconi (den Herrn lasse ich aus Zeitgründen weg) gegen die unzähligen Kernkraftgegner mit dem erfolgreichen Slogan “I pazzi siete voi!” oder auf deutsch “Die Verrückten seid ihr!” so richtig schön abgewatscht wurde.

Aber genug der Tiefschläge und ab in die Kunsthalle Krems. Genauer gesagt in das nach dem verstorbenen österreichischen Künstler Adolf Frohner benannte Forum Frohner. Denn dort breitet sich bis zum 2. Oktober 2011 noch gehörig Mist, Müll und andere Verlassenschaften menschlicher Existenz aus. Doch Mist ist eben nicht gleich solcher und so finden sich im Forum Frohner Abfallhaufen, aus Mist erschaffene und geschaffene Skulpturen und Gebilde, müllbelastetes Material und wiederaufbereitete Alltäglichkeiten des Sinn- und Nutzlosen ein, welche zu betrachten ganz sicherlich Freude bereitet. Unter dem Titel “Magischer Abfall” oder “Metamorphosen des Alltags in der Kunst” beschäftigen sich KünstlerInnen in der Ausstellung mit einem weitgehend unbeachteten Thema unseres ständigen Wegbegleiters, welcher uns auf Schritt und Tritt sowohl als umweltbelastendes als auch als gesellschaftlich-ästhetisches Problem beschäftigt.

Und genau diesen anrüchigen Problemstellungen haben sich die Schaffenden gestellt. Sozusagen die ohnehin schon knappen Ressourcen unseres Planeten Erde noch ein weiteres Mal wiederzubeleben, um aus Verschwendung neue Werte zu schaffen und in einen revitalisierten Prozess zu führen. Aus abgefertigter Massenfertigung und nicht mehr weiter zu verwendender Massenproduktion, welche ansonsten auf dem großen Haufen des Vergessens landen, werden manuell produzierte Einzelstücke, deren Sinnhaftigkeit eigentlich erst durch die vorhergegangene Sinnentleerung begreifbar und ersichtlich wird. Verbrauch wird zu Gebrauch. Die vielfache Unmöglichkeit des Recyclings, vorgegeben durch finanzielle Unmachbarkeit oder wirtschaftliche Nutzlosigkeit, bestimmter belastender Konsumgüter wird durch diese Form neuerlicher Belastung nahtlos in die Kette eines zwar nicht endlosen Kreislaufes aufgenommen, aber zumindest wird durch diesen Schaffensprozess ein Teil unserer Müllberge zumindest symbolisch minimiert.

Dass die Ausstellung “Magischer Abfall“ weder zur Reduktion der Müllberge beiträgt noch konstruktive Ansatzpunkte für Mülltrennung bietet, steht außer Frage. Doch zumindest ein Hinterfragen unseres eigenen Konsumverhaltens sollten wir uns uns nach Verlassen der Räume schon stellen. Denn die Endlichkeit beschränkt sich nicht alleine auf die menschliche Existenz, sondern setzt eigentlich oder gerade bereits dort an, wo die Menschen durch die eigene Existenz ihre unübersehbaren Spuren hinterlassen. Dass hierbei in den wenigsten Fällen künstlerische Aspekte vorrangig sind, soll uns jetzt nicht weiter beschäftigen.  

13.7.2011

Eine Botschaft des WWF an Dich

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 20:22


Elektronische Post vom Pandabären an Paul Bögle

Eine Botschaft des WWF an Dich” bekam ich am heutigen Nachmittag per Email. Geschrieben von Paula Hannemann, welche laut Internet die Social Media Managerin für den WWF Deutschland ist und in Zeiten wie diesen wohl nicht gerade die dankbarste Aufgabe im Reich des Pandabären zu bewerkstelligen hat. Doch der erste Shitstorm ist vorüber, die Wogen haben sich nicht geglättet, aber zumindest haben sich die Gemüter beruhigt. Vielleicht auch mit ein Grund, dass die Urlaubszeit und andere Probleme in dieser schnelllebigen Zeit unsere Aufmerksamkeit beanspruchen und sich die Internet-Gemeinschaft geschlossen weiter wälzt.

Der Begriff “Shitstorm” ist in diesem Zusammenhang nichts Anrüchiges, sondern ein durch das Medium Internet hervorgerufenes Phänomen, welches unsachliche Kritik, Beschimpfungen und persönliche Beleidigungen gegen meist große Konzerne und deren auf den Diskussionsplattformen Rede und Antwort stehenden MitarbeiterInnen dieser Arbeitgeber. Oder wie in diesem Falle den WWF betreffen, welcher durch den filmischen Beitrag “Der Pakt mit dem Panda - Was uns der WWF verschweigt” und der damit bekannt gewordenen Vorkommnisse, Skandale oder Unregelmäßigkeiten einen Sturm der Entrüstung nach sich zieht. Dazu vielleicht weiterführend Hannes Mehring: WWF-Vorwürfe: Wie eine Diskussion vom TV ins Social Web wechselt.  

Dieses vulgäre “Es regnet Scheiße” beinhaltet also erzürnte Posts und die Wiedergabe der eigenen Meinung auf eine Art und Weise, welche den Höflichkeits- und Umgangsformen oder der Internet-Etikette (Netiquette) zugegen läuft. Nun, im Falle des WWF herrscht allerdings Handlungsbedarf, denn die von Huismann in seinem Beitrag erhobenen Vorwürfe wiegen schwer, sehr gewichtig. Und sie haben auch bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wie ich mit meinen zerstörten Illusionen über den Panda zum Ausdruck brachte. Dass Paula Hannemann nun um Schadensbegrenzung bemüht ist, ist sicherlich nachvollziehbar. Doch um das verlorene Vertrauen von Spendenwilligen, UnterstützerInnen und SympathisantInnen in den WWF zurückzuholen, bedarf es meiner Meinung eines langwierigen Prozesses.

So endet denn auch die Botschaft mit “Dein Vertrauen in den WWF ist für uns ein hohes Gut, das wir niemals aufs Spiel setzen werden.” Nun gut, ich lasse mich also von den zukünftigen Emails des Pandas überraschen. Dass diese Diskussion auf sachlicher Ebene geführt werden sollte, ist auch mein persönlicher Wunsch. Aber ein fahler Nachgeschmack wird trotzdem auf lange Zeit bleiben.

Im folgenden der Brief des WWF an mich. Nicht als Zeichen der Übereinstimmung, aber zumindest als Chance, die Zukunft im Sinne des Umwelt-, Natur- und Tierschutzes nach klar definierten und in erster Linie nachvollziehbaren Regeln und Maßstäben zu gestalten. Und selbstverständlich auch als Erinnerung an uns alle, wobei ich mich ebenfalls ohne Wenn und Aber einschließe, bestimmte Umgangsregeln und einen gewissen Benimmstandard einzuhalten. Nicht nur im Sinne der drei oben angeführten guten Gründe. Die Verlinkungen unten funktionieren allerdings nicht, da es nur eine reine Kopie ist. Aber wer suchet, wird finden. Was nicht nur auf den WWF und seinen derzeitigen Vertrauensverlust zutrifft. Denn die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. 

WWF: Der Panda sendet eine Botschaft an Paul Bögle

Eine Botschaft an Dich: Der WWF zu den erhobenen Vorwürfen von “Der Pakt mit dem Panda - Was uns der WWF verschweigt”.

 

12.7.2011

Sommerfrische: Hören statt schreiben

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 19:56

Ein Tag Pause im Leben von Paul Bögle. Hörensagen im Jahr der Wälder mit SWR2 und “Wald-Gänge”.Ein Tag Pause im Jahr der Wälder

Liebe Leserinnen und verehrte Leser. Es ist heute einfach zu heiß zum Schreiben. Nicht einmal das ansonsten so unterhaltsame Adbusting macht an solch einem lauen Abend auf der eigenen Terrasse Freude. So belasse ich es eben heute mit wenigen Zeilen und möchte Sie dazu animieren, im immer noch laufenden Jahr der Wälder doch aus Bequemlichkeit einmal den Wald in die eigenen vier Wände oder eben auf die eigene Terrasse zu holen. Dies soll natürlich eine Ausnahme bleiben, schließlich möchte ich der Faulheit keinen Vorschub leisten. Aber heute drücken wir bei diesen Temperaturen beide Augen zu und lauschen auf SWR2 im Rahmen der sechs “Wald-Gänge“, welche Motive und Impressionen Menschen mit jenem Stückchen Verborgenheit unter dichtem Blätterdach oder dunklem Nadelwald verbinden, welchen vielen von uns nur noch im wahrsten Sinne vom Hörensagen bekannt ist.

Und auch die jüngeren LeserInnen dürfen ruhig ein paar Minuten die Augen schließen. Denn Techno-DJ Dominik Eulberg entlockt mit seinen “heimischen Gefilden” dem Wald ganz besondere Töne und Lautmalereien. So lasse ich nun den Abend ins schöne Land ziehen und werde wohl oder übel den Gartenschlauch in die Hand nehmen. Nicht für micht, sondern für jene Heimstätten, auf welchen sich morgen mit Beginn des Tages hoffentlich wieder Bienen, Schmetterlinge und alle Kreucher und Fleucher einfinden werden, denen der Sinn danach steht, bei mir zu Gast zu sein. Und sollten Sie noch Lektüre und Anregungen für den eigenen Naturgarten suchen, können Sie sich zwecks Zeitvertreib den Gratis-Ratgeber Wohlfühloase Naturgarten herunterladen. Sicherlich kein Fehler, damit das Faulenzen nicht vollständig zur Gewohnheit wird.      

11.7.2011

Was Sie schon immer über Adbusting wissen wollten

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 08:40


Virtueller Weichspüler für privates Schönfärben

Dass das Böse im Allgemeinen und das Schlechte im menschlichen Speziellen in den meisten Fällen und bei den allerwenigsten Menschen nicht klar erkenntlich im Gesicht geschrieben steht, auch wenn dies manche Studien über Kriminalanthropologie und ähnliche suspekte Dinge des ForscherInnenlebens immer und immer wieder anhand “fundierter” Ergebnisse zu beweisen versuchen, ist bekannt. Denn das Böse ist schließlich immer und überall, wie wir seit der EAV wissen.

Aber wer träumt nicht davon, einmal selbst Böses zu tun, bis die eigenen Gesichtszüge so richtig entgleisen und damit eigentlich über alle Maßen erstaunt im NachhineinPaul Bögle empfiehlt das Online-Tool “Schönfärben jetzt” von CI Romero. Starten Sie Ihre persönliche Adbusting-Kampagne. feststellen zu dürfen, dass eigentlich aus dieser Handlungsweise eine gute Tat entstanden ist. Kommen wir also zum heutigen Thema. Adbusting. Ein wirklich unerschöpfliches Thema. Und vor allem bestens für kreative Köpfe geeignet. Ich habe schon desöfteren über diese vollkommen gewaltfreie Form von Konsumkritik geschrieben. Bei Interesse verweise ich auf z.B. auf Guerilla-Aktionen: Abbildung der Wirklichkeit, die sehr kontroverse Adbusting-Kampagne von Greenpeace Have a break? Have NO KitKat oder natürlich auf einige meiner Lieblings-Dies-sind-keine-Anzeigen-Anzeigen, welche bestens Sinn und Zweck von sogenanntem Adbusting verdeutlichen.  

Und neben all dieser amüsant-nachdenklichen Form der Verballhornung von Marketingmaßnahmen, Werbesujets oder Werbespots habe ich vor nicht allzu langer Zeit der Initiative CI Romero einen Artikel unter dem Titel Aldi (Österreich: Hofer) informiert gewidmet. Und um nun den eigenen virtuellen Weichspüler für die Schönfärberei im privaten Kreis zu erhalten, führen wir Adbusting und CI Romero zusammen und erhalten das kostenlose Online-Tool “Schönfärberei konkret”. Wer sich schon immer dazu berufen fühlte, die eigene diabolische Seele in den Wettstreit mit so manch teuflischer Werbebotschaft der seelenlosen Konzernlandschaft zu schicken, hat nun die Möglichkeit dazu.

Und wer sich bisher nicht dazu berufen fühlte, wird vielleicht doch die eine oder andere verborgene Ader entdecken. Egal ob Sie dabei ”Auf dem Weg nach Morgen” noch heute dem Lidl-Konzern denselben versperren, Aldi-Süd bei der eigenen Firmenphilosophie “Verantwortung ist die Antwort!” die passende Antwort geben und natürlich der grammatikalischen KiK Glanz- oder besser Hochglanzleistung “Besser als wie man denkt” auf die Sprünge helfen. Habe ich zwar auch schon auf meinem anderen Blog in Form eines fiktiven Interviews mit der “Besser als wie man denkt”-Dame Pooth hinter mich gebracht, aber das ist ein anderes Thema.

Schönfärben jetzt! Erstelle dein eigenes Adbusting-Poster an Aldi, Lidl oder KiK mit dem Online-Tool “Schönfärben konkret” von CI Romero.Ich bin natürlich mit gutem Beispiel vorangegangen und habe auch mich künstlerisch verewigt. Wobei ich mich selbst nicht streng an die vorgegebenen Vorlagen gehalten habe, sondern mein ganz persönliches Adbusting-Lustgefühl gesteigert habe. Ist vielleicht etwas aufwändiger geworden, aber wenn sich Lidl lohnt, bei Aldi (Österreich Hofer) die Qualität ganz oben und die Preise ganz unten sind und bei KiK sich sowieso die Syntax auf das Wesentliche reduziert, darf ich natürlich nicht fehlen im Konzert der grossen Bedürfnis-BefriedigerInnen.

« Vorherige SeiteNächste Seite »

läuft stressfrei mit WordPress ( WordPress.de )